William Bligh (* wahrscheinlich am 9. September 1754 in Plymouth; † 7. Dezember 1817 in London) war britischer Seeoffizier und Gouverneur von New South Wales in Australien. Bekannt wurde er durch die Meuterei auf dem unter seinem Befehl stehenden Schiff Bounty und durch die nachfolgende ca. 3.600 Seemeilen lange Fahrt im offenen Boot vom Osten Polynesiens bis zur Insel Timor.
Mit 21 Jahren erhielt Bligh die Chance, als Navigator der HMS Resolution an James Cooks dritter Südsee-Expedition von (1776-79) teilzunehmen. Die von Bligh dabei angefertigten Seekarten und Aufzeichnungen waren von derart hoher Genauigkeit, dass einige davon noch im 20. Jahrhundert verwendet wurden. Bligh war 1779 Augenzeuge von Cooks Ermordung auf Hawaii. Anschließend führte er die Resolution nach England zurück.
Nach seiner Heimkehr heiratete Bligh Elizabeth Betham. Im gleichen Jahr, 1781, wurde er zum Leutnant befördert. Als solcher nahm er in den folgenden zwei Jahren am Krieg gegen Frankreich und die nach Unabhängigkeit von England strebenden 13 amerikanischen Kolonien teil. Nach Kriegsende nahm er seinen Abschied von der Marine und befehligte vier Jahre lang ein Handelsschiff, das im Rum- und Zuckergeschäft zwischen England und Westindien verkehrte. Dabei lernte er Fletcher Christian kennen, den späteren 1. Offizier der Bounty und Anführer der Meuterer, mit dem ihn anfangs eine enge Freundschaft verband.
Am 23. Dezember 1787 stach die Bounty von Spithead aus in See. Die Reise verlief weitgehend problemlos, obwohl die Bounty durch schwere Stürme an der geplanten Umrundung von Kap Hoorn gehindert wurde. Bligh entschied sich daher für die östliche Route um das Kap der guten Hoffnung. Am 27. Oktober 1788 ging die Bounty mit etlichen Monaten Verspätung in der Matawai-Bucht von Tahiti vor Anker. Da Bligh auf der Rückfahrt die Endeavour-Straße erkunden sollte, musste er auf Tahiti den nächsten Ost-Monsun abwarten, der nicht vor April einsetzen würde. Die Verladung der Brotfruchtbäume nahm wenig Zeit in Anspruch, so dass die Mannschaft den fünfmonatigen Landaufenthalt weitgehend frei von den Pflichten des Schiffsalltags verbringen konnte.
Am Abend zuvor hatte es zwischen beiden Männern einen Streit wegen einiger fehlender Kokosnüsse gegeben, die Bligh hatte rationieren lassen, um während der Rückfahrt über vitaminreiche Nahrung für die Mannschaft zu verfügen. Christian hatte sich anschließend betrunken und gegenüber einigen Mannschaftsmitgliedern den Wunsch geäußert, mit einem Floß die Bounty zu verlassen und nach Tahiti zurück zu kehren. Auslöser der Meuterei war nicht der unbedeutende Streit, sondern die Tatsache, dass Christian mit seinen Äußerungen bei einigen Matrosen auf offene Ohren stieß. Sie konnten sich nach dem langen Aufenthalt auf Tahiti nur schwer wieder an die Disziplin an Bord des Schiffes gewöhnen, und überzeugten Christian schließlich von der Idee, die Bounty an sich zu bringen. In den frühen Morgenstunden brachten sie das Schiff unter ihre Kontrolle und setzten Bligh mit 18 Getreuen in einer kleinen, offenen Barkasse aus.
1797 erlebte William Bligh auf HMS Director, die in der Themsemündung lag, seine zweite Meuterei. Sie betraf den ganzen Flottenverband, zu dem die Director gehörte und richtet sich nicht gegen ihn, sondern gegen die Admiralität. Diese Meuterei verlief insgesamt glimpflicher als die erste und die noch folgende dritte.
Während der Napoleonischen Kriege diente Bligh 1801 unter Admiral Horatio Nelson in der Schlacht von Kopenhagen. 1805 wurde er zum Gouverneur von New South Wales im heutigen Australien ernannt. In der britischen Kolonie wurde Bligh 1808 in seine dritte Meuterei verwickelt. Während der so genannten Rum Rebellion, einem bewaffneten Aufstand korrupter Offiziere, wurde Bligh bis 1810 auf die vor der Küste liegende HMS Porpoise verbannt. Statt nach England zu segeln, nutzte Bligh die Gelegenheit, die Küste Tasmaniens zu kartographieren. Erst nach der Niederschlagung der Rebellion durch frisch eingetroffene britische Truppen, kehrte Bligh 1811 nach England zurück. Hier wurde er zum Konteradmiral und 1814 zum Vizeadmiral ernannt.
Am 7. Dezember 1817 starb William Bligh mit 64 Jahren eines natürlichen Todes in London. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof der Gemeindekirche von Lambeth in London.
Diese Argumente fielen durch einen historischen Zufall auf fruchtbaren Boden: Denn im selben Jahr, in dem die Meuterei in England bekannt wurde, ereignete sich die Französische Revolution, deren Ideen auch in England viele Anhänger fand. Diese interpretierten die Meuterei wie die Revolution als Aufstand von Unterdrückten gegen die Willkür eines Einzelnen.
Insbesondere der Jurist Edward Christian, der ältere Bruder des Anführers der Meuterer, tat sich dabei hervor, Blighs Ruf in Zweifel zu ziehen. Er stellte ein inoffizielles Komitee zusammen, das die Meuterei und ihre Ursachen untersuchen sollte. Dieses bestand überwiegend aus überzeugten Abolitionisten, die Blighs Brotfrucht-Expeditionen, die der Sklavenwirtschaft auf den karibischen Inseln dienen sollte, von Anfang an kritisch gegenüberstanden. Der Bericht, den das Komitee schließlich während Blighs Abwesenheit veröffentlichte, zeichnete zum ersten Mal das Zerrbild von dem Kapitän als „verabscheuungswürdigem Schurken“.
Was ihn bei einzelnen Besatzungsmitgliedern tatsächlich unbeliebt gemacht hatte, war eine gewisse Strenge, mit der er bei Offizieren und Mannschaften die Einhaltung der Regeln durchsetzte, von denen in seinen Augen das Überleben aller abhing. So ließ er die Matrosen täglich Sport treiben und achtete stets darauf, genügend Trinkwasser und frische Nahrung an Bord zu haben, um den Ausbruch von Skorbut zu verhindern. Letzteres erklärt die Heftigkeit des Streits um die Kokosnüsse am Vorabend der Meuterei. Es scheint bei dieser Gelegenheit zu einem der seltenen Ausbrüche von Jähzorn gekommen zu sein, wie sie Bligh überfielen, wenn er sich mit Disziplinlosigkeit oder Unfähigkeit konfrontiert glaubte. All dies fällt jedoch kaum ins Gewicht angesichts der damals üblichen Verhältnisse in der britischen Kriegsmarine, in der Prügelstrafen, schlechte Verpflegung und mangelhafte medizinische Versorgung die Regel waren.
Denn nach allen historischen Quellen, die nicht aus dem Umfeld der Meuterer und ihrer Familien stammen, war William Bligh nicht nur ein umsichtiger und erfahrener, sondern sogar ein für seine Zeit überaus fürsorglicher Seeoffizier, der - durch James Cook beeinflusst - seinen Ehrgeiz darein setzte, alle Besatzungsmitglieder heil und gesund nach England zurück zu bringen. Beispielsweise überließ er bei stürmischer See seine Kajüte den Matrosen zum Ausruhen. Der beste Beweis für seine Haltung ist die Tatsache, dass fast alle Insassen der offenen Barkasse die überaus gefahrvolle Fahrt lebend überstanden.
Dennoch zeigte die Kampagne Edward Christians Wirkung: Als Bligh 1793 von seiner zweiten Brotfrucht-Expedition zurückkehrte, bekam er bereits die veränderte Stimmung in der Marineleitung zu spüren. Der erste Lord der Admiralität weigerte sich monatelang, ihn zu empfangen. Denn anders als Bligh, der aus einfachen Verhältnissen stammte, verfügten die Familien einiger Meuterer - z.B. die von Fletcher Christian, Edward Young und Peter Heywood - über Beziehungen, die bis in höchste Regierungskreise reichten. Erst auf Drängen seines Freundes und Förderers Sir Joseph Banks entschloss sich Bligh, auf die öffentlich gemachten Vorwürfe zu reagieren.
Mit einer eigenen Darstellung und eidesstattlichen Erklärungen ehemaliger Besatzungsmitglieder der Bounty widerlegte er Punkt für Punkt das Bild, das Edward Christians Komitee von ihm gezeichnet hatte. Diese Bemühungen schienen zunächst von Erfolg gekrönt. So schrieb etwa die Zeitschrift British Critic:
Bligh kümmerte sich danach nicht mehr um sein Bild in der Öffentlichkeit. In der historischen Forschung - etwa bei seinen Biografen Mackaness und Kennedy - blieb dieses überwiegend positive Bild auch bis heute weitgehend ungetrübt. Ganz anders verhielt es sich dagegen schon zu Blighs Lebzeiten mit der öffentlichen Meinung und romantischen, fiktionalen Darstellungen. Blighs Biografin Caroline Alexander erklärt deren Wirkung so:
Im Gegensatz zur überwiegend positiven Bewertung Blighs durch die historische Forschung entspricht sein Bild in der breiten Öffentlichkeit bis heute dem, das die Rufmordkampagne Edward Christians und anderer von ihm gezeichnet hat.
Mann | Brite | Militärperson (Großbritannien) | Seefahrer | Geboren 1754 | Gestorben 1817
William Bligh | William Bligh | William Bligh | ויליאם בליי | William Bligh | William Bligh
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"William Bligh".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world