Wilhelm Abegg (* 29. August 1876 in Berlin; † 18. Oktober 1951 in Baden-Baden) war als linksliberaler Staatssekretär im preußischen Innenministerium bis kurz vor seiner Emigration 1933 der Begründer und Leiter der modernen preußischen Polizei nach dem 1. Weltkrieg.
Er machte sich um die Reform des Preußischen Polizeiwesens in politisch schwieriger Zeit durch den Aufbau der modernen Schutzpolizei in Deutschland verdient. Die preußische Polizei kam nach seiner Reorganisation im Mitteldeutschen Aufstand zum Ersteinsatz, wobei auch die Deeskalation als Polizeitaktik erstmals angewendet wurde. Abeggs besonderes Augenmerk galt in der Folge der zunehmenden politischen Gewaltbereitschaft in der Weimarer Republik, sowie frühzeitig dem Kampf gegen den aufkommenden Nationalsozialismus. Dabei nutzten er und die Regierung des Ministerpräsidenten Otto Braun die ebenfalls Abegg unterstehende Politische Polizei Preußens zur Überwachung des erstarkenden Nationalsozialismus und seiner Führungspersönlichkeiten, wobei insbesondere über die Person Adolf Hitlers und seiner Finanzierungspartner umfangreiche Dossiers aufgrund von Beobachtungen erstellt wurden. Damit begab er sich in Widerspruch zur rechten Reichsregierung um Franz von Papen. Diese nutzte den Altonaer Blutsonntag (17.7.32) zur Absetzung der demokratisch legitimierten Landesregierung im sogenannten Preußenschlag. Per Verordnung setzte sich Reichskanzler v. Papen zum Reichskommissar für Preußen ein und erklärte die Regierung Preußens für abgesetzt. Abegg, der im Gegensatz zu seinem vorgesetzten Innenminister Carl Severing und dem Kabinett des Freistaats Preußen noch versucht hatte, Gegenwehr zu organisieren, wurde bereits am folgenden Tag aus dem Staatsdienst entlassen. Die Preußische Staatsregierung hingegen hatte sich dafür entschieden, Gewalt nicht mit Gewalt zu vergelten, und erhob durch ihren Bevollmächtigten und Vertreter im Reichsrat Arnold Brecht nur Verfassungsklage bei dem Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich bei dem Reichsgericht. Der Verfassungsstreit ging für beide Seiten offen aus, die Verordnung v. Papens wurde zwar für rechtswidrig erklärt, die Fakten aber waren geschaffen. In der Folge des zunehmenden Drucks auf Abegg und seine Familie emigrierte er im März 1933 in die Schweiz, nachdem er sich seit 1930 von Berlin aus um die Wiedererlangung des Schweizer Bürgerrechts bemüht hatte. In Zürich war er bis 1949 als Anwalt, insbesondere in der Flüchtlingshilfe, tätig. Von dort kämpfte er während der NS-Zeit weiter vielbeachtet gegen das Regime in Deutschland, gründete und führte namhafte Organisationen des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus, wie die Schweizer Sektion der Bewegung Freies Deutschland. Er stand im Meinungsaustausch mit Allen Welsh Dulles vom Office of Strategic Services in Bern, brach diesen Kontakt allerdings 1944 ab.
Nach dem Krieg erlitt er auf einer Vortragreise durch Deutschland einen Schlaganfall, so dass er sich zu seinem Bedauern nicht mehr am Wiederaufbau des Staatswesens beteiligen konnte.
Mann | Deutscher | Polizist (Deutsches Reich) | Preußen | DDP-Mitglied | Deutschsprachige Emigration | Corpsstudent | Staatssekretär (Preußen) | Geboren 1876 | Gestorben 1951
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