Die Windel ist ein körpernah eingesetzter Saugkörper zur Aufnahme von Urin und/oder Kot. Windeln gibt es in allen Größen und können daher von Menschen jeden Alters verwendet werden. Die häufigsten Anwender sind allerdings Säuglinge und Kleinkinder, da ihre Fähigkeit zur eigenständigen Kontrolle der Ausscheidungen noch nicht vollständig entwickelt ist. Weiterhin werden diese Produkte in der Altenpflege eingesetzt, da hier häufig eine Schwächung der Bindegewebsmuskulatur oder eine psychische Leistungsschwäche vorliegt und es daher zur Inkontinenz kommt. Aber auch jüngere Patienten können z.B. durch Krankheiten, Unfälle mit Wirbelsäulenverletzungen oder Frauen durch eine Schwangerschaft inkontinent werden. Manche Personen verwenden Windeln auch ohne eine körperliche Notwendigkeit, es sind so genannten Windelfetischisten.
Erfunden wurden die Höschenwindeln schon Anfang der 50er Jahre von der US-Amerikanerin Marion Donovan. Nachdem Donovan ihre Erfindung mehreren Papierfabriken erfolglos angeboten hatte, erkannte 1956 der US-Amerikaner Victor Mills die Bedeutung dieser Erfindung, da er zu dieser Zeit gerade Großvater wurde und keine Lust hatte, seinen Enkel umständlich zu wickeln. Er suchte nach einer Lösung ohne Baumwollwindeln und Gummihosen. Mills arbeitete bei Procter & Gamble und erhielt 1957 den Auftrag, sich für die Papiersparte neue Produkte auszudenken. So beauftragte er seine besten Mitarbeiter, eine Höschenwindel zu entwickeln. Nach ersten Produktions- und Anlaufschwierigkeiten kam die Pampers® 1961 auf den amerikanischen Markt, sorgte in Deutschland aber erst ab 1973 für großes Aufsehen. Das Wort Pampers® kommt aus dem englischen "to pamper" und bedeutet soviel wie "verwöhnen", "verhätscheln" oder "verzärteln".
Die Höschenwindeln für Erwachsene, auch Inkontinenzslips genannt, kamen bei uns erst etwa 1978 auf den Markt und wurden bei uns unter dem Namen Moltexal Großanwindel® vertrieben. Es war im Prinzip eine Betteinlage mit mehreren Vlieslagen und einer grauen Folie. Sie war ähnlich gefaltet wie die ersten Pampers®. Verschlossen wurde sie mit jeweils einem breiten Klebestreifen an jeder Seite. Den Komfort von elastischen Beinabschlüssen gab es damals noch nicht, die Windel war sehr dünn, die Saugkapazität war im Vergleich zu den heutigen Windeln sehr schlecht, auch von Auslaufsicherheit konnte noch keine Rede sein.
Die ersten Höschenwindeln für Erwachsene, die einen für damalige Verhältnisse brauchbaren Rücknässeschutz boten, waren von der Firma Procter & Gamble und wurden unter dem Namen Attends® vertrieben. Die Attends® hatten innen eine Plastikfolie mit trichterförmigen Löchern, die sich als Rücknässeschutz bei Belastung schlossen. Mit der Weiterentwicklung der Höschenwindeln für Babys wurde auch die Qualität der Erwachsenenwindeln immer besser. Dass Windeln um mehr als die Hälfte dünner und leichter wurden, von über 220 Gramm Anfang der 80er Jahre auf heute nur noch etwa 100 Gramm, ist ein Verdienst der Superabsorber. Etwa 1987 wurde der Superabsorber bei den Höschenwindeln für Babys eingeführt und einige Jahre später auch in den Erwachsenenwindeln. Das Verblüffende ist, dass trotz der Gewichtsreduktion die Windel immer saugfähiger wurde. Den Forschern gelang dies, indem sie neben der Saugfähigkeit des Granulats auch dessen Verteilungseigenschaft für die Flüssigkeit optimierten. Ganze 25 Gramm an Superabsorber reichen pro Windel aus, um die schwere "Last" zu halten und selbst unter Druck fast nichts mehr abzugeben.
Inspiriert durch die immer mehr auf den Markt drängenden unterschiedlichen Höschenwindeln für Babys, machten auch die Entwicklung bei den Höschenwindeln für Erwachsene weitere Fortschritte. So wird heute eine Vielzahl von unterschiedlichen Inkontinenzprodukten angeboten, passend zur jeweiligen Inkontinenzform und den persönlichen Anforderungen des Träger. Das neuste Produkt auf dem Inkontinenzsektor sind die Trainingshosen oder auch "Pants", "Pullons" genannt. Auch Produkte mit textilähnlicher Außenfolie drängen immer mehr auf den Markt. Dagegen haben sich die Eigenschaften oder das Aussehen der Vorlagen und Einlagen kaum geändert, mit Ausnahme der Absorptionseigenschaften der Produkte.
Mit der Einführung der Höschenwindeln, die immer stärker den Markt bei der Baby- und Inkontinenzversorgung beherrschten, ging die Entwicklung der Mehrwegprodukte stetig bergab. Zwar sind die heutigen Mehrwegwindeln vom Schnitt her gesehen mit den modernen Höschenwindeln vergleichbar, aber in punkto Saugfähigkeit und Rücknässung können sie nicht mithalten. Das große Manko der Mehrwegprodukte ist das Fehlen des Superabsorbers, der aus den Höschenwindeln nicht mehr wegzudenken ist. Erst in den letzten Jahren angespornt durch das umweltfreundliche Denken einiger Eltern und Anwender der Inkontinenzprodukte wird von den Herstellern zunehmend wieder mehr Energie in die Entwicklung der Mehrwegprodukte gesteckt. So wurde von einem großen Chemieunternehmen eine Kunstfaser im Prototyp entwickelt, welche die Eigenschaften eines Superabsorbers hat und die aufgenommene Flüssigkeit auch sicher speichern kann. Die Entwicklung dieser Kunstfasern geht aber eher schleppend vorwärts, da die Nachfrage an solchen Fasern zur Zeit noch sehr gering ist.
Bei Einwegwindeln in Slipform wird der Saugkern nach außen durch eine wasserundurchlässige Folie abgedichtet, auf der sich Klebe- oder Klettstreifen zur Fixierung befinden. Für diese Form der Einwegwindeln hat sich der Begriff Höschenwindeln eingebürgert, da sie Windel und Windelhose kombinieren. Außerdem werden heute Einwegwindeln angeboten, die sich wie Unterhosen an- und ausziehen lassen. Diese sind unter den Begriffen wie Easy-up, Pullons, Pants oder Trainers bekannt und werden von praktisch allen Herstellern sowohl im Bereich der Kinder- als auch der Erwachsenenwindeln angeboten.
Aber nicht nur Einwegwindeln werden für die Inkontinenzversorgung von Erwachsenen eingesetzt, hier kommen je nach Ausprägung der Inkontinenz auch "kleinere" Produkte wie etwa Vorlagen und Einlagen zum Einsatz. Ihr Saugkern ist genauso aufgebaut wie bei den Höschenwindeln, nur dass sie nicht zugeklebt werden können. Die kleinsten Produkte zur Inkontinenzversorgung sind nicht viel größer als Monatsbinden für Frauen, nehmen aber deutlich mehr Flüssigkeit auf und werden wie die Monatsbinden einfach in den Slip bzw. die Unterhose geklebt. Die noch größeren Produkte können nur in Verbindung mit Netzhosen, Fixierhosen oder gelegentlich mit Gummihosen verwendet werden, da sie mit zunehmender Flüssigkeitsaufnahme immer schwerer werden und daher entsprechend fixiert werden müssen.
Eine besondere Form der Einlagen ist für Männer in Form eines sogenannten Tropfenfängers erhältlich. Sie bestehen aus einer gefalteten Einlage, die seitlich verschlossen wurde. In die so entstandene Tasche wird der Penis eingelegt und fängt die Tropfen auf. Befestigt wird der Tropfenfänger in der Unterhose mithilfe einer Klebefläche. Diese Tropfenfänger werden vor allem von Männern verwendet, die nach einer Prostataoperation eine leichte Belastungsinkontinenz aufweisen.
Moderne Mehrweg-Höschenwindeln (All-in-One Windeln) unterscheiden sich im technischen Aufbau kaum von den Einwegprodukten, sind aber aufgrund des fehlenden Superabsorbers im Vergleich zu den Einweg-Höschenwindeln deutlich dicker. So besitzen die meisten Modelle auch eine wasserundurchlässige Außenschicht, die häufig aus einer wasserdampfdurchlässigen Kunstfaser besteht, sowie mehreren Lagen von hoch saugfähigen Stoffen. Die Innenseite der Mehrweg-Höschenwindeln besteht oft aus einem Froteestoff mit einer weichen Oberfläche, welche die Feuchtigkeit schnell aufnimmt und in den Saugkern leitet. Das Hauptmanko dieser Mehrwegsysteme ist die zuverlässige Speicherung der Flüssigkeit, was durch das Fehlen des Superabsorbers ein echtes Problem darstellt. Daher ist auch die Rücknässung größer, sowie die maximale Saugkapazität geringer als bei Einwegprodukten. Mit der Entwicklung immer besserer Fasern für Stoffe könnte dieses Manko vielleicht bald beseitigt oder zumindest etwas gemindert werden.
Da nicht alle Mehrwegsysteme einen Wäscheschutz in Form einer wasserundurchlässigen Außenschicht besitzen, muss in diesem Fall eine Schutzhose ("Gummihose") darüber getragen werden.
Auch Personen, die nicht auf Grund einer medizinischen Notwendigkeit auf Windeln angewiesen sind, verwenden diese Produkte aber gelegentlich trotzdem. Zu diesem Personenkreis zählen Leute, die wegen iherer beruflichen Situation nicht so ohneweiteres eine Toilette aufsuchen können wie z.B. Astronauten beim Weltraumspaziergang, Berufs-Tiefseetaucher, Piloten in Flugzeugen ohne Toilette auf Langstreckenflügen. Einige Menschen tragen auch Windeln aus reiner Bequemlichkeit, um z.B. bei Veranstaltungen nicht den Ort des Geschehens für den Toilettenbesuch verlassen zu müssen oder weil sie sich vor fremden Toiletten ekeln.
Darüber hinaus werden besonders Höschenwindeln für Erwachsene auch von sog. Windelfetischisten getragen. Sie verwenden diese Windeln in der Regel nicht aus medizinischen Gründen, sondern nur zum Vergnügen oder zur sexuellen Stimulation. Das Hauptaugenmerk dieser Personengruppe liegt darin, dass sie Windeln suchen und auch verwenden wollen, die den Höschenwindeln für Säuglinge und Kleinkinder wie z.B. Pampers möglichst entsprechen.
Windeln werden aber nicht nur von Menschen jeden Alters verwendet, auch Tiere, welche ihre Blase und ihren Darm kontrollieren können wie z.B. Hunde und einige Affenarten werden gelegentlich bei Erkrankungen oder aus Vorsicht mit Windeln bzw. Höschenwindeln versorgt.
Bei Stoffwindeln gibt es eine ganze Reihe von Wickeltechniken, die auch von der Art der verwendeten Stoffwindel abhängen. Es gibt sie in drei Bauarten, die Windeln, welche quadratisch oder rechteckig zugeschnittenen sind, die Stoffwindeln (Bindewindeln), welche bereits eine anatomische Form mit Beinausschnitt aufweisen und die All-in-One Windeln, welche in ihrem Aufbau den Höschenwindeln entsprechen. Da die meisten Stoffwindeln außer den meisten All-in-One Windeln keinen Wäscheschutz haben, werden sie zusammen mit Gummihosen verwendet, die sowohl zum Knöpfen als auch zum Schlupfen angeboten werden. Eine Anleitung zu den verschiedenen Wickeltechniken mit Stoffwindeln befindet sich im Thema Stoffwindel unter dem Abschnitt Anlegetechniken.
Auch die Haut von inkontinenten Personen wird durch den ständigen Kontakt mit Urin und auch Stuhl erheblich belastet, was aber oft weniger häufig Berücksichtigung bei den Betroffenen selbst findet. Die Folge davon können häufig Hautreizungen sein, die bis hin zu Hauterkrankungen wie Windeldermatitis oder Dekubitus gehen. In besonderem Maße ist die Haut von älteren Patienten betroffen, da sie sich nicht mehr so schnell regenerieren kann. Daher wird bei der Betreuung von inkontinenten Menschen einer sorgfältigen Hautpflege besondere Bedeutung beigemessen. Um Hautreizungen oder gar Hauterkrankungen bei den Betroffenen vorzubeugen, kommt neben einem regelmäßigen Wechsel der Inkontinenzhilfsmittel vor allem der sorgfältigen Reinigung und Pflege der Haut eine besondere Bedeutung zu. Dabei sollten nur Reinigungs- und Pflegeprodukte eingesetzt werden, die pH-neutral sind und daher den Säureschutzmantel der Haut nicht zusätzlich angreifen. Es gibt speziell für die Hautreinigung bei inkontinenten Menschen entwickelte Produkte.
Moderne Produkte sind alkalifreie und hautneutrale Seifen oder Waschlotionen, die rückfettende Substanzen enthalten und so das Austrocknen der Haut verhindern. Bei einer Stuhlinkontinenz, hat sich zur Reinigung und zum Ablösen der Stuhlreste ein Reinigungsschaum bewährt. Dieser Schaum ist in der Lage, selbst stark verschmutzte Hautpartien schnell und schonend zu reinigen. Nachdem die Haut im Genital- und Analbereich gereinigt und gut abgetrocknet wurde, sollte sie mit speziellen Hautschutzprodukten eingecremt werden, um sie vor äußeren Einflüssen zu bewahren. Weniger gut geeignet sind Melkfett oder Vaseline, welche früher häufig eingesetzt wurden.
Nach Möglichkeit sollte nicht sofort nach dem Reinigen ein frisches Inkontinenzhilfsmittel angelegt werden, damit etwas Frischluft an die Haut kommen kann. Das fördert die Regeneration der Haut und beugt auch Windeldermatitis vor. Der Patient kann dabei je nach Inkontinenzart auch für eine gewisse Zeit auf einer saugfähigen Krankenunterlage sitzen. Mobile Patienten können die Haut auch mit Feuchttüchern, wie es sie z.B. von Pampers® gibt, beim Wechseln des Inkontinenzhilfsmittels reinigen. Diese Feuchttücher enthalten auch Stoffe, die einen Schutzfilm auf der Haut bilden und so Hautreizungen vorbeugen helfen. Natürlich sollte auch hier nach Möglichkeit mindestens einmal am Tag die Haut mit Wasser und pH-neutralen Pflegemitteln gereinigt werden. Der Vorteil für mobile Menschen liegt darin, dass sie diese Feuchttücher zusammen mit ihren Inkontinenzhilfsmitteln sehr leicht transportieren können und trotzdem auf eine gute Hautreinigung nicht verzichten müssen. Übrigens gibt es auch die Reinigungsschäume in kleinen handlichen Spraydosen, die in fast jede Tasche passen.
Da Windeln erheblich dicker sind als normale Unterwäsche, tragen sie entsprechend auf; dies macht sich vor allem im Gesäßbereich bemerkbar. Enge körperbetonte Kleidung und solche aus dünnem Stoff sollte daher vermieden werden. Weiterhin umschließen Windeln den Unterleib in der Regel relativ weit, häufig bis zum Bauchnabel. Daher kann es vorkommen, dass die Windel aus normalen Hosen und Röcken oben herausschaut - vor allem beim Bücken. Abhilfe schaffen entsprechend lange Oberteile, lange Unterhemden, Bodys oder das Tragen von Kleidern oder Latzhosen. Dank des technischen Fortschritts sind aber moderne Einwegwindeln und Vorlagen heute schon relativ dünn geworden, so dass sie kaum noch unter normaler Tageskleidung auffallen.
Letztlich muss es jeder für sich selbst entscheiden, wie er sein Hilfsmittel bezeichnet. Auch in der Pflege von inkontinenten Patienten sollen sich die Pflegekräfte daran orientieren, wie der Betroffene sein Inkontinenzhilfsmittel selber bezeichnet, das gilt auch für Ärzte, Apotheker und Angestelle in Sanitätshäusern.
Einwegwindeln besitzen als Wäscheschutz eine Kunststofffolie, die beim Laufen vernehmbar rascheln kann, was ihre Gegenwart vor allem in Umgebungen mit wenigen Nebengeräuschen (zum Beispiel Museen) verraten kann. Vermindert wird das Rascheln durch das Tragen von Windeln in der richtigen Größe sowie durch zusätzliches Tragen eng anliegender Unterwäsche wie Strumpfhosen und/oder Bodys. Allzu enge Unterwäsche kann allerdings das Saugvermögen der Windel erheblich vermindern und dazu führen, dass die Windel schneller ausläuft.
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