Eine Zeitreise ist eine Bewegung in der Zeit, welche vom gewöhnlichen Zeitablauf abweicht. Zeitreisen sind ein beliebtes Thema der Science-Fiction-Literatur. Gewisse Zeitreisen sind zwar physikalisch prinzipiell möglich, ihre praktische Durchführung übersteigt jedoch das Menschenmögliche bei weitem.
Nach der allgemeinen Relativitätstheorie ist der Lauf der Zeit auch von den Gravitations- und Beschleunigungsbedingungen abhängig, denen ein System unterworfen ist. So vergeht die Zeit auf der Spitze eines Berges schneller und in einem Bergwerk langsamer als auf Meereshöhe. Dieses Phänomen ließe sich als Zeitreise in die Zukunft interpretieren, wobei nicht nur eine raschere, sondern auch eine gebremste Reise möglich ist.
Der am weitesten "gereiste" Mensch ist ein russischer Kosmonaut, der 784 Tage an Bord der Raumstation Mir verbrachte. Er "reiste" im Vergleich zu seinen erdgebundenen Mitmenschen etwa eine Fünfzigstelsekunde in die Zukunft, weil die hohe Geschwindigkeit der Raumstation für eine spezialrelativistische Zeitdilatation sorgt die wesentlich größer ist als die gravitative Zeitdilatation. Durch die Effekte der gravitativen Zeitdilatation wäre die Erdoberfläche im Vergleich zum Raumschiff in die Zukunft gereist, dies ist bei geostationären Satelliten der Fall, da sie sich nicht so schnell bewegen wie erdnahe Satelliten.
Auf einem Neutronenstern kann die gravitative Zeitdilatation erheblich sein. So könnte ein hypothetischer Bewohner eines Neutronensterns eine zeitaufwändige Aufgabe in einer Umlaufbahn um den Stern erledigen, um einen Termin auf der Sternoberfläche leichter einhalten zu können.
Eine andere Möglichkeit der Zeitreise in die Zukunft ist die in Stasis: Ein Mensch, der sich etwa in künstlichem Tiefschlaf befindet, und auf dessen Körper die Auswirkungen der Zeit nur vermindert wirken, könnte eine Einweg-Reise in die Zukunft machen. Die hierfür erforderliche kryogenische Technologie, die ein sicheres Einfrieren und vor allem Wiederauftauen des "Zeitreisenden" ermöglicht, ist noch nicht ausreichend ausgereift. Experimente haben gezeigt, das ein gänzliches Einfrieren eines Organismus bereits nach kurzer Zeit z.B. durch Eiskristallbildung zu fatalen Schäden am Organismus führt.
Keine dieser Methoden bietet die Möglichkeit von Zeitreisen in die Vergangenheit.
Der erforderliche Aufwand für eine praktische Nutzung einer dieser potenziellen Möglichkeiten würde jedoch zur Zeit die Mittel der Menschheit bei weitem übersteigen.
Sollten Reisen in die Vergangenheit möglich sein, so würde sich die Frage stellen, wie die Paradoxien vermieden werden, die sich in diesem Zusammenhang ergeben können, wie beispielsweise das Großvater-Paradoxon. Als mögliche Antwort käme vor allem die everettsche Vielwelten-Theorie in Frage. Danach wäre die Vergangenheit, in die man reist, in einer Parallelwelt angesiedelt. Der ursprüngliche Ablauf der Dinge und ein durch einen Eingriff in die Vergangenheit modifizierter Ablauf würden sich beide abspielen. Insbesondere wäre es für den Reisenden unmöglich, wieder in seine ursprüngliche Version der Gegenwart zurückzukehren.
Gelegentlich werden, wenn von Reisen in die Vergangenheit die Rede ist, hypothetische überlichtschnelle Teilchen, so genannte Tachyonen, ins Spiel gebracht. Könnte sich ein Teilchen mit Überlichtgeschwindigkeit von A nach B bewegen, so ließe sich immer ein Beobachter finden, für den die Bewegung von B nach A stattfände. Da die Beobachter die zeitliche Reihenfolge der Ereignisse A und B unterschiedlich beurteilen, bewegt sich für alle Beteiligten das Tachyon von der Vergangenheit in die Zukunft. Aus einer hypothetisch überlichtschnellen Bewegung die Möglichkeit einer Reise in die Vergangenheit abzuleiten, ist nicht möglich.
Insbesondere sind die Probleme im Zusammenhang mit der Kausalität bei Zeitreisen in die Vergangenheit ein beliebtes Thema der Science-Fiction-Literatur.
Man kann hier grob zwischen zwei verschiedenen Auslegungen der Zeitreisetheorie unterscheiden: eine Methode ist die selbsterfüllende, prädestinierte Zeitreise. Das heißt, der Zeitreisende kann die Zukunft nicht nach seinem Gutdünken umgestalten, da jegliche Einflussnahme von ihm in der Vergangenheit schon konstitutives Element der Zeitspur war, und darauf die von ihm gekannte Zukunft basiert. Konsequent diese Theorie ausgelegt, könnte der Zeitreisende also nie etwas falsch machen, was die bekannte Zukunft betrifft. Seine Zeitreise bzw. seine Ankunft war ja schon geschehen. Auf dieser Basis gründen auch die in Filmen extrem beliebten Zeitparadoxien. Ein Zeitparadoxon ist dann gegeben, wenn ein Zeitreisender in der Vergangenheit eine Maßnahme vollzieht, die beispielsweise diese selbst in der Zukunft ermöglicht. So ist es ein beliebtes Storyelement, dass die Zeitreise in die Vergangenheit mit Hilfe einer Zeitmaschine die Erfindung der Zeitmaschine erst ermöglicht hat. Logisch ist dieses Problem nicht auflösbar, denn es gibt ja keinen natürlichen Ursprung für die Maschine. Sie konstituiert sich gewissermaßen selbst: ein Paradoxon (siehe auch Großvater-Paradoxon).
Die andere grundlegende Ansicht bezüglich Zeitreisen ist die veränderbare bzw. willkürlich konstruierbare. Das heißt, dass die Zeitreise tatsächlich andere Auswirkungen auf die Zukunft hat, die vorher nicht vorhanden waren. Viele Zeitreisefilme thematisieren dies, wenn der Akteur bestimmte Interessen verfolgt. Diese vielleicht simplere Theorie hat allerdings mit dem Problem des Schmetterlingseffektes aus der Chaostheorie zu kämpfen. Das bedeutet, dass selbst kleinste Abweichungen extreme Auswirkungen auf die Zukunft haben, die schlimmstenfalls mit der Nicht-Existenz des Zeitreisenden enden. Auch sind absichtsvolle Einflussnahmen mit einem bestimmten Ziel zu naiv gedacht, da weitere störende Faktoren im weiteren Verlauf der Zeit das beabsichtigte Ziel behindern können. Weiterhin ist nicht ganz klar, was mit der originalen Gegenwart nach der Vergangenheitsveränderung geschieht. Die meisten Filme vermischen aber diese beiden Zeitreisekonzepte der Determiniertheit und Konstruierbarkeit.
Reisen in die Zukunft sind von daher Dramaturgie-logisch weniger problematisch. Jedoch muss beachtet werden, dass eine "Rückreise" aus der Zukunft in die Gegenwart ihrerseits eine Reise in die Vergangenheit darstellt und somit wieder von den obigen Problemen betroffen ist. (Würde man beispielsweise in der Zukunft über sein Schicksal erfahren, und dann in der Gegenwart Schritte einleiten, die dieses Schicksal verhindern, ergäbe sich wieder ein Paradoxon.)
Andere Filme wiederum deuten an, dass wie auch immer geartete Schäden an der Zeit-Logik meist durch ein Paradoxon zur Vernichtung unseres Universums bzw. der für uns relevanten Dimensionen führe. Wie genau dies begründet sein soll, wird selten näher erläutert. Grundsätzlich geht man aber davon aus, dass die Zeitreise ein nicht vorhergeplanter Eingriff ist, d. h. die Zeitreise fügt sich nicht natürlich in den Zeitverlauf ein.
Eine scheinbar andersgeartete Zeitreisetheorie ist jene Konzeption, dass das gesamte Universum in seiner Zeitspur zurück- oder vorgespult wird; meist ersteres. Oft ist sich nur einer der Protagonisten des "Loops" bewusst. Dies ist zum Beispiel in den Filmen 01 oder Und täglich grüßt das Murmeltier der Fall, in denen die erlebte Welt des Protagonisten in einer Zeitschleife festsitzt, derer nur er sich bewusst ist. In Galaxy Quest wiederum sieht man das Konzept, nach dem ein spezielles Gerät dazu befähigt, das gesamte Universum eine gewisse Zeiteinheit zurückzusetzen, wobei der Aktivierer des Schalters in seinem Bewusstsein nicht zurückgesetzt wird, weshalb er sein Wissen nutzen kann. Dies ist jedoch nur eine alternative Betrachtungsweise der dazu logisch äquivalenten Theorie der Reise in die Vergangenheit mit Vielweltenauswirkung.
Eine Folge der nicht definierten zeitlichen Reihenfolge von Ereignissen bei Reisen in die Vergangenheit ist das grammatikalische Problem der Tempusbildung für Zeitreisende. Das Problem wie man Vorgänge, die in der Vergangenheit stattgefunden haben werden, sofern man erst mal dort gewesen sein wird, bzw. wie man Tätigkeiten ausdrückt, die man vor langer Zeit in der Zukunft ausführte, wird beispielsweise von Douglas Adams in seinem Roman Das Restaurant am Ende des Universums diskutiert und auch in der Star-Trek-Folge „Zeitschiff Relativity“ erwähnt.
Filme und Serien, die sich vornehmlich mit dem Thema Zeitreise beschäftigen sind u. a.
Filme:
sowie die Serien:
Gelegentlich tauchen in Micky Maus-Comics die Professoren Marlin und Zapotek auf, die eine Zeitmaschine erfunden haben und Micky sowie seinen Freund Goofy in frühere Zeiten schicken, um ein Rätsel zu knacken (beispielsweise die Herkunft einer zwischen Gesteinsschichten eingeschlossenen Kreditkarte). Dabei stellt sich jedoch fast immer heraus, dass Micky und Goofy diese Rätsel selbst verursacht haben. Dies veranschaulicht eine Theorie, derzufolge Zeitreisen zwar möglich sind, Paradoxien jedoch implizit ausgeschlossen sind. Es gibt aber auch Ausnahmen, in denen beide in die Gegenwart zurückreisen, und dann eine Reihe weiterer Missionen durchführen müssen, um zum Beispiel zu verhindern, dass Pablo Picasso ein Foto von Micky in die Hände fällt, der sich davon inspirieren lässt, und diese Comicfigur daraufhin als seine Kreation ausgibt, was einen entstellten Micky zur Folge hätte. Hier wäre es durchaus möglich, dass so etwas wie ein Großvater-Paradoxon entsteht.
Siehe auch: John Titor
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