article

Wilhelma-eingang-2004.jpg
Wilhelma-1900.jpg
Die Wilhelma ist eine historistische Schlossanlage und ein Zoologisch-Botanischer Garten im Stuttgarter Stadtbezirk Bad Cannstatt.

Die Wilhelma ist kein Zoo im herkömmlichen Sinne. Durch die Kombination von Pflanzen und Tieren mit alter und moderner Architektur werden in einem historischen Park von 1850 etwa 10.000 Tiere aus aller Welt gezeigt. Mit fast 1000 Arten ist die Wilhelma nach dem Zoologischen Garten Berlin, dem artenreichsten Zoo der Welt, der zweitartenreichste Zoo Deutschlands. Neben Tieren werden auch etwa 5000 Pflanzenarten aus allen Klimazonen der Erde zur Schau gestellt.

Die bedeutendste Tierhaltung, und gleichzeitig eine der bekanntesten, ist das Menschenaffenhaus. Im dazugehörigen Aufzuchthaus werden Menschenaffenbabys aus ganz Europa aufgezogen, falls die Elterntiere dies nicht können.

Vorgeschichte


Im Jahre 1829 wurden auf dem Gelände der heutigen Wilhelma, das damals das Schloss Rosenstein beherbergte, Mineralquellen gefunden. Der damalige König von Württemberg, Wilhelm I., wollte dann ein "Badhaus" im Schlosspark als ein Nebengebäude errichten lassen. Nach längerer Überlegung kam er zu der Idee das "Badhaus" im maurischen Stil erbauen zu lassen, der zu jener Zeit sehr beliebt war und die Alhambra im spanischen Granada zum Vorbild hatte. Das Badhaus sollte durch eine Orangerie ergänzt werden.

Im Jahr 1837 schließlich wurde der Architekt Karl-Ludwig von Zanth mit der Planung der Anlage beauftragt. Da der König in einer von Umwälzungen geprägten Zeit, nur wenige Jahre nach einer großen Hungerkrise, lebte, zögerte er, die hohen Kosten für das ehrgeizige Vorhaben aufzubringen. So vergingen noch einige Jahre, bis das erste Gebäude der Wilhelma fertiggestellt war. Mehrfach stand das Projekt gänzlich vor der Einstellung.

1842 wurde dann endlich mit dem Bau des ersten Gebäudes begonnen, das auf Anweisung des Königs "'Wilhelma" genannt wurde. Der Architekt Zanth verstand es den König für seine Ideen zu begeistern, sodass sie trotz aller Widerstände ausgeführt wurden. Ihm gelang es das, was man als maurischen Stil ansah, mit den Fähigkeiten deutscher Handwerker, den Wohnbedürfnissen eines schwäbischen Monarchen und dem mitteleuropäischen Klima zu verbinden. Über den Planungen war aus dem "Badhaus" ein komfortables Wohngebäude mit mehreren Räumen, darunter ein Kuppelsaal mit zwei angrenzenden Gewächshäusern mit je einem Eckpavillon geworden. Bei deren Eisenkonstruktion hatte Zanth Neuland betreten. Kostbar war auch der reiche Zierrat, der die Sprache der Alhambra wie kaum ein anderer Bau vorher und nachher aufnahm.

Botanischer Teil


Wilhelma-blumen-2004.jpg Als die Wilhelma 1846 anlässlich der Hochzeit von Kronprinz Karl mit der Zarentochter Olga Nikolajewna eingeweiht wurde, gab es neben einem Festsaal, zwei Hauptgebäuden mit mehreren höfischen Räumen und verschiedenen Pavillons vor allem eines: Gewächshäuser und großzügige Parkanlagen. Die Vielfalt und Exotik des Pflanzenreiches standen bei der Wilhelma schon immer im Mittelpunkt.

Mit der Auflösung des württembergischen Hofes ging sie 1918/19 in Staatsbesitz über und wurde als kleiner botanischer Garten mit einer Orchideen- und Kakteensammlung sowie der Azaleen-, Rhododendron- und Magnolienblüte als Hauptattraktion der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

In der Nacht vom 19. auf den 20. Oktober 1944 fiel die Wilhelma den Bombenangriffen des Zweiten Weltkrieges zum Opfer. Die exotische Pracht war vernichtet. Die Pflanzenschätze, soweit man sie nicht vorsorglich ausgelagert hatte, waren zerstört.

Zoologischer Teil


Die Wilhelma wurde bei Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt. Einige historische Gebäude, Anlagen und Gärten waren verschont geblieben, große Teile der Anlage waren in einem ruinösen Zustand. Der damalige Direktor Albert Schöchle wollte die Anlage beleben und hatte die Idee hier Tiere zu zeigen. Im Jahr der Wiedereröffnung 1949 wurde eine Aquarienschau organisiert, 1950 gab es neben einer Vogelschau die Ausstellung "Tiere des deutschen Märchens", es folgten: "Schlangen, Saurier, Krokodile", "Afrikanische Steppentiere" oder "Indische Dschungeltiere". Stets blieben diese Tiere danach in der Wilhelma, so dass bald ein ansehnlicher Zoo entstanden war. Den Bürgern gefiel dies. Die Obrigkeit, das Finanzministerium, war nicht begeistert und ordnete die Entfernung der Tiere an. 1956 wurde der Verein der Freunde und Förderer der Wilhelma gegründet, ohne den die weitere Entwicklung wohl anders verlaufen wäre. 1960 billigte der Ministerrat mit Zustimmung (1961) des baden-württembergischen Landtages den weiteren Ausbau der Wilhelma zum zoologisch-botanischen Garten.

In rascher Folge entstanden neue Bauten. Erstes modernes Zoogebäude war das Aquarium, das 1967 eingeweiht wurde und die Wilhelma weltberühmt machte. 1968 folgten Raubtierhaus, Elefanten- und Nashornhaus sowie Flusspferdhaus. Albert Schöchle ging 1970 in den Ruhestand, sein Nachfolger wurde sein langjähriger Mitarbeiter Wilbert Neugebauer, in dessen Zeit u.a. die Affenhäuser, das Jungtieraufzuchthaus, die südamerikanische Anlage und die Anlage für afrikanische Huftiere vollendet wurden.

Im Jahr 1991 folgte die Eröffnung der großen Bärenanlage, 1993 konnten die Vogelfreifluganlage und der Schaubauernhof den Bürgern übergeben werden. Damit hatte die Wilhelma ihre heutige Größe erreicht. In der Kombination von Tieren und Pflanzen ist sie einzigartig.

Attraktionen


Zoo-wilhelma-1996-prachttaube.jpg

Zoologische Attraktionen

Zoo-wilhelma-1996-tropenhaus1.jpg

Botanische Attraktionen

Wilhelma-Theater


Wilhelma-theater-2004.jpg Nordöstlich des Haupteingangs befindet sich das Wilhelma-Theater. König Wilhelm I ließ es 1840 mit eigenem Geld anstelle einer gewünschten Spielbank durch Hofbaumeister Karl Ludwig von Zanth im pompejianischen Baustil erbauen.

Im Jahre 1985 wurde es auf Veranlassung des damaligen Ministerpräsidenten Lothar Späth grundlegend saniert und zur Probebühne der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst ausgebaut. Es ist das einzige noch in der Originalbemalung erhaltene Theater Deutschlands im pompejianischen Baustil.

Es dient seit 1987 der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart als Lern- und Lehrtheater, für die Studienbereiche Opern- und Schauspielschule, Figurentheater, Sprecherziehung, Liedklasse etc..

Literatur


  • Timo John: Die königlichen Gärten des 19. Jahrhunderts in Stuttgart, Wernersche Verlags-GmbH, Worms 2000, ISBN 3884621564

Weblinks


Historistisches Bauwerk | Bauwerk in Stuttgart | Kultur (Stuttgart) | Sehenswürdigkeit (Stuttgart) | Botanischer Garten | Zoo in Baden-Württemberg | Parkanlage in Baden-Württemberg

Wilhelma

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Wilhelma".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld