William_Godwin.jpg William Godwin (* 3. März 1756 in Wisbech, Cambridgeshire; † 7. April 1836) war ein englischer Schriftsteller.
Als Godwin 11 Jahre alt war, kam er als Schüler von Samuel Newton nach Norwich. Newtons strenge Erziehung veranlasste Godwin dazu, jede Art von Bestrafung zu hassen.
Mit 17 begann Godwin an der Akademie in Hoxton zu studieren. Hier kam er in Berührung mit der Philosophie von John Locke. Doch er blieb nicht lange an der Akademie.
Godwin war erst Prediger einer Dissentergemeinde in Suffolk, zu der auch seine Familie gehörte, dann in London Beamter unter dem Ministerium Grey.
Als er merkte dass er nicht der richtige Mann für den Predigerberuf war, ging er nach London, um ein Leben als Schriftsteller zu führen. Als Schriftsteller trat er zuerst mit seinen Sketches of history in six sermons (Lond.1784) aus. Doch sein wichtigstes Werk dieser Ära war: An Account of the Seminary.
Da seine Werke ihm nicht viel einbrachten, fing Godwin an, für eine Zeitschrift zu arbeiten, in der er die Regierung Pitt kritisierte.
Größere Beachtung fand sein An Enquiry Concerning Political Justice (Lond. 1792; 3. Ausl. 1797, 2 Bde.; deutsch, Frankf. 1803).
Als um 1794 die Hochverratsprozesse begannen, trat er mit schonungsloser Schärfe gegen die Gerichte auf, während er gleichzeitig in seinem Roman Caleb Williams (Lond. 1794, 3 Bde., u. öfter; deutsch, Leipz. 1797-98, 2 Tle.) die englische Kriminalgesetzgebung angriff.
1796 heiratete er die Schriftstellerin Mary Wollstonecraft und fing in London einen Buchhandel an; die von ihm unter dem Namen Edward Baldwin verfassten Kinderschriften verlegte er selbst.
Die Zeit, die er mit Wollstonecraft verbrachte, war die glücklichste seines Lebens. Wollstonecraft starb, als sie ihre Tochter Mary, die spätere Verfasserin des Romans Frankenstein oder der moderne Prometheus auf die Welt brachte. Danach schrieb Godwin St Leon (1799), in dem er von der Liebe in der Ehe und den Gefahren des Alleinlebens erzählte.
Godwins Buch Thoughts. Occasioned by the Perusal of Dr Parr's Spital Sermon, das er 1801 schrieb, wurde ausgelacht und Godwin geriet in Vergessenheit.
Godwin heiratete ein zweites mal, seine Nachbarin Mary Jane Clairmont. Er fing an, in einer Kinderbücherei zu arbeiten und schrieb nebenbai weiterhin Bücher.
1812 traf er Percy Bysshe Shelley, und nahm ihn als Schüler auf. Doch zerstritten sich die beiden, nachdem Shelley versuchte, Godwins Tochter Mary zu entführen.
Godwin lebte sein Leben in seiner Bücherei weiter und schrieb The History of Commonwealth (1828).
Godwin starb am 7. April 1836 in seinem Bett. Er war 80 Jahre alt geworden. Sein letzter Wille war, neben seiner großen Liebe Mary Wollstonecraft begraben zu werden.
Als Anhänger der Vernunft und der Rationalität meint Godwin, die Menschen seien immer der Vernunft und logischen Argumenten zugänglich – der einzige Weg zum individuellen Glück bestünde darin, Tugend zu üben. Die einzige Herrschaft, die der Mensch akzeptieren solle, sei die Vernunft. Nur durch das Vertrauen des Beherrschten in ihr System erhalte sich dieses. Das Vertrauen in das System resultiere aus dem Unwissen der Menschen. Die allgemeine Bildung aller Menschen müsse daher vorangetrieben werden.
Godwin lehnt die gewalttätige Revolution ab, denn Gewalt fördere nur das Entstehen einer neuen Autorität, denn Revolution sei nicht von Vernunft sondern von Leidenschaft geprägt – Revolutionen müssten nicht mit Gewalt, sondern mit Gerechtigkeit durchgeführt werden – die Reichen zur Vernichtung ihrer Privilegien zu zwingen, hält Godwin für das falsche Mittel. Die Revolution verfrüht gewaltvoll herbeizuführen würde, sollte dies gelingen, zu einer negativen Anarchie führen, da die Menschen mit ihrer neuen Freiheit nicht umzugehen wüssten – eine Orientierungslosigkeit wäre die Folge einer verfrühten gewaltvollen Revolution. Zu seiner, zuvor beschriebenen Ablehnung der Gewalt, passt sein Revolutionsbegriff. Revolution ist für ihn ein Zustand ständiger Evolution. Die Revolution und der Übergang zum Anarchismus stellt sich Godwin als einen Prozess vor, der sich „zwanglos“ verwirklicht. Die Demokratie sieht er dabei als Übergangsphase zur Anarchie, denn in ihr könne die Unwissenheit der Menschen beseitigt werden. Die Menschen werden einfach nicht mehr mit dem Staat kommunizieren, nicht mehr mit ihm kooperieren. Dadurch, dass sie sich nicht als Gegenmacht darstellen, sind sie nicht angreifbar und die Staatsgewalt läuft ins Leere. Durch die Revolution werde der Hauptkonfliktstoff - der Staat - aus der Welt genommen.
Godwins Mittel zu Revolution ist die freie Diskussion in der, nach seiner Ansicht, letztendlich die Wahrheit siegen werde. Er will den Anarchismus mit dem „geschriebenen und gesprochenen Wort“ verbreiten – er will die Aufmerksamkeit der Menschen wecken, sie nicht durch „Überredung“ zu Anarchisten machen, sondern jede Schranke des Denkens entfernen um „jedem den Tempel der Wissenschaft und das Feld für eigene Studien zu öffnen“. Godwin hält nichts von dem klassischen Modell der Ehe. Sie sei auf der Illusion der ewigen Liebe gebaut. Die Ehe sei eine tyrannische Einrichtung, sie sei die Konsequenz der Feigheit der Männer die, um einen Verlust ihrer Frau an einen Überlegenen vorzubeugen, diese als Eigentum monopolisieren würden. Godwins Version von der Zukunft der Beziehung zwischen Mann und Frau war das heute praktizierte „Suchen“ nach dem, bei dem man sich am glücklichsten fühlt, welches damals noch weitgehend revolutionäre Begriffe, wie Scheidung und wechselnde Partnerschaften, also eine sehr freie und moderne Einstellung, umfasste.
Godwin forderte wie andere Philosophen und Vordenker seiner Zeit bereits Ende des 18. Jahrhunderts die völlige Gleichberechtigung der Frauen. Godwin selbst heiratete zweimal in seinem Leben. Seine erste Frau, Mary Wollstonecraft, eine der ersten Frauenrechtlerinnen, war bekannt geworden durch ihr 1792 erschienenes Werk: „Die Rechte der Frauen“. Godwins Gesellschaftskritik beinhaltete auch eine Kritik am Strafsystem. Gefängnisse und speziell Einzelhaft kritisierte er, weil sie den Sinn der Strafe verfehlen würden. Er setzte vielmehr auf „Resozialisierung“ um einem Täter die Möglichkeit zu geben, zu bereuen. Er setzt auf eine „milde Strenge“ - eine alternative Strategie, deren Nutzen für die Strafpolitik erst heute z.T. in die Wirklichkeit umgesetzt werden. Wichtig für die von Godwin proklamierte Revolution war auch der technische Fortschritt. Dies würde, so glaubte Godwin, schon in kurzer Zeit zu einer großen Entlastung des Menschen führen - Maschinen würden die Arbeit übernehmen, damit der Mensch nur noch eine halbe Stunde pro Tag arbeiten müsse. Godwin stört vor allem die Notwendigkeit der menschlichen Kooperation zur Bedienung der Maschinen wie er es in seiner Zeit am entstehenden Kapitalismus erlebt. Man müsse möglichst schnell zur Automation übergehen – der Mensch müsse wieder Herr der Maschinen werden – und damit auch seiner Zeiteinteilung.
Als Anhänger des Egalitarismus fordert Godwin nicht die Kollektivierung des Eigentums oder die Abschaffung des Privateigentums (was die Kommunisten wollten), sondern die gleichmäßige Verteilung desselbigen an alle Menschen. Die Gedankengänge Godwins waren für die damalige Zeit zu komplex, um ein größeres Publikum zu erreichen und fanden daher nur unter Intellektuellen eine Verbreitung – vielleicht auch ein Grund, warum sein Hauptwerk „Political justice and its influence on general virtue and happiness“ von der monarchischen Autorität nicht verboten wurde. Godwin fordert bereits eine Gesellschaft ohne Zwänge, ohne Staat, und auch dem Egoismus erteilt er eine Absage. Eine Gesellschaft, die sich auf diese Prinzipien und auf Edelmut und Vernunft gründet, ist die ideale Gesellschaft für Godwin. Deshalb wird er auch von vielen als einer der Begründer des individualistischen Anarchismus angesehen.
Seine Romane Saint-Leon (1799, 4 Bde.), FleetWood (1805, 3 Bde.), Mandeville (1817, 3 Bde.) und Cloudesley (1830, 3 Bde.) fanden viel Beifall; mit den Tragödien Antonio (1801) und Faulkner (1807) fiel er durch.
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