Als Wirtschaftskrise bezeichnet man in der Volkswirtschaftslehre die Phase einer deutlich negativen Entwicklung des Wirtschaftswachstums. Daneben bezeichnet man auch negative Entwicklungen bei anderen makroökonomischen Variablen (z. B. Preisniveau, Beschäftigung, Kapitalströme etc.) als Wirtschaftskrise. Eine Wirtschaftskrise kann einzelne oder mehrere Volkswirtschaften oder sogar die gesamte Weltwirtschaft betreffen. Die von einer Wirtschaftskrise betroffenen Volkswirtschaften leiden in der Folge zumeist an sozialen Folgen wie Arbeitslosigkeit, Verarmung breiter Gesellschaftsschichten oder sozialen Unruhen.
Bezogen auf die wirtschaftliche Konjunktur unterscheidet man die drei Ausprägungen Stagnation, Rezession und Depression. Als Stagnation bezeichnet man eine Phase, in der eine Volkswirtschaft nicht wächst und somit der Output zwischen zwei Zeitpunkten stagniert. Allerdings ist es strittig, ob eine Phase der Stagnation schon als Wirtschaftskrise bezeichnet werden kann. In einer Rezession schrumpft nach allgemeiner Definition der volkswirtschaftliche Output hingegen über mindestens zwei aufeinander folgende Quartale. Als Depression bezeichnet man eine lang andauernde Rezession.
Die Gründe für Wachstumskrisen sind vielfältig. Zum einen können sie ausgelöst werden durch eine volkswirtschaftliche Nachfrage, die im Verhältnis zum volkswirtschaftlichen Angebot zu gering ist (siehe Unterkonsumtionstheorie). Dies wiederum kann zurückzuführen sein auf eine einbrechende Binnennachfrage, d. h. einen starken Rückgang der Kaufbereitschaft der Konsumenten (auch als Konsumstreik bezeichnet). Diese wiederum hängt ab vom Vertrauen der Konsumenten in die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung (d. h. Wachstumsaussichten, Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes etc.). Negativ wirken sich hier z. B. große Naturkatastrophen, Kriegsgefahr oder Terroranschläge aus. Auch Rohstoffverknappungen (z. B. in Form eines Ölpreisschocks) führen zu einer Zurückhaltung der Konsumenten. Nach keynesianischer Sichtweise hat auch die staatliche Nachfrage nach Gütern einen starken Einfluss auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung; senkt der Staat seine Staatsausgaben oder erhöht er die Steuern, so führt dies über einen Multiplikatoreffekt zu einem Rückgang der Gesamtnachfrage und kann somit eine Wirtschaftskrise auslösen oder verstärken.
Wachstumskrisen können auch von der Angebotsseite begründet werden: So kann der Abbau bestehender hoher Überkapazitäten (die so genannte Strukturkrise) zu oben beschriebener Unsicherheit und einem Rückgang der Gesamtnachfrage führen.
Tritt eine Stagnation (oder Rezession) zusammen mit anhaltender und hoher Inflation auf, so spricht man von einer Stagflation. Auch eine hohe Inflation selbst (Hyperinflation) kann als Form der Wirtschaftskrise bezeichnet werden. Umgekehrt wird auch ein dauerhafter Rückgang der Preise (Deflation) als wirtschaftliche Krise angesehen.
Starke Preissteigerungen können von einer ganzen Reihe von Faktoren ausgelöst werden: Ein hohes Wirtschaftswachstum (verbunden mit einer stark expansiven inländischen Nachfrage) führt direkt zu einer Verteuerung der Güter. Man spricht in einem solchen Fall von einer Überhitzung; die stark ansteigende Teuerung führt zu einem Einbrechen der Gesamtnachfrage und somit u. U. zu einer Stagflation.
Auch von der Angebotsseite her kann es zu einer preislichen Wirtschaftskrise kommen: Steigen die Preise für Vorprodukte (beispielsweise aufgrund von starken Rohstoffpreis-Erhöhungen) stark an, so kommt es gleichzeitig zu Inflationsdruck und Nachfragerückgang.
Darüber hinaus kann auch eine zu expansive Geldpolitik zu Inflation und den damit verbundenen Krisensymptomen führen.
In der jüngeren Vergangenheit hat sich eine Vielzahl von Wirtschaftskrisen auf den internationalen Finanzmärkten abgespielt. Wird in großem Umfang Kapital aus einem Land abgezogen, so spricht man ganz allgemein von einer Finanzkrise. Wird dies durch einen Zusammenbruch des Bankensystems ausgelöst oder begleitet, spricht man auch von einer Bankenkrise. Eine weitere typische Begleiterscheinung von Finanzkrisen ist die starke Abwertung der Währung eines Landes (= Währungskrise).
Finanziert ein Land seinen Lebensstandard über starke Kapitalzuflüsse aus dem Ausland, so spricht man von einer latenten Zahlungsbilanzkrise, da ein solches Verhalten nicht langfristig tragbar ist. Eine Währungskrise ist (v. a. in Entwicklungsländern) oft die direkte Folge einer Zahlungsbilanzkrise. Treten Banken- und Währungskrise gemeinsam auf, so spricht man von einer Zwillingskrise .
Generell werden alle Finanzkrisen ausgelöst durch Unsicherheit seitens der Anleger über die Vorteilhaftigkeit der Anlage in einem Land. Dasselbe gilt bei Bankenkrisen bezogen auf die einzelne Bank bzw. den Bankensektor. Als Grund für die Krise kann somit derjenige Faktor bezeichnet werden, der für die zunehmende Unsicherheit verantwortlich ist. Im Falle von Bankenkrisen sind dies in der Regel ein schlecht funktionierendes Bankensystem, eine unzureichende Bankenaufsicht oder die schlechte gesamtwirtschaftliche Lage, die dazu führt, dass die Banken eine große Zahl an Forderungen abschreiben müssen und so in eine finanzielle Schieflage geraten.
Allgemeine Finanz- und Währungskrisen lassen sich u. a. zurückführen auf Ineffizienzen an den Finanzmärkten - z. B. in Form von Blasenbildungen. Die Möglichkeit eines schnellen Abzugs von Finanzkapital ist zurückzuführen auf geringen Transaktionskosten. Je kürzer die durchschnittliche Frist des in einem Land angelegten Kapitals ist, umso größer ist die Gefahr einer Finanzkrise. Begünstigt werden Finanzkrisen durch unsichere konjunkturelle Aussichten und durch politische Unsicherheiten (Gefahr eines Putsches, Fehlen von Rechtssicherheit, Gefahr von Enteignungen etc.).
Besonders häufig treten starke Desinvestitionen an Börsen auf - z. B. in Form eines Schwarzen Montags, Donnerstags oder Freitags.
Auch eine falsche Wirtschaftspolitik kann verantwortlich für Finanzkrisen sein: Hält der Staat oder die Zentralbank ein Regime fester Wechselkurse zu lange aufrecht, obwohl dies nicht mehr zu den gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen passt, so steigt die Gefahr von Kapitalflucht und damit einer Währungs- und Bankenkrise.
Panik von 1837: Die von 1837 bis 1843 dauernde Wirtschaftskrise war geprägt durch eine scharfe Konjunkturabschwächung in der US-amerikanischen Wirtschaft, verursacht von Fehlinvestitionen der Banken und mangelndes Vertrauen in die Papierwährung. Die Wirkungen übertrugen sich insbesondere auf die englische Wirtschaft.
Diese Krise traf gleichzeitig mit einer US-amerikanischen Wirtschaftskrise zusammen und führte in allen hochentwickelten Ländern zu einer langen Stagnation. Der wirtschaftliche Niedergang erreichte seinen tiefsten Punkt 1878 und erst in der zweiten Hälfte des Jahres 1879 trat eine von den USA und England ausgehende Besserung der Wirtschaftslage ein.
Deutsche Inflation 1914 bis 1923: Die Hyperinflation des Jahres 1923 in der Weimarer Republik hat ihre Ursachen in der Art der Finanzierung des Ersten Weltkrieges (Schatzanweisungen, die durch die Zeichnung von Kriegsanleihen durch die Bevölkerung im Nachhinein finanziert werden mussten) und ihrer Folgen: Der Staat druckte in großem Umfang Papiergeld, um zunächst den Krieg und später die Reparationszahlungen finanzieren zu können. Die kriegsbedingte Rezession fiel somit zusammen mit einer hohen Inflation.
Weltwirtschaftskrise (Great Depression) 1929 bis in die späten 1930er-Jahre: Als Weltwirtschaftskrise bezeichnet man einen 1929 einsetzenden schweren volkswirtschaftlichen Einbruch, der in allen wichtigen Industrienationen massive negative Folgen hatte (u. a. in Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit und Deflation), da viele heute selbstverständliche marktregulierende Elemente noch fehlten.
Erste Ölkrise 1973: Das Ölembargo der OPEC verbunden mit der hohen Verschuldung des amerikanischen Staates wegen des Vietnamkriegs führten zur Stagflation in den USA. Von der ersten Ölkrise waren alle wichtigen Industrienationen betroffen. In Deutschland markierte sie das Ende des Wirtschaftswunders. In der Folge traten bis dato weitgehend unbekannte Erscheinungen auf, etwa Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit und steigende Sozialausgaben.
Zweite Ölkrise 1979 bis 1980: Eine weitere drastische Preissteigerung fand 1979/1980 statt. Ausgelöst wurde sie im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung während des ersten Golfkriegs zwischen Iran und Irak. Die rezessiven Wirkungen in den Industrieländern waren weniger gravierend als in Folge der ersten Ölkrise. Allerdings ist die zweite Ölkrise als der finale Auslöser der Schuldenkrise einer Reihe von Entwicklungsländern zu sehen. Diese mussten in mehreren Umschuldungsabkommen teilweise bis Mitte der 1990er auf politischer Ebene verhandeln, um ihre wirtschaftspolitische Souveränität wiederzuerlangen.
Asienkrise 1997 bis 1998: Als Asienkrise wird die Finanz- und Wirtschaftskrise Ostasiens der Jahre 1997 und 1998 bezeichnet. Sie begann im Juli 1997 in Thailand und griff auf mehrere asiatische Staaten über, insbesondere auf viele der so genannten Tigerstaaten. Die am stärksten betroffenen Länder waren Indonesien, Südkorea und Thailand. Ursache der Krise waren die zu hohen Renditeversprechen an ausländische Investoren, die sich durch Investitionen in den Ländern nicht mehr refinanzieren ließen. Deswegen und aufgrund des fehlenden Wechselkursrisikos (feste Wechselkursbindung an den US-Dollar) strömte im Vorfeld der Krise viel kurzfristiges Kapital in die Länder. Durch Herdenverhalten kam es in Folge erster Krisensymptome zu einem massiven Kapitalabzug aus den Ländern, der dort eine mehrjährige Wirtschafts- und Finanzkrise auslöste.
Nach marxistischer Auffassung sind zyklische Wirtschaftskrisen dem kapitalistischen Wirtschaftssystem immanent (vgl Kondratjew-Zyklus).
Diese Unruhen haben oft auch politische Folgen: Wirtschaftskrisen können zum Sturz bestehender Regierungen und sogar zu einer Umwälzung des gesamten politischen Systems (entweder Putsch oder Demokratisierung) führen. So gesehen bieten Wirtschaftskrisen nicht nur Risiken, sondern auch Chancen.
Auch ökonomisch sind Wirtschaftskrisen nicht nur negativ zu bewerten. So verursacht oft nicht zuletzt eine wirtschaftliche Krise den für den Umbau einer Volkswirtschaft notwendigen Reformdruck.
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