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Wolfgang Schüssel (* 7. Juni 1945 in Wien) ist ein österreichischer Politiker. Er ist der amtierende Bundeskanzler der Republik Österreich, Bundesparteiobmann der ÖVP und ehemaliger Präsident des Europäischen Rates.
Beginn seiner Karriere
1968 schloss Wolfgang Schüssel das Studium der Rechtswissenschaften mit dem Erwerb des Doktorgrades ab. Anschließend begann er seine Karriere in der
ÖVP. Von 1968 bis 1975 war er Sekretär des
Parlamentsklubs der Österreichischen Volkspartei, von 1975 bis
1991 Generalsekretär des
Österreichischen Wirtschaftsbundes, ab
1979 Abgeordneter zum
Nationalrat und von
1987 bis
1989 Klubobmann-Stellvertreter der ÖVP. Er war sowohl bei den Koalitionsverhandlungen der ÖVP mit der SPÖ bei der Wiederauflage der
großen Koalition 1986 als auch bei Österreichs Beitrittsverhandlungen mit der EU beteiligt.
Minister in der großen Koalition
1989 wurde Schüssel als Nachfolger von Robert Graf
Bundesminister für Wirtschaftliche Angelegenheiten in der von
SPÖ und ÖVP gebildeten
Großen Koalition unter Bundeskanzler Dr.
Franz Vranitzky.
1995 wurde er zum
Bundesparteiobmann der ÖVP gewählt. Im selben Jahr wurde er
Vizekanzler und
Bundesminister für auswärtige Angelegenheiten im Kabinett
Vranitzky IV und am
12. März 1996 in denselben Funktionen im Kabinett
Vranitzky V bestätigt. 1997 wurde er in denselben Funktionen in das Kabinett der Regierung
Klima übernommen.
Nach dem Ende der großen Koalition war er bis zur Angelobung des Kabinetts Schüssel I im Jahr 2000 kurzfristig Klubobmann der ÖVP im Nationalrat.
Bundeskanzler
Erste Amtsperiode
Nach den Nationalratswahlen am
3. Oktober 1999 und darauf folgenden langen Parteiengesprächen einigten sich Wolfgang Schüssel und
Jörg Haider auf eine ÖVP-
FPÖ-Koalition. Schüssel wurde am
4. Februar 2000 österreichischer Bundeskanzler (
Kabinett Schüssel I), obwohl die ÖVP mit 26,9 % der gültigen Stimmen auf den dritten Platz hinter SPÖ und FPÖ (die um 415 Stimmen mehr als die ÖVP erhalten hatte) zurückgefallen war. Schüssel hatte vor den Wahlen für diesen Fall angekündigt, in
Opposition zu gehen. Die Regierungsbeteiligung der
rechtspopulistischen FPÖ hatte sowohl inländische (
Donnerstagsdemonstrationen) wie internationale Proteste zur Folge. Die Regierungen der übrigen 14 EU-Mitgliedsstaaten reduzierten die politischen Kontakte auf das notwendige Mindestmaß. In Österreich wurden diese Maßnahmen oft als „die Sanktionen“ bezeichnet. Im September 2000 wurden die bilateralen Maßnahmen, nach Vorliegen des „
Weisenberichts“, wieder aufgehoben.
Zweite Amtsperiode
Interne Differenzen in der damaligen
FPÖ führten zum
Parteitag in Knittelfeld am 07.September 2002 und schließlich zum Rücktritt von Vizekanzlerin
Susanne Riess-Passer, Finanzminister
Karl-Heinz Grasser und
Peter Westenthaler.
Am
24. November 2002 wurde die
ÖVP unter seiner Führung bei den
vorgezogenen Wahlen zum Nationalrat nach einem Rekordgewinn (+ 15,4 %) mit einem Stimmanteil von 42,3 % erstmals seit den Wahlen 1966 wieder stimmenstärkste Partei, und Schüssel erneuerte die Koalition mit der FPÖ (
Bundesregierung Schüssel II).
Im April 2005 spaltete sich die Führungsspitze der FPÖ unter Führung von
Jörg Haider ab, und gründete das
Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ).
Trotz dieser Spaltung seines Koalitionspartners führte Schüssel die Koalition nun mit dem BZÖ weiter.
Politisches Wirken
Schüssel wurde im Jahr 2000 als erster ÖVP-Obmann seit
Josef Klaus (1966 - 1970) österreichischer Bundeskanzler. Obwohl er wie sein Vorgänger
Erhard Busek ursprünglich dem liberalen Flügel der ÖVP zugerechnet wurde, verstand er es auch den konservativen Teil seiner föderalistisch organisierten Partei hinter sich zu sammeln. Seit den Anfängen seiner politischen Tätigkeit setzte er sich für Budgetdisziplin und Reformen im öffentlichen Dienst und der verstaatlichten Industrie ein ("Mehr privat - weniger Staat"). Überhaupt ist seine Regierung von großen und einschneidenden Reformen (etwa Pensionsreform) geprägt, die ihre Spuren in der politischen Landschaft Österreichs hinterlassen haben.
Als Bundeskanzler hat er sich den Ruf eines geschickten Verhandlers, aber auch kühlen Taktikers erworben. Kritiker meinen, dass er durch ein zu hohes Reformtempo vor allem am Beginn seiner Kanzlerschaft Irritationen und Unverständnis in der Bevölkerung hervorgerufen hätte. Die Oppostionsparteien bezeichnen seine Politik als neokonservativ. Seine Zurückhaltung bei der Kommentierung von Aussagen des Koalitionspartners brachte ihm den Beinamen Schweigekanzler ein. Seine Anhänger sehen ihn demgegenüber als Wendekanzler, der notwendige Reformen, die die Konsenspolitik der vorangegangenen großen Koalitionen verabsäumt hätte, umgesetzt habe. Kritiker nehmen ihm besonders die Regierungskoalition mit der FPÖ Jörg Haiders übel. Andere meinen allerdings, es sei ein Erfolg von Schüssels politischer Strategie, dass die FPÖ in allen Wahlen der letzten Jahre, mit Ausnahme der Landtagswahlen 2004 in Kärnten, massive Verluste hinnehmen musste.
Unter der Kanzlerschaft Wolfgang Schüssels wurden zahlreiche tief greifende Maßnahmen und Reformen durchgeführt, darunter die Restitutionszahlungen an Opfer des Nationalsozialismus, eine Pensionsreform (Abschaffung der Frühpension, Einkommenssenkung bei erhöhtem Pensionsantrittsalter) mit dem Ziel der Vereinheitlichung der verschiedenen Pensionssysteme auf Bundesebene, die Erhöhung der Familienbeihilfen durch die Einführung des Kindergeldes, der Aufbau einer zweiten (betrieblichen; "Abfertigung neu") und dritten Pensionssäule (staatlich geförderte Privatvorsorge, Kritiker sehen eine staatliche Förderung der Versicherungswirtschaft), eine Verwaltungsreform, umfassende und teilweise umstrittene Privatisierungen staatlicher Unternehmen, eine Steuerreform, die Einführung von Studiengebühren und die sehr umstrittene Neuanschaffung von Abfangjägern des Typs Eurofighter Typhoon.
(Die von der SPÖ/FPÖ-Regierung unter Fred Sinowatz und Norbert Steger im Mai 1985 gekauften, gebrauchten Abfangjäger des Typs Draken müssen aus Altersgründen ausgemustert werden.)
Seit dem Jahr 2000 hat sich die politische Landschaft Österreichs grundlegend geändert. Unter Schüssels Kanzlerschaft musste die auch international umstrittene rechtsgerichtete FPÖ, die nach den Nationalratswahlen 1999 zweitstärkste Kraft hinter der SPÖ war, hohe Verluste hinnehmen, was schlussendlich zur Spaltung dieser Partei in BZÖ und "Alt-FPÖ" unter der Führung von Heinz-Christian Strache führte.
Die ÖVP-FPÖ-Koalition führte auch zu einer neuen Machtverteilung im politischen System Österreichs. Vor der "Wenderegierung Schüssel I" war Österreich durch das Proporzsystem von SPÖ und ÖVP dominiert, auch spielten Gewerkschaft und Unternehmervertreter im Rahmen der Sozialpartnerschaft eine wesentliche Rolle in der politischen Willensbildung. Diese österreichische Besonderheit fand unter der Kanzlerschaft Wolfgang Schüssels ein Ende. Kritiker sehen nun neue Machtaufteilungen und Postenschacher zwischen ÖVP und FPÖ/BZÖ.
Europäischer Ratspräsident
Schüssel folgte Tony Blair mit 1. Januar 2006 als
Ratspräsident der
Europäischen Union nach; am 1. Juli 2006 übernahm
Tarja Halonen, die Präsidentin
Finnlands, das Amt. Am 20. und 21. Juni 2006 kam es zu einem Treffen der EU-Ratspräsidentschaft mit US-Präsident
George W. Bush in
Wien.
Schüssel Privat
Schüssel ist mit der Psychotherapeutin Dr. Krista Schüssel verheiratet und hat zwei Kinder, seine Tochter
Nina ist Schauspielerin. Schüssel spielt Klavier, Akkordeon, Gitarre und Cello.
Zudem ist er ein begeisterter Bergwanderer und Fussballspieler.
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