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Wilhelm Elfes (* 1884; † 1969) war ein deutscher Politiker (Zentrumspartei, CDU, Bund der Deutschen). Er ist der Vater des Künstlers Will Elfes (* 1924; † 1971)

Beruf


Elfes machte eine Lehre als Schmiede- und Schlossergeselle. Ab 1909 war er Arbeitersekretär bei der katholischen Arbeiterbewegung (KAB). 1911 wurde er Redakteur der Westdeutschen Arbeiterzeitung, der Wochenzeitung der KAB. 1927 wurde er Polizeipräsident von Krefeld. Aus diesem Amt wurde er 1933 aus politischen Gründen entlassen. Elfes schlug sich in der Zeit des Nationalsozialismus als Zigarrenhändler und später als Handelsvertreter im Lebensmittelbereich durch. 1948-1951 gab er gemeinsam mit Andreas Hermes die Westdeutsche Zeitung heraus. Nach der Gründung der Deutschen Volkszeitung des Bund der Deutschen betätigte er sich bis zu seinem Tod als Kommentator des Blattes.

Partei


Elfes trat 1905 der Zentrumspartei bei. 1922 bis 1926 gehörte Elfes dem Reichsvorstand der Zentrumspartei an. Nach dem Verbot des Zentrums schloss er sich dem „Kölner Kreis“, einer katholischen Widerstandsgruppe um Andreas Hermes und Jakob Kaiser, an.

Nach 1945 beteiligte er sich an der Gründung der CDU. Wegen der Politik der Westintegration von Konrad Adenauer kam er in Konflikt mit der Parteilinie und wurde ausgeschlossen. Daraufhin gründete er mit dem ehemaligen Reichskanzler Joseph Wirth den national-neutralistischen Bund der Deutschen. Von 1953-1963 amtierte er gemeinsam mit Thea Arnold als Bundesvorsitzender dieser Partei. Bei der Bundestagswahl von 1961 kandidierte er erfolglos für die Deutsche Friedensunion. 1964 wurde Präsident des Weltfriedensrates.

Abgeordneter


1919 bis 1933 war Elfes Stadtverordneter in Mönchengladbach. 1947 bis 1950 gehörte Elfes dem Landtag von Nordrhein-Westfalen an.

Öffentliche Ämter


1945 und 1946 bis 1948 war Elfes Oberbürgermeister von Mönchengladbach.

Elfes-Urteil


Als Elfes 1953 die Verlängerung seines Reisepasses beantragte, um zu einem Kongress in das Ausland zu reisen, wurde ihm diese verweigert. Die dagegen erhobene Klage blieb bis zum Bundesverwaltungsgericht erfolglos, ebenso die anschließende Verfassungsbeschwerde. Das „Elfes-Urteil“ (Fundstelle: BVerfGE 6, 32) ist noch heute maßgeblich für alle Fälle, in denen aus außenpolitischen Gründen die Freizügigkeit zum Ausland eingeschränkt werden soll. Zudem wurde mit diesem Urteil durch das Bundesverfassungsgericht die allgemeine Handlungsfreiheit konkretisiert und in Artikel 2 Abs. 1 GG verortet.

Vertiefung zu: Verhalten zum Nationalsozialismus


Wilhelm Elfes gehörte zum engsten Zirkel des Kölner Kreises um Nikolaus Groß. Er zählte zu denjenigen, die an den Zusammenkünften teilnahmen, die in Groß’ Privatwohnung stattfanden. Anfang der 40er Jahre stieß er zum Kölner Kreis, nachdem er schon vorher der Bad Godesberger Gruppe um den ehemaligen Reichsbauernpräsidenten und Zentrumspolitiker Andreas Hermes angehört hatte, der ebenfalls zum Kölner Kreis zählte. Mit Groß verfasste er die beiden Schriften des Kölner Kreises „Ist Deutschland verloren?“ und „Die großen Aufgaben“. Er hatte sich auch eigenständige Gedanken gemacht, die er in Notizen für einen Vortrag für eine geheime Konferenz der KAB 1942 in Bochum und in einigen kleineren Schriften wie einem Brief an Präses Otto Müller niedergelegt hatte. Seine Überlegungen fasste er nach seiner Flucht vor Verhaftung 1944/45 im Versteck in der Broschüre „Ich bitte ums Wort.“ zusammen. Darin setzte er sich u. a. für eine Partei der Arbeit statt einer christlichen Volkspartei sowie für Sozialisierungen der Großindustrie, aber nicht für Planwirtschaft und Verstaatlichung, ein.

Elfes kam wie Nikolaus Groß aus der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB). Er stammte aus Krefeld. Sechs Jahre nach seiner Lehre als Schmiede- und Schlossergeselle trat er 1904 in KAB und Christliche Gewerkschaften ein, da er zwar unter dem Proletariersein litt, aber sich an Kirchen- und Religionsfeindlichkeit der SPD stieß. 1905 trat er der Zentrumspartei bei. Ab 1909 war er Arbeitersekretär der KAB in Krefeld, die damals Mittelpunkt der sozialen, gewerkschaftlichen, politischen und kulturellen Arbeit der christlichen Arbeiterbewegung war. 1911 wurde er Redakteur der Westdeutschen Arbeiter-Zeitung, der Wochenzeitung der KAB, in Mönchengladbach. Er war der Vorgänger von Nikolaus Groß. Wie dieser sah er sein Ziel darin, die Arbeiter mündig zu machen. 1915 wurde er zum Militär eingezogen und wurde im 1. Weltkrieg vom Monarchisten zum Pazifisten und Republikaner. 1919 wurde er zum Stadtverordneten des Zentrums in Mönchengladbach gewählt und setzte dort während der Inflation in Koalition mit SPD ein eigenes Kommunaltheater durch. Seit 1922 gehörte er dem Reichsparteivorstand des Zentrums an.

In der WAZ forderte er eine Kehrtwende im Wirtschaftsleben. Er wollte eine Demokratisierung der Wirtschaft durch die Gewerkschaften und lehnte den bestehenden Kapitalismus ab, da er sich seiner Meinung nach "rücksichtslos über alle sittlichen Grundsätze" hinwegsetze. Als Alternative strebte er eine Vergemeinschaftung der Großindustrie durch allmählichen Aktienerwerb der Arbeiter und dann paritätische Leitung an, Ideen, die er später im Widerstand modifizierte. Als er 1925/26 die Rechtskoalition des Zentrums mit der monarchistischen deutschnationalen Volkspartei für bedenklich hielt, den Austritt des ehemaligen, linken Reichskanzlers Wirth aus der Zentrumsfraktion begrüßte und 1926 für freie Entscheidung beim Volksentscheid zur Fürstenenteignung eintrat sowie die Einheitsgewerkschaft wegen kapitalistischer „Gewaltherren“ forderte, verließ er damit die Parteilinie und verlor die Leitung der eng mit dem Zentrum verbundenen WAZ. Er wurde 1927 Polizeipräsident von Krefeld. Am 25. März 1933 wurde er von der nationalsozialistischen preußischen Regierung in den einstweiligen Ruhestand versetzt und am 1. Oktober aus dem Staatsdienst entlassen. Er wurde Zigarrenhändler in Krefeld, dann Kirchenrendant und Vertreter von Lebensmittelfirmen für Großküchen. Er schloss sich nicht nur dem Kölner Kreis an, sondern hatte über Jakob Kaiser auch direkte Verbindung mit dem Goerdelerkreis. Von dort wusste er von den Attentatsplänen. Am 7. Oktober 1944 erließ die Gestapo einen Haftbefehl gegen ihn, weil sie seiner Beteiligung am Kölner Kreis auf die Spur gekommen war. Dank der Warnung eines Krefelder Polizisten, eines ehemaligen Untergebenen, konnte er rechtzeitig untertauchen. Nach dem Krieg war er von 1945 bis 1948 Bürgermeister von Mönchengladbach. Er entwickelte sich zum Widersacher Adenauers, da er für ein neutrales Deutschland zur Erreichung der Wiedervereinigung eintrat und seinen Wirtschaftskurs sowie die Wiederbewaffnung ablehnte. Wegen seiner Kontakte in den Osten wurde er aus der CDU ausgeschlossen.

Literatur


Veröffentlichungen

Ich bitte ums Wort. Zur Diskussion mit meinen Freunden, Mönchengladbach, 1945.

über Elfes

  • Albert Esser: Wilhelm Elfes 1884 - 1969. Arbeiterführer und Politiker, Mainz, 1990. ISBN 3-7867-1495-9

  • Saul K. Padover: Lügendetektor „Vernehmungen im besiegten Deutschland 1944/45“ (Vernehmung von Willi Elfes Seite 256-265), Eichborn, 1999. ISBN 3-8218-4478-7

Weblinks


Mann | Zentrum-Mitglied | CDU-Mitglied | BdD-Mitglied | Mönchengladbach | Bürgermeister (Nordrhein-Westfalen) | Geboren 1884 | Gestorben 1969

 

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