Als Yoruba (Eigenbezeichnung: ede Yorùbá = die Yoruba-Sprache) bezeichnet man ein Dialektkontinuum in Westafrika mit mehr als 30 MillionenMetzler Lexikon Sprache. Sprechern. Auch die geschriebene Standardsprache wird so genannt. Die zu den Niger-Kongo-Sprachen gehörende Yoruba-Sprache ist die Sprache der Yoruba. Sie wird neben anderen Sprachen hauptsächlich in Südwest-Nigeria und z.T. in Benin und Togo gesprochen. Daneben gibt es Sprecher in Brasilien und Kuba, wo sie Nago genannt wird. Yoruba ist eine isolierende Tonsprache mit Subjekt-Prädikat-Objekt-Syntax.
Yoruba gehört zum Yoruboid-Zweig der Benue-Kongo-Sprachen. Dieser besteht aus Igala, einer Sprache, die östlich des Yorubagebiets von etwa 800.000 Menschen gesprochen wird, und der Edekiri-Gruppe, deren Einzelsprachen in Benin und Nigeria gesprochen werden. Edekiri umfasst die Ede-Sprachengruppe (einschließlich Ede Ica, Ede Cabe, Ife, Ede Ije und Ede Nago), Itsekiri mit 500.000 Sprechern und das eigentliche Yoruba.
Das angestammte Yoruba-Gebiet im Südwesten von Nigeria wird gemeinhin Yorubaland genannt und umfasst heute die Bundesstaaten Oyo, Ogun, Ondo, Kwara und Lagos sowie den westlichen Teil von Kogi. Geographisch gesehen liegt das Yorubaland auf einem Plateau (Höhe 366m), das im Norden und Osten vom Niger begrenzt wird. Ein großer Teil des Gebietes ist dicht bewaldet; der Norden (einschließlich Oyo) ist jedoch Savannengebiet.
Erst 1819 erschien der erste Druck in einem Yoruba-Dialekt, ein schmales Vokabular von Bowdich, einem englischen Diplomaten im Ashantireich.Bowdich, T. E. (1819): Mission from Cape Coast Castle to Ashantee, S. 209, 505; zitiert nach Hair (1967). Das ist relativ spät für eine so weitverbreitete Sprache wie Yoruba (vgl. Akan, 1602; Ewe, 1658) und kann der Tatsache zugeschrieben werden, dass vor dem 19. Jahrhundert an der Yoruba-Küste praktisch kein europäischer Handel stattfand. Die linguistische Erforschung mit den Methoden der Vergleichenden Sprachwissenschaft, Glottochronologie, Dialektologie und anderer Disziplinen – unter Berücksichtigung der traditionell-mündlichen geschichtlichen Quellen und der archäologischen Funde – hat auch etwas Licht in die Geschichte der Yoruba und ihrer Sprache vor dieser Zeit gebracht. So zeigen beispielsweise die nordwestlichen Yoruba-Dialekte mehr linguistische Innovationen. Zusammen mit der Tatsache, dass die südöstlichen und zentralen Yoruba-Gebiete im Allgemeinen die älteren Siedlungen besitzen, spricht dies für einige Forscher für eine spätere Besiedlung der nordwestlichen Gebiete.Adetugbọ (1973: 192f.).
Im NWY sind die Proto-Yoruba-Laute /gh/ (der velare Frikativ ) und /gw/ zu /w/ zusammengefallen. Die Vokale /i ̣/ und /ụ/ wurden gehoben und fielen mit /i/ und /u/ zusammen, wie auch ihre nasalen Gegenstücke, was zu einem Vokalsystem mit sieben oralen und drei nasalen Vokalen geführt hat.
Im SOY hat sich der ursprüngliche Kontrast zwischen /gh/ und /gw/ erhalten. Die nasalen Vokale /ịn/ und /ụn/ wurden hier gesenkt und fielen mit /ẹn/ und /ọn/ zusammen. Die Formen der zweiten und dritten Person Plural werden nicht mehr unterschieden, so dass àn án wá entweder ihr kamt oder sie kamen bedeuten kann, während im NWY die Formen ẹ wá (ihr kamt) und wọ́n wá (sie kamen) lauten. Die Ausbildung einer Höflichkeitsform im Plural mag den Zusammenfall der beiden Formen in den Dialekten des NWY verhindert haben.
Das ZY bildet insofern einen Übergang, weil der Wortschatz dem NWY ähnelt, während das Gebiet viele ethnologische Merkmale mit dem Südosten gemeinsam hat. Das Vokalsystem ist das konservativste der drei Dialektgruppen. Es hat neun orale und sechs oder sieben nasale Vokale sowie ein umfassendes System der Vokalharmonie bewahrt.
Standard-Yoruba, meist einfach Yoruba genannt, ist eine eigenständige Varietät der Dialektgruppe. Es ist die geschriebene Form der Sprache, die in der Schule gelernte Standardvarietät, die auch von Nachrichtensprechern im Radio gesprochen wird. Standard-Yoruba hat seine Ursprünge in den 1850er Jahren, als Samuel Ajayi Crowther, ein Yoruba und erster afrikanischer Bischof, eine Grammatik des Yoruba veröffentlichte und mit der Übersetzung der Bibel begann.
Obwohl Standard-Yoruba zu großen Teilen auf den Ọyọ- und Ibadan-Dialekten basiert, weist es verschiedene Merkmale von weiteren Dialekten auf.Vergleiche z. B. folgende Bemerkung bei Adetugbọ (1967), zitiert nach Fagborun (1994: 25): „While the orthography agreed upon by the missionaries represented to a very large degree the phonemes of the Abẹokuta dialect, the morpho-syntax reflected the Ọyọ-Ibadan dialects.“ Darüber hinaus besitzt es einige Merkmale, die keinem der Dialekte eigen sind – wie z. B. das vereinfachte System der Vokalharmonie –, aber auch Strukturen aus fremden Sprachen, wie Lehnübersetzungen aus dem Englischen, die ihren Ursprung in frühen Übersetzungen religiöser Werke haben.
Weil der Gebrauch von Standard-Yoruba nicht das Resultat einer bewussten Sprachpolitik ist, gibt es viele Kontroversen darüber, was authentisches Yoruba ausmacht. Einige Autoren sind der Meinung, dass der Ọyọ-Dialekt die reinste Form darstellt, andere behaupten, dass es authentisches Yoruba überhaupt nicht gibt. Standard-Yoruba, die in der Schule gelernte und in den Medien gebrauchte Varietät, war nichtsdesdoweniger ein machtvoller stabilisierender Faktor bei der Herausbildung einer gemeinsamen Identität der Yoruba.
Die gegenwärtige Orthographie des Yoruba ist abgeleitet von einem Bericht des Yoruba Orthography Committee (Yoruba-Rechtschreibkomitee) aus dem Jahr 1966 und von Ayọ Bamgboṣes Yoruba Orthography aus dem Jahr 1965, einer Studie früherer Orthographien und ein Versuch, die Yoruba-Orthographie so weit wie möglich mit der gesprochenen Sprache in Einklang zu bringen. Die neue Orthographie, welche der alten immer noch sehr ähnlich ist, verwendet das lateinische Alphabet, modifiziert durch den Gebrauch des Digraphs
| A | B | D | E | Ẹ | F | G | Gb | H | I | J | K | L | M | N | O | Ọ | P | R | S | Ṣ | T | U | W | Y |
| a | b | d | e | ẹ | f | g | gb | h | i | j | k | l | m | n | o | ọ | p | r | s | ṣ | t | u | w | y |
Die lateinischen Buchstaben c, q, v, x, z werden nicht verwendet.
Der Lautwerte der Buchstaben ohne Diakritikum stimmen mehr oder weniger mit denen ihrer Entsprechungen im Internationalen Phonetischen Alphabet überein, mit Ausnahme der labio-velaren Plosive (geschrieben <p>) und (geschrieben
Neben der vertikalen Linie kommen drei weitere Diakritika bei Vokalen und Nasalen zur Anwendung, um die Töne anzuzeigen: ein Akut für den hohen Ton, ein Gravis für den tiefen Ton und ein optionaler Längestrich für den mittleren Ton. Wenn mehrere Tonzeichen in einer Silbe gebraucht werden, kann der Vokal einmal mit jedem Zeichen geschrieben werden (z. B. *òó für einen Vokal mit steigendem Ton) oder die Diakritika können, im heutigen Gebrauch seltener, zu einem einzigen Tonzeichen zusammengefasst werden. In diesem Fall wird ein Hatschek für den steigenden Ton benutzt (das vorherige Beispiel würde ǒ geschrieben) und eine Tilde für andere Realisierungen.
| Á | À | Ā | É | È | Ē | Ẹ/ | Ẹ́/ | Ẹ̀/ | / | Í | Ì | Ī | Ó | Ò | Ō | Ọ/ | Ọ́/ | Ọ̀/ | Ọ/ | Ú | Ù | Ū | / |
| á | à | ā | é | è | ē | ẹ/ | ẹ́/ | ẹ̀/ | / | í | ì | ī | ó | ò | ō | ọ/ | ọ́/ | / | / | ú | ù | ū | / |
| oral | nasal | |||
|---|---|---|---|---|
| vorne | hinten | vorne | hinten | |
| geschlossen | ||||
| halbgeschlossen | ||||
| halboffen | ||||
| offen | ||||
Der Status des Nasalvokals ist umstritten. Einige Autoren sehen ihn nicht als Phonem an, da er sich oft in freier Variation mit befindet.Vor allem Ayọ Bamgboṣe (1966: 8). Orthographisch werden Nasalvokale meist durch ein, dem Vokalbuchstaben folgendes n dargestellt – z. B. bei in, un, ẹn, ọn –, außer wenn ein geschriebenes n, das ein Allophon von /l/ darstellt, einem Nasal vorausgeht - z. B. bei inú (innen, Bauch), was gesprochen wird.Abraham weicht in seinem Dictionary of Modern Yoruba von dieser Praxis ab und weist explizit auf die Nasalität des Vokals hin. Man findet inú bei ihm unter inún etc.
| bilabial | labio- dental | alveolar | post- alveolar | palatal | velar | labio- velar | glottal | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Plosive | ||||||||
| Nasale | () | |||||||
| Frikative | ||||||||
| Approximanten | ||||||||
| Laterale |
Die stimmlosen Plosive /t/ und /k/ sind leicht aspiriert, /t/ und /d/ sind in einigen Varietäten eher dental. Der /r/-Laut wird als Flap realisiert; manchmal, beispielsweise im Yoruba von Lagos, als postalveolarer Aproximant . Wie viele andere Sprachen der Region besitzt auch Yoruba die labiovelaren Plosive und , wie z. B. in pápá (Feld) und gbọ̄gbọ̄ (alle). Der stimmlose bilabiale Plosiv /p/ ist nicht vorhanden, weshalb /kp/ als <p> geschrieben wird. Auch fehlt das Phonem . Der Buchstabe <n> wird für das Allophon von genutzt, welches vor Nasalvokalen auftritt.
Es gibt auch einen silbischen Nasal, der selbst den Silbenkern bildet. Wenn dieser einem Vokal vorausgeht, ist er velar , wie z. B. in n ò lọ (Ich bin nicht gegangen). Sonst ist er homorgan mit dem folgenden Konsonanten, wie z. B. in ó ń lọ (er geht) und ó ń fò (er springt).
Lange Vokale innerhalb von Wörtern signalisieren, dass ein Konsonant im Wortinnern ausgefallen ist. In einem solchen Fall bleibt der Ton des ausgefallenen Vokals erhalten, z. B. àdìrò → ààrò (Herz), koríko → koóko (Gras) und òtító → òótó (Wahrheit).
Yoruba unterscheidet die Nominalklassen menschlich und nicht-menschlich, wahrscheinlich ein Überbleibsel des Klassensystems des Proto-Niger-Kongo. Die Unterscheidung ist nur greifbar in der Tatsache, dass die beiden Gruppen unterschiedliche Fragepartikel verlangen: tani (wer) und kini (was). Die Assoziativkonstruktion, die Possesiv, Genitiv und verwandte Bedeutungen abdeckt, besteht aus benachbarten Nomen in der Reihenfolge Bestimmungswort-Grundwort, wie in inú àpótí - Inneres Kiste (das Innere der Kiste), fìlà Àkàndé (Akandes Mütze) oder àpótí aṣọ (Kleiderkiste). Vgl. Bamgboṣe (1966: 110) und Rowlands (1969: 45f.). Es können auch mehr als zwei Nomen nebeneinandergestellt werden: rélùweè abẹ́ ilẹ̀ - Eisenbahn unter Boden (Untergrund-Eisenbahn), inú àpótí aṣọ (das Innere der Kleiderkiste). In den seltenen Fällen, wo dies zu zwei möglichen Lesarten führt, muss die Entscheidung allein mit Hilfe des Kontextes getroffen werden.
Es gibt zwei Präpositionen: ni (auf, an, in) und sí (auf, zu, nach), wobei ni den Ort bezeichnet und si die Richtung einer Bewegung.Sachnine (1997: 19). Bei der Angabe von Ort und Richtung helfen auch Nomen, mit denen räumliche Beziehungen ausgedrückt werden, wie orí (Spitze), apá (Seite), inú (Inneres), etí (Rand), abẹ́ (unter), ilẹ̀ (unten) etc. Viele dieser Nomen stammen von Bezeichnungen für Körperteilen ab.
Einzelsprache | Afrikanische Sprache | Sprache in Nigeria
Yoroubeg | Yoruba language | Joruba lingvo | Idioma yoruba | Joruban kieli | Yoruba | ヨルバ語 | იორუბა (ენა) | Yoruba (taal) | Yoruba | Língua iorubá | Yoruba | Yorouba
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