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Wiener Operette ist eine Bezeichnung für Operetten, die im Zeitraum zwischen 1860 und etwa 1960 in Wien uraufgeführt wurden.

Geschichte


Die Wiener Operette ist nach dem Vorbild der Pariser Operette entstanden, die ungefähr von 1855 bis 1870 modern war (siehe Jacques Offenbach). Sie hatte als Novitäten-Genre im musikalischen Theater knapp hundert Jahre Bestand. Diese Zeit ist ironisch in eine "goldene" (bis etwa 1900), "silberne" (bis etwa zum Ersten Weltkrieg) und "blecherne" Ära (Folgezeit) geteilt worden. Das Blecherne bezog sich nicht nur auf die Qualität, sondern auch auf die extensive Verwendung von Blechblasinstrumenten in manchen jüngeren Operetten. Da die Zahl der Neuproduktionen bis zum Ersten Weltkrieg sprunghaft anstieg, bekam die Wiener Operette den Ruf der kommerziellen Massenunterhaltung.

Der Sage nach soll Franz von Suppé, ein Kapellmeister am Theater an der Wien, die erste Wiener Operette verfasst haben (Das Pensionat, 1860). An den Wiener Bühnen gab es in jener Zeit aber auch zahlreiche andere Neuproduktionen mit hohem Musikanteil. Die Wiener Operette erfüllte einen Publikumsbedarf, der durch Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur während der Gründerzeit entstand.

Während Suppé noch ein Theaterkapellmeister war, der Opern, Operetten und weitere Bühnenmusik im Auftrag der Direktion komponierte, wurde Johann Strauß (Sohn) aus der Tanzmusikszene ans Theater geholt und mit dem Theaterpraktiker Richard Genée zusammengebracht. Diese taktische Leistung des Theaterunternehmers Maximilian Steiner bahnte den Weg zum Welterfolg Die Fledermaus (1874).

Franz Lehárs Die lustige Witwe begründete ab 1905 im Gegenzug zum Untergang der Habsburgermonarchie eine Art Weltherrschaft der österreichischen Unterhaltungsindustrie, die erst vom US-amerikanischen Film der 1920er-Jahre unterbrochen wurde.

Charakterisierung


Die Abgrenzung der Wiener Operette zur "Posse mit Gesang" (Nestroy) wie zur Komischen Oper oder Spieloper (Lortzing) ist fließend. Doch sie richtet sich nicht mehr wie jene Gattungen auf das deutsch sprechende Kleinbürgertum, sondern auf das Großbürgertum aus.

Seit etwa 1850 entstehen in Wien nach dem Vorbild der Londoner Music Halls zahlreiche Singspielhallen für ein kleinbürgerliches und subbürgerliches Publikum. Daher versucht sich die Operette in den großen Vorstadttheatern wie dem Theater an der Wien und dem Carltheater auf ein großbürgerliches Publikum auszurichten und dem repräsentativen Sehen und Gesehenwerden Raum zu geben.

Die beiden Pausen zwischen den drei Akten der Wiener Operetten wurden dabei zu gesellschaftlichen Anlässen mit festliegenden Regeln. Der dritte Akt ist oft nur noch ein Nachspiel mit wenig Musik und einem zentralen Komiker.

Die Wiener Operette ist statischer als die Pariser Operette oder die später entstandene Berliner Operette und hat eine Vorliebe für ausladende zeremonielle Ereignisse. Tänzerisch wie musikalisch hat der Wiener Walzer eine wichtige dramaturgische Funktion. Die Wiener Operette meidet die satirische Aggressivität der Pariser und der Berliner Operette und propagiert vielmehr eine Dämpfung aller Konflikte durch Musikalisierung.

Liste von Komponisten (chronologisch)


Gattungen und Formen (Musik) | Operette

 

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