Wiederbewaffnung bezeichnet die erneute Einführung militärischer Strukturen in der BRD und der DDR nach dem Zweiten Weltkrieg in den 50er Jahren. Das Thema wurde von 1949 bis 1956 in der Öffentlichkeit und Politik im Hinblick auf den gerade erst zu Ende gegangenen Zweiten Weltkrieg sehr kontrovers diskutiert. Es gipfelte in dem Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zur Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (1952) und der NATO (1956) und der damit einhergehenden Gründung der Bundeswehr im Jahre 1956.
Für ausführliche Informationen zur politischen und gesellschaftlichen Diskussion um die Wiederbewaffnung siehe Wiederbewaffnungsdiskussion.
Nach dem Zweiten Weltkrieg beschlossen die Alliierten Siegermächte USA, Frankreich, Großbritannien und die Sowjetunion unter anderem die vollständige Entmilitarisierung Deutschlands. 50 bis 60 Millionen Tote des 2. Weltkrieges mahnten die politisch Verantwortlichen kategorisch: Von deutschem Boden sollte nie wieder Krieg ausgehen. Dieser Leitsatz war zunächst auch für die Gründungsväter der neuen Bundesrepublik Deutschland verbindlich, als sie 1949 das Grundgesetz ausarbeiteten.
Durch den Aufbau bewaffneter Polizeieinheiten in beiden Teilen Deutschlands und die zunehmenden Spannungen des beginnenden Kalten Krieges wurden die entsprechenden Vereinbarungen der Potsdamer Konferenz jedoch schnell hinfällig.
1951 wurde der Bundesgrenzschutz (heute: Bundespolizei) in der Bundesrepublik gegründet. Diese Formation war damals militärisch gegliedert und mit leichten und mittleren Kriegswaffen ausgestattet.
Unter dem Eindruck des Koreakrieges erhielt die politische Diskussion um eine Neugründung militärischer Einheiten neuen Auftrieb. Diese Auseinandersetzung führte zu massiven Protesten und Demonstrationen und einem Erstarken der westdeutschen Friedensbewegung (Friedenskomitee der Bundesrepublik Deutschland, Ohne mich-Bewegung). Trotz dieses Widerstands aus der Bevölkerung kippte die öffentliche Meinung zugunsten der CDU-Regierung, so dass am 12. November 1955die Bundeswehr gegründet wurde.
In der Bundesrepublik wurden schnell Zweifel am demokratisch gedachten Prinzip vom Soldaten als "Staatsbürger in Uniform" laut, zumal praktisch die gesamte Führung der neuen Bundeswehr aus ehemaligen Offizieren der Wehrmacht, darunter vormals überzeugte Anhänger des NS-Regimes, rekrutiert worden war. Neben grundsätzlichen pazifistischen und antimilitaristischen Erwägungen wurde auch deswegen die demokratische Legitimation der Bundeswehr von einer kritischen Öffentlichkeit in Frage gestellt.
Am 18. Januar 1956 wurde die Nationale Volksarmee gegründet.
In der NVA wurde die personelle Kontinuität des Übergangs der Wehrmacht zur neuen Armee vermieden. Die NVA wurde in der DDR definiert als eine Art Speerspitze gegen den Faschismus und Kapitalismus des Westens. Jedoch wurden in der NVA manche Rituale der Wehrmacht, die schon in der vordemokratischen preußischen Armee üblich waren, übernommen; so etwa der Stechschritt bei Paraden. Die Uniformen der NVA erinnerten zudem stark an die der Vorgängereinrichtungen Reichswehr bzw. Wehrmacht.
Deutsche Geschichte (20. Jh.) | Deutsche Geschichte (Nachkriegszeit)
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