Währing ist der 18. Wiener Gemeindebezirk und besteht aus den ehemaligen selbständigen Gemeinden Währing, Weinhaus, Gersthof und Pötzleinsdorf.
Geographie
Währing liegt im
Nordwesten Wiens und dehnt sich auf den Abhängen des
Wienerwaldes zwischen dem
Gürtel und der
Höhenstraße aus. Prägend für das Gebiet war der heute kanalisierte Währinger Bach, der im
Pötzleinsdorfer Park entspringt und auf der Strecke Pötzleinsdorfer Straße-Gersthofer Straße-Gentzgasse-Aumannplatz und Währinger Straße verläuft, bis er im 9. Bezirk unter dem Julius Tandler Platz in den Alserbach mündet.
Die
Grenze des Bezirkes verläuft im Norden zum 19. Bezirk
Döbling entlang einer Anhöhe, die dann zum Gürtel hin abfällt. Dieser bildet auch die Grenze zum 9. Bezirk
Alsergrund. Im
Süden verläuft die Grenze zum 17. Bezirk
Hernals zunächst durch dicht bebautes Gebiet, das sich dann immer mehr auflockert und schließlich auf den Schafberg führt, mit 390 Metern die höchste Erhebung des Bezirks. Zweithöchster Berg ist der Michaelerberg mit 387 Metern. Die bebaute Fläche beträgt in Währing 53,5 Prozent, Verkehrsflächen machen 16,2 Prozent aus. Hinzu kommen 30,2 Prozent an Grünflächen, darunter 14,4 Prozent Wälder und 7,9 Prozent Parkflächen. Der ehemals bedeutende
Weinbau spielt keinerlei Rolle mehr. Nur 0,6 Prozent der Gesamtfläche wird landwirtschaftlich genutzt.
Geschichte
Nach der Eingemeindung der Vorstädte im Jahr
1850 begann in den 70er Jahren die Diskussion auch um die Eingemeindung der Vororte. Die Initiative kam dabei aus Währing. Der Rechtsanwalt Dr. Leopold Florian Meißner richtete eine Petition an den
niederösterreichischen Landesausschuss, in dem er die Bildung von "Groß-Wien" anregte. Fast alle Vororte waren jedoch gegen den Vorschlag. Nach dem Wunsch
Kaiser Franz Josephs in einer Rede
1888 beschloss jedoch der niederösterreichische Landesausschuss die Vereinigung Wiens mit den Vororten. Das Gesetz trat
1892 in Kraft und vereinte
Währing,
Gersthof,
Pötzleinsdorf,
Weinhaus,
Neustift am Walde und
Salmannsdorf zum 18.
Wiener Gemeindebezirk Währing. 1938, nach dem
Anschluss Österreichs an das
Dritte Reich, wurden jedoch
Neustift am Walde sowie
Salmannsdorf von Währing abgetrennt und dem 19. Bezirk (
Döbling) hinzugeschlagen.
Namensgebung
Währing wurde erstmals etwa 1170 als
Warich urkundlich genannt. Über die Herkunft des Namens gibt es nur Vermutungen. Möglicherweise ist er slawischen (
var für warme Quelle) oder germanischen Ursprungs (
werich für Tagwerk, d.h. ein Feld in einer Größe, wie es ein Mann an einem Tag bearbeiten kann), womöglich leitet er sich auch von Werigandus, dem ersten Abt des Klosters Michelbeuern, ab.
Ein weiterer möglicher Ursprung des Namens könnte sich auf die slawische Landnahme zurückführen, gehen doch
Döbling (Toplica = warmer Bach) und
Währing (Varica = dunkler Bach) auf slawische Toponyme zurück.
Bevölkerung
Bevölkerungsstruktur und Entwicklung
Bei seiner Bildung Ende des
19. Jahrhunderts hatte der Bezirk Währing noch 68.862 Einwohner.
1951 waren es sogar 70.153 Menschen, die in Währing lebten. In der Folge sank die Zahl der Bewohner aber kontinuierlich ab, und machte heute nur mehr rund 2/3 der früheren Bevölkerung aus. Das Durchschnittsalter der Währinger liegt dabei leicht höher als das der Wiener, rund 25% der Währinger sind 60 Jahre alt oder älter. Auch der Anteil der weiblichen Währinger an der Bezirksbevölkerung liegt mit 54,7% leicht über dem Durchschnitt Wiens. Der Anteil der Ausländer an der Bezirksbevölkerung liegt bei 17,2%, den größten Anteil stellen dabei Bürger aus
Serbien und Montenegro.
Religion
Das Religionsbekenntnis der Währinger verteilt sich folgendermaßen. 52,8% sind
römisch-katholisch, 6,2%
orthodox, 6,0%
islamisch, 5,9%
evangelisch und 21,4% ohne Bekenntnis oder sonstiges.
Politik
Bezirksvertretung
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| Bezirksvorsteher/innen seit 1945
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| Alois Pühringer (KPÖ) | 4/1945-7/1945
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| Rudolf Sigmund (SPÖ) | 7/1945-1946
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| Friedrich Holomek(ÖVP) | 1946-1959
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| Viktor Leo Gräf (ÖVP) | 1959-1969
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| Hans Hemmelmayer (ÖVP) | 1969-1984
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| Leopold Traindl (ÖVP) | 1984-1990
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| Karl Homole (ÖVP) | 1990-
|
Waehringer.JPG
Bei den ersten allgemeinen, freien Wahlen am
4. Mai 1919 lieferten die
Sozialdemokraten in Währing eine Überraschung. Sie schlugen die
Christlichsozialen mit 10.970 zu 10.835 Stimmen und konnte somit mit dem Maschinenmeister August Klepell den ersten
Bezirksvorsteher stellen (Kleppel blieb bis zu seiner Verhaftung 1934 im Amt). Diese Verhältnisse blieben bis zur Errichtung des Ständestaates im Wesentlichen bestehen, nur die Christlichsozialen fielen
1932 hinter die
Nationalsozialisten. Bei den ersten Wahlen nach dem
Zweiten Weltkrieg setzte sich
1946 erstmals die
ÖVP durch. Der Grund für den Wandel lag vor allem in der Änderung der Bevölkerungsstruktur. Das sozialdemokratisch orientiert wählende Hauspersonal der Wohlhabenden war aus wirtschaftlichen Gründen verschwunden, die überwiegend sozialdemokatisch wählenden
Juden waren vertrieben oder ermordet worden. Die
Währinger ÖVPerhielt bei allen kommenden Wahlen die relative Mehrheit und damit den Anspruch auf den Bezirksvorsteher. Der Aufstieg der
FPÖ setzte jedoch sowohl der ÖVP, als auch der
SPÖ zu. Lag die FPÖ
1987 noch bei rund 9,5%, so legte sie bis 1996 auf 19,59% zu, während der Anteil der ÖVP auf 32,87% und der der SPÖ auf 24,65% sank. Bei den
Bezirksvertretungs-Wahlen
2001 kehrte sich der Trend um. Die FPÖ rutschte auf 15,09 % ab, die SPÖ steigerte ihren Anteil um 3,71% auf 28,36% der Stimmen. Von den Verlusten der FPÖ konnte jedoch die ÖVP nicht profitieren und verlor leicht auf 32,13%. Großer Gewinner waren die
Grünen, die über 8 Prozent gewannen und mit 19,52% die FPÖ überholten. Das
LIF spielt mit unter 5% nur mehr eine untergeordnete Rolle. Bei den Bezirksvertretungswahlen 2005 gewannen ÖVP, SPÖ und Grüne gleichmäßig zwischen 2 und 3 Prozent. Großer Verlierer war die FPÖ, die 7% verlor.
Wappen
Das Wappen von Währing repräsentiert die vier ehemals selbständigen Gemeinden aus denen der Bezirk
1892 gebildet wurde. Das zentrale Herzschild zeigt den
Heiligen Laurentius, den Schutzheiligen des Bezirksteils
Währing. Laurentius trägt eine silberne
Alba und eine rote, goldgesäumte
Dalmatik. Der Gitterrost in seiner linken Hand symbolisiert sein
Martyrium. Der linke obere Wappenteil steht für den Bezirksteil
Pötzleinsdorf. Er zeigt den
Heiligen Ägidius, den Patron der alten Pötzleinsdorfer Kirche. Der rechte Wappenteil zeigt wiederum den
Heiligen Johannes Nepomuk, den Kirchenpatron von Gersthof. Nur das Wappen von
Weinhaus hat keinen religiösen Hintergrund. Es zeigt zwei
Winzer mit einer goldenen
Weintraube und steht für den ehemals bedeutenden
Weinbau, der Weinhaus zu seinem Namen verhalf.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Theater
Das erste richtige
Theater wurde in Währing erst am 13. Dezember 1898 unter dem Namen "Kaiser-Jubiläums-Stadttheater" eröffnet. Zunächst standen besonders Volksstücke von
Ferdinand Raimund,
Johann Nestroy und
Johann Anzengruber auf dem Programm, später auch
Opern. Da die Opern wesentlich erfolgreicher waren, wurde der Spielplan komplett auf Opern und Operetten umgestellt. Das
1908 in "
Volksoper" umbenannte Gebäude, gelangte jedoch durch eine Grenzverschiebung an den 9. Bezirk
Alsergrund. Andere Theater wie das "Gersthofer Theater" oder das "Neue Anzengruber Theater" hatten wenig bestand. Heute gibt es in Währing noch drei Kleinbühnen, das "Theater des Augenblicks" und das "Rampenlicht-Theater" und das "Theaterlabor".
Museen
Das bedeutendste Museum des Bezirkes ist eine Aussenstelle des
Museum für angewandte Kunst im Geymüller-Schlössl in
Pötzleinsdorf. Daneben gibt es das Bezirksmuseum Währing, das Museum der Ersten Bank im Maria-Theresien-Schlössl und das Österreichisches Sprachinselmuseum.
Parkanlagen
Friedhofschubertpark.JPG
Währing beherbergt einige große Parkanlagen. Die bekanntesten sind der
Pötzleinsdorfer Park, der
Türkenschanzpark und der
Währingerpark (ehemals Währinger Allgemeiner Ortsfriedhof). Der Währinger Park war der erste Friedhof, der in der Ersten Republik in eine Parkanlage umgewandelt wurde. Weiters sind der
Währinger Schubertpark (ehemals Währinger Ortsfriedhof mit den Grabmälern von
Ludwig van Beethoven und
Franz Schubert) und der öffentlich nicht zugängliche
Sternwartepark erwähnenswert.
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr
Die wichtigsten öffentlichen Verkehrsmittel der
Wiener Linien ins Zentrum sind die Straßenbahnlinien 40 (Herbeckstraße), 41 (Pötzleinsdorf) und 42 (Antonigasse) zum Verkehrsknotenpunkt Schottentor am Ring, in Nord-Süd Richtung die Linie S45 (
Vorortelinie) der
Wiener S-Bahn, die Straßenbahnlinie 9 und die Buslinie 10A bei der Station Gersthof und die
Linie U6 der
Wiener U-Bahn bei der Station Währinger Straße.
Weitere Buslinien sind die Linie 40A zum Döblinger Friedhof im Grenzgebiet zu Döbling, die Linie 41A der Firma Blaguss zwischen der Endstation Pötzleinsdorf der Linie 41 und dem Neustifter Friedhof und die Linie 42B der Firma Schneider auf den Schafberg im Grenzgebiet zu Hernals.
Öffentliche Einrichtungen
In Währing liegen zwei wichtige, spezialisierte Krankenhäuser. Einerseits das
Orthopädische Krankenhaus Gersthof und die
Ignaz-Semmelweis-Frauenklinik. Beide sind akut von der Schließung bedroht bzw. sollen die Abteilungen in andere Bezirke verlagert werden. Eine Bestandsgarantie gibt es derzeit nur bis zum Jahr
2011. Weitere soziale Einrichtungen sind das Evangelische Krankenhaus Wien-Währing, das Institut "Haus der Barmherzigkeit", das St.-Carolus-Altersheim und das St.-Getrud-Heim.
Bildung
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Die wichtigste Hochschuleinrichtung in Währing ist die
Universität für Bodenkultur Wien, die neben dem
Türkenschanzpark liegt. Hinzu kommen mehrere
Institute der Universität Wien, wie das Institut für
Publizistik- und
Kommunikationswissenschaft, das Institut für
Astronomie mit der
Universitätssternwarte und das Institut für Risikoforschung. Es gibt drei öffentliche Gymnasien (Klostergasse, Schopenhauerstraße,
Haizingergasse), mehrere Volks- und Hauptschulen -- darunter die
Ganztagsvolksschule Köhlergasse, die zwischen 1977 und 1990 nach den Plänen von
Hans Hollein anstelle einer alten Schule gebaut wurde, ein Polytechnikum, einige kirchliche Privatschulen (vor allem katholische Schulen -- Albertus-Magnus-Schule, Marianum und Schulbrüder, Schule der Kongregation der Töchter der göttlichen Liebe -- und eine evangelische Volkschule, Luther-Schule), eine
Waldorfschule (
Rudolf Steiner-Schule in
Pötzleinsdorf) und eine englischsprachige Privatschule (Vienna Elementary School). Eine Volksschule für körperbehinderte Kinder ist die
Hans-Radl-Schule in der Währingerstraße, sie wurde an der Stelle des im Zweiten Weltkrieg stark beschädigten und nachher abgerissenen
Czartoryskischlössels (in dem damals ein Kinderheim untergebracht war) errichtet. In der Weimarerstraße befindet sich eine Filiale der
Büchereien Wien.
Weblinks
Siehe auch
Wiener Gemeindebezirk |
Währing |
Währing |
Währing