Ein Wiki, auch WikiWiki und WikiWeb genannt, ist eine im World Wide Web verfügbare Seitensammlung, die von den Benutzern nicht nur gelesen, sondern auch online geändert werden kann. Wikis ähneln damit Content-Management-Systemen. Der Name stammt von wikiwiki, dem hawaiianischen Wort für „schnell“. Wie bei Hypertexten üblich, sind die einzelnen Seiten und Artikel eines Wikis durch Querverweise (Links) miteinander verbunden. Dazu gibt es in der Regel eine Bearbeitungsfunktion, die ein Eingabefenster öffnet, in dem der Text des Artikels bearbeitet werden kann.
Mit der Änderbarkeit der einzelnen Seiten durch jedermann wird eine ursprüngliche und zuvor nicht verwirklichte Idee des World Wide Web realisiert. Die Wiki-Software kann aber auch in Intranets oder auf privaten Rechnern eingesetzt werden.
Ein oft gebrachter Einwand gegenüber Wikis besteht in der Möglichkeit des Vandalismus. Bei typischer Wiki-Software ist es Benutzern jedoch möglich, von Vandalen durchgeführte Zerstörungen durch den Aufruf unzerstörter Fassungen der betroffenen Seiten zu beheben. Eine Untersuchung des IBM Watson Research Center ergab, dass dies bei der wikipedia.org durchschnittlich in weniger als 3 Minuten geschieht.
Wikis entstanden als Wissensmanagement-Tool im Umfeld der „Entwurfsmuster“-Theoretiker nach einer Idee aus dem Jahre 1995. Das erste Wiki (WardsWiki) wurde vom US-amerikanischen Software-Entwickler Ward Cunningham entwickelt. In diesem Zeitraum entstand eine Reihe ähnlicher Konzepte, denen jedoch kein vergleichbarer Erfolg beschieden war, beispielsweise XEROX Sparrow (1996).
Die vermutlich erste Adaption des Wiki-Prinzips jenseits von Ward Cunninghams WikiWikiWeb war das CoWeb des Hochschullehrers Mark Guzdial 1997.
Das Konzept von Wikis ähnelt dem, was sich Tim Berners-Lee, der Erfinder des World Wide Web, ca. 1990 ursprünglich unter selbigem vorstellte. Die Informationen sollten online verfügbar und sofort bearbeitbar sein. In historischer Perspektive beschreibt er dies in seinem Buch Weaving The Web (deutsch Der Web Report, Kapitel 1).
Um den Text lesbarer und gegliedert zu gestalten, gibt es meist Zeichenkombinationen, die dem eingeschlossenen Text eine Formatvorlage zuweisen. Diese so genannten „Tags“ werden im Eingabefenster an entsprechender Stelle eingegeben. In der Wikipedia beispielsweise ergibt die Eingabe „ein “ die Ausgabe „ein kursives Wort“.
Die Gesamtheit dieser Tags wird als Wiki-Syntax bezeichnet und unterscheidet sich je nach verwendeter Wiki-Software. Allen Dialekten ist jedoch zu eigen, dass sie sehr viel einfacher aufgebaut sind als das ansonsten im World Wide Web verbreitete HTML. Diese Beschränkung auf das Wesentliche ermöglicht einer großen Gruppe von Menschen, insbesondere auch Computer-Laien, mit wenig Lern- und Schreibaufwand an diesem System teilzuhaben.
Im deutschsprachigen Raum bekannte Wikis sind unter anderen das GenWiki (Ahnen-/Familienforschung) mit etwa 30.000 Artikeln, das Stadtwiki Karlsruhe ( über 6000 Artikel ) (und andere Stadtwikis ), das Deutsche-Software-Entwickler-Wiki (DseWiki, 2400 Seiten), das LinuxWiki, das JuraWiki, das MNWiki (über 1300 Artikel), der Reiseführer WikiTravel (über 2300 Artikel), das Rezepte-Wiki (über 1300 Rezepte), das aviatische ZRHwiki (rund 1'300 Artikel), sowie das GISWiki (1000 Artikel). Mit fiktiven Inhalten beschäftigen sich die Sciencefiction-Datenbanken Memory Alpha (über 5500 Artikel zu Star Trek) und Perrypedia (über 7000 Artikel zu Perry Rhodan). Ferner gibt es die Duckipedia (1300 Artikel), die sich mit allen Themen rund um Walt Disney und seinen Schöpfungen beschäftigt.
Deutschsprachige Parodien der Wikipedia existieren in Form der Kamelopedia (über 9000 Artikel), der Uncyclopedia (über 2000 Artikel) und der Stupidedia (über 10.000 Artikel).
Die gerundeten Zahlenangaben zum Umfang der Wikiprojekte beziehen sich auf Juni 2006.
Zur Vernetzung von Wikis dient das Konzept der InterWiki-Links. Von der TourBusHaltestelle aus kann man eine virtuelle Busrundfahrt durch viele unterschiedliche Wikis unternehmen. Miteinander „benachbarte“ Wikis verknüpft der WikiNode.
Umfangreiche Listen der im Web verfügbaren Wikis finden sich weiter unten im Abschnitt Weblinks.
Neben dem von Ward Cunningham in Perl geschriebenen Ur-Wiki existieren mittlerweile zahlreiche Wiki-Engines in unterschiedlichen Programmiersprachen, zu den bekanntesten zählen MoinMoin, UseModWiki und die von der Wikipedia verwendete Software MediaWiki. Einen Server oder eine Gruppe von Servern, welche Wiki-Hosting anbieten, nennt man auch Wiki-Farm.
Siehe auch: Liste von Wiki-Software
Neben der Bezeichnung für Wikis ist oder war „Wiki“ auch als Markenname für verschiedene Produkte eingetragen (siehe Wiki (Marke)).
Wiki-Engines und Wiki-Farmen:
Wiki-Verzeichnisse:
Hintergrundinformationen:
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