Woodrow Wilson „Woody“ Guthrie (* 14. Juli 1912 in Okemah, Oklahoma; † 3. Oktober 1967 in New York) war ein US-amerikanischer Gewerkschafter und Liedermacher. Woody Guthrie.jpg]]
In den 1930er Jahren wurden Teile der USA zudem von einer jahrelangen Dürreperiode heimgesucht. Guthrie machte die Verhältnisse jener Zeit zum Thema seiner „Dust Bowl Ballads“, in denen er das harte Los der Okies besang. Diese Lieder brachten ihm den Titel eines „Dust-Bowl-Balladeer“ ein und gehören zu seinen erfolgreichsten Songs.
Bis zum New Deal beschränkte sich die Elektrizitätsversorgung auf die großen Städte; gewinnbringend nur für einige private Gesellschaften. Im Rahmen des staatlichen und öffentlichen Programms der Bonneville Power Administration wurden im folgenden die Staudämme des Columbia-Rivers erbaut, welche die umliegenden Städte und Dörfer mit Elektrizität versorgten. Damit wurden Arbeitsplätze geschaffen und Armut abgebaut. Die Grand-Coulee-Talsperre lieferte später auch Strom an Anlagen des Manhattan-Projekts.
Zur besseren Bekanntmachung und Förderung des Projektes wurde u.a. Woody Guthrie angeworben, der die Baustellen des Projektes bereiste und die dabei entstandenen Lieder später veröffentlichte. Im Rahmen dieser Tätigkeit schrieb er in 27 Tagen ebensoviele Songs. Zitat Cisco Houston: „Woody ist ein Mann, der jeden Tag vor dem Frühstück zwei oder drei Balladen schreibt“. Neben „Grand Coulee Dam“ entstand das Lied „Roll On, Columbia“, das heute eine der Hymnen des Staates Washington ist.
Nach einem Gastspiel bei einer Radiostation nahe der mexikanischen Grenze kehrte Guthrie 1938 nach Los Angeles zurück, wo er Cisco Houston und Mike Quinn kennenlernte, wobei letzterem der größte Einfluss auf das Denken und Schaffen Guthries nachgesagt wird.
1941 wurde Guthrie Mitglied bei The Almanac Singers. Nachdem sich die Gruppe 1942 schon wieder aufgelöst hatte, spielte er mit Musikern wie Sonny Terry und Brownie McGhee zusammen. Daneben schrieb er eine tägliche Kolumne für den „Daily Worker“, einem Organ der kommunistischen Partei und brachte 1943 sein autobiographisches Werk „Bound For Glory“ heraus.
1943 wurde Guthrie zum Militärdienst bei der Marine einberufen. Zwischen seinen drei Einsätzen in Großbritannien, Italien und Afrika nahm er zwölf Platten für Moses Asch auf, die meisten davon gemeinsam mit Cisco Houston und Sonny Terry.
Nach Kriegsende wieder heimgekehrt, heiratete er 1945 Majorie Mazia, die er schon seit 1942 kannte. Zusammen hatten sie vier Kinder, von denen Tochter Cathy noch im Kindesalter bei einem Wohnungsbrand tragisch ums Leben kam. Der 1947 geborene Sohn Arlo wurde durch seine Sängerkarriere bekannt.
Guthrie, der sich inzwischen der Volksmusikerorganisation „Peoples Song“, zu der auch Pete Seeger gehörte, angeschlossen hatte, arbeitete in den folgenden Jahren mit Cisco Houston, Pete Seeger, Leadbelly und anderen zusammen und schrieb Stücke wie „Hard Travelling“, „Dust Bowl Refugees“, „Pastures of Plenty“ und den Klassiker „This Land is Your Land“, von dem zahllose Interpretationen verschiedener Künstler existieren.
Noch im Krankenhaus wurde ihm die offizielle Ehrung des „U.S. Department of the Interior's Conservation Award“ zuteil, eine Station des Columbia Wasserkraftwerkprojektes wurde nach ihm benannt.
Guthrie beeinflusste die weitere Entwicklung der Folkmusik maßgeblich und ist heute eine US-amerikanische Ikone. Sein Werk umfasst rund eintausend Lieder, mehrere Bücher sowie unzählige Essays und andere Texte. Alan Lomax bezeichnete ihn als „den großartigsten Balladenschreiber, den Amerika jemals gekannt hat“, während Cisco Houston über seinen langjährigen Partner meinte: „Wenn du seine Lieder hörst, hörst du in Wirklichkeit Amerika singen“. Der US-amerikanische Musikexperte Bill C. Malone urteilt, dass es fast ausschließlich Guthries Wirkung war, die zum Aufblühen der New-Yorker-Protestfolkszene der frühen 1960er Jahre führte.
Bob Dylan besuchte „seinen letzten Helden“ am Krankenbett; später veröffentlichte er „Song to Woody“ auf seinem ersten Album „Bob Dylan“; zudem schrieb er auch das fünfseitige „Last Thoughts on Woody“. Guthries Einfluss reicht bis in die zeitgenössische Singer/Songwriter- und Folkmusikszene. Phil Ochs war wahrscheinlich derjenige aus der politischen Folkmusikszene der 60er Jahre, der am ehesten Woody Guthries Nachfolger war und sein Vorbild u.a. mit dem Song „Bound for Glory“ (The Story of Woody Guthrie) ehrte. Zur Jahrtausendwende nahm Billy Bragg mit Wilco als Backingband bis dahin unvertonte Gedichte Guthries auf den Alben Mermaid Avenue und Mermaid Avenue Vol. II auf.
Zahlreiche Lieder Woody Guthries wurden auch von Harry Rowohlt und Hans-Eckardt Wenzel ins Deutsche übertragen. Sein Sohn Arlo Guthrie setzte das musikalische Erbe der Familie fort.
In den Vereinigten Staaten gab es 2004 betreffend einer „This Land Is Your Land“-Parodie eine Copyright-Klage. Da die Copyright-Ansprüche 1973 nicht wie damals vorgeschrieben verlängert worden waren, wurde die Klage kurz darauf zurückgezogen. In vielen Quellen findet sich Woodys eigene Anmerkung zu diesem Thema, verfasst für ein Notenheft von 1930:
Der Staat Washington erklärte 1987 Woody's „Roll On Columbia“ über den Columbia River und die öffentlichen Elektrizitäts- und Staudammprojekte („Grand Coulee Damm“) des New Deal zum nationalen Folk Song. Ein Senator meinte 1961 dazu, Woodys Liedgut würde für die Öffentlichkeit zweifelsfrei mehr bewirken als ein dutzend öffentlicher Reden zum selben Thema und Zweck.
Die Lyrik Woodys ist in der Wirkung und Art oftmals mit der Leadbellys und auch Walt Whitmans verglichen worden. Die lebendigen Texte wurden von Woody immer wieder abgeändert und neu erfunden, je nach Gelegenheit. Mehrere Versionen eines Liedes sind daher nicht ungewöhnlich.
Die Biographie und Wanderjahre Woody Guthries wurden 1975 mit David Carradine in der Hauptrolle verfilmt. Der 1976 veröffentlichte Film trägt den Titel „Bound for Glory“ bzw. „Dieses Land ist mein Land“. Im Abspann wird das Lied „This Land Is My Land“ zunächst von Guthrie/Carradine gesungen; dann von immer neuen, weiteren Sängern und Interpreten gesungen, was nicht zuletzt die Verbreitung des Liedes anzeigt. Der Film erhielt mehrere Oscars, unter anderem für die beste Musik.
Mann | US-Amerikaner | Folksänger | Liedermacher | Geboren 1912 | Gestorben 1967
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