Segel-im-wind.jpg Windjammer ist eine Segelschiffsgattung, mit dem die letzten großen Segelschiffe (Großsegler) zusammengefasst werden, die ab etwa 1870 gebaut wurden.
Der Name stammt aus dem Englischen und ist abgeleitet aus "to jam the wind", Schiffe die VOR dem Wind gedrückt werden (Windpresser). Er hat mit Jammern (Klagen, Heulen) nichts zu tun.
Sie gingen aus dem Klipper hervor, von dem z. B. der Klipperbug übernommen wurde, sie sind jedoch nicht ausschließlich auf Geschwindigkeit ausgelegt, sondern in Richtung ökonomischer Transport optimiert, da sie vor allem Massengüter wie Salpeter, Kohle, Guano, Weizen oder Zement transportierten. Auch empfindliche Güter, die man der ständigen Erschütterung der Dampfmaschinen nicht aussetzen wollte, wurden noch Segelschiffen anvertraut. Die Preussen hatte zum Beispiel auf ihrer letzten Fahrt Klaviere als Fracht. Die Schiffe hatten daher einen vergleichsweise rechteckigen Rumpf mit geräumigen Laderäumen und eine Besegelung, die mit weniger Personal auskam. Die Tragfähigkeit verdreifachte sich dadurch im Vergleich zu den Klippern.
Die Windjammer waren Schiffe der frühen Industrialisierung und profitierten daher schon von den Errungenschaften industrieller Produktion wie Rümpfe und Masten aus Eisen oder Stahl, Stahlseile für die Takelung und Winden an Deck zur Arbeitserleichterung. Hilfsdampfmaschinen zur Bedienung von Ladegeschirr und Pumpen wurden ebenfalls installiert. Ein gemischter Antrieb mit Segel und Maschine kam versuchsweise zum Einsatz, bewährte sich aber nicht. Windjammer waren als Bark und Vollschiff mit drei oder vier Masten getakelt, Fünfmaster blieben die Ausnahme. Die zuletzt in Deutschland gebauten Viermastbarken waren typischerweise 100 Meter lang, hatten 3.000 Bruttoregistertonnen (BRT) und 4.000 Tonnen Tragfähigkeit bei etwa 40 Mann Besatzung.
Khersones Kieler Woche 2005.jpg Windjammer werden auch als Tiefwassersegler bezeichnet, was zum Ausdruck bringen soll, dass sie für interkontinentale Reisen über die tiefen Ozeane gedacht sind. Für Fahrten in küstennahen Gewässern sind sie schlecht geeignet und meist auf Schlepper angewiesen, da sie durch die Takelung mit Rahsegeln schlecht kreuzen können. Dies ist auf den Ozeanen selten notwendig, da die Routen anhand der vorherrschenden Winde gewählt wurden.
Die Windjammer standen in direkter Konkurrenz zu den Dampfern, die schon weite Bereiche der Schifffahrt erobert hatten und Segler in immer kleiner werdende Nischen drängten. Die Domäne der Großsegler waren überlange Distanzen, die wegen des Brennstoffproblems durch Dampfer noch nicht ökonomisch bedient werden konnten. Dazu zählte vor allem die Salpeterfahrt von Chile nach Europa um die Südspitze Südamerikas, dem Kap Hoorn oder der Weizentransport aus Australien.
Während die damals führende Schifffahrtsnation Großbritannien sehr schnell ihre Handelsflotte auf Dampfer umstellte, fanden die Windjammer in Frankreich und Deutschland noch ihre Anhänger. In Deutschland wurden vor allem die so genannten Flying-P-Liner der Hamburger Reederei F. Laeisz berühmt. In Frankreich war die führende Reederei mit Segelschiffen Bordes & Fils.
Im Ersten Weltkrieg gingen viele Windjammer verloren, was das Ende der Frachtschifffahrt unter Segeln besiegelte.
Als letzter unterhielt der finnische Reeder Gustaf Erikson bis zum Zweiten Weltkrieg noch eine Flotte von Windjammern in der Frachtfahrt.
Erst Mitte des 20. Jahrhunderts verschwanden die letzten frachtfahrenden Großsegler aus ökonomischen Grunden von den Meeren. Es waren dies die beiden ehemaligen P-Liner "Pamir" und "Passat" und die "Drumcliff". Jedes der Schiffe war als Viemastbark geriggt. Die Pamir sank am 21. September 1957, die "Passat" wurde daraufhin außer Dienst gestellt. Ein Jahr später, am 26. Juni 1958 sank die "Drumcliff" unter ihrem letzten Namen "Omega" mit einer Ladung Guano vor der Küste Perus. Das Schiff war zu diesem Zeitpunkt 71 Jahre (!) in Fahrt und der letzte Großsegler in Frachtfahrt der unterging.
Der letzte als Frachtsegler gebaute Windjammer war die 1926 bei F. Laeisz in Dienst gestellte Padua. Danach wurden noch einige Windjammer für Schulungszwecke der Handels- und Kriegsmarinen gebaut, die vielfach noch heute im Einsatz sind.
In der jüngsten Zeit folgten wieder einige Neubauten als Ersatz für die in die Jahre gekommenen Schulschiffe und als luxuriöse Kreuzfahrer, wie die Royal Clipper.
Heute werden die Windjammer nur noch als Museumsschiff oder Segelschulschiffe bei der Marine verwendet oder zu Miet- oder Ausstellungszwecken benutzt, z. B. bei der Sail in Bremerhaven, der Kieler Woche oder der Travemünder Woche sowie den speziellen Windjammertreffen Baltic Sail und Hanse Sail.
Eine Auswahl:
Das 4-Mast-Vollschiff "County of Peeples". Der 1875 erbaute Segler war der erste moderne Viermaster der Welt. Das Schiff wurde in den 60er Jahren in Punta Arenas an der Magellan-Straße auf Grund gesetzt. In den Aufbauten befindet sich heute ein Offizierskasino der Chilenischen Marine, die Untermasten des Seglers stehen noch. Direkt neben der "County of Peeples" liegt der Rumpf des 3-Mast-Vollschiffs "Falstaff". In Punta Arenas liegen weiterhin die Reste des 3-Masters "Londsdale" (nur der Bug und die Bodenschale sind noch erhalten).
Das Schwesterschiff der oben genannten "County of Peebles", die "County of Roxbourgh", liegt seit 1906 hoch und trocken auf Takaroa, einem Atoll im Archipel der Tuamotus/Französisch Polynesien.
An der Magellan-Straße, direkt neben der Estancia San Gregorio, liegt auf dem Strand der Clipper "Ambassador". Erhalten ist von diesem Schiff nur noch die Kompositstruktur. Das Schiff ist einer von weltweit noch drei erhaltenen echten Clippern. Die anderen zwei sind die perfekt restaurierte "Cutty Sark" in London und die nur noch Wrack erhaltene "City of Adelaide" in Irvine/Schottland. Das Schiff soll demnächst (2006) abgewrackt werden. Bei den genannten Schiffen handelt es sich ausnahmslos um englische Schiffe; von den amerikanischen Clippern ist nur noch der Bug des Clippers "Snow Squall" erhalten.
Am östlichen Eingang der Magellanstraße, in Punta Loyola nahe der Stadt Rio Gallegos, liegt seit 1911 das gut erhaltene Wrack der 3-Mast-Bark "Majorie Glenn".
Auf der Ostseite der Insel Feuerland in der Policarpo-Bucht strandete 1893 die 3-Mast-Bark "Duchess of Albany". Das Wrack zerfällt zusehends. Die in den 70er Jahren geborgene Galionsfigur befindet sich heute in einem Museum in Usuhaia.
Port Stanley auf den Falklandinseln war zur Zeit der Handelsschiffahrt unter Segeln der wichtigste Nothafen für vor Kap Hoorn havarierte Schiffe. Von den ehemals zahlreichen Seglern, die hier ihren letzten Ankerplatz fanden, existieren nur noch eine Handvoll. Das bekannteste Schiff ist die 3-Mast-Bark "Lady Elisabeth", die 1913 Port Stanley auf den Falklandinseln als Nothafen anlief. 1936 riß sich das Schiff von seinem Ankerplatz los und driftete auf eine Sandbank im Hafen von Port Stanley. Das Schiff liegt mit gut erhaltenem Rigg immer noch an gleicher Stelle.
Neben anderen Segler-Wracks weiterhin in Port Stanley vorhanden: Die 3-Mast-Bark "Jhelum", gebaut 1849 aus Holz. Das Schiff wurde über die Jahrzehnte als Warenlager genutzt. Ebenso die Reste des amerikanischen Paketseglers "Charles Cooper"; der hölzerne 3-Master lief 1856 vom Stapel. Vom letztgenannten Schiff wurden im Jahr 2003 Teile, u. a. der Bug, geborgen und an Land gesetzt.
Vor der kleinen Ortschaft Goose Green auf den Falklandinseln liegt die 3-Mast-Bark "Vicar of Bray". Das 1841 in Whitehaven/England gebaute Schiff ist der letzte noch erhaltene Segler aus der Zeit des kalifornischen Goldrausches (1848-1854). Das Schiff liegt halb versunken im Wasser; es wurde als Pier benutzt. Ebenfalls vor Goose Green liegt die eiserne 3-Mast-Bark "Garland", gebaut 1865 in England.
Auf der zu Großbritannien gehörenden Inselgruppe Südgeorgien sind zwei weitere Segler erhalten. Es sind dies die eisernen 3-Mast-Barken "Bayard" und "Brutus". Beide Schiffe wurden von der ehemals dort ansässigen Walfangindustrie genutzt. Die 1864 gebaute "Bayard" strandete 1911 auf den Felsen in der Bucht von Ocean Harbour. Der Rumpf und die Aufbauten mit den Untermasten sind noch erhalten. Die 1883 in Glasgow erbaute "Brutus" liegt halb versunken in einer Bucht des Prinz Olav Harbour.
Sail2000-2.jpg 2000 in Bremerhaven]]
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