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Yasukuni Jinja 7 032.jpg Yasukuni (jap. 靖国神社 Yasukuni jinja, wörtlich: Schrein des friedlichen Landes) ist ein Shintō-Schrein im Stadtbezirk Chiyoda in Tokio, Japan. Hier werden die Angehörigen des japanischen Militärs als kami und Heldenseelen (英霊 eirei) verehrt, die in den Bürgerkriegen nach der Meiji-Restauration von 1868 auf der Seite der kaiserlichen Armeen ihr Leben ließen oder in den Kriegen Japans in Asien oder gegen die USA im Kampf gefallen sind.

Geschichte


Yasukuni1.jpg, dem 15. August]] Yasukuni 50sen bill.jpg)]] Der heutige Yasukuni-Schrein war ursprünglich unter dem Namen shōkonsha (Schrein zum Herbeirufen der Totengeister) im Stadtteil Chiyoda (unmittelbar nördlich des Kaiserpalastes) der neuen Hauptstadt Tokio gegründet worden, wo er noch heute steht. Im Schrein sollten allen Kriegsgefallenen, die auf der kaiserlichen Seite im Boshin-Krieg gekämpft haben, gedacht werden. 1879 bestimmte ihn der Tennō zum Reichsschrein der Sonderklasse und gab ihm den Namen Yasukuni; fortan sollten in ihm alle für den Kaiser und damit für Japan gefallenen Soldaten verehrt werden.

Entgegen einigen deutschen Presseberichten sind keine Toten im Schrein selbst beerdigt. Friedhöfe gelten im Shintō als unreine Orte, die Beerdigung von Toten innerhalb einer religiösen Anlage ist in Japan kaum vorstellbar. Im Yasukuni-Schrein gibt es lediglich Seelenregister, also Listen von den Gefallenen, die hier verehrt werden.

Zahl der heute im Yasukuni-Schrein verehrten Gefallenen

Aufgrund der in der Nachkriegsverfassung verfügten Trennung von Staat und Religion im Rahmen der Abschaffung des Staats-Shintō musste der Schrein entweder säkularisiert oder aus staatlicher Trägerschaft entlassen werden; er entschied sich für letzteres und wird heute als unabhängige religiöse Körperschaft (独立宗教法人 dokuritsu shûkyô hōjin) bezeichnet. Der immer wieder von konservativen Kreisen erhobenen Forderung, den Yasukuni-Schrein zur nationalen Gedenkstätte zu erheben, steht bislang noch die japanische Verfassung entgegen. Trotzdem wird er jedes Jahr von etwa sechs Millionen Japanern besucht, vornehmlich von Hinterbliebenen, den einflussreichen Veteranenverbänden, aber auch von nationalistischen, rechtsextremen Vereinigungen. Linksgerichtete Japaner meiden den Schrein im allgemeinen.

Politische Debatte


Yasukuni2.jpg]] Der Schrein wird in der innerjapanischen Debatte sowohl von linker als auch von rechter Seite kritisiert.

Japaner aus rechtsgerichteten Kreisen weisen darauf hin, dass es sich hier nicht um ein Kriegerdenkmal im Sinne nationalistischer Propaganda handelt, wie Kritiker behaupten, sondern um einen Schrein, in dem die wütenden Seelen Verstorbener besänftigt werden sollen, damit sie keinen Unfrieden im Land stiften. Diese Meinung wird im Übrigen auch durch die internationale Forschung zur japanischen Kulturgeschichte gestützt. Ultrarechte dagegen weisen daraufhin, dass in den USA Heldenfriedhöfe für die Gefallenen der diversen Kriege und entsprechende Gedenkveranstaltungen Normalität sind, und dass Japan ebenfalls ein Recht darauf habe. Sie fordern, dass der Schrein als offizielles Schreinamt von der Regierung übernommen werden solle. Entsprechende Vorlagen sind jedoch in den 1970er Jahren mehrmals im Parlament gescheitert.

Linke Kritiker dagegen fordern von Japan angesichts der Verbrechen Japans im zweiten Weltkrieg die Abkehr von jeder Form des Militarismus und einen kritischen Umgang mit der eigenen Geschichte. Besonders scharf wird kritisiert, dass auch die bei den Kriegsverbrecherprozessen von Tokio zum Tode verurteilten Offiziere sowie auch etwa Angehörige der berüchtigten Einheit 731, die im Krieg in der Mandschurei Experimente mit biologischen Waffen an Kriegsgefangenen und chinesischen Zivilisten durchführte, verehrt werden.

Die internationale Kritik, besonders aus Korea und China, richtet sich vor allem auf die offiziellen Besuche hochrangiger japanischer Politiker. Vor allem werden Besuche am 15. August, dem Tag der Kapitulation, kritisiert, da hierin eine klare Beschönigung des Krieges gesehen wird. Der erste Premierminister, der einen offiziellen Besuch am 15. August durchführte, war Nakasone Yasuhiro in den 1980er Jahren. Zuvor hatten zwar fast alle Premierminister den Schrein besucht, aber ihre Besuche als inoffiziell deklariert oder den Besuch auf einen anderen Termin als den 15. August gelegt. Der erste Besuch eines Premierministers am 15. August war der von Premier Miki Takeo im Jahr 1975.

In Japan versucht man die Situation durch die feinsinnige Unterscheidung zwischen privaten Besuchen (die Väter einiger hochrangiger Politiker werden als Kriegsgefallene im Schrein verehrt) und Besuchen in offizieller Funktion zu entschärfen. Die Außenwirkung bleibt jedoch die gleiche, und so kommt es in China und Korea immer wieder zu Demonstrationen, auch werden die diplomatischen Beziehungen dadurch belastet. Premierminister Koizumi Junichiro hat seit seinem Amtsantritt im Jahr 2000 bis 2005 jedes Jahr den Schrein besucht, 2005 allerdings erst am 17. Oktober, in den Jahren zuvor ebenfalls an anderen Terminen, nie jedoch am 15. August. Im Jahr 2004 hatte er noch einen Eintrag im Gästebuch als „Premierminister Koizumi Junichiro“ hinterlassen, was auch innerhalb Japans stark kritisiert wurde, da die Verfassung die Trennung von Staat und Religion vorsieht. Im Jahr 2005 trug er sich nicht ins Gästebuch ein und betrat auch nicht das Innere des Schreins. Dennoch kam es zu Protestreaktionen aus Korea und China, das einen Besuch des japanischen Außenministers absagte. Eine Reihe anderer hochrangiger LPD-Politiker besuchte den Schrein am 15. August 2005.

Die öffentliche Meinung in Japan über die Besuche ist gespalten. Eine knappe Mehrheit (53%) der Japaner lehnte die Besuche in einer Umfrage ab, jedoch sprachen sich rund 60% der LDP-Anhänger dafür aus.

Die japanischen Kaiser Hirohito und Akihito haben den Schrein nicht mehr besucht, seit 1979 bekannt wurde, dass im Jahr davor Kriegsverbrecher der Kategorie A (Verbrechen gegen den Weltfrieden) in die Liste der kami aufgenommen worden waren. Der Schrein selbst bezeichnet in Broschüren und heute auch auf seiner Webseite die Tokioter Prozesse, die 1946 von den Alliierten ähnlich den Nürnberger Prozessen organisiert worden waren, als Schauprozesse und gilt somit als revisionistisch.

Von koreanischer Seite gab es auch Proteste, weil für die japanische Armee zwangsrekrutierte Koreaner im Schrein verehrt werden.

Museum


Mitsubishi Zero-Yasukuni.jpg Das Museum Yushukan, das direkt neben dem Schreingebäude liegt, verklärt die gesamte japanische Geschichte im Sinne der nationalistischen und militaristischen Revisionisten. Es wird ein Ideal des Samurai als loyalem Diener nach der Philosophie des Bushidō gefeiert, das mit einem neutralen Geschichtsbild nichts zu tun hat. So wird Oda Nobunaga als kaisertreuer Reichseiniger dargestellt, zweiteres kann man ihm anrechnen, ersteres war er weniger. Auch der Zweite Weltkrieg wird im Sinne der konservativen Revisionisten verklärt: der Große Ostasiatische Krieg wird nicht als Invasions- oder Angriffkrieg bezeichnet, sondern als heiliger Krieg dargestellt, der das Ziel hatte, Asien vom westlichen Kolonialismus zu befreien. Auch das Massaker von Nanking wird im Museum verharmlost, was in der Formulierung gipfelt, dass „durch die Einnahme der Stadt der Frieden nach Nanking zurückkam.“ Die Aussage ist in makabrer Weise einer Tageszeitung vom Dezember 1937 entnommen, die in der Ausstellung gezeigt wird. Das Leiden der japanischen Gefangenen (gerade in russischen Lagern) wird dargestellt, nicht aber das Leiden unterdrückter Koreaner und Chinesen.

Im Museum werden auch Waffen, die von den „Heiligen des Schreins mit Liebe und Sorgfalt gepflegt und benutzt“ werden zur Schau gestellt. Die Sammlung reicht von alten Katana und Rüstungen bis hin zu Ausrüstungsgegenständen und Waffen aus dem zweiten Weltkrieg wie einem Kampfflugzeug (Mitsubishi A6M), einer für Selbstmordeinsätze vorgesehenen bemannten Gleitbombe (Yokosuka MXY-7) und Artilleriegeschützen.

Im Museum wird das Selbstopfer für Kaiser und Vaterland als sakrales Opfer dargestellt. Der Tenor des Museums, wie überhaupt der gesamten Schreinanlage, kommt auf einer anlässlich des 40. Jahrestages des Angriffs auf Pearl Harbor enthüllten Bronzetafel zum Ausdruck: „Fast sechstausend Männer starben bei Selbstmordangriffen, deren tragischer Heldenmut kein Beispiel kennt und der die Herzen unserer Feinde vor Angst erstarren ließ. Die ganze Nation hat angesichts ihrer unerschütterlichen Treue und ihrer Selbstaufopferung Tränen der Dankbarkeit vergossen.

Für westliche Touristen bietet das Museum die Erklärungstexte auch in englischer Sprache. Diese Erklärungen beschönigen den Inhalt in keiner Weise, sondern sind teilweise noch provozierender verfaßt als die japanischen Originaltexte.

Literatur


  • Antoni, Klaus: Der Himmlische Herrscher und sein Staat. Essays zur Stellung des Tennô im modernen Japan. München: iudicium, 1991.
  • Ducke, Isa und Sven Saaler (Hrsg.): Japan und Korea am Beginn des 21. Jahrhunderts. Aufgaben und Perspektiven. München: Iudicium (= Monographien aus dem Deutschen Institut für Japanstudien, 36), 2003.
  • Lokowandt, Ernst: Zum Verhältnis von Staat und Shintô im Heutigen Japan. Wiesbaden: Otto Harrassowitz (Studies in Oriental Religions 6), 1981.
  • Pye, Michael: Religion and Conflict in Japan with Special Reference to Shinto and Yasukuni Shrine. In: Diogenes 50:3 (2003), S. 45-59.
  • Saaler, Sven: Ein Ersatz fur den Yasukuni-Schrein? Die Diskussion um eine neue Gedenkstatte fur Japans Kriegsopfer. In: Nachrichten der Gesellschaft fur Natur- und Volkerkunde Ostasiens (NOAG) 175/176 (2004), S. 59-91.

Weblinks


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