Zürichdeutsch (auch Züritüütsch) bezeichnet den alemannischen Dialekt, der im Kanton Zürich gesprochen wird.
Verbreitung
Wie bei allen alemannischen Dialekten ist auch die Verbreitung des Zürichdeutschen nicht klar abgegrenzt. Die Grenzen sind fliessend. Als Verbreitungsgebiet ist der ganze Kanton Zürich anzusehen. An der Bevölkerungszahl des Kantons Zürich (1,2 Millionen) gemessen, ist die Zürcher Mundart der am weitesten verbreitete alemannische Dialekt in der Schweiz.
Merkmale
Zürichdeutsch weist als hochalemannischer Dialekt alle typischen Merkmale des Alemannischen auf. Es besitzt seinen eigenen, von vielen etwas rauh empfundenen Klang. Das charakteristische "ch" sowie "k" ("kch"()) werden besonders kehlig ausgesprochen, ebenso die Vokale (insbesondere das a, das praktisch mit dem o zusammenfällt).
Das Zürichdeutsche hat in den letzten Jahrzehnten einen Ausgleichsprozess durchlaufen, vor allem das Stadtzürcherische war vor einigen Jahrzehnten noch sehr anders (z.B. mi Frau statt heute miini Frau). Dennoch kann man verschiedene Dialekte des Zürichdeutschen unterscheiden: Stadt (gemeint ist die Stadt Zürich), See, Winterthur, Oberland (hier speziell: Wald), Unterland (sprachlich näher bei Winterthur), Weinlandes und Knonauer Amt.
Charakterika der regionalen Formen
Karte Kanton Zürich Sprache.png|thumb|400px|
Sprachenkarte des Kantons Zürich
- rote Linie: Wëschpi/Wäschpi, eng/äng
- grüne Linie: Aabig/Oobig
- blaue Linie: nid/nüd
- orange Linie: e Chind/es Chind (vereinfacht)
- violette Linie: Summer/Sumer, machid/mached, olt/alt
nach (Schobinger?), 1979]]
In der Literatur wird die in der Stadt und am See gesprochene Form als Normalform angenommen. Sie wird bei den folgenden regionalen Beispielen hinter der regionalen Form im Klammern angefügt.
Weinland
Nördlich von Thur und Rhein wird der
Weinländer Dialekt gesprochen, der sprachlich eher den thurgauisch-schaffhauserischen Dialekten als dem Zürichdeutschen gleicht. Das dem Zürcher typische breite ä fehlt hier. Man spricht
Spëck (Späck), Stròòss (Straass), Sëil (Säil), Stëi (Stäi), fiischter (feischter)dunkel,
üüs (öis), nòòch (nööch)*.
Winterthur
Allbekannt ist die auch sonst in der
Ostschweiz verbreitete Form nid, niid (nüd, nüüd). Weiter hört man in den Bezirken
Winterthur und
Andelfingen Nescht (Näscht) und
Bese (Bäse).
Unterland
Gleich wie um Winterthur heisst es beim Artikel
e Chind (es Chind). Hingegen spricht man analog zum südlichen Kantonsteil
nüd, nüüd Gleich wie im Amt heisst es hier jedoch Tüne (Wëëe)[Wähe.
Oberland
Hier sticht insbesondere das lange oo anstelle des aa hervor:
Strooss (Straass), spoot (spaat), Broote (Braate), schlooffe (schlaaffe), Spitool (Spitaal).
ii, uu und
üü werden vor einem
t gekürzt:
Zit (Ziit), Fritig (Friitig), Züritütsch (Züritüütsch), Chrüz (Chrüüz).
Seeregion
In der Region um den vorderen Zürichsee (bis und mit Richterswil / Stäfa und ohne die Stadt Zürich) wird das typsche Zürcher
ä etwas abgeflachter betont, der Wechsel von
nöd zu
nid /
es schneït zu
es schniit findet aber erst in Pfäffikon statt.
Amt
Hier im Süden und Südwesten werden wie im angrenzenden
Freiamt und
Zugerland Doppelkonsonanten gesprochen. Es heisst hier:
gfalle (gfale), schwümme (schwüme), du hësch* (häsch), er hëd (hät), weiter
dënn (dänn), wënn (wänn) und bei Verben
mir/ir/si machid (mached).
Ganz für sich steht das Säuliamt mit den Aussprachen
olt (alt), cholt (chalt), Olbis (Albis).
Sprachbeispiel
Isch s Hoochtüütsch würkli so schwèèr? S häisst, s Hoochtüütsch seig e Fröndspraach. Und koomisch: Me säit Hoochtüütsch und mèrkt gar nöd, das me sälber au Hochtüütsch redt, nu e chli andersch als di Tüütsche. Da häpmi e Frau z Griecheland, won i i de Fèrie gsii bi, ime groosse Hotelgang ine gfrööget: «Sii, wo gaats da duren zum Schwümmbad?» Si häggmäint, i seig en Tüütsche. Und miich hät de Tüüfel gschtoche, und i ha zruggfrööget: «Wollen Sii gogen schwümmen?» Druf hämmer beed müese lache. Ja, so gaats äim halt öppedie, hämmer zäme gmäint. Me findt de Rank nöd immer mit em Hoochtüütsch. Und mängisch, wämes hät wele bsunders guet mache, ischs ganz schief usechoo. Und druufabe hät si der äint oder ander gsäit: «I probiers gar nüme.» Da hockts! Aber die Mäinig dörfepmer nöd laa iiriisse, dänn soo schwèèr, wies iez schiint, ischs halt au wider nöd. Das wämmer grad zäige. (aus: Siebenhaar Beat, Vögeli Walter: Mundart und Hochdeutsch im Vergleich, in: Studienbücher Sprachlandschaft 1)
Bedeutung und Stellung
Zuercher_Mundarten.png
Das in Zürich gesprochene Zürichdeutsch ist das Zentrum der Prozesse, die in Richtung eines vereinheitlichten nord- und ostschweizerischen Dialekts gehen. Konsequenterweise bezeichnen auch die Sprecher des "modernen" Zürichdeutschen ihre Sprache meist nicht als Zürichdeutsch, sondern als Schweizerdeutsch. Durch die grosse Anzahl an Sprechern sowie der Rolle
Zürichs als Wirtschafts- und Medienzentrum hat dieses "moderne" Zürichdeutsch vor allem in den Medien eine gewisse Dominanz unter den Schweizer Dialekten. Dies wird in der übrigen Deutschschweiz nicht gern gesehen und ist mitverantwortlich für einen sogenannten "Anti-Zürich-Reflex".
Andererseits ist die existierende Mundartliteratur und -musik auf Zürichdeutsch kaum bekannt. In diesem Bereich dominiert ganz klar der Berner Dialekt.
Weiterführende Literatur
Über Zürichdeutsch
- Sprachatlas der deutschen Schweiz (SDS). Begründet von Heinrich Baumgartner und Rudolf Hotzenköcherle. In Zusammenarbeit mit Konrad Lobeck, Robert Schläpfer, Rudolf Trüb und unter Mitwirkung von Paul Zinsli herausgegeben von Rudolf Hotzenköcherle (1962–1993). Bern, ab Bd. VII Basel
- Albert Weber: Zürichdeutsche Grammatik. Ein Wegweiser zur guten Mundart. Unter Mitwirkung von Eugen Dieth. Zürich (Grammatiken und Wörterbücher des Schweizerdeutschen in allgemeinverständlicher Darstellung. Bd. I).
- Weber, Albert und Bächtold, Jacques M.: Zürichdeutsches Wörterbuch. Zürich (Grammatiken und Wörterbücher des Schweizerdeutschen in allgemeinverständlicher Darstellung. Bd. III).
- Dieth, Eugen: Schwyzertütschi Dialäktschrift, 2. Auflage, bearb. und hrsg. von Christian Schmid-Cadalbert. Sauerländer, ISBN 379412832X
- Beilstein, Ann: Lehrmittel Züritüütsch / Schweizerdeutsch, ISBN Nr. 3-033-00413-X, siehe auch www.schweizer-deutsch.ch
Auf Zürichdeutsch
- Unterwägs, Boesch Josua, Jordan Verlag
- Zürich tanzt Bolero, Breitenmoser Ivar, Arche Verlag
- Aabig-glüe, Boesch Josua, Jordan Verlag
- d Genesis, Züritüütsch, Us em Hebreeische übersetzt vom Eduard Schäubli, Zürich, 1990
- d Psalme, Züritüütsch, Us em Hebreeische übersetzt vom Josua Boesch, 2. Auflage, Zürich, 1990
- de Versamler - de Prediger Salomo, Züritüütsch, Us em hebreeische übersetzt vom Viktor Schobinger, Zürich, 1985
- De Prediger, us em Hebräische is Züritüütsch übersetzt vom Fritz Stolz, Theologischer Verlag, o.J.
- s Nöi Teschtamänt Züritüütsch, us em Griechische übersetzt vom Emil Weber, Zürich, 1997
Musik
Sprachkurse
Weiterführende Links
Alemannisch | Schweizer Sprache | Dialekt | Zürich (Kanton)
Zürichdeutsch | Zürich German