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Die ehemals selbständige Stadt Wevelinghoven ist heute ein an der Erft liegender Stadtteil von Grevenbroich (Nordrhein-Westfalen). Die Flächengröße Wevelinghovens beträgt in der "Gemarkung Wevelinghoven mit Langwaden" laut Kataster 13.934.774 Quadratmeter. Die Bevölkerungszahl beträgt 2006 mehr als 8200 Menschen in etwa 3000 Haushalten.

Ortseingangsschild Wevelinghoven.jpg

Geschichte


Neben kleineren neolithischen Funden und vermehrten römischen Fundstücken im ehemaligen Stadtgebiet Wevelinghovens (ein römischer Weg lief an der Erft entlang von Neuss über Hülchrath, Wevelinghoven (Römerstraße) weiter nach Grevenbroich) finden sich auf den Feldern in Erftnähe häufig sogenannte Blaugraue Waren und Pingsdorfer Waren. Sie lassen das Alter der Ansiedlung in spätfränkische und karolingische Zeit zurückdatieren.

An der Stelle eine römischen Villa rustica, auf die römische Funde im südlichen Teil des Stadtgebietes von Wevelinghoven schließen lassen, finden sich in späterer Erwähnung Gut Birsmich und Vingerather Hof wieder.

Unbestätigten Quellen zufolge findet die erste schriftliche Erwähnung des Ortes im Jahre 809 statt. Dafür spricht auch der Wortstamm des Ortsnamens: Der noch heute im Niederdeutschen für unstete und unraste Leute gebräuchliche Begriff Wibbel weist auf einen sehr geschäftigen fränkischen Ortsgründer hin. Der aus dieser Zeit vielfach auch im Süddeutschen überlieferte Name Wibilo liefert den entscheidenden Hinweis auf den Ursprung ersten Namensbestandsteiles.

Die eiförmigen Hofanlagen um die aus normannischer Zeit stammende Befestigungsform der Motten lieferten aufgrund ihres eben ovalen Grundrisses den Namen Ova von lateinisch Ovum für Ei. Wibilos Ova wurde im Laufe der Zeit und Sprachentwicklung des Genitivs im Deutschen zu Wiblinchove, und aufgrund der sogenannten Lautverschmelzung von b zu v in späterer Zeit zu Wevelinckhoffen. Die intermediäre Bezeichnung Weuelinghouen lässt sich auf die unterschiedliche Gebrauchsweise von V und U im mittelalterlichen Deutsch und Latein zurückführen.

Namensursprung

Der Ort Wevelinghoven ist unter verschiedenen Bezeichnungen bekannt: Neben Wevelkaven (heute noch im Niederländischen gebräuchlich), Weuelinghouen, Wiblinchoven, Wevelinckhoffen hat sich in der lokalen mundartlichen Überlieferung vor allem der Name Wivelkoven (~1750) als "Wivekove" erhalten. Im Mittelalter war auch die Bezeichnung Wrjfflichofen (abgebildet in der Karte von Vopelius 1555) geläufig. Auch tauchte 1075 ein Wernere de Wiuelcoue (Wevelinghoven)auf einer Urkunde als Zeuge auf.

Urkundliche Erwähnung

Urkundlich jedoch erstmalig im Jahre 1096 erwähnt beginnt das hochmittelalterliche Kapitel des heutigen Grevenbroicher Stadtteiles Wevelinghoven wenig rühmlich. Die Verfolgung der Rheinischen Juden von Speyer bis Xanten im Rahmen des ersten Kreuzzuges, ausgerufen durch Papst Urban II., veranlasste den damaligen Kölner Erzbischof Hermann III. von Hochstaden zu einer groß angelegten Rettungsaktion für die Juden seiner Stadt: Insgesamt 7 befestigte Orte in seinem Einflussgebiet wurden auserkoren, die jüdischen Gemeinden aufzunehmen und ihnen für die Dauer des Durchzuges der kriegerischen Bauern Zuflucht zu gewähren. Dabei sind neben Neuss, Xanten und Geldern, die später eine festungsähnliche Bedeutung besaßen, vor allem die kleineren Herrschaften wie auch Eller, Moers, Meer(busch) und eben Wevelinghoven zu nennen. Die Katastrophe nahm für die so vermeintlich sicheren Juden jedoch kein Ende: Verraten durch die Landbevölkerung zogen ihnen die mordenden Horden durch die genannten Orte entgegen und massakrierten auch die jüdischen Einwohner in den stark befestigten Burgen Hülchrath und Zons. Es ist davon auszugehen, dass die Einwohner den Kreuzfahrern willfährig Zutritt gewährten. Für Wevelinghoven ist daher auch überliefert, dass die hierhin geflüchteten Juden zunächst die vermeintlich sichere Burg verließen, um in die Sümpfe der Umgebung zu fliehen. Als sie dann von den Morden in Hülchrath und Zons erfuhren, sahen sie keine andere Chance als den Freitod.

Neben dem Ort erfuhr hierin nun auch zum ersten Mal eine Befestigung innerhalb Wevelinghovens Erwähnung, es gibt jedoch keine bildliche Darstellung der Burg der Herren von Wevelinghoven. Es ist aber anzunehmen, das die Befestigungsanlagen der Zeit entsprechend umfangreich gewesen sein dürften, da sie in einer Reihe mit den größeren Anlagen der näheren Umgebung genannt wird.

Geschichtliche Bedeutung

Die Anlage der Stammburg ist heute noch an einer Hügelanlage auf dem linken Erftufer zu erkennen, direkt gegenüber der ehemaligen Eigenkirche der Herren von Wevelinghoven und dem auf den Grundmauern der im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Vorburg errichteten Gutshof, der in späterer Zeit dem von den Wevelinghover Grundherren abstammenden Landadel der von Deutz verwaltet wurde. Um diesen Hügel befindet sich eine jüngere Grabenvierung, die wie der kleine Fachwerkpavillon auf der Spitze des Hügels, einer klassizistischen Gartenanlage zuzuordnen ist. Anhand des umstehenden Baumbewuchses und leichten Vertiefungen im Gelände lässt sich ein ehemals den Hügel umfließender Arm der Erft erkennen. Möglicherweise bildete der heute die Burg vom rechten Ufer trennende Fluss eine von Menschenhand geschaffene Abkürzung des Erftverlaufs, um eine Fluchtburg für die auf einer nahen Lösshöhe angelegte Vorburg zu schaffen.

Am 29. Juni 1354 übertrugen die Herren von Wevelinghoven ihre Herrschaft dem Kölner Erzbischof als Lehen. Damit verlor Wevelinghoven seine politische Eigenständigkeit als Herrschaftsbereich eines eigenen Souveräns. Hierin lag auch für die kommenden Jahrhunderte die politische Zugehörigkeit zu Köln begründet, da die Wevelinghover Burg somit zu einem begehrten Kriegsziel der Feinde Kölns wurde. Andererseits war die Grenzlage der Wevelinghover Burg zusammen mit Hülchrath in vorderster Front zur Jülicher Amtsstadt Grevenbroich weiter bestimmender Faktor des Konfliktes zwischen den späteren Herzögen von Jülich und den Kölner Erzbischöfen. Die Burg wurde im Truchsessischen Krieg 1583 als eine der ersten Anlagen im Erzbistum Köln zerstört und hiernach nicht wieder aufgebaut.

Ende des 30-jährigen Krieges, am 14. Juni 1648, kam es zur Schlacht bei Wevelinghoven. Kaiserliche Truppen unter General Lamboy erschienen am 13. Juni mit etwa 7000 Mann vor dem Lager der hessischen Truppen südlich von Wevelinghoven unter General Geyso. Die Kaiserlichen versuchten, das Lager der Hessen auf dem rechten Erftufer von allen Verbindungen abzuschneiden. Am 14. Juni rückten die Hessen mit ihrer gesamten Reiterei, Artillerie und Infanterie vor das Lager und stellten sich zur Schlacht. Die kaiserlichen Truppen waren den hessischen weit überlegen: 11 Kanonen der Kaiserlichen standen nur 5 der Hessen gegenüber, 3500 kaiserliche Reiter 2000 hessischen Reitern und 3000 kaiserliche Fußsoldaten 1600 hessischen Fußsoldaten. Trotzdem erlitten die kaiserlichen Truppen eine verheerende Niederlage.

Adelsgeschlechter und Adelssitze

In Wevelinghoven starb das Geschlecht der Herren von Wevelinghoven schon im Jahre 1446 mit dem Tod von Wilhelm II. von Wevelinghoven aus. Titel und Lehnsrecht gelangten mit der Heirat seiner Tochter Anna daraufhin an die Herren von Gemen und 1492 mit deren Aussterben schließlich an die Grafen von Steinfurt. Die Grafen von Bentheim führen nach der Übernahme des Titels der Herren von Wevelinghoven im Jahre 1582 diesen bis heute.

In und außerhalb Wevelinghovens führten bis in die 50er Jahre hinein noch Geschlechter des niederen Adels den Beinamen von Wevelinghoven. Diese waren im Einzelnen:

  • die von und zu Hundt mit Sitz auf Haus Busch,
  • die von Lievendahl mit Sitz im südlichen Wevelinghoven in der sogenannten Wölkersburg auf der heutigen Stadtparkinsel,
  • die von Kerpen mit Sitz im nördlichen Wevelinghoven (Beesterhöfgen?),
  • die von Deutz mit Sitz in den Überresten der ehemaligen Vorburg der Herren von Wevelinghoven.

Von diesen Sitzen ist das heutige Haus Busch der von Hundt als abgegangenes Wasserschloss im östlichen Wevelinghoven am besten erhalten. Das vollständig zerstörte Wasserschloss der (auch als Herren bezeichneten) von Lievendahl bestand zu Beginn des 19. Jh. noch als Ruine. Heute kann man seine Lage nur noch an der ansteigenden Bodenformation und Mauerresten im Untergrund erkennen. Das ursprüngliche Alter der zugrundeliegenden Burg dürfte allerdings um ein wesentliches höher sein als die von Lievendahl (bis 1428). Begründet wird dies im Allgemeinen mit der ähnlichen Anlage wie die der Burg der Herren von Wevelinghoven. Die einzige bildhafte Darstellung befindet sich auf einer Abbildung aus dem Jahre 1649. Danach und den Grundrissen auf der Tranchot-Karte von 1806/07 folgend kann man sich die Gebäude in einer ähnlichen Formation und Nutzung wie Schloss Hülchrath vorstellen. Die von Kerpen können nicht mehr lokalisiert werden. Jedoch lässt der Verlauf von römischen und mittelalterlichen Straßen sowie Gräben und mittelalterlicher Bebauung mit zutagetretenden Fundamentresten eine Lokalisierung der Burg im nördlichen Wevelinghoven hinter dem sogenannten Beesterhöfgen vermuten.

Außerhalb Wevelinghovens führten durch die Verwandtschaft des 15. Jh. mit dem Hause der Herren von Gemen (s.o.) die von Wevelinghoven zu Sittard bei Nettetal-Lobberich den alten Titel weiter. Die letzte Freifrau von Wevelinghoven zu Sittard starb 1955. Der Ort ihrer Ansiedlung trägt bis heute noch den Namen An Wevelinghoven und ist somit eine Nachgründung durch Titelwanderung. Alle anderen Geschlechter starben noch vor der französischen Revolution aus.

Der Ursprung all dieser Adelsgeschlechter ist wohl im Rahmen der üblichen spätmittelalterlichen Praxis zu sehen, fähige Knechte und Bauern in den Stand eines nicht erblichen Verwalters zu erheben. Dieser Umstand ließ im weiteren zeitlichen Verlauf und der zunehmenden räumlichen Distanz zwischen Grundherr und Gutsherr (Lehen, Aussterben des Geschlechts) den Letzteren in eine Art Ritterstand aufsteigen, was die erbliche Weitergabe von Name, Funktion und später auch Eigentum zu Folge hatte. Heute werden ihre Güter teilweise vom Hause zu Droste-Vischering Grafen von Nesselrode verwaltet (Haus Busch und Kloster Langwaden), teilweise von der katholischen und der evangelischen Kirchengemeinde genutzt.

Wappen

Das Wappen der Stadt Wevelinghoven entstand aus älteren Siegeln und Wappen 1938. Es stellt das Wappen des Adelsgeschlechtes der Herren von Wevelinghoven (1138–1446) dar, einen Helm mit schwarzem Schwanenhals, und drei roten Rosen, deren Herkunft unklar ist.

Baudenkmäler


Neben dem oben aufgeführten Haus Busch und dem Kloster Langwaden finden sich in Wevelinghoven noch andere wichtige Bauten mit historischer Bedeutung. Vor allem ist hier das Alte Pastorat zu nennen, das nach seiner Erbauung um das Jahr 1650 eine wechselvolle Geschichte erlebt hat. Der offene Stuckkamin trägt die Jahreszahl 1653. Es handelt sich um das älteste Gebäude in Wevelinghoven und wohl um das älteste unter Denkmalschutz stehende Wohnhaus in Grevenbroich. Der 30-jährige Krieg, der wie o.a. mit dem Westfälischen Frieden im Jahre 1648 zuende gegangen war, hatte zeitweise bekanntlich auch rund um Wevelinghoven gewütet und den Ort weitgehend zerstört (1648 Schlacht bei Wevelinghoven). Mit dem Bau des Pastorates wurde für den protestantischen Pfarrer wieder eine Wohnstatt geschaffen. Im Laufe der kommenden Jahre wechselten Kirche und Pastorat häufig die Konfession. Letztlich erhielten die Katholiken die Rechte an beiden Gebäuden. Die Protestanten schufen sich an der heutigen Burgstraße Ecke Hemmerdener Weg 1685 eine neue Heimstatt. Das jetztige Pfarrhaus von 1857 stellt einen Erweiterungsbau dar, indem weiterhin der katholische Pfarrer wohnt. Nach dem II. Weltkrieg waren noch einige Zeit Flüchtlingsfamilien in dem Gebäude des Alten Pastorats untergebracht. Danach stand es viele Jahre leer und die Substanz drohte völlig zu verfallen. Inzwischen hat sich der Verein „Historisches Wevelinghoven“ gegründet, der sich um den Erhalt des Gebäudes sowie um seine Sanierung und sinnvolle Nutzung kümmert.

Wevelinghöfer

Wewelinghöfer.jpg Der Wewelinghöfer ist ein Westfälischer Pfennig, der unter Kaiser Friedrich II. (1212-1250) in Dortmund, von dem Kölner Erzbischof Konrad in Soest sowie von den Bischöfen von Münster und Osnabrück vom 13. bis ins 15. Jh. geprägt wurde. Die kleinen und dicken Schrötlinge boten den umfangreicheren Münzstempeln nicht genug Platz, sodass viele Umschriften nicht auf die Münze passten und nur fragmentarisch zu erkennen sind. Den Namen erhielten die Münzen nach Florenz von Wevelinghofen, der im 14. Jhd. Bischof von Münster und Utrecht war und die kleinen dicken Pfennige in großen Mengen prägen ließ. An ihn erinnert eine Gedenktafel mit der Aufschrift: „Wewelinghöfer, Zahlungsmittel unter Florenz von Wevelinghofen, Bischof von Münster 1364–1378 und Utrecht 1379–1393“.

Jahreszahlen


  • 809 Mutmaßlich erstmalige Erwähnung
  • 1072 Ungesicherte Bürgschaft eines Herren von Wevelinghoven im heutigen Süddeutschland
  • 1096 Erste urkundliche Erwähnung im ersten Kreuzzug
  • 1145 Gründung des Klosters Langwaden durch Christian von Wevelinghoven
  • 1354 Wevelinghoven verliert seine Eigenständigkeit als Herrschaftsbereich und wird kurkölnisches Lehen
  • 1584 Zerstörung der Wevelinghover Burg im Truchsessischen Krieg
  • 1648 Schlacht bei Wevelinghoven am Ende des 30-jährigen Krieges
  • 1653 Wiederaufbau des Ortes mit dem Alten Pastorat in der Unterstraße
  • 1758 Im Juli stehen sich nach der Schlacht von Krefeld im Siebenjährigen Krieg an der Erft von Grevenbroich bis über Wevelinghoven hinaus französische und hannoveranisch-preußische Truppen gegenüber
  • 1793 Das linke Rheingebiet wird französisch, Wevelinghoven wird dem neu eingerichteten Kanton (Kreis) Elsen (ehemalige Deutschordensherrschaft seit 1263) zugerechnet
  • 1815 Der Niederrhein fällt (bis auf einen "Kanonenschuss" weit von der Maas) Preußen zu, Wevelinghoven bleibt bis 1846 Verwaltungssitz des 1816 neu geschaffenen Kreises Grevenbroich
  • 1827 Sitz und Stimme im Rheinischen Provinziallandtag gemeinsam mit 12 anderen Städten der Umgebung
  • 1884 Kaisermanöver mit Parade (Kaiser Wilhelm I.)
  • 1909 Einweihung des von dem Aachener Architekten Krieger entworfenen Wevelinghovener Rathauses

Literatur


  • Irmgard Hantsche: Atlas zur Geschichte des Niederrheins, Schriftenreihe der Niederrhein-Akademie Band 4, 5. Aufl., Verlag Pomp, Bottrop Essen 2004, ISBN 3-89355-200-6
  • Handbuch der Historischen Stätten Deutschlands, Nordrhein-Westfalen, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1963
  • Hermann Baumanns: Aus der Geschichte der Stadt Wevelinghoven, Rat der Stadt Wevelinghoven, Wevelinghoven 1963
  • Antonius Knaup: Der Diamant der Götter. Erzählungen, Märchen, Gedichte, L. Holzwarth-Verlag, Leipzig und Düsseldorf ca. 1930
  • Geschichtsverein für Grevenbroich und Umgebung (Hrsg.),Wevelinghoven (Beiträge zur Geschichte der Stadt Grevenbroich 12), Grevenbroich 1996

Weblinks


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