Gol nhein.gif Für einen Zeichentrickfilm (Trickfilm) werden Zeichnungen einzelbildweise aufgenommen, die sich von Bild zu Bild voneinander unterscheiden. Als Film hintereinander abgespielt, erscheinen die Einzelbilder dem Gehirn als Bewegung. Die Technik funktioniert dabei ähnlich wie im Daumenkino, wo aufeinanderfolgende Zeichnungen in einem Buch beim Durchblättern als Animation erscheinen.
Zeichentrick-Elemente können auch mit Realfilm interagieren (z.B. Roger Rabbit), oder in Zwischensequenzen, Vor- und Abspann auftreten (z.B. Der rosarote Panther).
In der Kinoproduktion wird handgezeichnete Animation seit Ende der 1990er-Jahre durch Computeranimation verdrängt. In TV- und Kinderfilm- sowie in Anime-Produktionen spielt die klassische Zeichentrick-Technik, ergänzt durch Computertechnik, auch weiterhin eine wichtige Rolle. Die weltweite Zeichentrickfilmindustrie wächst stetig, weil der Bedarf an neuen Programminhalten durch neue Vertriebswege wie Home-Video und -DVD sowie Internet gewachsen ist. Auch in der Werbung sowie im Kunst- oder Kurzfilm hat Zeichentrick seinen festen Platz.
Dem Zeichentrick verwandt sind Flachfiguren- und Scherenschnittfilm. Diese Techniken werden neuerdings durch Computerprogramme wie "Flash", "Animo", "Moho" u.a. erleichtert. Der ganze Bereich wird als "2-D-Animation" bezeichnet, im Unterschied zur "3-D-Animation" (CGI-Animation) und zu Objektanimationen wie Puppen- oder Sachtrick oder Claymation.
Besonders populär wurden die Filme des Karikaturisten Winsor McCay, der 1911 seine Comicreihe Little Nemo in einem Kurzfilm umsetzte und 1914 mit Gertie the Dinosaur die erste populäre Zeichentrickfigur schuf. In der Folge entstanden Anfang der 20er Jahre viele Studios, deren bekannteste die von Max Fleischer (Koko der Clown, Betty Boop, Popeye), Pat Sullivan (Felix the Cat) und Walt Disney (Micky Maus) waren. In diesen Studios entstand aus dem allein arbeitenden Animator das arbeitsteilige System von Spezialisten, das bis heute besteht. Der erste Zeichentrickfilm in Spielfilmlänge war der argentinische Film "El Apóstol" aus dem Jahr 1917, von dem jedoch sämtliche Kopien 1926 bei einem Brand zerstört wurden.
Der Computer zog relativ spät in die Zeichentrickwelt ein, zuerst in den Kameraraum, wo ungefähr ab 1970 Kamerafahrten vom Rechner kalkuliert und ausgeführt wurden. In den 90er Jahren ersetzte das Einscannen das frühere Kopieren der Zeichnungen; nachfolgende Arbeitsschritte wie Colorieren und Kamera fanden jetzt im Computer statt. Heutige Produktionssysteme in großen Studios automatisieren möglichst viele Arbeitsgänge, aber immer noch ist Zeichentrickfilm vor allem ein Handwerk, das mit Bleistift und Papier ausgeübt wird. An einem abendfüllenden Zeichentrickfilm arbeiten etwa 100 bis 400 Menschen, und es werden mehrere zehntausend Zeichnungen angefertigt.
Üblicherweise werden, wenn das Drehbuch komplett ist, die Sprecher der Figuren aufgenommen. Die fertigen Dialoge werden vom trackreader (heutzutage oft eine Software) Laut für Laut in die X-Sheets ("exposure sheets") eingetragen. Das X-sheet ist ein einzelbildgenaues Drehbuch für jede einzelne Einstellung, das für den Animator und den Kameramann verbindlich ist. In ihm werden neben dem Dialog sämtliche Kamerabewegungen, vor allem aber der zeitliche Ablauf (Timing) der Bewegungen der Figuren festgehalten.
Der Animator erhält das Storyboard, die nötigen Modelsheets, eine Kopie des Layouts und das X-Sheet. Er entwirft nun mit einigen skizzenhaften Zeichnungen das Gerüst der Animation, die "Keyframes" oder Hauptphasen. Das sind jene Zeichnungen, die die Bewegung definieren. Um seine Arbeit zu überprüfen, nimmt er sie mit dem linetester auf, einer Software, die per Videokamera aufgenommene Zeichnungen auf einem Rechner abspielt. Dabei kann er jede Zeichnung so lange in der Zeit verschieben, bis das Timing passt. Sind der Animator und der Regisseur mit der Szene zufrieden, geht die "rough animation" zum Assistenten des Animators. Der zeichnet die "cleanups", also Reinzeichnungen der Keyframes, getreu nach den Vorgaben des Modelsheets, und fügt evtl. "breakdowns" hinzu. Das sind Zeichnungen zwischen den Keyframes, die die Bewegung noch genauer definieren. Der wachsende Stapel Papier gelangt nun zum Inbetweener oder Zwischenphasenzeichner, der die immer noch fehlenden Zeichnungen zwischen die bereits existierenden einfügt.
Für normale Bewegungen genügen 12 Zeichnungen pro Sekunde Film, bei extrem schnellen, oder Bewegungen quer durchs Bild braucht es schon mal 24 Zeichnungen, damit kein Rotoskop-Effekt auftritt. Der Standard wie z. B. bei Disney liegt bei etwa 18 Zeichnungen pro Sekunde. TV-Serien kommen stellenweise mit 6 Zeichnungen pro Sekunde aus. Manchmal sind viele Zeichnungen pro Sekunde auch nicht notwendig, wie bei besonders illustrierten Standbildern im Kunstfilm oder als Bildergeschichten.
Sind sämtliche Zeichnungen vorhanden, ist die Szene mehrfach getestet und abgenommen, kann sie coloriert werden. Früher wurden sämtliche Zeichnungen auf Folie übertragen oder kopiert und diese dann per Hand auf der Rückseite ausgemalt. Heutzutage findet das Colorieren immer mehr im Computer statt. Der Colorist arbeitet dann am Bildschirm mit den eingescannten Zeichnungen. Animationssoftware kann dabei viel automatisieren, per Hand wird nur noch das erste Bild einer Szene coloriert - der Computer coloriert alle weiteren Phasen - danach werden natürlich eventuelle Fehler korrigiert.
In der Zwischenzeit wurden die Hintergründe gemalt. Früher trafen sich die Hintergründe mit den bemalten Folien unter der Kamera wieder, heute werden auch sie eingescannt, oder sogar ganz am Computer gemalt. Das Zusammenstellen ("Compositing") der verschiedenen Teile der Animation über dem Hintergrund bietet Gelegenheit, noch Spezialeffekte einzufügen. Sind alle Einzelteile eingefügt, wird die Szene gerendert und entweder digital gespeichert oder auf Zelluloid-Film ausbelichtet.
Dennoch werden weltweit weiterhin lange Zeichentrickfilme, vor allem aber Fernsehserien produziert. Disney selbst betreibt Studios in Japan und Australien, die in klassischer Technik hauptsächlich für den wachsenden Home-Video-Markt arbeiten. In Japan (z. B. Studio Ghibli), Korea (z. B. SEK Trickfilmstudios in Nordkorea), Taiwan und China wächst die Trickfilmindustrie, die entweder als Zulieferer für europäische und amerikanische Firmen arbeitet oder mit Produktionen in Eigenregie den heimischen Markt beliefert. Herausragende künstlerische Persönlichkeiten wie Hayao Miyazaki verweigern sich grundsätzlich dem 3-D-Boom: „Wir benutzten die Technik, die grafisch am besten aussieht. Und Handzeichnungen sind dazu immer noch die geeignetste Methode.“
In Europa werden dank des Cartoon-Programmes der EU in den letzten Jahren verstärkt abendfüllende Zeichentrickfilme hergestellt, die meisten davon für Kinder.
| Deutscher Titel | Originaltitel | Regie | Jahr |
|---|---|---|---|
| Toy Story | Toy Story | John Lasseter | 1995 |
| Das große Krabbeln | A Bug's Life | John Lasseter | 1998 |
| Toy Story 2 | Toy Story 2 | John Lasseter | 1999 |
| Die Monster AG | Monsters, Inc. | Peter Docter | 2001 |
| Findet Nemo | Finding Nemo | Andrew Stanton | 2003 |
| Die Unglaublichen | The Incredibles | Brad Bird | 2004 |
| Cars – Autos wie wir | Cars | John Lasseter | 2006 |
| Deutscher Titel | Originaltitel | Regie | Jahr |
|---|---|---|---|
| Antz | Antz | Eric Darnell/Tim Johnson | 1998 |
| Der Prinz von Ägypten | The Prince of Egypt | Brenda Chapman/Steve Hickner/Simon Wells | 1998 |
| Der Weg nach El Dorado | The Road to El Dorado | Bibo Bergeron/Will Finn/Jeffrey Katzenberg/Don Paul/David Silverman | 2000 |
| Chicken Run – Hennen Rennen | Chicken Run | Peter Lord/Nick Park | 2000 |
| Joseph - König der Träume | Joseph: King of Dreams | Robert C. Ramirez/Rob LaDuca | 2000 |
| Shrek - Der tollkühne Held | Shrek | Andrew Adamson/Victoria Jenson | 2001 |
| Spirit - Der wilde Mustang | Spirit: Stallion of the Cimarron | Kelly Asbury/Lorna Cook | 2002 |
| Der Herr der sieben Meere | Sinbad: Legend of the Seven Seas | Tim Johnson/Patrick Gilmore | 2003 |
| Shrek 2 - Der tollkühne Held kehrt zurück | Shrek 2 | Andrew Adamson/Kelly Asbury/Conrad Vernon | 2004 |
| Große Haie - Kleine Fische | Shark Tale | Bibo Bergeron/Vicky Jenson | 2004 |
| Madagascar | Madagascar (movie) | Eric Darnell/Conrad Vernon | 2005 |
| Deutscher Titel | Originaltitel | Regie | Jahr |
|---|---|---|---|
| Space Jam | Space Jam | Joe Pytka | 1995 |
| Danny der Kater - Vier Pfoten erobern Hollywood | Cats Don't Dance | Mark Dindal | 1996 |
| Das Magische Schwert - Die Legende von Camelot | Quest for Camelot | Frederik Du Chau | 1998 |
| Der Gigant aus dem All | The Iron Giant | Brad Bird | 1999 |
| Osmosis Jones | Osmosis Jones | Bobby Farrelly/Peter Farrelly | 2001 |
| Powerpuff Girls - Der Film | The Powerpuff Girls Movie | Craig McCracken/John McIntyre/Genndy Tartakovsky | 2002 |
| Back in Action | Looney Tunes: Back In Action | Joe Dante | 2003 |
| Der Polarexpress | The Polar Express | Robert Zemeckis | 2004 |
| Deutscher Titel | Originaltitel | Regie | Jahr |
|---|---|---|---|
| Feivel, der Mauswanderer | An American Tail | Don Bluth | 1986 |
| Falsches Spiel mit Roger Rabbit | Who Framed Roger Rabbit | Robert Zemeckis | 1988 |
| In einem Land vor unserer Zeit | The Land Before Time | Don Bluth | 1988 |
| Feivel, der Mauswanderer im Wilden Westen | An American Tail: Fievel Goes West | Phil Nibbelink/Simon Wells | 1991 |
| 4 Dinos in New York | We're Back! A Dinosaur's Story | Dick Zondag/Ralph Zondag/Phil Nibbelink/Simon Wells | 1993 |
| Balto - Ein Hund mit dem Herzen eines Helden | Balto (movie) | Simon Wells | 1995 |
| Deutscher Titel | Originaltitel | Regie | Jahr |
|---|---|---|---|
| Rugrats - Der Film | The Rugrats Movie | Igor Kovalyov/Norton Virgien | 1998 |
| Rugrats in Paris - Der Film | Rugrats in Paris: The Movie | Stig Bergqvist/Paul De Meyer | 2000 |
| Jimmy Neutron - Der mutige Erfinder | Jimmy Neutron: Boy Genius | John A. Davis | 2001 |
| Die Rugrats auf Achse | Rugrats Go Wild! | John Eng/Norton Virgien | 2003 |
| SpongeBob Schwammkopf - Der Film | The SpongeBob SquarePants Movie | Stephen Hillenburg/Sherm Cohen/Carl H.Greenblatt | 2004 |
| Deutscher Titel | Originaltitel | Regie | Jahr |
|---|---|---|---|
| Asterix der Gallier | Astérix le Gaulois | Ray Goossens | 1967 |
| Asterix und Kleopatra | Astérix et Cléopâtre | René Goscinny/Lee Payant | 1968 |
| Asterix erobert Rom | Les Douze travaux d'Astérix | René Goscinny/Albert Uderzo | 1976 |
| Asterix – Sieg über Cäsar | Astérix et la surprise de César | Gaëtan Brizzi/Paul Brizzi | 1985 |
| Asterix bei den Briten | Astérix chez les Bretons | Pino Van Lamsweerde | 1986 |
| Asterix - Operation Hinkelstein | Astérix et le coup du menhir | Philippe Grimond | 1989 |
| Asterix in Amerika | Asterix in Amerika | Gerhard Hahn | 1994 |
| Asterix und die Wikinger | Astérix et les Vikings | Stefan Fjeldmark | 2006 |
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