Die westgermanischen Sprachen sind eine Untergruppe der germanischen Sprachen, die unter anderem Englisch, Deutsch, Friesisch, Niederländisch umfasst. Eine ausführliche Liste der Einzelsprachen findet sich am Ende dieses Artikels.
Die schriftlichen Zeugnisse der westgermanischen Sprachen setzen erst im 8. Jahrhundert ein. Seit dem 8. Jahrhundert sind Altenglisch und Althochdeutsch überliefert, seit dem 9. Jahrhundert Altsächsisch, die Vorgängersprache des Niederdeutschen, Altfriesisch ist seit dem 13. Jahrhundert belegt.
Die allgemein akzeptierte Gliederung der westgermanischen Sprachen teilt diese in einen anglo-friesischen und einen kontinentalgermanischen Zweig. Die anglo-friesischen Sprachen werden weiter in anglische Sprachen (mit Englisch als Hauptvertreter) und friesische Sprachen unterteilt. Die Kontinentalgermanischen Sprachen teilen sich in Hochdeutsche Sprachen (mit den ober- und mitteldeutschen Dialekten sowie Jiddisch) und niederdeutsche Sprachen (letztere enthalten unter anderem Niedersächsisch und Niederländisch).
Die Anglo-Friesischen Sprachen unterscheiden sich von den anderen westgermanischen Sprachen durch die anglo-friesische Palatalisierung (Beispiele: Deutsch Käse, Niederländisch kaas – Englisch cheese, Friesisch tsiis; Deutsch Kirche, Niederländisch kerk – Englisch church, Friesisch tsjerke) und durch den Wegfall von Nasalen vor Frikativen unter Ersatzdehnung (Beispiele: Deutsch fünf – Englisch five; Deutsch Mund – Englisch mouth).
Manche Autoren postulieren eine Ingvaeonische Sprachgruppe (auch: ingväonische Sprachgruppe), die außer den anglo-friesischen Sprachen auch noch Niedersächsisch und (je nach Autor) Niederländisch umfassen soll. Diese Sprachgruppe gehe auf die bei Tacitus und Plinius dem Älteren erwähnten Ingwäonen zurück. Die Zurückprojektion heutiger Sprachzustände auf das 1. Jahrhundert wird allgemein als nicht zulässig verworfen. Zudem gibt es für die vorgeschlagene Sprachgruppe keine guten sprachwissenschaftlichen Abgrenzungskriterien.
Nichtsdestotrotz hat sich der Begriff Ingväonismus für einzelne Eigenheiten des Niederdeutschen, die mutmaßlich anglo-friesischen oder nordgermanischen Ursprungs sind, eingebürgert. Hierzu zählt etwa das Pronomen he (auch hei, hai, hochdeutsch er) für die 3. Person Singular Maskulinum.
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