Wilhelm von Ockham (engl. William of Ockham oder Occam; * um 1285 in Ockham, England; † 10. April 1349 oder 1350 in München) war als Vertreter der Spätscholastik einer der bedeutenden Philosophen des europäischen Mittelalters und Vorbereiter der Moderne.
In der Tradition Roger Bacons trat er für eine klare Unterscheidung zwischen Glauben und Wissen, Theologie und Philosophie ein. Weiterhin vertrat er die Ansicht, dass Thesen möglichst wenig Axiome voraussetzen sollten, ein Grundsatz, der heute als Ockhams Rasiermesser bekannt ist, obwohl er nicht ursprünglich von Ockham stammt. Seine Lehren, die auf der Logik des Aristoteles beruhten, widersprachen teilweise den damals allseits anerkannten Grundsätzen des Dominikaners Thomas von Aquin, die dieser ebenfalls aus der Interpretation der Philosophie Aristoteles' heraus entwickelt hatte.
Der Papst Johannes XXII., der 1323 Thomas von Aquin heiligsprechen ließ, lud Wilhelm daher 1324 vor das päpstliche Gericht, welches sich zur damaligen Zeit in Avignon befand. Sein Ankläger dort war John Lutterell, der ehemalige Kanzler der Universität Oxford. Das Gericht erklärte Ockhams Ideen für teilweise häretisch. Er wurde jedoch nicht bestraft.
Während dieser Zeit (1327) gab es zwischen den Franziskanern und der päpstlichen Kurie Streit, ob die Kirche weltliche Güter besitzen solle oder nicht (Armutsstreit). Der Ordensgeneral Michael von Cesena war der Meinung, Armut sei ein Gebot. Der Papst und die Mehrheit des damaligen römisch-katholischen Klerus hingegen waren anderer Ansicht, da sie ihre durchaus sehr weltlichen Interessen durch die Lehren der Franziskaner bedroht sahen. Cesena bat Ockham, dem Papst zu antworten. Ockham beschuldigte in seinem Schreiben den Papst der Häresie, was zur Folge hatte, dass er und Cesena von der päpstlichen Inquisition verfolgt wurden. Aufgrund der drohenden Gefahr einer Verurteilung flohen Cesena und Ockham am 26. Mai 1328 aus Avignon zunächst nach Pisa. Dort trafen sie auf König Ludwig IV. dem Bayern, der ihnen ab 1330 in München Asyl bot. Ockham führte bis zu seinem Tod seinen politischen Kampf gegen das Papsttum fort. Er vertrat den Standpunkt, dass Staat und Kirche getrennt sein sollten. Wegen seiner Opposition zum Papst wurde er von diesem exkommuniziert.
Wilhelm von Ockham ist eine der Figuren, die Umberto Eco in seinem Roman "Der Name der Rose" in die Gestalt des William von Baskerville einfließen ließ.
Wilhelm von Ockham interpretierte die Theorie der «zwei Schwerter» auf dualistische Weise. Demnach seien sowohl die Kirche als auch die weltliche, temporäre Gewalt (der Fürsten) zwei legitime Autoritäten. Der Kaiser leite seine Macht aus dem natürlichen Recht her. Eine Autorisation durch den Papst sei daher nicht nötig. Der Einfluss seiner Biographie, insbesondere des erzwungenen Exils bei Ludwig IV., scheint hier unverkennbar.
Mit der These zweier voneinander unabhängiger, legitimer Gewalten stößt Wilhelm von Ockham die seiner Zeit gültige politische Philosophie völlig um. Wilhelm von Ockham ist einer der ersten, die für den Gedanken des Laizismus (Trennung von Staat und Kirche) eintraten, und gilt damit zu Recht als Vorbereiter der Reformation und der Moderne überhaupt. Von Ockham kann eine Linie über Jan Hus, Jean Calvin, Martin Luther, Thomas Hobbes, John Locke und Montesquieu bis hin zum modernen laizistischen Staat gezogen werden.
Seine Schriften hatten auch starken Einfluss auf andere spätere Theologen wie John Wyclif.
Seit dem 12. Jahrhundert enflammte im Mittelalter eine äußerst bedeutsame und heftig umstrittene philosophische Auseinandersetzung: der Universalienstreit. Es ging um den Wirklichkeitsgehalt von Universalien (Allgemeinbegriffen). Wilhelm von Ockham vertrat in diesem Streit eine nominalistische Position. Demnach existieren nur die Einzeldinge wirklich, unsere Termini (Allgemeinbegriffe), seien hingegen Fiktion, eine rein gedankliche Abstraktion. Die Allgemeinbegriffe haben demnach keine eigene Existenz, sondern sind nur die Summe der gedachten Dinge. Beispiel: Eine einzelne Rose hat eine reale Existenz, „die Rose“ an sich, als Begriff, hat hingegen nur eine rein gedankliche Existenz. Die Gegenposition hierzu ist der Begriffsrealismus, wie er von den Platonikern (reale Existenz der Ideen; siehe Ideenlehre) vertreten wurde.
Der Begriffsnominalismus Wilhelm von Ockhams hatte revolutionäre Auswirkungen für die Frage nach dem Verhältnis von Glauben und Wissen. Wilhelm von Ockham stellte das gesamte Unternehmen der Scholastiker in Frage, die versuchten, die Wahrheit des christlichen Glaubens durch die Mittel der Vernunft zu beweisen (siehe dazu: Natürliche Theologie). Sein Gedankengang hierzu sieht – stark vereinfacht - etwa wie folgt aus:
Scholastik | Philosoph des Mittelalters | Logiker | Katholischer Theologe (14. Jh.) | Franziskaner | Brite | Mann | Geboren 1285 | Gestorben 1349
Guillelmu d'Ockham | Уилям Окам | Vilijam Okam | William af Ockham | William of Ockham | Guillermo de Ockham | ویلیام اکام | Wilhelm Ockhamilainen | Guillaume d'Occam | William de Ockham | ויליאם איש אוקאם | William Occam | William Ockham | Guglielmo di Occam | オッカムのウィリアム | 오컴의 윌리엄 | Guillelmus de Ockham | Willem van Ockham | William av Ockham | William Ockham | William de Ockham | William Ockham | Оккам, Уильям | William Occam | William Ockham | William wa Ockham | Ockham'lı William
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