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Das deutsche Wort Wirklichkeit wurde von Meister Eckhart als Übersetzung des lateinischen "actualitas" eingeführt. Es bezeichnet den Seinsmodus, der von Möglichkeit und Notwendigkeit abgegrenzt ist (siehe auch Kontingenz). Dem Begriffspaar Wirklichkeit/Möglichkeit (Akt/Potenz) steht das anders akzentuierte Begriffspaar Realität/Idealität gegenüber (siehe auch Realismus und Idealismus).

Der Begriff „Wirklichkeit“ erklärt im Unterschied zum Begriff Realität reale Dinge als Dinge, die eine Wirkung haben oder ausüben können. Insofern sind auch subjektive innere, z.B. emotionale Zustände der Wirklichkeit zugehörig, da auch sie Wirkung zeigen (Stichwort Psychosomatik). Dies kommt etwa in der Definition des Gestaltpsychologen Kurt Lewin zum Ausdruck: "Wirklich ist, was wirkt." Diese erweiterte Verwendung des Begriffs findet man vor allem in der Psychologie und in der Kommunikationsforschung, während sie in den Naturwissenschaften oft noch abgelehnt wird, weil sie zu Missverständnissen führen könnte.

„Santiago-Theorie“


Nach der Santiago Theorie von Maturana und Varela wird Wirklichkeit durch die verkörperte Erfahrung eines Organismus hervorgebracht.

Wirklichkeitsordnungen


Der Kommunikationsforscher Paul Watzlawick teilt Wirklichkeit in verschiedene Ordnungen ein:

Die Wirklichkeit 1. Ordnung

ist das, was wir täglich zusammen mit anderen Menschen erleben, was anhand von Experimenten und durch Wiederholungen "überprüfbar" ist, wie zum Beispiel die Form, Farbe, Duft, Geräusche von bestimmten Objekten.

Die Wirklichkeit 2. Ordnung

ist auf ein Individuum bezogen und mit "Grundannahmen" zu umschreiben, die wir über die Welt durch Erfahrung haben. Sie ist eng verbunden mit Sinn und Wertvorstellungen, die wir mit den Dingen an sich verbinden und das Resultat höchst komplexer Kommunikationsvorgänge.

Die Wirklichkeit 3. Ordnung

ist das mehr oder weniger "einheitliche Bild", das wir aus unserer Erfahrung heraus erschaffen. Diese Ebene der Wirklichkeit ist identisch mit unserem Weltbild bzw. unserer Weltanschauung.

Buddhismus


Der Begriff Wirklichkeit ist auch beim Verständnis der buddhistischen Lehre von Bedeutung. Hier wird häufiger zwischen der relativen Wirklichkeit und der absoluten Wirklichkeit unterschieden. Die relative Wirklichkeit entspricht der alltäglich erlebten Welt, wie sie von jedem unerleuchteten Wesen in individuell erfahren wird (Samsara). Die absolute Wirklichkeit wird in Nirvana erfahren und ist frei von individuellen Prägungen bzw. Bedingungen. Erst in der Erfahrung der absoluten Wirklichkeit ist es möglich direkt die tatsächlichen Verhältnisse, Prozesse bzw. Wirkungen zu erkennen.

Manche Lehrer und/oder Autoren sprechen auch von der relativen Wirklichkeit als der (Erfahrungs)Welt in der jemand lebt und denkt. Die absolute Wirklichkeit wird dann auch kurz nur als "Wirklichkeit" bezeichnet. Andere geläufige Umschreibungen sind auch die "reale", "letztendliche" oder "tatsächliche" Wirklichkeit.

Literatur


Roth, Gerhard: Das Gehirn und seine Wirklichkeit (Wissenschaft)

Varela/Thompson/Rosch: Der mittlere Weg der Erkenntnis (Wissenschaft u. Buddhismus)

Watzlawick, Paul: Wie wirklich ist die Wirklichkeit (Kommunikationsforschung)

Siehe auch


Weblinks


Metaphysik

Рэчаіснасць | Действительность

 

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