Wiedikon ist ein Stadtkreis der Stadt Zürich in der Schweiz.
Die ehemals selbständige Gemeinde Wiedikon wurde 1893 eingemeindet und bildet den heutigen Kreis 3. Administrativ wird Wiedikon vom statistischen Amt seit 1971 in die drei Verwaltungseinheiten (Quartiere) Alt-Wiedikon, Sihlfeld und Friesenberg geteilt.
Wiedikon beansprucht 894.9 ha für sich, was 9.4% der Gesamtfläche der Stadt Zürich entspricht. Das Quartier erstreckt sich von der Allmend bis zum Letzigraben. Die Nachbarquartiere sind Wollishofen, Leimbach, Enge, Albisrieden und Aussersihl-Hard. Auf dem Uetliberg ist die Quartiergrenze zugleich die Stadtgrenze.
Kern des Quartiers ist der Bühl, ein Moränenhügel. Gekrönt wird dieser von der neugotischen Bühlkirche (erbaut 1896). Zu Füssen des Bühl liegt das historische und heute noch aktive Quartierzentrum. Um 1930 erfasste ein Bauboom den Friesenberg, die Hangterrasse am Fusse des Uetlibergs. Im Laufe der Jahre wurde das ganze Quartier nach und nach mit Wohnsiedlungen überbaut. Die letzte grosse Landreserve in Wiedikon, das Gelände der ehemaligen Lehmgruben in den Arealen Gehrenholz, Tiergarten, Binz und Friesenberg wurde vor einigen Jahren ebenfalls überbaut.
Die ältesten Siedlungsspuren gehen schätzungsweise auf die Jahre 3000 bis 2000 vor unserer Zeitrechnung zurück und umfassen ein Steinbeil, Überreste von Gräbern, welche den Helvetiern zugeschrieben werden und einzelne römische Münzen.
Nach 500 besiedelten Alemannen das Gebiet der heutigen Deutschschweiz. Am Bühlhügel – geschützt von den Hochwassern der Sihl – liess sich Wiedo mit seiner alemannische Sippe, den Wiedingen nieder und gab dem Gebiet indirekt den Namen. Eine Urkunde vom 27. Juni 889 verwendet erstmals die Ortsbezeichnung Vviedinc hova (Höfe der Wiedinge), woraus im Laufe der Zeit Wiedikon wurde.
Erst 1259 wurde Wiedikon in einer zweiten Urkunde erwähnt, diesmal als königlicher Reichshof. Die Vogtei Wiedikon wechselte durch die verschiedenen Adelsgeschlechter, die in der Stadt Zürich ein Bürgerrecht hatten, ehe sie nach 1490 von der freien Reichsstadt Zürich gekauft wurde. Die Obervogtei Wiedikon wurde damit zu einer inneren Vogtei, deren Vogt in der Stadt Zürich ansässig war. Der Obervogtei Wiedikon wurde auch Albisrieden zugeschlagen.
Das genaue Alter des heutigen Quartierwappen mit dem mittelalterlichem Reichsapfel ist unbekannt, erstmals nachweislich festgehalten wurde es erst 1674 in einem Wappenbuch.
Die ganze Obervogtei Wiedikon war bäuerlich geprägt und bestand aus den beiden Siedlungsschwerpunkten Wiedikon und Albisrieden, sowie einer Vielzahl verstreuter Bauernhöfe. In Wiedikon etablierte sich auch das Baugewerbe, da reichlich Lehm vorhanden war, wie die ehemaligen Lehmgruben Binz und Heuried heute noch erahnen lassen. Das Holz für die Ziegelbrennereien konnte auf der Sihl aus dem Sihlwald herangeschafft werden und der Name Schmiede Wiedikon erinnert heute noch an die einst so wichtigen Fuhrwerke, die damals für den Transport unabdingbar waren.
Nachdem Wiedikon Bewohnern der Hard das Bürgerrecht verweigerte, ersuchen diese 1784 um eine eigene Gemeinde. Dem Gesuch wurde nachgekommen und die neue Gemeinde Aussersihl wurde innerhalb der Obervogtei Wiedikon formiert. Aussersihl wurde 1787 in die Selbständigkeit entlassen, womit Wiedikon den unteren Teil der Gemeinde respektive des Sihlfelds verlor, welches ursprünglich bis zur Limmat reichte. Nach der Abtrennung von Aussersihl erhielt 1791 Wiedikon mit dem Bethaus seine erste eigene Kirche. Das inzwischen denkmalgeschützte Bethaus ist das älteste Gebäude in Wiedikon. Mit der französischen Invasion fiel 1798 das alte System zusammen und die Obervogtei Wiedikon wurde aufgelöst. Wiedikon und Albisrieden wurden damit zu selbständigen Gemeinden. Von Aussersihl erhielt Wiedikon 1852 die Bauernhöfe auf seinem Gemeindegebiet zurück, die bei der Teilung an Aussersihl gegangen sind.
Wiedikon erhielt 1875 seinen ersten Bahnhof, welcher 1927 verlegt wurde und heute der einzige Reiterbahnhof der Schweiz ist. Bereits 1892 erhielt Wiedikon mit dem Bahnhof Giesshübel einen zweiten Bahnhof, welcher vor allem für den Güterverkehr bedeutend war, welchen die Sihltalbahn in ihrem Einzugsgebiet abwickelte.
Die Einteilung der ursprünglichen fünf Stadtkreise wurde 1913 revidiert und es wurden durch die Dreiteilung des Stadtkreises III und die Zweiteilung des Stadtkreises V, neu acht Stadtkreise (1 bis 8) gebildet. Damit wurde das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Wiedikon zum heutigen Stadtkreis 3, während die ehemalige Gemeinde Aussersihl zum Stadtkreis 4 und deren bereits 1875 abgespaltener Teil, das Industriequartier, zum Stadtkreis 5 wurden.
Die zweite Eingemeindung von 1934 hatte auf Wiedikon keinen Effekt, allerdings wurde bei einer weiteren Revision der Stadtkreise im Jahre 1971, unter anderem Wiedikon vom Statistischen Amt der Stadt Zürich, am Reissbrett in die drei Quartiere Alt-Wiedikon, Sihlfeld und Friesenberg unterteilt, die fast ausschliesslich eine statistische Bedeutung haben.
Grosse Industriebetriebe sind inzwischen kaum mehr vorhanden, die einst stolzen Zürcher Ziegeleien (ZZ) firmieren heute als ConZZetta Holding und haben ihr altes Kerngeschäft vor Jahren verkauft. Die Holding ist heute noch in Wiedikon ansässig und unter anderem im Immobilienhandel tätig; die ehemaligen Lehmgruben Laubegg, Gehrenholz und Tiergarten sind heute mit Wohnsiedlungen überbaut, die Grube Binz beherbergt eine Gewerbezone und 2005 ein Entstehung befindliche Wohnbauten, in die Grube Heuried eingepasst sind die gleichnamige Kunsteisbahn, das Freibad und das Gemeinschaftszentrum. Die südlichste Grube an der Grenze zur Allmend beherbergt die SKA Uetlihof (heute Credit Suisse) das Einkaufszentrum Brunaupark samt angebauter Wohnsiedlung und den Sitz der Conzzetta Holding.
Die Papierfabrik an der Sihl hat nach diversen Redimensionierungsprojekten ihren alten Hauptsitz aufgegeben und sich etwas weiter sihlaufwärts auf das modernere Sihl-Papier Werk Manegg in Leimbach zurückgezogen. Das Areal wird für die Grossüberbauung Sihlcity genutzt, die unter anderem ein weiteres Einkaufszentrum und ein Mulitplexkino enthalten wird.
Seit 1936 ist an der Diezingerstrasse die Orell Füssli Gruppe angesiedelt, die unter anderem das Schweizer Papiergeld herstellt.
Die 1936 von der Berufsfeuerwehr bezogene Wache Manesse ist heute nicht nur Sitz der Berufsfeuerwehr, sondern der gesamten städtischen Rettungsdienste die unter Schutz & Rettung Zürich zusammengefasst sind. Aufgrund des Bebauungsplans für das Sihlfeld ist das ursprünglich viel zu gross geratene Gebäude heute in der Lage alles unter einem Dach unterzubringen.
Einige der wenigen markanten Hochhäuser in Wiedikon stehen seit den 1960er-Jahren weit oben am Fuss des Uetlibergs und gehören zum 1970 eröffneten Stadtspital Triemli. Zum Spitalkomplex gehören neben dem markanten Bettenhochhaus auch drei Personalhochhäuser. Hinter dem prunklosen Bau des Triemlispital verbirgt sich das drittgrösste Spital im Kanton und die zweitgrösste Notfallabteilung, zu deren Einzugsgebiet die Stadt links der Limmat und die linksufrigen Nachbargemeinden Zürichs gehören (rund 360'000 Personen).
Ebenfalls am Fuss des Uetlibergs ist das kantonale Strassenverkehrsamt beheimatet, ein zweiter gleichwertiger Sitz exstiert in Winterthur. An der Uetlibergstrasse zwischen Laubegg und Binz befindet sich das kantonale Zeughaus.
Der ehemalige Zentralfriedhof, der sich schon lange Friedhof Sihlfeld nennt, hat Geschichte geschrieben als erster Zürcher "Volksfriedhof", auf welchem Jeder unabhängig von Kirchgenössigkeit oder vom Glauben auf Wunsch beerdigt wurde. Bedeutender ist die Anlage als erstes Krematorium der Schweiz, die gar durch ein zweites Krematorium ergänzt werden musste. Mit weiteren Eingemeindungen kamen Gemeinden mit eigenen Friedhofanlagen hinzu und der Platzbedarf schwand, wodurch verschiedene Felder aufgegeben und teilweise anderen Zwecken zugeführt wurden – trotz dem, handelt es sich noch heute um die grösste zusammenhängende Grünanlage innerhalb der Stadt; die beiden längst stillgelegten Krematorien werden als Baudenkmäler sorgfältig erhalten.
Am Bühlhügel steht neben der neugotischen Bühlkirche die Schulhausanlage Bühl, welche die Primarschule Bühl und die Kantonsschule Wiedikon umfasst. Die Anlage besteht aus drei klassischen Gebäuden auf dem Hügel, die etwa zeitgleich mit der Kirche erstellt wurden, und einem modernen Gebäude, das an den Hang gebaut wurde und einen unterirdisch im Hügel erstellten Sporthallentrakt verbirgt.
Da die Linksufrige eine starke Trennung zwischen Wiedikon und Aussersihl bewirkte, wurde die ehemalige Gemeindegrenze nach der Eingemeindung beider Gemeinden 1893 nach Süden gelegt und verläuft seither entlang der Seebahn. Da diese Trennung mit dem Wachstum der Stadt unerträglich wurde, wurde die Bahnlinie 1927 in einen Einschnitt gelegt und die Bahnübergänge aufgehoben. Wiedikon erhielt den einzigen Reiterbahnhof der Schweiz und der Abschnitt nach Enge und die Verbindung nach Giesshübel wurden in einen Tunnel gelegt.
Die Uetlibergbahn der SZU verläuft quer durch Wiedikon, wo sie vier Haltestellen bedient und weist seit der Verlängerung zum Hauptbahnhof, analog zur Sihltalbahn, steigende Fahrgastzahlen auf. Die Bahn verlässt ab Triemli tariflich das Stadtgebiet, verläuft allerdings bis zur Endstation Uetliberg weitgehend auf Wiediker Boden.
Sein eigenes Tram erhielt Wiedikon 1898/99 von der Städtischen Strassenbahn Zürich (StStZ), welche die Tramlinie Hauptbahnhof–Sihlbrücke–Werdstrasse–Heuried eröffnete. Das Teilstück in der Werdstrasse wurde 1914 mit der Aussersihler Linie in der Badenerstrasse zusammengelegt und aufgehoben; seither bildet die Haltestelle Stauffacher einen wichtigen Umsteigepunkt und aus dem Stadtkern heraus das Tor zu Wiedikon. Die Tramstrecke wurde 1926 vom Heuried zum Triemli verängert.
Im Hinblick auf das Eidgenössische Schützenfest im Albisgütli, eröffnete die Albisgütli-Bahn (AGB) 1907 die dritte Tramstrecke nach Wiedikon, vom Bahnübergang Giesshübel zum Albisgütli (Utohof); das kurze Teilstück von der Utobrücke zum Bahnübergang erstellte die StStZ. Nach dem Schützenfest führte die AGB durch unbebaute Lehmgruben und fuhr bald nur noch an Sommerwochenenden, bis sie 1925 von der StStZ übernommen wurde. 1926 wurde die Strecke zum Schützenhaus verlängert und mit den ersten Überbauungen auf dem Friesenberg rechtfertigte die Linie ab den 1930er-Jahren einen regulären Verkehr.
1923 wurde von der StStZ zusammen mit der Gemeinde Albisrieden als Abzweig von der Aussersihler Linie das sogenannte Albisriedertram, die Tramlinie Albisriederplatz–Albisrieden eröffnet, die zwischen Albisriederplatz und Letzigraben (Haltestelle Hubertus) durch Wiedikon verläuft.
Ursprünglich kreuzten Tramlinien und Eisenbahnstrecken à Niveau und da die SBB den Trambetrieben das Befahren ihrer Gleise im Regelbetrieb untersagte, pendelten die Trams auf Teilstrecken, wobei die Passagiere an den Bahnübergängen (Marienstrasse und Freyastrasse) aussteigen und zu Fuss zum Anschlusstram ennet des Bahnübergangs mussten. Mit der Tieferlegung der Seebahn konnte 1927 auf allen Linien der durchgehende Betrieb eingeführt werden. Einzig am Bahnübergang an der Giesshübelstrasse (beim heutigen Sihlcity-Komplex) stellte dies nie ein Problem dar, da die Sihltalbahn die "Bedenken" der SBB nicht teilte – der dortige Bahnübergang wurde erst deutlich später durch eine Strassenunterführung ersetzt.
Heute verkehren auf den Tramstrecken die Tramlinien:
Im Quartier gibt es verschiedene Sportvereine, welche aktiv am Quartierleben teilnehmen:
Ausserdem verfügt das Quartier mit Züri West und Quartier Echo über zwei Quartierzeitungen. Im Albisgüetli im Friesenberg findet einmal jährlich das Knabenschiessen statt.
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