Worksongs (deutsch: Arbeitslieder) sind Lieder der Afroamerikaner, die seit dem 17. Jahrhundert aus Westafrika als Sklaven in die Südstaaten der späteren USA deportiert wurden. Sie wurden vor allem auf den Baumwolle-Feldern bei der Arbeit gesungen, ursprünglich als improvisierte Wechselgesänge (englisch call and response) zwischen Vorsänger und Gruppe ohne Instrumentalbegleitung. Zusammen mit Spirituals und Gospels und anderen Stilen der afro-amerikanischen Musik bilden sie eine wesentliche Wurzel des Blues und des Jazz.
Verwandt damit sind auch
Ein bekanntes Beispiel für einen zum Schlager gewordenen Worksong ist Harry Belafontes Banana Boat Song.
So blieb den Sklaven nur der Gesang als Ausdrucksmittel. Manche Sklaventreiber (drivers) erlaubten ihnen, ruhige Lieder (quiet songs) zu singen, solange diese sich nicht gegen die Sklaverei wandten. Diese Lieder erleichterten den Arbeitsablauf und dienten der Aufmunterung durch gemeinsamen Ausdruck der Gefühle, ähnlich dem Gesang von Galeerensklaven oder Häftlingen (chain gangs). Ihre Texte handelten nur vom täglichen Leben der Sklaven und hatten keine religiösen Inhalte. Die so begleiteten Arbeiten waren z.B. das Ernten und Sammeln von Baumwollblüten auf den Feldern, Schaufeln von Gräben, Holzhacken, Frachten verladen, Hämmern von Planken, Befeuern von Dampfbooten, Felsbrocken schleppen, Bahngleise verlegen und andere.
Mit dem Verbot des internationalen Sklavenhandels 1808 und der Abschaffung der Sklaverei in den USA 1865 waren rassistische Unterdrückung, Diskriminierung und Benachteiligung der schwarzen Nordamerikaner noch lange nicht überwunden. Erst mit der christlichen Erweckungsbewegung seit etwa 1850 wurden manche Verbote gelockert. Schwarze durften nun in sonntäglichen Gottesdiensten oder anderen Zusammenkünften – den praise hours – gemeinsam ohne Trommelbegleitung singen und tanzen. Auch auf geheimen Treffen (camp meetings, bush meetings) stand das gemeinsame Singen im Vordergrund, um Freude, Leid und Hoffnungen auszudrücken und zu teilen.
Die ältesten heute noch bekannten Worksongs stammen aus den 1880er Jahren: Es waren die so genannten Shanties (von chant: „Lied“) der Sklaven an der Küste Georgias, die in Virginia, North und South Carolina übernommen wurden. Viele dieser Melodien sind nahtlos in die späteren Spirituals und Gospels eingegangen, so dass man von dort aus Rückschlüsse auf den Charakter der Worksongs ziehen kann. Oft versahen sie die bekannten corn ditties („Maisliedchen") einfach mit neuen, diesmal religiösen Texten und gaben ihnen eine stärkere rhythmische Basis durch Stampfen mit den Füßen und Klatschen in die Hände. Aber auch die sakralen Texte drückten in erster Linie die gemeinsame Lage und das Schicksal der Sklaven aus.
Aus dieser Musiktraditon entwickelten sich der Blues und später der Jazz, die viele ihrer musikalischen Elemente - z.B. Improvisation, Ruf-und-Antwort-Schema, Sprachmelodik, Textinhalte, Ausdruck - aufgenommen und bewahrt haben.
In den 1960er Jahren zogen weiße Bürgerrechtler und Gelegenheitsarbeiter erneut durch die Südstaaten, sammelten und entdeckten viele der alten chain songs schwarzer Gefangener wieder, gaben ihnen neue Texte und machten sie auf ihren Touren bekannt: So ist auch der Southern Folk ein Ableger der frühen Worksongs.
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