Die Wiener Küche ist eine aus verschiedenen Ursprüngen erwachsene Küche. Sie ist keine böhmische, keine adriatische, keine ungarische oder sonst irgendeine; sie ist eine "Wiener Melange", eine Mischung, geboren aus dem Vielvölkerstaat, sie ist verbürgerlichte Hofküche, sie ist verfeinerte Bauernkost: von allem etwas. Der italienische Einfluss seit etwa 1600 auf die Wiener Küche lässt sich an bis heute gebräuchlichen Namen von Zutaten und Gerichten ablesen: Risibisi (venezianisch risi e bisi), Melanzani, Maroni, Biskotte (Löffelbiskuit), Zitrone. Im 18. Jahrhundert begann sich der französische Einfluss durchzusetzen - analog der französischen Etikette und Sprache in der Diplomatie, und so wurde etwa die Bezeichnung "Bouillon" in gutbürgerlichen Kreisen für Suppe üblich.
Ende des 18. Jahrhunderts erschien in deutschsprachigen Kochbüchern der Begriff "Wiener Küche" und wurde mit der österreichischen Küche gleichgesetzt. "Die Süddeutsche Küche" von Katharina Prato, 1858 in Graz erschienen - war eines der ersten Kochbücher, das neben der österreichischen und speziell der Wiener Küche auch ungarische, südslawische, polnische, italienische, jüdische und böhmische Elemente miteinbezog.
Aber Wien ist auch traditionsbewusst und nostalgisch. Die Erneuerung gastronomischer Entwicklungen der jüngsten Vergangenheit in Österreich begann in Wiens Küchen. Was selten gelingt, nämlich Bewährtes neu zu definieren, ohne die Tradition in Vergessenheit geraten zu lassen, konnte die Richtung der "Neuen Wiener Küche" (u.a. Werner Matt) Ende der siebziger Jahre zustande bringen, die eine Synthese von Überliefertem und Neuem schuf.
Die Wiener Küche wird oft mit der österreichischen Küche gleichgesetzt und ist auch in ganz Österreich verbreitet, dennoch haben die einzelnen Regionen ihre eigenen Spezialitäten entwickelt.
== Essgewohnheiten der Wiener Die Presse, Ausgabe vom 14. Mai 2005 - Chronik: Einkaufen, kochen, konservieren und [http://www.diepresse.com/Artikel.aspx?channel=c&ressort=w&id=482278&archiv=false ==
Leider gilt beim Einkaufen für den Wiener oftmals der Preis als wichtigster Kaufgrund und nicht die Vielfalt und die Qualität, konstatiert die Ernährungswissenschaftlerin Hanni Rützler. Ausnahmen bestätigen aber oft die Regel, und so kann Wien mit dem Wiener Naschmarkt eine Oase der Spezialitäten und Vielfalt vorweisen. Laut einer Studie der AMA (Agrarmarkt Austria) verzehren die Wiener gemessen am täglichen Durchschnitt weit mehr Fertiggerichte (Convenience-Produkte) im Vergleich mit den Bürgern der übrigen österreichischen Bundesländer. Auch besuchen die Wiener am häufigsten von allen Österreichern Gasthäuser und andere Lokale, um ihren Hunger zu stillen. In einer AMA-Studie gaben 45 % an, einmal die Woche auswärts zu essen. Als Gründe dafür gelten bei Nahrungsmittelproduzenten und Ernährungswissenschaftlern vor allem die variablen Arbeitszeiten, Stress und die wachsende Zahl von berufstätigen Frauen und Singlehaushalten. War früher für viele das Mittagessen die Hauptmahlzeit des Tages, so verteilt sich die Nahrungsaufnahme heutzutage meist über den ganzen Tag in Form des so genannten "Snacking" (oftmals mit Fastfood), oder aber die Hauptmahlzeit wird vermehrt am Abend eingenommen. Was die Portionen betrifft, so ist der Wiener nicht zimperlich und genehmigt sich gerne mehr als der Gesundheit gut tun würde. ("Was auf den Teller kommt wird gegessen.") Eine liebevolle Garnierung ist nach der Quantität dem Wiener ebenfalls wichtiger als die Qualität der Speisen. Untersucht man die Zusammensetzung der Gerichte in Wiener Speisekarten und Kochbüchern, so lässt sich eine eher ablehnende Haltung des Wieners gegenüber Salat und Gemüse ableiten.
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Wiener Küche".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world