Georg Wilhelm Diehl (* 10. Januar 1871 in Groß-Gerau, † 12. September 1944 in Darmstadt) war ein hessischer evangelischer Theologe, Kirchenhistoriker und Landtagsabgeordneter.
Seit 1919 war Diehl politisch aktiv. Er gehörte von 1919 bis 1927 als Delegierter der Deutschnationalen Volkspartei dem hessischen Landtag an.
1923 erfolgte die Wahl zum Präsidenten der Evangelischen Landeskirche in Hessen. Seine Amtsbezeichnung lautete nun Prälat. In dieser Funktion stand Diehl seiner Kirche zehn Jahre vor. Sein politisches Engagement sowie seine Ablehnung der Deutschen Christen führten bald nach der nationalsozialistischen Machtübernahme - an der Verabschiedung des Gesetzes über die Verfassung der Deutschen Evangelischen Kirche am 11. Juli 1933, das den Weg zur Einführung eines Reichsbischofsamtes ebnete war er noch beteiligt - zu seiner Suspendierung. Damit war der Weg zu einer politisch aufgenötigten Vereinigung der Evangelischen Landeskirche in Hessen, der Evangelische Landeskirche in Nassau und der Evangelischen Landeskirche Frankfurt am Main zur Evangelischen Landeskirche Nassau-Hessen, der dann ein deutschchristlicher Bischof vorstand, frei. Zudem war er 1932 zum außerordentlichen Professor für Kirchengeschichte an der Universität Gießen berufen worden.
Diehl kam bei einem Luftangriff der Alliierten auf Darmstadt in der Nacht vom 11. auf den 12. September 1944 in Darmstadt ums Leben.
Diehl war den kulturprotestantischen Traditionen der liberalen Theologie seiner Gießener Fakultät in gemäßigter Weise verbunden. Es drückte sich aus in dem Respekt vor historisch begründeten Traditionen sowie in seinen Schwerpunktsetzungen. So legte er Wert auf die Bewahrung der Volkskirche - etwa gegenüber dem Konzept Bekenntnisgemeinschaften -, die Stärkung der Kirchengemeinden - gegenüber einer Betonung der Gesamtkirche - sowie die Förderung persönlicher Frömmigkeit.
Leitbilder für seine Arbeit waren der hessische Landgraf Philipp und die Reformation in Hessen. Philipps Wirken sah er sowohl als Basis für seine staatskirchlichen Vorstellungen an als auch für seinen Versuch, die verschiedenen evangelischen Konfessionen zu einen, damit sie friedlich miteinander auskämen; so reifte auch sein Traum, eine großhessische Kirche entstehen zu lassen. Das Zwinglisch-Reformierte sah er bei Philipp in dem engen Miteinander von Staat und Kirche, das Calvinisch-Reformierte in der besonderen Hochschätzung der gemeindlichen Ebene innerhalb der Ganzen der Kirche. Hans von der Au, ein Schüler Diehls, wies später jedoch nach, dass in Hessen zur Zeit der Reformation die obrigkeitliche Orientierung stärker gewesen war, als Calvins Genfer Kirchenordnung entsprach.
Georg Wilhelm Diehl wuchs am Kornsand, einer Gemarkung am Rhein bei Groß-Gerau, auf. Sein Vater Johann Balthasar Diehl war zunächst Bauaufseher in Groß-Gerau und später Bauer und nebenberuflicher Lederhändler. Wilhelm Diehls Mutter hieß Margaretha Elisabetha Diehl (geborene Knoche). Wilhelm Diehl wurde von dem damaligen Leiter der Höheren Bürgerschule Groß-Gerau, die heute Prälat-Diehl-Schule heißt, erheblich gefördert. Er durfte in seiner Schulzeit von 1877 bis 1885 Latein und Griechisch lernen und begeisterte sich schon bald für Archäologie und Geschichte. Von 1885 bis 1890 besuchte Diehl das Ludwig-Georgs-Gymnasium in Darmstadt und studierte anschließend in Tübingen und Gießen Theologie.
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