Eine Sonnenwende oder Sonnwende (lat. Solstitium, Stillstand der Sonne) stellt den Zeitpunkt dar, in dem die Sonne im Laufe eines Sonnenjahres die größte nördliche oder südliche Deklination erreicht. In diesem Augenblick kehrt die Sonne ihre durch die Schiefe der Ekliptik bewirkte Deklinationsbewegung um und nähert sich wieder dem Himmelsäquator.
Diese maximale Deklination erreicht sie jedes Jahr zweimal: einmal nördlich und einmal südlich des Himmelsäquators; je nach Hemisphäre (also Nord- oder Südhalbkugel der Erde) spricht man dabei jeweils von der Sommer- oder Wintersonnenwende. Zu diesen Zeiten hat sie auch ihre größte bzw. kleinste Mittagshöhe über dem Horizont.
Die Verbindungslinie der beiden Sonnenwenden heißt Solstitiallinie.
Die zwei Zeitpunkte fallen bis auf wenige Minuten mit jenen Zeitpunkten zusammen, in denen die Sonne ihre größte nördliche oder südliche Deklination – etwa 23° 26' 20" – und damit ihre nördlichste oder südlichste Stellung auf der Himmelskugel erreicht. Der geringe Zeitunterschied resultiert aus dem Umstand, dass es eigentlich der Schwerpunkt des Erde/Mond-Systems ist, der sich gleichmäßig in der „Erd“bahnebene (Ekliptik) um die Sonne bewegt, während die Erde selbst diesen Schwerpunkt umkreist und sich in der Regel etwas oberhalb oder unterhalb dieser Ebene befindet. Vom geozentrischen Beobachter aus gesehen läuft die Sonne daher nicht exakt auf der Ekliptik (sie hat eine ekliptikale Breite ungleich Null). Sie passiert deshalb zum einen nicht exakt durch den nördlichsten bzw. südlichsten Punkt der Ekliptik, zum Anderen führt ihre veränderliche ekliptikale Breite dazu, dass die maximale Deklination in der Regel nicht genau an den Sonnwendpunkten angenommen wird.
Für beide Erdhalbkugeln gilt jeweils: Zur Wintersonnenwende erreicht die Sonne im Jahreslauf ihren tiefsten Stand in Bezug auf den Meridiandurchgang. Zu diesem Zeitpunkt herrscht der kürzeste Tag und die längste Nacht, weil der größere Teil der täglichen Sonnenbahn unterhalb des Horizonts liegt. Umgekehrt erreicht die Sonne zur Sommersonnenwende ihren höchsten Stand. Zu diesem Zeitpunkt herrscht der längste Tag und die kürzeste Nacht, weil der größere Teil der täglichen Sonnenbahn oberhalb des Horizonts liegt.
Nahe den Polarkreisen gibt es zur Wintersonnenwende einen Tag ohne Sonnenaufgang sowie zur Sommersonnenwende einen Tag ohne Sonnenuntergang (Mitternachtssonne, „Weiße Nächte“). Weiter polwärts herrscht dann wochen- bis monatelang der Polartag, bzw. am anderen Pol die Polarnacht. Während dieser Zeiträume liegt die tägliche Sonnenbahn vollständig oberhalb bzw. unterhalb des Horizonts.
Zwischen den Sonnenwenden überschreitet die Sonne jeweils den Himmelsäquator und steht dann senkrecht über dem Äquator der Erde. Diese Zeitpunkte sind die Äquinoktien oder Tagundnachtgleichen. Äquinoktien und Sonnenwenden stellen den Beginn der jeweiligen astronomischen Jahreszeiten dar.
Obwohl der Tag der Wintersonnenwende der kürzeste Tag ist, tritt der früheste Sonnenuntergang ein paar Tage früher und der späteste Sonnenaufgang ein paar Tage später ein. Ursache hierfür ist die Zeitgleichung.
In der Mitteleuropäischen Zeitzone fällt die Sommersonnenwende gegenwärtig stets auf den 21. Juni. Im 20. Jahrhundert konnte sie auch am 22. Juni eintreten. Im 21. Jahrhundert wird sie manchmal am 20. Juni sein, weil die Schaltregel (365,2425 Tage) die tatsächliche Jahreslänge (365,2422 Tage) nur näherungsweise darstellen kann. Ohne die Gregorianische Kalenderreform würde sich ihr Datum pro Jahrtausend um 7–8 Tage verschieben.
Die Wintersonnenwende fällt in der Mitteleuropäischen Zeitzone gegenwärtig etwa gleich häufig auf den 21. und 22. Dezember; der 21. wird künftig häufiger werden.
| Jahr | Sommersonnenwende | Wintersonnenwende | ||
|---|---|---|---|---|
| 2003 | 21. Juni | 21:10 Uhr MESZ | 22. Dezember | 08:04 MEZ |
| 2004 | 21. Juni | 02:57 Uhr MESZ | 21. Dezember | 13:42 MEZ |
| 2005 | 21. Juni | 08:46 Uhr MESZ | 21. Dezember | 19:35 MEZ |
| 2006 | 21. Juni | 14:26 Uhr MESZ | 22. Dezember | 01:22 MEZ |
| 2007 | 21. Juni | 20:06 Uhr MESZ | 22. Dezember | 07:08 MEZ |
| 2008 | 21. Juni | 01:59 Uhr MESZ | 21. Dezember | 13:03 MEZ |
Weitere Details hierzu siehe im Artikel Jahreszeiten.
Analog dazu steht die Sonne im Moment der Sommersonnenwende im sogenannten Sommerpunkt (Rektaszension = 90°).
Durch die Präzession der Erdachse wandern der Winterpunkt und der Sommerpunkt im Laufe von 25.780 Jahren einmal durch den gesamten Tierkreis. So lag der Winterpunkt in der Antike noch im Sternbild Steinbock (deshalb auch „Wendekreis des Steinbocks“), und wird sich in etwa 300 Jahren ins Sternbild Ophiuchus (Schlangenträger) verschieben.
Der Sommerpunkt lag in der Antike im Sternbild Krebs (deshalb auch „Wendekreis des Krebses“), seine Wanderung ist in der folgenden Tabelle über einen ganzen Zyklus der Präzession dargestellt. Legt man die modernen Grenzen der Sternbilder zu Grunde, dann befindet er sich in folgenden Sternbildern :
| Sternbild | Eintritt | Mitte | Austritt |
| Schütze | 13.000 v.Chr. | 11.825 v.Chr. | 10.650 v.Chr. |
| Schlangenträger | 10.650 v.Chr. | 9980 v.Chr. | 9310 v.Chr. |
| Skorpion | 9310 v.Chr. | 9070 v.Chr. | 8830 v.Chr. |
| Waage | 8830 v.Chr. | 8005 v.Chr. | 7180 v.Chr. |
| Jungfrau | 7180 v.Chr. | 5600 v.Chr. | 4020 v.Chr. |
| Löwe | 4020 v.Chr. | 2735 v.Chr. | 1450 v.Chr. |
| Krebs | 1450 v.Chr. | 735 v.Chr. | 20 v.Chr. |
| Zwillinge | 20 v.Chr. | 985 n.Chr. | 1990 n.Chr. |
| Stier | 1990 n.Chr. (nahe am Orion) | 3300 n.Chr. | 4610 n.Chr. |
| Widder | 4610 n.Chr. | 5495 n.Chr. | 6380 n.Chr. |
| Fische | 6380 n.Chr. | 7715 n.Chr. | 9050 n.Chr. |
| Wassermann | 9050 n.Chr. | 9905 n.Chr. | 10.760 n.Chr. |
| Steinbock | 10.760 n.Chr. | 11.780 n.Chr. | 12.800 n.Chr. |
| Schütze | 12.800 n.Chr. | 13.975 n.Chr. | 15.150 n.Chr. |
Im Winkel von 90° zum Sommerpunkt und Winterpunkt liegen jeweils der Frühlingspunkt (Rektaszension = 0°) und der Herbstpunkt (Rektaszension = 180°), in denen die Sonne beim Äquinoktium steht.
Die Germanen feierten zur Wintersonnenwende das Julfest. Bei den Römern war der 25. Dezember einer der höchsten Feiertage zu Ehren des Gottes der unbesiegten Sonne Sol invictus.
Auch das Weihnachtsfest liegt zeitlich kurz nach der Wintersonnenwende, was die Ankunft des göttlichen Lichts (Christi Geburt) symbolisieren, bzw. den Heiden den Übergang zum Christentum erleichtern sollte. Die Wintersonnenwende selbst fällt nach dem Heiligenkalender auf den Thomastag.
Der Tag der Sommersonnenwende wird seit jeher von den Menschen als mystischer Tag betrachtet, oft begleitet von weltlichen und religiösen Feierlichkeiten.
Je größer der Unterschied zwischen dem harten Winter und dem warmen Sommer, desto festlicher hat man seit jeher diesen Tag gefeiert. Hoch im Norden Europas, wo in der sommerlichen Jahreszeit die Nächte gar nicht mehr dunkel werden (man spricht auch von den Weißen Nächten), haben Sonnenwendfeiern – als Mittsommerfest bezeichnet – wesentlich mehr Bedeutung als zum Beispiel am Mittelmeer.
Die Sonnenwendfeste haben vor allem in den germanischen, nordischen, baltischen, slawischen und keltischen Religionen einen festen Platz. In der keltischen Mystik heißt der Tag der Sommersonnenwende Alban Heffyn.
Seit der Christianisierung Europas werden diese Feiern oft mit dem 24. Juni, dem Tag Johannes des Täufers (Johannistag), verbunden, und einige der Sonnenwendbräuche, die sich bis heute erhalten haben, wie die Johannisfeuer, sind nach ihm benannt.
Von der in Europa und den USA wachsenden Gemeinschaft von Angehörigen indigener Religionen wird dagegen der 21. gefeiert – meist auch mit einem entsprechenden Feuer. Bei den Anhängern des Neopaganismus wird dieses Fest als Litha bezeichnet.
Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden die wiederentdeckten altgermanischen Sonnenwendfeiern offizielle Feiertage und in die Symbolik von „Volk, Blut und Boden“ integriert. Dies schadet ihrem Ruf teilweise bis heute.
Esoterik und Astrologie berufen sich auf verschiedene heidnische Traditionen und feiern teilweise die Sonnenwende als Sonnenkult.
Die südlichste Sommersonnenwendfeier findet seit 1929 in der spanischen Region Alicante stand.
William Shakespeares Komödie A Midsummer Night's Dream (dt. Ein Sommernachtstraum) handelt während einer Sommersonnenwende in der klassischen Einheit von Zeit, Ort und Handlung des Geschlossenen Dramas. Neben den beiden anderen nimmt Richard Wagner „das schöne Fest, Johannistag“ (Bass-Arie) als klassische Einheit der Zeit in seiner heiteren Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“: Nürnberg sucht den Sängerstar, erster Preis eine Braut. Passend zum Bühnengeschehen fand die Uraufführung in München am Sonnwendtag 21. Juni 1868 statt. An die drei klassischen Einheiten hält sich auch Ingmar Bergman in seinem Film von 1955 „Das Lächeln einer Sommernacht (Sommarnattens leende)“.
Das typische Juni-Sommerwetter und die in mittleren Breiten der Nordhalbkugel noch frühlingshafte Wachstumsstimmung in der Natur ist ideal für Freiluftveranstaltungen aller Art. So ist die Sonnenwende wenn nicht der bewusste Grund, so doch ein willkommener Anlass für zahlreiche Feste und Feiern in dieser Jahreszeit.
Die größte unorganisierte Sommersonnwendfeier in Europa findet in Stonehenge statt, die größte Deutschlands an den Externsteinen.
Astronomische Größe der Zeit | Astrometrie | Meteorologie | Zeremonie
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