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Wienerberger AG
Unternehmensform Aktiengesellschaft
Gegründet 1819
Unternehmenssitz Wien
Umsatz EUR 1,76 Mrd. (2004)
Gewinn vor Zinsen und Steuern EUR 257,5 Mio. (2004)
Mitarbeiter 13.000 (2004)
Branche Baustoffhersteller
Webseite www.wienerberger.at

Die Firma Wienerberger AG ist der weltgrößte Hersteller von Ziegeln und von anderen Baustoffen. Sie hat ihre Konzernzentrale in Wien. Derzeit (Dezember 2004) sind in 235 Werken in 25 Ländern weltweit ungefähr 13.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Durch den Trend in den USA nach Bauen mit festen Baustoffen, der nicht zu letzt durch den Hurrikan Katrina im Jahr 2005 gesteigert wurde, gelang es Wienerberger auch in den USA durch General Shale zur Nummer Eins aufzusteigen.

Geschichte


Die Firma wurde bereits 1819 von Alois Miesbach am Wienerberg in Wien gegründet und nach dessen Tod, im Jahre 1857, von seinem Neffen Heinrich von Drasche-Wartinberg übernommen und weiter ausgebaut. Seit 1869 ist sie auch an der Wiener Börse kotiert. Schon damals hatte sie an die 10.000 Mitarbeiter. Am Wienerberg südlich von Wien entstanden dort, wo der Lehm für die Ziegelerzeugung gewonnen wurde, zahlreiche Teiche. Einige dieser Teiche zeugen heute noch davon und dienen den Wienern als Naherholungsgebiet. Viele Arbeiter kamen aus den Kronländern nach Wien um hier eine Arbeit zu finden.

Die schlechten Lebensbedingungen dieser Ziegelarbeiter veranlassten den jungen Arzt und Journalist Victor Adler zum Abfassen von sozialkritischen Reportagen über die Armut der so genannten „Ziegelböhm“. Nach dem Börsengang der Firma verschlechterten sich die Lohn- und Arbeitsbedingungen der meist aus Böhmen und Mähren stammenden Gastarbeiter dramatisch. Die tägliche Arbeitszeit betrug 15 Stunden, Wochenende oder arbeitsfreie Tage gab es nicht. Zudem wurde ein sogenanntes Trucksystem („truck“ bedeutet Tausch, Tauschhandel) eingeführt, statt Geld bekamen die Arbeiter Blechmarken die sie nur in den betriebseigenen Kantinen zu überhöhten Preisen einlösen konnten. Wer mit erbetteltem Geld auswärts einkaufte wurde entlassen.

Karl Koch schilderte in der Broschüre „35 Jahre Gewerkschaftsorganisation der Ziegelarbeiter Österreichs“ das Los der Ziegelarbeiterinnen:

Die Ziegelarbeiterin von damals musste schon zeitlich früh zur Arbeit. Um 4 Uhr früh wurde schon mit dem Ziegelverladen, um 5 Uhr, später um 6 Uhr früh, wurde mit dem Ziegelschlagen begonnen. Selbstverständlich musste die Frau vorher alle notwendigsten häuslichen Arbeiten verrichten, den älteren Kindern Weisungen erteilen, den jüngeren Kaffee zu kochen, sie anzuziehen und sie dann rechtzeitig auf den Schlagplatz zu führen, damit sie, bevor sie noch in die Schule gehen, Ziegel aufstellen, Sand herrichten und dergleichen Nebenarbeiten verrichten. Nicht genug, dass die Ziegelarbeiterin 16, später 10 Stunden im Tag gearbeitet hat, musste sie nach Arbeitsschluss bis spät in die Nacht hinein weiter zu Hause arbeiten. Wäsche waschen, das Mittagessen für den nächsten Tag vorbereiten und die dringendsten Flickarbeiten erledigen.
Erwähnenswert ist hierbei, dass die Wienerberger Ziegelfabrik und Baugesellschaft im Jahr 1887 insgesamt 490.000 Gulden an Dividende ausschüttete, was einem Gewinn von 12 Prozent entsprach. Ein am 1. Dezember 1888 mit dem Titel „Die Lage der Ziegelarbeiter“ von Viktor Adler veröffentlichter Artikel bewirkte immerhin, dass das Gewerbeinspektorat die Gebaren der Wienerberger Ziegelwerke untersuchte und die Anwendung des ohnehin verbotenen Trucksystems untersagte, andere Missstände wurden aber erst 1895 nach dem großen Ziegelarbeiterstreik beseitigt.

Auch in Kroatien, Ungarn und Böhmen hatte die Firma Werke, die sie aber in Folge des ersten Weltkrieges im Jahr 1918 verlor. Gegen Ende des zweiten Weltkrieges wurden 1945 große Teile der Erzeugungsstätten bei Wien durch Bombenangriffe zerstört.

Der Bedarf an Baumaterialien zum Wiederaufbau Wiens nach dem Krieg führte wenig später zu einer neuen Rekordproduktion.

Im Jahre 1986 begann die Wienerberger AG unter der Leitung von Erhard Schaschl, Wolfgang Reithofer und Paul Tanos internationale Standorte aufzubauen und übernahm zuerst deutsche Hersteller (Fa. Oltmanns). 1990 baute sie auch sofort nach der Ostöffnung ihre Standbeine in den ehemals sozialistischen Ländern aus (1990 Ungarn).

Die Konzernzentrale ist in Wien, die Österreichzentrale nach wie vor im Gebiet der Gründung in Hennersdorf südlich der Wiener Stadtgrenze in Niederösterreich.

Nach weiteren Übernahmen (1996: Terca/Benelux, 1999: General Shale/USA, ZZ Wancor/Schweiz, Mabo/Skandinavien, 2000: Cherokee Sanford/USA, 2001: Optiroc/Nordeuropa, 2002: Hanson plc/Europa, 2003: Koramic Roofing) entwickelt sich der Konzern Anfang der 2000er Jahre zum Weltmarktführer auf dem Ziegelsektor und der Nummer zwei bei Dachziegeln. Der Umsatz betrug gemäß Geschäftsbericht 2004 1.758,8 Millionen Euro (EBITDA: 405,4 Millionen Euro, EBIT: 257,5 Millionen Euro).

Architekturpreis


2004 verlieh Wienerberger zum ersten Mal den internationalen Architekturpreis „Brick Award“. Der mit 21.000 Euro dotierte Preis zeichnet alle zwei Jahre zeitgenössische europäische Ziegelarchitektur aus. Der erste Preis ging 2004 an Josef Pleskot aus Tschechien für seine Fußgängerpassage unter dem Prager Hradschin.

Weblinks


Baumittelhersteller | Unternehmen (Österreich)

Wienerberger

 

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