Working Poor (arbeitende Arme) bezeichnet Menschen, die trotz Erwerbstätigkeit keinen "existenzsichernden Lebensunterhalt" (en:living wage) verdienen. Analog zur Vielfältigkeit der Begriffe "arm" und Beschäftigung gibt es jedoch bisher keine einheitliche statistische Definition des Begriffs. Oft werden nur Vollzeitbeschäftigte berücksichtigt.
Im September 2005 gab es bereits ca. 900.000 Erwerbstätige mit ergänzendem ALG II-Bezug, die trotz ihres Erwerbseinkommens offiziell als bedürftig gelten. Die Anzahl dieser arbeitenden Armen ist weiterhin steigend. Insofern übernimmt ergänzendes ALG II bereits heute faktisch die Funktion eines gesetzlichen bundesweiten Mindestlohnes.
In der Schweiz sind Working Poor als "erwerbstätige Personen, die in einem die Armutsgrenze unterschreitenden, d.h. armen Haushalt leben" definiert. Als erwerbstätig in diesem Zusammenhang gelten Personen, welche in einem Arbeitsverhältnis stehen, bei dem sie für mindestens eine Arbeitsstunde pro Woche ein Erwerbseinkommen beziehen, und in einem Haushalt leben, dessen Mitglieder insgesamt mindestens 36 Stunden pro Woche gegen Entgelt arbeiten, und zwischen 20 und 59 Jahre alt sind (Definition nach BFS). Der kumulierte Erwerbsumfang der Haushaltsmitglieder bedeutet nichts anderes, als dass insgesamt für den Haushalt eine Vollzeitbeschäftigung von mindestens 90% besteht.
Im Jahr 2003 betrug der Anteil von Working Poor an der erwerbstätigen Gesamtbevölkerung im Durchschnitt 7.4%, mit steigender Tendenz. Über ein Viertel dieser Personen lebt in einem Haushalt mit mindestens zwei Vollzeitstellen, was von der Politik mit Besorgnis zur Kenntnis genommen wird.
Als besonders armutsgefährdete Gruppen unter den Erwerbstätigen nennt das BFS Einelternfamilien (WP: 20.4%) und kinderreiche Familien (WP: 20.5%), Selbständigerwerbende (13.8%), darunter vor allem die "Ich-AGs", unter denen sich 18.3% Working Poor befinden. Auch Erwerbstätige mit befristeten Arbeitsverträgen oder Verträgen "auf Abruf" (WP: 15.9%) sowie WiedereinsteigerInnen (WP: 10.1%) haben trotz Erwerbstätigkeit ein hohes Armutsrisiko. Daneben korreliert der Ausbildungsstand sowie die Herkunft mit dem Armutsrisiko.
Die Entwicklung der Anzahl Working Poors in der Schweiz geht zum Teil mit der Entwicklung der Erwerbslosenquote - zeitverschoben um 2 bis 3 Jahre - parallel. Das Bundesamt für Statistik sieht einen statistischen Zusammenhang zwischen Arbeitslosenquote und dem Anstieg prekärer Arbeitsverhältnisse, welche ihrerseits wiederum zum Anstieg der Working Poor führen. Diese Zusammenhänge werden durch unabhängige Untersuchungen des seco bestätigt.
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