Wolhynien (selten auch Wolynien, ukr. Волинь, russ. Волынь, poln. Wołyń; in österr.-ungar. Zeit auch Lodomerien) ist ein historisches Gebiet in der nordwestlichen Ukraine. Es wird im Westen vom Bug, im Osten vom Dnipro begrenzt. Städte sind Kowel, Luzk, Novovolynsk, Riwne, Kremenez, Dubno, Sarny, Nowohrad Wolynsky, Korosten, Wolodymyr-Wolynskyj. Nur ein Teil des historischen Wolhynien entspricht der heutigen Oblast Wolhynien als ukrainischer Verwaltungseinheit.
Das historische Gebiet Wolhynien soll seinen Namen von der legendären, längst untergegangenen Stadt Wolin erhalten haben, die einst westlich des Bugs bei Wolodymyr-Wolynskyj lag und der Hauptsitz des slawischen Stammes Wolynana war. In österreichisch-ungarischer Zeit wurde die Stadt Wolodymyr zu Lodomerien "eingedeutscht".
Die Teilung führt allerdings zur Schwächung des Herrschaftsbereiches Jaroslaws und zu einer Isolierung in Europa. Die Erbfolge auf den Kiewer Fürstenstuhl war nach dem Seniorratsprinzip geregelt. Dies bedeutet, dass stehts der Senior (also der älteste Sohn) der Dynastie vorsteht. Durch den Tod des Kiewer Großfürsten ist somit immer ein Nachrücken der jüngeren Brüder erforderlich, was seit 1068 zu ständigen Bruderkriegen geführt hat.
1078 wurde von Kiew aus das Bistum Wladimir gegründet, 1156 wurde von ihm das Bistum Halytsch (später Galizien) abgetrennt.
Das Fürstentum stand wie viele Fürstentümer der Ostslawen unter mongolischer Oberherrschaft, jedoch erheblich lockerer als im Nordosten. Gleichzeitig unterhielt man enge Beziehungen zu den Ländern Mitteleuropas. Dies bedeutete aber auch ständige Konflikte mit Polen und Ungarn, andererseits gab es aber intensive Handelsverbindungen, sowie Konsultationen in Politik und Kultur.
Als Fürsten von Wolhynien regierten:
1188 wird Wolhynien mit Galizien vereinigt und wird fortan von den Fürsten zu Galizien und Wolhynien regiert.
Unter der Herrschaft Daniels erreichte das Fürstentum Wolhynien seinen Höhepunkt und wurde mit Galizien vereinigt. Der 1253 von einem päpstlichen Gesandten zum König der Rus (rey Russiae) gekrönten Daniel baute Kontakte zu den Nachbarn aus und ließ den Verbund Galizien-Wolhynien zu einem wichtigen Partner in Osteuropa werden.
Mit der Ernennung Daniels zum König beabsichtigte Papst Innozenz IV. seine Macht in der Region zu festigen. Mit der Krönung Daniels verband sich eine Kirchenunion und ein Kreuzzug gegen die Mongolen, welcher allerdings scheiterte und das Land den Mongolen tributpflichtig machte. Auch die angestrebte Kirchenunion hielt nur wenige Tage.
Die Städte Galiziens und Wolhyniens spielten eine bedeutende Rolle und nahmen am Aufschwung teil. Unter den Neugründungen waren Cholm (poln. Chełm) und Lemberg (Lwiw) die wichtigsten. Ebenso wie polnische und ungarische Herrscher riefen auch Daniel und seine Nachfolger deutsche Kaufleute und Handwerker in sein Land, die recht früh einen bedeutenden Teil der städtischen Oberschicht ausmachten.
Aus den steppennahen Gebieten zogen Ostslawen und Armenier nach Westen, so dass manche Städte des Fürstentums von mehreren ethnisch-religiösen Gruppen bewohnt waren.
Die sozio-politische Struktur des Fürstentums Halytsch (Halyč) im 12. Jahrhundert war ebenso wenig auf den Fürsten ausgerichtet wie in Vladimir-Suzdal' und Wolhynien. Die ostslawischen Bojaren, der Adel, waren hier stärker an der Herrschaft beteiligt, was mit einer regionalen Verwurzelung und mit Einflüssen aus Polen und Ungarn zusammenhängen dürfte. Dieses ständische Element, das eine Zentralgewalt einschränkte, hatte allerdings auch Einfluss auch den politischen Zerfall Galiziens und Wolhyniens.
1340 fällt das Rus-Fürstentum Halytsch-Wolhynien als Erbe an das Großfürstentum Litauen.
Der litauische Großfürst Jagajlo/Jagiełło heiratete die Thronerbin Hedwig/Jadwiga, bestieg den polnischen Königsthron und nahm den römisch-katholischen Glauben an. Für die Litauer bedeutete dies, den Glauben der römischen Christen anzunehmen, die Ostlwawen (und somit auch Wolhynen) mussten ihre Zugehörigkeit zur Orthodoxie jedoch nicht aufgeben. Jagajlo eroberte 1387 Galizien wieder von den Ungarn zurück und konnte in folge dessen den Deutschen Orden 1410 bei Tannenberg entscheidend zurückschlagen.
Die polnisch-litauischen Union von 1385/86 bedeutete nicht der Untergang des Großfürstentums Litauen, zu dem Wolhynien gehörte, es blieb bis weit ins 15. Jahrhundert eigenständige Großmacht. Unter Großfürst Vytautas (1392-1430) erlebte Litauen einen Höhepunkt seiner Machtentfaltung. Vytautas versuchte seine Zentralgewalt zu festigen und die ukrainischen Fürstentümer und somit auch Wolhynien stärker zu integrieren. Die administrative Eingliederung Wolhyniens setzten seine Nachfolger fort, im religiösen und kulturellen Bereich aber blieb die traditionelle Toleranz erhalten.
Im Großfürstentum Litauen wurden die Privilegien des polnischen Adels zunächst nur auf Katholiken übertragen, so dass viel orthodoxe Adlige konvertierten. Dieser politische Druck zur Konversion zeigte sich vornehmlich in Litauen, in den ukrainischen Fürstentümern und Wolhynien jedoch konnte der Adel bis Mitte des 16. Jahrhunderts eine Breite Schicht ostslawischer Orthodoxer halten. Im Jahre 1529 konnte dieses komplizierten Rechte und Privilegien der einzelnen Stände im Großfürstentum Litauen fixiert werden. Das Statut verband westliche und ostslawische Elemente miteinander und blieb in seinen Grundzügen bis weit ins 19. Jahrhundert in Kraft.
Durch die Freilassung der Leibeigenen durch den russischen Zaren entstand im Jahr 1861 ein plötzlicher Arbeitskräftemangel in Wolhynien. Viele Eigentümer konnten ihre Arbeitskräfte nicht mehr bezahlen und verkauften stattdessen ihr Land. So wurde die Ansiedlung von Deutschen, die schon in den 1830er Jahren begonnen hatte, massiv unterstützt, vor allem 1862-64, aber auch bis in die 1890er Jahre strömten zahlreiche Deutsche ins Land, so dass 1914 ca. 250.000 Deutsche im Land lebten (Wolhyniendeutsche).
1921 wird Wolhynien zwischen Polen (westlicher Teil) und der sowjetischen Ukraine (Osten) geteilt. Die Woiwodschaft Wolynien wird wieder errichtet. die Region östlich und südöstlich von Lublin bis etwa Zamość auch Waldwolhynien genannt wurde.
Als Folge der Aufteilung Polens im Hitler-Stalin-Pakt 1939 wird Wolhynien erneut sowjetisch. Die ansässige deutsche Bevölkerung wird noch 1939 unter dem Motto Heimkehr ins Reich ins Wartheland im Deutschen Reich umgesiedelt. Die praktische Durchführung liegt bei der Volksdeutschen Mittelstelle (VoMi), einer SS-Organisation. Im Folge des Krieges wird es 1941 von Deutschland besetzt. In diesem Zusammenhang finden Massaker an den jüdischen Einwohnern statt.
Unter den Augen der deutschen Besatzung beginnen ab dem 11. Juli 1943 ukrainische Nationalisten in dem Massaker von Wolyn zunächst in Pawliwka die polnische Zivilbevölkerung systematisch zu ermorden.
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges fällt das gesamte Wolhynien an die Sowjetunion, die überlebenden Polen werden vertrieben. Ab April 1947 werden im Rahmen der sogenannten Akcja Wisla systematisch Ukrainer in das Gebiet Wolhyniens umgesiedelt.
Seit 1992 gehört Wolhynien zum größten Teil zur Ukraine, wobei es in den Verwaltungseinheiten der Oblast Wolhynien, der Oblast Riwne und der Oblast Schytomyr aufgeteilt ist, und zu einem kleineren Teil zu Weißrussland.
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