| Winston Churchill | Churchill-in-quebec-1944-23-0201a.gif | - | Amtszeiten: | 1.) 10. Mai 1940 - 27. Juli 1945 2.) 26. Oktober 1951 - 7. April 1955 | - | Vorgänger: | 1.) Neville Chamberlain 2.) Clement Attlee | - | Nachfolger: | 1.) Clement Attlee 2.) Anthony Eden | - | Geburtsdatum: | 30. November 1874 | - | Geburtsort: | Woodstock (Oxfordshire), England | - | Partei: | Konservative Partei, Liberale Partei |
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Der Großvater, John Winston Spencer-Churchill, war als Siebenter Herzog von Marlborough Mitglied des englischen Hochadels. Randolph Churchill war dessen dritter Sohn und erbte daher nicht den Herzogstitel. Winston Churchill selbst sollte in den 50er Jahren die angebotene Erhebung zur erblichen Peerswürde ablehnen, wurde aber 1953 zum Ritter des Hosenbandordens geschlagen. Seine Herkunft sicherte ihm in seiner Jugend die Aufnahme in renommierte Internate und eine Laufbahn als Armeeoffizier, obwohl seine Leistungen als Schüler eher mangelhaft waren.
Von 1881 bis 1892 besuchte Churchill Eliteschulen in Ascot, Brighton und Harrow. Das autoritäre Erziehungssystem dort widerstrebte ihm und er blieb mehrfach sitzen. Nach der Schulzeit bewarb er sich beim Militär, fiel jedoch zweimal durch die Aufnahmeprüfung. 1893 aber kam er doch noch als Kadett nach Sandhurst und mit 21 Jahren als Kavallerie-Leutnant zum 4. Husarenregiment. Hier erkannte er, wozu er wirklich berufen zu sein schien: zum „Krieger“.
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Außerdem zeigte sich nun ein weiteres Talent: Ohne schulischen Druck erwarb sich Churchill eine profunde literarische Bildung und begann kurz darauf selbst zu schreiben. Bis zu seinem Lebensende sollte er als Journalist und Buchautor einen geschliffenen Stil pflegen, der ihm den Nobelpreis für Literatur einbrachte.
Zwischen 1895 und 1901 erlebte Churchill als aktiver Soldat und Kriegsberichterstatter fünf verschiedene Kolonialkriege mit: in Kuba sowie in Indien und anderen Teilen des Britischen Empire. In der Schlacht von Omdurman im Sudan nahm er an einer der letzten Kavallerieattacken der Geschichte teil. Im Burenkrieg gelang ihm nach der Gefangennahme eine spektakuläre Flucht. Sein Buch über dieses Abenteuer und seine Kriegsberichte machten ihn in England bekannt.
Sein erster spektakulärer Auftritt im Parlament war am 31. Mai 1904 der demonstrative Übertritt zu den Whigs. Der Grund dafür war die Haltung der Liberalen in der Frage „Freihandel oder Schutzzoll“, die ihm näher lag. Bei den Whigs wanderte er auf der politischen Skala immer weiter nach links. Er gehörte dem sozialreformerischen Parteiflügel an und galt schließlich in der Öffentlichkeit wie sein Förderer David Lloyd George als draufgängerischer, aber auch bewunderter Radikaler.
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Bei den Konservativen inzwischen regelrecht verhasst, überraschte er in den Jahren nach 1906 Freund und Feind durch seine Fähigkeiten als Unterstaatssekretär für die Kolonien sowie als Wirtschafts- und Innenminister. Insbesondere wegen seiner armenfreundlichen Sozialpolitik stieß er bei den Tories auf heftige Ablehnung. Sein persönliches Eingreifen in die Sidney Street-Belagerung, eine Schießerei der Londoner Polizei mit Anarchisten, verurteilten sie als skandalös.
Genau zu dem Zeitpunkt, als der deutsch-britische Flottenkonflikt sich zuspitzte, machte Premierminister Herbert Henry Asquith Churchill 1911 zum Ersten Lord der Admiralität, zum Marineminister. Seine wichtigste Entscheidung in diesem Amt, vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, war die Umrüstung der britischen Schlachtflotte von Kohle- auf Ölfeuerung, was ihren Aktionsradius deutlich erhöhte. Sein rascher politischer Aufstieg fiel mit Veränderungen in seinem Privatleben zusammen: Im September 1908 heiratete Churchill in der Londoner St. Margaret's Church Clementine Hozier, mit der er bis zu seinem Tod zusammenlebte. Dem Ehepaar wurden später ein Sohn und vier Töchter geboren, von denen eine noch im Kindesalter starb. Sein Sohn Randolph und zwei seiner Enkel sollten ebenfalls Parlamentarier werden. Seine jüngste Tochter Mary ist seit 2005 Trägerin des Hosenbandordens.
Zu einem Fehlschlag wurde sein Plan, die Kriegsgegner Deutschland und Österreich im Süden über die mit ihnen verbündete Türkei anzugreifen. Das Landeunternehmen britischer, französischer, indischer, australischer und neuseeländischer Truppen auf Gallipoli an den Dardanellen endete mit einem Misserfolg; Anfang 1916 zogen sich die Alliierten wieder von der Halbinsel zurück.
Nach dem Rücktritt seines Flottenchefs John Fisher wurde eine Einbeziehung der Konservativen in die Regierung unausweichlich, um eine Regierungskrise abzuwenden. Da Churchill seit seinem Parteiwechsel den Konservativen, insbesondere ihrem Parteichef Andrew Bonar Law, als „Verräter” galt, und weil man vor der Öffentlichkeit einen Sündenbock für die Niederlage an den Dardanellen brauchte, musste er die Verantwortung dafür übernehmen und am 18. Mai 1915 zurücktreten. Nach einem steilen Aufstieg schien seine Karriere in einem tiefen Sturz zu enden. Bis Ende des Jahres verblieb er in der unbedeutenden Position des Kanzler des Herzogtums Lancaster in der erweiterten Regierung.
Im November desselben Jahres meldete er sich freiwillig zur Armee und ging als Major an die Front nach Frankreich, wo er ein Bataillon befehligte. Aber schon 1916 bewarb er sich wieder erfolgreich um einen Unterhaussitz, und 1917 holte ihn Lloyd George, der mittlerweile Asquith als Premier abgelöst hatte, als Rüstungsminister zurück ins Kabinett. In dieser Funktion war er maßgeblich an der Entscheidung zum Bau und Einsatz der Tanks - also der ersten Panzer - beteiligt: einer Waffe, die im Sommer 1918 wesentlich zum Zusammenbruch der letzten deutschen Offensive an der Westfront beitragen sollte. Bereits Ende 1914, als Marineminister, war er neben Maurice Hankey, dem Sekretär des Nationalen Verteidigungsrates für den Bau dieser als „Landschlachtschiff” bezeichneten neuen Waffe eingetreten, um die erstarrten Fronten wieder in Bewegung zu setzen.
Churchill gehörte auch zu den Ersten, die das militärische Potenzial von Flugzeugen voll erfassten. Ihm war klar, dass die Maschinen, die im Weltkrieg noch vorwiegend zu Aufklärungszwecken und in Einzelkämpfen eingesetzt worden waren, die Kriegführung revolutionierten. Mit ihnen ließen sich künftig Angriffe direkt ins Hinterland des Gegners tragen, um seine militärischen und industriellen Ressourcen zu treffen. Auch England würde sich nicht länger auf seine Insellage verlassen können. Als Luftfahrtminister förderte er daher den Aufbau einer Luftwaffe und setzte sie als Kolonialminister auch zum Abwurf von Bomben gegen Aufständische ein, um das britische Kolonialreich zu sichern.
Der Gefahren des modernen Kriegs war sich Churchill vollauf bewusst. In seinem Werk Nach dem Krieg blickte er 1928 auf den 1. Weltkrieg zurück, zog eine Bilanz aus den Erfahrungen der Vergangenheit und beschrieb damit schon den Krieg der Zukunft:
Noch im November jenes Jahres wurde er Schatzkanzler (Finanzminister) in der Konservativen Regierung des neuen Premiers Stanley Baldwin und blieb es bis zu dessen Abwahl 1929. In diesem Amt setzte er 1924 sogleich die Wiedereinführung des Goldstandards durch. Diese konservative Finanzpolitik führte zu steigender Arbeitslosigkeit in Großbritannien. Die Unzufriedenheit der Arbeiter gipfelte im Generalstreik von 1926. Churchill forderte, den Generalstreik gewaltsam zu beenden: „Entweder das Land bricht den Generalstreik, oder der Generalstreik zerbricht das Land.“ Dazu kam es aber nicht. Jedoch wurde der Goldstandard 1931, zwei Jahre nach Churchills Ablösung als Finanzminister, wegen seiner verheerenden wirtschaftlichen Auswirkungen wieder abgeschafft.
1930 überwarf sich Churchill mit dem abgewählten Premier und Chef der Konservativen wegen dessen angeblich zu nachgiebiger Haltung gegenüber der indischen Unabhängigkeitsbewegung unter Gandhi, den er einen halbnackten Fakir nannte. Als überzeugter Imperialist trat er aus Baldwins Schattenkabinett aus.
Ganz anders als zu Beginn seiner politischen Karriere galt Churchill nun nahezu als Reaktionär. Später brachte ihm seine scharfe Ablehnung der Appeasementpolitik, der Beschwichtigung und des Nachgebens gegenüber Hitler-Deutschland, den Ruf eines Kriegstreibers ein. Er erschien in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg als ein Mann, der seine Zukunft hinter sich hatte und politisch am Ende war. Im Parlament beschränkte sich seine Anhängerschaft in den Reihen der Konservativen auf nur zwei, damals noch sehr unbedeutende Abgeordnete: Harold Macmillan und Brendan Bracken.
Er zog sich auf seinen Landsitz Chartwell in Kent zurück, wo er sich in den nächsten Jahren der Malerei sowie seinen journalistischen und schriftstellerischen Ambitionen widmete. Er pflegte aber nach wie vor intensive politische und gesellschaftlichen Kontakte, um den Anschluss an die zeitgenössischen Entwicklungen zu behalten. Zu den Gästen von Churchills berühmten Abendgesellschaften in Chartwell zählten u. a. Heinrich Brüning, Frederick Lindemann und Charlie Chaplin. In der Zeit des „inneren Exils” - die er selbst später als „Wilderness Years” charakterisierte - entstanden unter anderem die großangelegte Biographie seines Ahnherrn Marlborough und die vierbändige Geschichte der englischsprachigen Völker, die er bis spät in der Nacht seinen Schreibkräften diktierte. Seinem Biografen William Manchester zufolge war Churchill in den 30er Jahren der bestbezahlte Schriftsteller und Kolumnist der Welt.
Als solcher plante er die Besetzung des norwegischen Hafens Narvik, um das Deutsche Reich von schwedischen Erzlieferungen abzuschneiden. Am 8. April 1940, einen Tag vor dem deutschen Einmarsch in Dänemark und Norwegen, verminte die Royal Navy entgegen dem Wunsch der Regierung Norwegens dessen Hoheitsgewässer, um deutsche Flottenbewegungen entlang der Küste zu erschweren. Dennoch konnten die Deutschen Truppen in Narvik anlanden. Ein britisch-französisches Expeditionskorps nahm die Stadt zwar ein, wurde jedoch im Mai 1940 angesichts der deutschen Westoffensive (Fall Gelb) wieder abgezogen. Narvik wurde den Deutschen überlassen.
Hitlers Sieg hätte nach Churchills eigenen Worten bedeutet, dass „die ganze Welt, einschließlich der Vereinigten Staaten, einschließlich all dessen, was wir gekannt und geliebt haben, im Abgrund eines neuen Dunklen Zeitalters versinken“ müsste. Daher verlangte er im Juni gegen teilweise Widerstände in der eigenen Regierung, dass keinerlei Zugeständnisse an Deutschland gemacht und der Krieg notfalls aus Übersee weitergeführt werden sollte. Diese Politik durchgesetzt, den Durchhaltewillen der Engländer gestärkt und damit die Grundlagen für den späteren Sieg der Anti-Hitler-Koalition gelegt zu haben, bleibt die historische Lebensleistung Churchills. Historiker wie Christian Graf Krockow (s. u.) sehen daher in ihm, nicht in Roosevelt oder gar Stalin den eigentlichen Gegenspieler Hitlers.
Schon am 13. Mai, in seiner ersten Rede als Premierminister, versprach Churchill seinen Landsleuten „nichts als Blut, Mühsal, Tränen und Schweiß“ und stellte fest, dass der „Krieg gegen eine monströse Tyrannei, wie sie nie übertroffen worden ist im finsteren Katalog der Verbrechen der Menschheit“ nur mit einem „Sieg um jeden Preis“ beendet werden dürfe. Deshalb ignorierte er auch das so genannte Friedensangebot, das Hitler England in seiner Reichstagsrede vom 19. Juli machte.
Auch Churchills Befehl zur Versenkung eines Teils der französischen Mittelmeerflotte im Hafen von Oran trug zur Verhinderung einer deutschen Invasion bei. Denn die neue französische Regierung unter Marschall Philippe Pétain hatte einen Waffenstillstand mit Deutschland geschlossen und verfolgte eine Politik der Kollaboration: Damit drohte die Marine des ehemaligen Verbündeten in Hitlers Hände zu fallen. Bei der britischen Präventivaktion (Unternehmen Catapult) starben 1.267 französische Marinesoldaten, woraufhin die Vichy-Regierung die diplomatischen Beziehungen zu England abbrach.
Der deutsche Invasionsplan (Unternehmen Seelöwe) wurde im Herbst 1940 immer wieder verschoben und im Frühjahr 1941 schließlich aufgegeben. In dieser Zeit flogen deutsche Bomber jedoch ständig Angriffe auf London und viele andere Städte in Südengland, die - wie beispielsweise Coventry - schwere Zerstörungen hinnehmen mussten. Vom 25. August 1940 an ging auf Befehl Churchills auch die Royal Air Force dazu über, gezielt Wohngebiete deutscher Städte zu bombardieren, nachdem bereits zuvor Angriffe gegen Industrieanlagen etwa im Ruhrgebiet geflogen worden waren.
Der britische Luftkrieg gegen deutsche Städte und die Zivilbevölkerung wird Churchill bis heute zum Vorwurf gemacht. Deutsche Historiker wie auch der Publizist Jörg Friedrich bezeichnen ihn deshalb als Kriegsverbrecher. Sie kritisieren, dass im Rahmen des so genannten moral bombing, also der Flächen- Bombardierungen zur Brechung der Kampfmoral des Gegners, gezielt Wohngebiete angegriffen wurden: auch noch zum Kriegsende hin, als dies keine militärische Bedeutung mehr gehabt habe. Dabei wird häufig auf die weitgehende Zerstörung der Innenstadt Dresdens verwiesen. Die hohe Zahl der Opfer in der Stadt, die mit schlesischen Flüchtlingen überfüllt war, veranlasste Winston Churchill, die Bombardements deutscher Städte prinzipiell in Frage zu stellen.
Andere Historiker wie Frederick Taylor betonen demgegenüber, dass Großbritannien nach dem Rückzug seiner Landstreitkräfte vom Kontinent Deutschland nur noch mit Hilfe der Royal Air Force attackieren konnte. Punktgenaue Angriffe auf rein militärische und industrielle Ziele seien zumindest in der Anfangsphase - zumal bei Nachtangriffen - technisch nicht möglich gewesen. Die britische Bevölkerung sah in den Aktionen der Royal Airforce damals eine legitime Antwort auf die deutsche Kriegführung, die mit den Bombardierungen Guernicas, Warschaus, Rotterdams und der südenglischen Städte erstmals in der Geschichte schwere Luftangriffe auf zivile Ziele unternommen hatte.
Spätestens Mitte 1944, als Engländer und Amerikaner die uneingeschränkte Luftherrschaft über dem Reichsgebiet errungen hatten, erreichten die Flächenbombardierungen eine Eigendynamik, die auch Churchill nicht mehr stoppen konnte oder wollte. Während dieser Zeit wurden zahlreiche deutsche Städte in Schutt und Asche gelegt. Erst ganz am Ende des Kriegs distanzierte sich Churchill von Luftmarschall Arthur Harris, den er 1942 zum Oberbefehlshaber des britischen Bomber Command ernannt hatte. Dieser hatte zu den Verfechtern des „moral bombing“ gehört und dieses stets als Auftrag seiner Regierung empfunden.
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Dennoch erreichte Churchill, dass England über den Nordatlantik mit lebens- und kriegswichtigen Gütern aus den USA versorgt wurde. Das Leih- und Pachtgesetz, das Roosevelt am 11. März 1941 durch den Kongress brachte, ging auf eine direkte Initiative Churchills vom Mai 1940 zurück. Es erlaubte der US-Regierung unter anderem, Kriegsschiffe an England auszuleihen.
Am 14. August 1941 trafen sich Roosevelt und Churchill mitten im Atlantik auf dem Schlachtschiff „Prince of Wales“. Dort unterzeichneten sie die Atlantik-Charta, die mit ihren „8 Freiheiten“ zur Grundlage der Nachkriegsordnung und der Vereinten Nationen werden sollte.
Bis dahin hatte sich Englands Lage bereits entscheidend verbessert. Schon Hitlers Ausgreifen auf den Balkan und Nordafrika hatte deutsche Luftangriffe auf Ziele in Großbritannien verringert, und nach dem Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 stand das Land nicht mehr allein im Krieg. Trotz seines Misstrauens gegen Stalin, der zunächst mit Hitler paktiert hatte, bot Churchill ihm nun sofort Unterstützung an. So kam es trotz Englands eigener prekärer Lage ab Oktober zur Lieferung von britischen und US-amerikanischen Hilfsgütern an Moskau.
Zwei Monate später, am 11. Dezember 1941, erklärte Hitler auch den USA den Krieg. Damit hatte Churchill endlich den gewünschten Verbündeten an seiner Seite. Unter den „Großen Drei“ – Roosevelt, Stalin und Churchill – sollte ihm am Ende zwar nur noch die Rolle des Junior-Partners der Amerikaner bleiben. Dennoch übte er weiter großen Einfluss auf die Kriegführung aus, nun schon mit Blick auf die Zeit nach Hitlers Niederlage. Denn klarer als Roosevelt erkannte er die Gefahr, dass dem von den Nazis beherrschten ein sowjetisch dominiertes Europa folgen könnte.
Ausdruck dieser Befürchtung war Churchills Mittelmeerplan. Wie schon in der Schlacht von Gallipoli im 1. Weltkrieg wollte er die Kriegsgegner an ihrer schwächsten Stelle im Süden – diesmal in Italien – angreifen, dann die Alpen östlich umgehen, nach Österreich und ins Zentrum Deutschlands vorstoßen und zugleich die deutschen Truppen auf dem Balkan abschneiden. Damit wollte er die Chance wahren, den Krieg noch vor dem Vorstoß der Roten Armee bis weit nach Mitteleuropa hinein zu entscheiden. Ein erster Schritt zu diesem Plan war die „Operation Torch“, die Landung der Briten und Amerikaner in Nordafrika am 8. November 1942.
Auf der Konferenz von Casablanca vom 14. bis 26. Januar 1943 legten Churchill und Roosevelt die gemeinsame Kriegsstrategie fest. Roosevelt setzte dabei gegen Bedenken Churchills, der dies psychologisch nicht für klug hielt, die Forderung nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands durch.
Cairoconference1943ChurchillChiangMdmChiang.jpg, Roosevelt und Churchill auf der Konferenz von Kairo 1943]]
Am 10. Juli 1943 landeten die Alliierten in Italien und nahmen Sizilien ein. Dies hatte den Sturz Mussolinis zur Folge. Doch der Vormarsch der alliierten Truppen über die Apenninhalbinsel kam sehr viel langsamer voran, als sich Churchill erhofft hatte. Auf der Konferenz von Teheran vom 28. November bis 1. Dezember 1943 trafen er und Roosevelt erstmals mit Stalin zusammen: Dieser drängte nun auf die Eröffnung einer zweiten Front in Frankreich. Dabei wurde auch die so genannte Westverschiebung Polens beschlossen: Nach dem Kriegsende sollte die Sowjetunion die schon im Hitler-Stalin-Pakt gewonnenen ostpolnischen Gebiete behalten, dafür wurde Polens Westgrenze an die Oder-Neiße-Linie verlegt.
Auf dem Weg nach Teheran hatte Churchill in Ägypten Station gemacht. Auf der Konferenz von Kairo besprach er am 1. November 1943 mit Roosevelt und dem chinesischen Staatschef Chiang Kai-shek das weitere militärische Vorgehen gegen Japan in Ostasien. Auf der zweiten Kairoer Konferenz am 26. Dezember setzte Churchill bei Roosevelt durch, dass die Verbündeten am Prinzip „Deutschland zuerst” festhielten. Danach sollten die Kriegsanstrengungen im Pazifik erst nach dem Kriegsende in Europa forciert werden.
Am D-Day, dem 6. Juni 1944, fand mit der Operation Overlord schließlich die von Stalin lange geforderte alliierte Landung in der Normandie statt. In Frankreich kamen die Alliierten rasch voran und befreiten bereits im August Paris. Im Oktober erreichten ihre Truppen die Reichsgrenze bei Aachen.
Um die weitere Zusammenarbeit der Alliierten in Europa und im Pazifik zu besprechen, traf sich Churchill vom 11. bis 16. September 1944 mit Roosevelt im kanadischen Quebec. Im Oktober 1944 besuchte er mit seinem Außenminister Anthony Eden Moskau.
Denn trotz der Erfolge der englischen und amerikanischen Truppen fürchtete er weiterhin, dass die Rote Armee schneller und weiter nach Mitteleuropa vorstoßen könnte als die Westalliierten. Daher verabredete er mit Stalin eine Aufteilung Mittel-, Ost- und Südosteuropas in Interessensphären. Die Ardennen-Offensive der deutschen Wehrmacht im Winter 1944/45 verstärkte seine Bedenken noch, so dass er auf der Konferenz von Jalta vom 4. bis 11. Februar 1945 zu weiteren Zugeständnissen an Stalin bereit war.
Dort wurde nicht nur Deutschlands Aufteilung in vier Besatzungszonen beschlossen, sondern auch Europas Teilung in eine westliche und eine sowjetische Einflusssphäre, wie sie bis 1989 Bestand hatte. Churchill musste sich dabei nicht nur mit Stalin, sondern auch mit Roosevelt auseinandersetzen: Dieser war den Sowjets gegenüber sehr viel weniger misstrauisch und glaubte, sie nach dem Krieg in eine wirkliche Friedensordnung einbinden zu können.
Der Krieg ging nun rasch dem Ende zu. Im März, als die britischen Truppen am Rhein standen, stattete Churchill seinem Oberbefehlshaber, Feldmarschall Montgomery, einen Besuch ab und setzte mit ihm bei Wesel über den Strom. Am 8. Mai 1945 konnte er vor dem Unterhaus die bedingungslose Kapitulation Deutschlands und damit den Sieg in Europa bekannt geben.
Nachdem Roosevelt am 12. April 1945 gestorben war, traf sich Churchill mit dessen Nachfolger Harry S. Truman und mit Stalin am 17. Juli auf der Potsdamer Konferenz, um über das weitere Vorgehen in Deutschland und gegen das noch kämpfende Japan zu beraten. Mitten in der Konferenz wurde er jedoch als Premier von seinem bisherigen Stellvertreter Clement Attlee abgelöst. Die Unterhauswahl vom 26. Juli hatte dessen Labour Party gewonnen, weil sie den Briten bessere Schulen, bessere Wohnungen und ein staatliches Gesundheitswesen versprach. Churchills Wahlkampfprogramm - die Fortsetzung des Krieges gegen Japan und die Warnung vor einer Finanz-„Gestapo“ - schien den Wählern dagegen wenig zukunftsorientiert zu sein.
Mit Churchill als Spitzenkandidat errangen die Konservativen im Oktober 1951 einen knappen Wahlsieg, weil er diesmal die Wahlkampfthemen der Labour Party übernommen und den Briten eine Fortführung des staatlichen Wohnungsbauprogramms versprochen hatte. Innenpolitisch verlief seine zweite Amtszeit in Downing Street No. 10 weitgehend unspektakulär. In der Außen- und Kolonialpolitik dagegen musste er mit mehreren von der Vorgängerregierung geerbten Konfliktherden zurecht kommen. Er tat dies als weiterhin überzeugter Verfechter des Britischen Empire und des Kolonialismus.
Die iranische Regierung des Ministerpräsidenten Mohammed Mossadegh hatte Anfang 1951 die Erdölindustrie des Landes verstaatlicht, die bis dahin von Konzernen wie British Petroleum kontrolliert worden war. Churchill forderte und unterstützte die Maßnahmen des amerikanischen Geheimdienstes CIA, die schließlich zum Sturz Mossadeghs und zur Wiedereinsetzung von Schah Mohammad Reza Pahlavi führten.
In Malaya war bereits 1948 eine Rebellion gegen die britische Herrschaft ausgebrochen. Auch in der Kolonie Kenia schwelten Unruhen, die 1952 in den Mau-Mau-Aufstand mündeten. In beiden Fällen trat Churchill dafür ein, die Aufstände militärisch niederzuschlagen. Anschließend versuchte er aber, für alle Seiten politisch tragbare Lösungen zu finden. Die von ihm initiierten Friedensgespräche mit den Aufständischen in Kenia scheiterten allerdings kurz nach seinem Ausscheiden aus dem Amt. Für die malayischen Sultanate im heutigen Malaysia und für Singapur ließ er schon 1953 Pläne für die Unabhängigkeit ausarbeiten, die 1957 realisiert wurden.
Nach dem Tod Stalins im März 1953 bot Churchill der Sowjetunion überraschend die Auflösung der Blöcke und Schaffung eines gesamteuropäischen Sicherheitssystems an: eine Idee, die erst mehr als 40 Jahre später verwirklicht wurde.
Im gleichen Jahr erhielt er den Nobelpreis für Literatur für sein großes historisches Werk Der Zweite Weltkrieg. Die neue Königin Elisabeth II. schlug ihn wegen seiner Verdienste zum Ritter. Den angebotenen Herzogstitel schlug Sir Winston in den Folgejahren aber mehrfach aus, um weiter für das Unterhaus kandidieren zu können.
Im Juni 1953 erlitt er zum wiederholten Mal einen Schlaganfall, der ihn zeitweilig amtsunfähig machte. Schließlich drängten seine Parteifreunde ihn 1955 zum vorzeitigen Rücktritt. Sein Nachfolger wurde Anthony Eden. Churchill ließ sich 1955 und 1959 noch einmal ins Unterhaus wählen, dem er mehr als 60 Jahre angehörte, trat aber als Redner nicht mehr in Erscheinung.
Nach seinem Rücktritt lebte er zurückgezogen noch weitere 10 Jahre. Er starb in seinem 91. Lebensjahr am 24. Januar 1965 - auf den Tag genau 70 Jahre nach dem Tod seines Vaters. Der Verstorbene wurde drei Tage lang in der Westminster Hall aufgebahrt und anschließend mit einem Staatsakt in der Saint Paul’s Cathedral geehrt. Beigesetzt wurde er in der Grabstätte seiner Familie auf dem Saint Martin’s Churchyard in Bladon in der Nähe seines Geburtsorts Woodstock.
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Er war ohne Zweifel eine schillernde Persönlichkeit, die bereits die Zeitgenossen irritierte und sich jeder eindimensionalen Beurteilung entzog. Keiner Partei, schon gar keiner Weltanschauung verpflichtet, wechselte er die politischen Lager, wann immer es ihm nötig und opportun erschien. Er war daher als unzuverlässig verschrien und wurde wegen seiner Ideen sogar von Freunden gefürchtet. Lloyd George beschrieb Churchills Verstand als eine „mächtige Maschine, doch (...) wenn der Mechanismus versagte oder falsch lief, waren die Folgen verheerend“.
Churchill verkörperte in seinem politischen Dasein mal den radikalen Sozialreformer, mal den reaktionären Imperialisten. Einerseits war er der viel beschworene Krieger, der mit seiner Härte und Skrupellosigkeit eher ins 18. Jahrhundert Marlboroughs zu passen schien, andererseits wieder der Politiker, der die UNO mitbegründen half und mit seiner Idee der „Vereinigten Staaten von Europa“ den Weg ins 21. Jahrhundert wies.
Er konnte einerseits höchst eitel sein, stets auf seine Wirkung und den großen Auftritt bedacht. Aber er war andererseits auch fähig, eine solche Rolle auszufüllen. Dies erkannte General Charles de Gaulle - nicht eben der beste Freund des Premiers: „Churchill erschien mir (im Juni 1940) als ein Mann, der der gröbsten Arbeit gewachsen war - vorausgesetzt, sie war gleichzeitig grandios.“
Worum man überhaupt kämpfe, wurde Churchill während des 2. Weltkrieges gefragt. Seine Antwort: Das werde man merken, sobald man aufhöre zu kämpfen. Der große britische Historiker Arnold J. Toynbee fasste es Jahre nach dem Krieg in dem Satz zusammen: „Ohne Churchill läge die Welt heute in Ketten.“
Die Handlungsweise des Premiers in der internationalen Politik lässt sich am besten mit dem Begriff der „Weltverantwortlichkeit“ begreifen, den er selbst verwendete. Aufgrund der Erfahrung des Ersten Weltkriegs sah er die westlichen Demokratien - vor allem Großbritannien und die USA - in der Pflicht, eine ähnliche Katastrophe in Zukunft zu verhindern. Das bedeutete aber zugleich, frühzeitig und konsequent gegen all jene vorzugehen, die sich ihrer Verantwortung für den Weltfrieden entzogen. Dies war für ihn nach 1918 zunächst die Sowjetunion, ab 1933 aber in zunehmendem und wegen seiner expansiven Politik gefährlicherem Maß Deutschland. Die Appeasement-Politik seines Vorgängers Chamberlain bekämpfte er aus eben diesem Grund: weil sie den Krieg, den sie vermeiden sollte, nur umso wahrscheinlicher machte. Weil er die Gefahren, die vom Nationalsozialismus ausgingen klar erkannte, schreckte er auch nicht vor dem kriegsbedingten Bündnis mit Stalin zurück. Aus seiner Sicht stellte es das kleinere von zwei Übeln dar. Aber er betrachtete seine Arbeit 1945 erst als halb getan und gehörte zu den ersten, die eine Eindämmung der sowjetischen Expansionspolitik forderten.
Als Churchill geboren wurde, stand das Britische Empire auf seinem Höhepunkt. Als er starb, war England zu einer Macht zweiten Ranges geworden. Er selbst mochte dies als Scheitern empfinden. Aber: „Merkmal der Größe kann nicht nur sein, was einer hienieden an Bedeutendem schafft“, schrieb sein Biograf Peter de Mendelssohn. „Vielmehr vermag echte Größe auch dem Weitblick, der Entschlossenheit und der unerschütterlichen Tatkraft innezuwohnen, mit denen einer sich der verderblichen Schöpfung in den Weg stellt und die Kräfte aufzurufen (...) vermag, die dem Unheil die Straße versperren. Ein solcher war Winston Churchill.“
Auch deutsche Historiker wie Christian Graf Krockow, Sebastian Haffner und Hans-Peter Schwarz sehen in Churchill den entscheidenden Widerpart Hitlers. Trotz der Toten des Bombenkriegs, für den er mit verantwortlich war, sind laut Krockow „dank Churchills Unbeugsamkeit Abermillionen von Menschen gerettet worden“. Seine Unbeugsamkeit und Beharrlichkeit im Kampf gegen den Nationalsozialismus machen letztendlich Churchills Größe aus. Peter de Mendelssohn schrieb dazu: „Andere mochten und mussten die Zukunft bewältigen. Er hatte bewirkt, dass es überhaupt eine Gegenwart gab.“
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