Indeverlauf.png Die Wurm (nl. Worm) ist ein 53 km langer Fluss in der Region Aachen. Sie ist namensgebend für das Wurmrevier.
Die Wurm entspringt im südlich von Aachen liegenden Aachener Wald, nahe der B 57 bei Steinebrück (Diepenbenden) und fließt in Richtung Norden, hinunter ins Aachener Becken.
Der junge Wurmbach führte, vor der Besiedlung des Aachener Beckens, wesentlich weniger Wasser, da es noch keine nennenswerte Einleitungen aus Brauch- und Abwasserwassereintrag gab. Sie war mehr ein Fließ, als ein Bach. Anzunehmen ist zudem, dass ihr Verlauf noch an den Hängen des Stadtwaldes mehrfach verlegt wurde. Die im Wasserbau visierten Römer mischten ihr Wasser mit den heißen Quellen, die im Aachener Becken entspringen. Im heutigen Stadtgebiet von Aachen sind über 20 Thermalwasserquellen bekannt, Austritttemperatur über 50 °C. In Burtscheid bis zu 74 °C.
Zunehmende Besiedlung brauchte trockene Wiesen und Weiden. Zahlreichen Mühlen, Hammerwerken, Färbereien, Schleifereien, Tuchfmanufakturen und weitere Fabrikationen nutzten das Wasser der Wurm und ihrer Zuläufe als Antriebskraft für ihre Mahlwerke und Maschinen.
Seit Mitte des 18. Jahrhunderts unter Aachen nun kanalisiert verlaufend, vereinigt sie weitere Quellfließe aus dem Aachener Wald. In Burtscheid nimmt sie Thermalwasser auf, mit 74 °C die heißesten Quellen Europas. (In alten Karten wird hinter Burtscheid ein kalter und ein warmer Bach erwähnt, die sich vereinigen.) Letzlich durch ihre Zuflüsse aus Beverbach, Gillesbach, Kupferbach, Prediger Bach, Goldbach, Paubach und Johannisbach wird aus dem Fließ ein Bach, der den natürlichen Abfluß der im Aachener Becken zusammgelaufenen kalten und warmen Fließe und Bäche darstellt.
Sie und ihre Zuläufe nahmen die urbanen Abwässer Aachens auf und führten sie ab.
Oberirdisch tritt die Wurm, nun angereichert durch ihre Zuläufe, hinter dem Europaplatz wieder zu Tage und verlässt das Aachener Becken, mäandernd und in ausgeprägter Tallage, Richtung Würselen und Kohlscheid.
Auf dem Gebiet der Städte Würselen und Herzogenrath, zu beiden Seiten des Flusses, liegt das Naturschutzgebiet Wurmtal. Südlich von Herzogenrath ist es ca. 445 ha groß und wird in weiten Teilen von frei schwingenden Flußmäandern der Wurm in der offenen Talaue geprägt. Bereits 1989 wurde das Wurmtal als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Das Wurmtal nördlich von Herzogenrath ist ca. 19 ha groß. Die Wurm fließt dort als unverbauter Tieflandfluss in einem Silberweiden-Aubruchwald.
Wegen der in den Kies- und Sandanlandungen der Wurm befindlichen Nahrung wirkt das Gewässer besonders anziehend auf bestimmte, teils seltene Vogelarten wie z. B. den Flussuferläufer, den Waldwasserläufer, die Bekassine sowie den Wasserpiper. In den Uferabbruchkanten der Wurm findet auch der seltene Eisvogel, der als Brutvogel im Wurmtal vorkommt, ideale Nistmöglichkeiten. Als stark gegliederter Naturraum hebt sich das Wurmtal deutlich von der umgebenen, ausgeräumten Bördelandschaft mit hoher Siedlungsdichte ab und ist deshalb nachweislich von überregionaler Bedeutung für Durchzügler und überwinternde Vögel sowie wichtiger Lebensraum für eine Vielzahl teils seltene Pflanzen und Tiere.
Als Naherholungsgebiet dient das Naturschutzgebiet (NSG) Wurmtal ca. 100.000 Menschen zur Erholung und für Freizeitaktivitäten.
Mit Beschluss der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen wurde das Wurmtal südlich von Herzogenrath im Juni 1998 und nördlich von Herzogenrath im Jahr 2000 der Kommission der Europäischen Union als Fauna-Flora-Habitat (FFH) - Gebiet gemeldet. Die FFH-Gebietsmeldung beinhaltet einen internationalen Schutzstatus und ist in ihrer Bedeutung höherwertig als die NSG-Ausweisung.
Hinter Herzogenrath öffnet sich das Wurmtal und das Umland wird flacher.
Aachen liegt am Rande der Nordeifel, in einer relativ niederschlagsreichen Mittelgebirgslage. Starke und anhaltende Niederschläge, die sich zum Flusswasser addierten, führten im Unterlauf der Wurm bei Geilenkirchen immer wieder zu großen Überschwemmungen. Man versuchte diese Situation u. a durch eine Begradigung des Flusslaufes hinter Herzogenrath bis zur Mündung in die Rur bei Kempen zu beeinflussen. Die Hochwassersituation am Unterlauf wurde dadurch verbessert, die Wurm aber ähnelte in diesem Teil ihres neu geschaffenen Bettes lange Zeit mehr einem Kanal.
Im Jahre 2006 wird die Wurm zwischen Übach-Palenberg und Geilenkirchen wieder in ein gewundenes, allerdings künstliche gegrabenes Bachbett, zurück verlegt.
Sie fließt weiter durch Übach-Palenberg, durch Geilenkirchen, und hinter Randerath, dort wo das Wurmtal sich in der flachen Landschaft gänzlich verliert und schon das Rurtal mit seinen Hängen in Sichtweite tritt, erreicht sie das Stadtgebiet von Heinsberg.
Unterhalb von Aachen bis zur Mündung in die Rur nimmt sie das Wasser weitere Bäche und Fieße auf.
Von ihren Quellen bei Aachen auf ca. 260–280 m über NN fließt sie mit durchschnittlich 1,4 m³/s hinunter zur Rur, in die sie nach 53 km nördlich von Heinsberg bei Kempen auf 32 m über NN mündet. Ihre Wassertiefe liegt dort bei etwa 1 m und ihre Breite bei etwa 8 m. Das oberirdische Einzugsgebiet beträgt rund 354 km².
Die Wurm ähnelte hinter Aachen einem schmutzigen, toten Abwasserkanal. Sie transportierte die urbanen, lange Zeit ungeklärten Abwässer Aachens und weiterer Anliegergemeinden, als Grenzfluss auch der niederländischen Anlieger.
Sie nahm das abgeführte Grubenwasser und das Wasser der Kohlewäsche des grenzübergreifenden Wurmreviers auf, das einer der ältesten Steinkohlebergbaugebiete Europas war.
Mündlich überliefert ist, dass die nach Überschwemmungen im Unterlauf zurückgebliebenen Schlämme in den Kriegs- und ersten Nachkriegsjahren von der Bevölkerung ob ihres Kohlegehaltes gestochen und verfeuert wurde. In niederschlagsarmen Zeiten war die Wurm noch in den 60er Jahren im Unterlauf schwarz und verursachte Geruchsbelästigungen.
Die Einleitungen des Kohlebergbaues sind durch den Niedergang des Wurmreviers zum Erliegen gekommen und die Abwässer der anliegenden Städte und Gemeinden sind nunmehr geklärt, wodurch die Wurm nicht nur sichtbar sauberer geworden ist. Sie ist nun beiderseits begrünt und eingewachsen. An Fischbestand sind u.a. wieder Hechte, Aale und Barsche anzutreffen. Das Wurmtal ist heute ein beliebtes Naherholungsziel.
Zuständig für die Wurm ist der Wasserverband Eifel-Rur (WVER).
Ihren Name soll die Wurm durch die im Aachener Becken siedelnden Kelten bekommen haben. Er wird als Ableitung des Wortes "warm" erklärt. Anzunehmen ist, das der junge Wurmbach ürsprünglich der Ablauf der zahlreichen Thermalquellen des späteren Burtscheid war. Durch den -umgeleiteten- Zuflusses eines weiter oberhalb im Hang entspringenden Fließes wurde das heiße Wasser mit Kaltem gemischt und somit die Quelle der Wurm hangauf "verlegt". Eine quellnahe Nutzung der heißen Aachener und Burtscheider Thermalquellen ist ohne die Zumischung kalten Wassers ob der hohen Temperatur von 60 °C bis über 70 °C nicht vorstellbar.
Der Besitz der Quellen ein unermesslicher Vorteil. Nicht weit unterhalb der Quellen ist auch die Wurm wieder auf Normaltemperatur abgekühlt. Dabei gab es Wasser im Umkreis reichlich, aber dieses besondere, ja heilende Wasser, war eine Gabe des Wassergottes Grannus, dem die Kelten als Bauern und Jägern diesen feuchten, waldumstandenen Talkessel weihten.
Eine weitere, ggf. auch wahrscheinlichere Erklärung ist eine alteuropäische Bildung mit m-Suffix zu indogermanisch uer-, our- mit der Bedeutung "Wasser, Regen, Fluss".
Vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert bildete die Wurm die Grenze zwischen den damals eigenständigen Orten Geilenkirchen und Hünshoven. Sie war hier gleichzeitig die Grenzlinie der Bistümer Köln und Lüttich.
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"Wurm (Fluss)".
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