| Wappen | Karte |
|---|---|
| Wietze.jpg Wappen | Karte wietze in deutschland.png |
| Basisdaten | |
| Bundesland: | Niedersachsen |
| Landkreis: | Celle |
| Gemeindeart: | Einheitsgemeinde |
| Geografische Lage: | |
| Höhe: | 32 m ü. NN |
| Einwohner: | 8.222 (30. Juni 2005) |
| Postleitzahl: | 29323 |
| Vorwahl: | 05146 |
| Kfz-Kennzeichen: | CE |
| Gemeindeschlüssel: | 03 3 51 023 |
| Adresse der Gemeindeverwaltung: | Steinförder Straße 4 29323 Wietze |
| Website: | www.wietze.de |
| E-Mail-Adresse: | info@wietze.de |
| Politik | |
| Bürgermeister: | Wolfgang Klußmann |
Der Fluss Wietze fließt kurz vor seiner Mündung in die Aller durch den Ort Wietze.
Wietze liegt an der Bundesstraße 214 von Celle über Schwarmstedt nach Nienburg, die sich etwa zehn Kilometer westlich von Wietze mit der Bundesautobahn 7 kreuzt.
Die von Celle über Wietze und Schwarmstedt über Walsrode in Richtung Bremen führende Bahnlinie wurde in den 1970er Jahren aufgegeben und Mitte der achtziger Jahre rückgebaut.
Die Gemeinde Wietze unterhält drei Kindertageseinrichtungen sowie Grund-, Haupt- und Realschule. Für die Sicherheit im Ort sorgen die ansässige Polizeistation und vier Freiwillige Feuerwehren mit insgesamt 12 Fahrzeugen und rund 100 ehrenamtlichen Helfern.
Verschiedene Veranstaltungen werden über das gesamte Jahr verteilt angeboten. Besonders nennenswert sind das jährliche Schützenfest, das Hoffest der Feuerwehr, Kartoffelmarkt und Gewerbeschau, Altertümliches Treiben an der historischen Waldschmiede in Wieckenberg und diverse Konzerte.
Damit das Freibad der Gemeinde nicht geschlossen werden muss, wurde ein Förderverein gegründet. Hier finden in unregelmäßigen Abständen Veranstaltungen wie Konzerte oder das 24-Stunden-Schwimmen statt.
Ein besonderes Juwel findet sich im Ortsteil Wieckenberg: die Stechinelli-Kapelle, erbaut seit 1692 von Francesco Maria Capellini, genannt Stechinelli (1640-1694), dem Hofbankier des Celler Welfenherzogs Georg Wilhelm. Stechinelli hatte als Landdrost 1677 das adelige Gut in Wieckenberg erworben und wurde 1678 zum General-Erbpostmeister der drei welfischen Herzogtümer (Lüneburg, Calenberg und Wolfenbüttel) ernannt. Die Kapelle hat die äußere Gestalt eines Bauernhauses, ist innen jedoch mit einer gut erhaltenen Barockausstattung versehen. Sie wurde 1699 geweiht.
Dort fand Ende Juli 1858 - noch vor entsprechenden Bohrungen in Pennsylvania - unter Leitung von Prof. Dr. Georg Hunäus - die wahrscheinlich erste Erdölbohrung der Welt statt. Im Gegensatz zur späteren Bohrung in Pennsylvania, die einen „Ölrausch“ auslöste, kümmerte sich in Wietze allerdings niemand besonders um das bei der Bohrung gefundene Öl.
In Wietze gab es nämlich schon seit Jahrhunderten die so genannten Wietzer Teerkuhlen, aus denen die Bewohner Öl gewonnen hatten. Nach regenreichen Sommern trat Teer an der Erdoberfläche aus. Entsprechendes wird etwa in historischen Quellen aus dem Jahr 1652 erwähnt. Damals wurden auf verschiedenen Höfen Teerkuhlen angelegt. Was aus der Erde kam, wurde Smeer oder Satansspeck genannt und vielfältig genutzt: als Wagenschmiere, Dichtungsmaterial im Schiffbau, Abdeckung von Schäden an Obstbäumen und zur Versorgung von Wunden von Tieren und Menschen (schwarze Salbe). Mit der Zeit wurden Verfahren entwickelt, um aus dem Teer auch Öl zu gewinnen.
Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Königlich Hannoversche Regierung auf der Suche nach Rohstoffen auf die „Erdölquellen“ in Wietze aufmerksam. Die geologische Überwachung und Auswertung der Bohrungen oblag Prof. Dr. Georg Hunäus. In der Erde vermutet und eigentlich gesucht wurde Braunkohle. Gefunden wurde allerdings - in einer Tiefe von 35,6 Meter - nur Erdöl. Das wurde in der Folgezeit verschiedentlich gefördert und verwertet, allerdings ohne größere Auswirkungen.
Erst 1899 brach das Ölfieber in Wietze aus, als bei einer Bohrung in einer Tiefe von inzwischen 270 Meter freifließendes Erdöl an die Erdoberfläche drückte. 1903 waren bereits 25 konkurrierende Unternehmen in Wietze tätig. Der Transport des Erdöls erfolgte in Holzfässern auf Pferdefuhrwerken nach Celle und Schwarmstedt, und von dort mit der Eisenbahn weiter zu den Raffinerien nach Hamburg und Bremen.
Der Ölboom veränderte Wietze innerhalb weniger Jahre. Die Infrastruktur wurde erheblich verbessert (Straßenausbau, „Ölbahn“, Ausbau der Aller, Energieversorgung), und in Wietze wurde eine Raffinerie gebaut. Die Anzahl der Bohrbetriebe nahm so rasch zu, dass die meisten Arbeitskräfte keine Dauerwohnung in Wietze fanden; der Anteil der Pendler betrug 90 Prozent. Im Zeitraum von 1900 bis etwa 1915 entstand die so genannte Kolonie Steinförde, eine Vielzahl gleicher Wohnhäuser, die von den Erdölgesellschaften für die Arbeiter gebaut wurden.
Insgesamt waren in Wietze 52 Gesellschaften tätig, von denen 24 in der Deutschen Tiefbohr AG (später: Deutsche Erdöl AG = DEA) aufgegangen sind. Wietze deckte 80 Prozent der Inlandsnachfrage. Die Suche nach Erdöl wurde im Zuge des ersten Weltkrieges noch intensiviert.
Bis zur endgültigen Stillegung aller Betriebe 1963 aus wirtschaftlichen Gründen gab es in Wietze 2028 Bohrungen (etwa 1600 erfolgreich) und ein Bergwerk mit einem Streckennetz von über 80 Kilometer Länge in Tiefen zwischen 222 und 325 Meter. Im Bergwerk wurden von den Ölmuckeln zwischen 1918 und 1964 etwa eine Million Tonnen Erdöl aus Ölsand gewonnen.
Heute erinnern ein etwa 55 Meter hoher „Ölberg“ (= Abraumhalde), ein Lagerplatz, das Zentrallabor der RWE DEA und das Deutsche Erdölmuseum an rund 100 Jahre Industriegeschichte in dem kleinen Heideort Wietze.
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"Wietze (Gemeinde)".
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