Ein Wortspiel ist eine rhetorische Figur, die ein Spiel mit Worten darstellt und dem Verfasser humorvoll und/oder geistreich erscheint. Zum Beispiel ist Copyleft ein Wortspiel zu Copyright.
Es gibt mehrere Kategorien von Wortspielen. Die häufigsten sind:
- Paronomasie: ein Wortspiel, das auf der klanglichen Ähnlichkeit von Worten basiert. Beispiele: Eile mit Weile - Wer rastet, rostet - Urbi et orbi
- Polysemie: ein Wortspiel, das die Mehrdeutigkeit von Wörtern ausnutzt (oft mit Homonymen). Beispiel: "Bist du per Anhalter gekommen?" - "Wieso?" - "Du siehst so mitgenommen aus."
- Buchstabendreher: ein Wortspiel, bei dem Buchstaben vertauscht werden. Beispiel: Kentucky schreit ficken (Kentucky Fried Chicken)
- Das Spiel mit dem Klang fremdsprachlicher Wörter, die in einen Satz der eigenen Sprache eingebaut werden. Beispiel: Ming Kölsch, ding Kölsch, sing Kölsch (heißt auf Kölsch: Mein Kölsch, dein Kölsch, sein Kölsch; klingt aber chinesisch). Beispiel: Los Wochos (hier wurde das deutsche Wort "Woche" wie ein spanisches Wort verwendet).
Konstruktion
Das Wortspiel ist ein Begriff aus der Allgemeinsprache und steht für einen speziellen Umgang mit der Sprache. Dieser Verwendung kann geistreich,
witzig,
sarkastisch aber auch
kalauernd sein. Das Wortspiel bedient sich dabei der
homographen oder
homonymen Worte und Ausdrücke.
Zum Einsatz kommen im Wortspiel zudem mannigfaltige Techniken, wie etwa die Auflösung von Zusammensetzungen, die Ableitung, das "Wörtlichnehmen", der Vergleich, die Buchstabenumstellung, Akzentverlagerung, leichte Veränderung der graphischen oder lautlichen Gestalt oder das Kofferwort.
Vorkommen
Auf Wortspiele trifft man häufig im Kabarett, in der Werbung oder in Witzen. Wortspiele finden sich jedoch auch schon in der Bibel, zum Beispiel:
- "Frau soll sie heißen, denn vom Mann ist sie genommen." (Genesis 2,23b) - (Wortspiel im Hebräischen zwischen isch und ischah)
- "Du bist Petrus, und auf diesen Fels will ich meine Kirche bauen" (Matthäus 16,18) - Wortspiel im Griechischen zwischen πετρος (petros) und πετρα (petra, Fels)
Wie man daran sieht, sind Wortspiele selten in andere Sprachen übersetzbar. Das zeigt auch das folgende englische Beispiel:
- "Time flies like an arrow. Fruit flies like a banana." (Groucho Marx von den Marx-Brothers; Übersetzung des ersten Satzes: "Die Zeit fliegt wie ein Pfeil". Der zweite Satz kann verstanden werden als: "Eine Frucht fliegt wie eine Banane" oder "Fruchtfliegen mögen eine Banane".)
Die Süddeutsche Zeitung ist für ihre Verwendung von Wortspielen und Doppeldeutigkeiten in den Überschriften des Streiflichts bekannt.
Zu den deutschen Komikern, die viel mit Wortspielen arbeite(te)n, gehören Heinz Erhardt †, Otto Waalkes, Willy Astor, Hans-Joachim Preil † und Rolf Herricht †.
Eine Art von auf Wortspielen basierenden Witzen ist der Kalauer.
Wortspiele kommen auch sehr häufig in Raptexten vor.
Literarische Klein- und Kleinstformen wie Annomination, Echogedicht und Aphorismus verwenden das Wortspiel. Insbesondere Anekdoten bedienen sich dabei des Schüttelreims.
Beispiele
- Wörtlichnehmen: "die Presse, die sich den Kopf der Welt dünkt und doch nur ihr Schreihals ist" (K. Kraus)
- Akzentverlagerung: "das Wort Familienbande hat einen Beigeschmack von Wahrheit" (K. Kraus)
- leichte Änderung: " ... macht fromme Mädchen zu Bettschwestern" (K. Kraus)
- Auflösung "Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft" (Friedrich Schleiermacher)
- der Schüttelreim "Im Ameisenhaufen wimmelt es / der Aff' frißt nie Verschimmeltes" (Wilhelm Busch)
- Kofferwort "Famillionär" (Heinrich Heine)
- Vergleich: "Das Verhältnis der Linguisten zur Literatur gleicht der Kinderliebe von Kidnappern" (B. Schleppey)
- Ähnlich klingende Wörter: "Wer nichts wird, wird Wirt"
- Buchstabenumstellungen : in Anagramm und Paragramm
Zitate
"Die Menschheit wird nicht erlöst werden, bevor nicht alle Wortspiele gemacht sind." (
Gerhard Henschel)
Quellen
- F.J. Hausmann, Studien zu einer Ling. des Wortspiels. 1974
- D.E. Zimmer, Redens Arten. Trends und Tollheiten im neudt. Sprachgebrauch. 1986
- J. Drews & Co., Das endgültige zynische Lexikon. 1989
- Helmut Glück (Hsg), Metzler-Lexikon Sprache, 2000
Siehe auch
Weblinks
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