Westfalen ist ein Landesteil Nordrhein-Westfalens, neben dem nördlichen Rheinland und Lippe. Das Gebiet entspricht im Wesentlichen der ehemaligen preußischen Provinz Westfalen.
Westfalen ist darüberhinaus eine Historische Landschaft mit wechselnden Grenzen, die zeitweise weit über das heutige Westfalen hinaus reichten. Heute werden oft nur Bewohner des Landesteils als Westfalen wahrgenommen, obwohl der westfälische Einfluss auch anderswo erkennbar ist. Westfalenpferd Wappen.jpg ist das Wappentier Westfalens.]]
Auch die Bedeutung der Wortstammgruppe fal kann nicht eindeutig geklärt werden. Die Indogermanisten deuten sie entweder als „gepflügtes Land“ oder als „breit, flach“ (bezogen auf das Land) oder als „fahl, flachsfarben“ (vielleicht bezogen auf die Haarfarbe).
Neben den Westfalen gab es bis ins 12. Jahrhundert die Ostfalen. Sie lebten im östlichen Stammesgebiet der Sachsen. Der Name verschwand und wurde erst in der heutigen Zeit für eine Region in Südniedersachsen und dem westlichen Sachsen-Anhalt wieder verwendet.
Das Stammesgebiet der Westfalen reichte im 11. Jahrhundert vom Rhein bis zur Weser. Obwohl es in der Geschichte kein einheitliches Herrschaftsgebiet in der Region gab, hielt sich der Name bis heute; jedoch wurden unterschiedliche Gebiete und deren Bewohner als Westfalen oder Westphalen bezeichnet. Noch bis ins 19. Jhd. galten Gebiete als westfälisch, die heute nicht mehr zu Westfalen gerechnet werden, deren Sprache und Kultur aber Ähnlichkeiten erkennen lässt.
Der heutige Landesteil Westfalen geht auf die Gründung der preußischen Provinz Westfalen zurück, die die Vorstellung der Menschen von Westfalen stark geprägt hat. Das geschichtliche und kulturelle Erbe wird vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe gepflegt, der die Einheitlichkeit der Raumes Westfalen-Lippe fördert.
Ostwestfalen ist der östliche Teil von Westfalen und bildet zusammen mit Lippe die nordrhein-westfälische Region Ostwestfalen-Lippe (OWL). Da Lippe nicht zu Westfalen gehört, ist die Region OWL also „landesteilübergreifend“.
| Westfalenpferd.JPG | Coat of arms of North Rhine-Westfalia.svg |
| Westfalen | Nordrhein-Westfalen |
Im gegenwärtigen Westfalen leben etwa 8,2 Millionen Menschen in den Regionen Münsterland, Ostwestfalen, Sauerland (ohne das Hessische Upland) und Siegerland, das zum Großteil zu Westfalen gehört, sowie im mittleren und östlichen Teil des Ruhrgebiets, demnach im Westfälischen Ruhrgebiet. Der sauerländische und siegerländische Teil Westfalens wird Südwestfalen genannt.
Westfalen wird wahlweise Norddeutschland, Nordwestdeutschland oder Westdeutschland zugeordnet.
Arnsberg und Münster bilden als Sitz der jeweiligen Bezirksregierung wichtige Verwaltungsitze in Nordrhein-Westfalen. Die Bezirksregierung für Ostwestfalen sitzt im lippischen Detmold (siehe auch Ostwestfalen-Lippe).
Teutoburger Wald (bis 446m, Barnacken) und Eggegebirge (bis 468m, Preußischer Velmerstot) sowie Weser- / Wiehengebirge, als Ausläufer der Mittelgebirge, umschließen die Westfälische Bucht im Osten und Norden. Der niedrigste Punkt der Ebene befindet sich im Übergang der Landschaft zum Niederrhein bei Isselburg mit einer Landhöhe von rund 10 m.
Die Mitte Westfalens wird gebildet durch den sanften Anstieg der Hellwegbörden. Sie sind geprägt durch fruchtbare Lößböden. Die in dieser Landschaft entlang des Hellwegs liegenden Städte bildeten im Mittelalter die Zentralachse Westfalens.
Siehe auch: Ostfalen, Liste der Landschaften in Nordrhein-Westfalen
Bis Mitte des 20. Jahrhundert wurden in Westfalen verschiedene westfälische Dialekte des Niederdeutschen gesprochen. Das Niederdeutsche (Eigenbezeichung: Nederdüütsch), umgangssprachlich auch Plattdeutsch, ist ein eigenes Sprachsystem, das sich vom Hochdeutschen vor allem lautlich und grammatisch unterscheidet. Während in den ländlichen Teilen Westfalens das Plattdeutsche im 19. und frühen 20. Jahrhundert allgemeine Umgangssprache der nichtbildungsbürgerlichen Bevölkerung war, kam es im westfälischen Ruhrgebiet zu einer etwas anderen Entwicklung. Während in den ersten Jahrzehnten der Industrialisierung durch die überwiegend einheimischen oder aus dem übrigen Westfalen zugewanderten Arbeitskräfte das "Plattdeutsche" weiter dominierte, führte die Arbeitsmigration aus dem Osten Deutschlands, beispielsweise aus Masuren und Schlesien und Polen zur Entstehung einer spezifischen Ruhrgebietssprache, in der sich verschiedene Sprachtraditionen vereinten. Daneben wurde Niederdeutsch von vielen Bergleuten als Umgangssprache beibehalten. Allgemein erlebte die Niederdeutsche Sprache in der Zeit von der Mitte des 19. bis zur Mitte des 20. Jh. in der regionalen Literatur Westfalens eine neue Blüte.
Im Gegensatz zu den Großstädten wie Bielefeld, Münster und dem Sonderfall Ruhrgebiet hat sich das Niederdeutsche in ländlichen Gebieten Westfalens, insbesondere im Münsterland und im Sauerland, noch bis vor wenigen Jahrzehnten als dominierende Umgangssprache gehalten. Erst durch die zunehmende Mobilität und den Einfluss der Medien ist es relativ rasch zurückgedrängt worden. Ältere Bevölkerungsgruppen können zwar oftmals noch Niederdeutsch sprechen, als Umgangssprache ist das Niederdeutsche jedoch nicht mehr verbreitet.
Heute wird in der Alltagskommunikation in Westfalen in der Regel Hochdeutsch gesprochen. Im Unterschied zu anderen Regionen in Deutschland weist die in Westfalen gesprochene hochdeutsche Umgangssprache nur noch eine geringe regionale Färbung auf.
Dabei sind Provinz und Landesteil in ihrem Umfang weitgehend identisch, mit den zwei anderen Gebieten decken sie sich nur teilweise. Der Raum des mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Westfalen war zwar nie genau umrissen, bezog aber immer den Südwesten des heutigen Niedersachsen (u.a. Osnabrück), Essen und Lippe mit ein, während Siegerland und Wittgensteiner Land nicht dazugehörten. In altsächsischer Zeit war das heutige Ostwestfalen größtenteils ein Teil Engerns.
Andere Territorialbezeichnungen mit dem Bestandteil “Westfalen” waren das Herzogtum Westfalen, das sich faktisch nur auf einen kleineren Teilbereich bezog, und das kurzlebige Königreich Westfalen, das sich willkürlich des Namens bediente.
Von den genannten Definitionen wich ebenfalls ein eher geografisches Verständnis Westfalens ab, wie man es v.a. im ausgehenden Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit findet. Darunter fasste man den Raum zwischen Friesland, niederländischer Grenze (manchmal bis zur Zuidersee), Rhein, Westerwald, Hessischem Bergland und der Weser. Diese Auffassung steht auch im Zusammenhang mit der Bildung des Westfälischen Reichskreises.
Als (die) Westfalen bezeichnete man noch bis ins 20. Jh. hinein die Bevölkerung im Bereich des vormodernen Westfalens, auch in Anlehnung an die dort gebräuchlichen westfälischen Mundarten. Heute hat sich die Bezeichnung weitgehend auf die Bewohner des nordrhein-westfälischen Landesteils verengt.
In den folgenden Zeitabschnitten kam es vor allem in der Späten Altsteinzeit zu einer intensiven Besiedlung durch Rentierjäger. Aus der Mittelsteinzeit liegen besonders viele Fundplätze vor. Aus dieser Zeit stammen auch die ältesten Skelettfunde von anatomisch modernen Menschen, die 2004 in einer Höhle bei Hagen entdeckt wurden. Ihr Alter wird auf mehr als 10.700 Jahre geschätzt.
Aus der Jungsteinzeit sind Siedlungen der Bandkeramik, Rössener Kultur und Michelsberger Kultur belegt. Bestattungen der älteren jungsteinzeitlichen Kulturen sind aus Westfalen bisher noch nicht bekannt. Aus der späten Michelsberger Kultur liegen jedoch mehrere besonders gut erhaltene Skelettreste von Menschen aus einer Höhle bei Hagen vor. Sie zählen zu den sehr wenigen bekannten Bestattungen aus dieser Zeit in Europa.
Aus späteren Abschnitten der Jungsteinzeit fanden sich so genannte Megalithgräber und Bestattungen der Becherkulturen. Die Hellwegbörden sind dabei der Grenzraum zwischen den Anlagen der Trichterbecherkultur (Halen, Heiden) und den hessisch-westfälischen Galeriegräbern der Wartberg-Kultur (Calden, Warburg).
Zahlreiche Steinwerkzeuge deuten darauf hin, dass die während der Jungsteinzeit in Westfalen lebenden Menschen vom Bergbau auf Feuerstein und anderen Rohstoffen profitierten. Diese Rohstoffe und fertigen Steinwerkzeuge wurden über weite Entfernungen transportiert. Vielleicht gab es eine Art Handel mit diesen Gerätschaften.
In mehreren Siedlungen und Gräbern in Westfalen wurden Flintgeräte von der Maas, vom Lousberg bei Aachen und aus Frankreich sowie Plattenhornstein aus Süddeutschland (Arnhofen, Baiersdorf) entdeckt. Aus den Alpen stammen Beilklingen aus Nephrit und Jadeit, aus dem Balkan und Böhmen der Amphibolit, der in der Bandkeramik und Rössener Kultur zur Herstellung von Dechselklingen und Breitkeilen benutzt wurde.
Archäologische Funde aus Westfalen werden in besonders großer Zahl im Westfälischen Museum für Archäologie in Herne und im Museum für Ur- und Frühgeschichte Wasserschloss Werdringen in Hagen präsentiert.
Der Expansionsversuch Roms in das Gebiet des "freien Germaniens" war mit dieser Niederlage faktisch gescheitert, obwohl auch in den folgenden Jahrzehnten die Römer mit verschiedenen Militärexpeditionen Präsenz zeigten. Im Gegensatz zum Rheinland mit seinen Römerstädten blieb das Gebiet Westfalens ein agarisches Gebiet.
Neben der herzoglichen und territorialen Definition hielt sich über die Jahrhunderte eine umfassendere Vorstellung Westfalens. Im ausgehenden Spätmittelalter charakterisiert die Schedel'sche Welchronik Westvalen als den Siedlungsraum der Westfalen, wie er auch heute noch in groben Zügen verstanden wird, ohne dass ein staatliches Westfalen als Gebietskörperschaft existiert. Die Chronik von 1493 umschreibt Westfalen als Gebiet zwischen Niederrhein und Weser, im Norden an Friesland grenzend, im Süden an das hessische Mittelgebirge.
Entscheidende Ereignisse des 30 Jahre dauernden Sachsenkrieges der Franken Ende des 8. Jahrhunderts wurden auf westfälischem Boden ausgetragen. In den Annalen Karls des Großen wird unter anderem von der Eroberung der Syburg über der Ruhr im Süden des heutigen Dortmunder Stadtgebiets berichtet. 794 fand die wahrscheinlich bedeutendste Schlacht dieses fränkischen Eroberungszuges auf dem Sintfeld bei Bad Wünnenberg in der Gegend von Paderborn statt.
Beim demonstrativen Reichstag der siegreichen Franken von 799 im westfälischen Paderborn fand ein Treffen von Karl dem Großen und Papst Leo III. statt. Dabei wurde die römische Kaiserkrönung für das Folgejahr vereinbart.
Es folgte die gewaltsame, systematisch durchgeführte Christianisierung Westfalens. Am alten Glauben festzuhalten galt den neuen Machthabern als Widerstand gegen die Frankenherrschaft und bedeutete die Todesstrafe für die Gläubigen. Die christliche Religion war Teil der Herrschaftsstrategie der Eroberer. Erster Bischof von Münster wurde Liudger, der dort in einer Domburg residierte. Weitere Bischofssitze wurden Minden und Paderborn. Corvey entwickelte sich zu einem der mächtigsten Klöster und wichtigem religiösem Zentrum. Mit der fränkischen Herrschaft begann die Vermittlung des antik-mediterranen Kulturerbes - der karolingischen Renaissance - in Westfalen.
Politisch wurde Westfalen Teil des dem Fränkischen Reich eingegliederten Herzogtums Sachsen mit Grafenverwaltung. Die Zahl der Thinge (Gerichtstage) wurde erheblich eingeschränkt. Doch blieb ein eigenes Recht in der Karolingerzeit, die Lex Saxonum.
Mit dem Hellweg durchzog einer der wichtigsten Wege des Reisekaisertums der Ottonischen Zeit Westfalen in West-Ost-Richtung. Dortmund, am Hellweg gelegen, war eine der bedeutendsten Kaiserpfalzen, in der die Könige und Kaiser wiederholt Ostern, als höchstes christliches Fest, verbrachten.
Nach der Entmachtung des Sachsenherzogs Heinrich der Löwe durch Barbarossa wurde die Herzogswürde in Sachsen geteilt. Herzog von Westfalen und Engern wurden die Erzbischöfe von Köln, 1180 war dies Philipp I. von Heinsberg, dessen Herrschaftsbereich sich über die zum Erzbistum Köln gehörenden Gebiete Sachsens sowie über das Bistum Paderborn erstreckte. Seit der Bildung des Herzogtums Westfalen-Engern wurde Engern mehr und mehr mit Westfalen identifiziert.
Zwar übten die Erzbischöfe die herzogliche Gewalt für das gesamte so definierte Westfalen aus, doch die politische Macht der einzelnen Territorien war zwischen Grafen und Bischöfen aufgeteilt. Eine besondere Entwicklung erfuhr die Grafschaft Mark, mit ihrem Territorium in Süd-Westfalen, die nach der Schlacht von Worringen 1288 zu weitgehender politischer Unabhängigkeit gelangte. Das als Herzogtum Westfalen bezeichnete Territorium war zunächst ein relativ kleines Gebilde von Besitzungen um Werl, Rüthen und Brilon vom Hellweg entlang der Möhne, sowie Medebach, Winterberg und Attendorn im Sauerland. Sie waren seit 1102 in den unmittelbaren Besitz der Erzbischofe von Köln gelangt und zum großen Teil 1180 aus Besitzungen Heinrichs des Löwen übertragen worden.
Seit Mitte des 13. Jh. bildeten sich in Westfalen Städtebünde heraus. Mit Dortmund und Soest befanden sich, nach Köln, in Westfalen die beiden größten Städte des Hochmittelalters auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik. Dortmund entwickelte sich zur einzigen Reichsstadt in Westfalen. Sein Großes Turm-Siegel des 13. Jh. verkündete stolz: Sigillum Tremonie Civitatis Westfalie.
Beiden Städten, Soest wie Dortmund, kam eine wichtige Rolle bei der Vermittlung von Stadtrechten zu. Dortmund war darüber hinaus Vorort für alle Westfälischen Städte im Hanseverbund.
In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts bildete das Herzogtum Westfalen ein vollständig geschlossenes Territorium. Der Ankauf der Grafschaft Arnsberg 1368 fügte die bis dahin getrennten nördlichen und südlichen Besitzungen der Erzbischöfe im Sauerland zusammen. Arnsberg entwickelte sich zum Hauptort des Herrschaftsgebietes.
Dortmund konnte sich Ende des 14. Jahrhunderts in der Großen Dortmunder Fehde gegen kriegerische Angriffe der benachbarten Grafschaft Mark und des Erzbistums Köln durchsetzen. Die Souveränität als Reichsstadt konnte verteidigt werden. Im Jahre 1444 löste sich Soest, ebenfalls in Fehde, vom Erzbistum Köln (Soester Fehde 1444-1449). Zeitgleich gewann innerhalb der Hanse die Stadt Münster an Bedeutung.
Rechtshistorisch bedeutend für das ganze Reich wurde die Tätigkeit der westfälischen Femegerichte im 14. und 15. Jahrhundert. Nicht nur Westfalen, auch viele Auswärtige erhoben vor diesen Gerichten Klage. Das Geheimverfahren und die schnelle Urteilsvollstreckung (Tod durch Erhängen) machten die Feme zu einem Ausnahmeprozess, der Begriff der Feme ist noch heute geläufig und wurde im 20. Jahrhundert von radikalen politischen Gruppen wieder aufgegriffen.
Auch in anderen Städten Westfalens waren Täufer aktiv. Doch begnügte man sich im allgemeinen mit deren Vertreibung, wenn sie nach politischer Macht strebten. In Dortmund wurde 1538 der Wiedertäufer Peter von Rulsem hingerichtet
Berüchtigte Hexenrichter in Westfalen waren: Franz Buirmann, Dr. Heinrich von Schultheiß.
Schon früh wurde in Westfalen Kritik an Hexenprozessen und Folter geübt: Johann Weyer, Anton Praetorius, Hermann Löher, Michael Stappert, Friedrich Spee.
Das von der breiten Heerstraße des Hellwegs weit abgelegene Münster dagegen blieb weitgehend von den Kriegswirren verschont. Nur einmal wird die nordwestfälische Stadt von hessischen Truppen bedroht, doch nicht ernsthaft beschädigt. Durch ihre Unversehrtheit war die Stadt, mit Osnabrück, am Ende des Krieges einer der wenigen Orte in dem die Friedensverhandlungen stattfinden konnten, obwohl sich besonders die spanischen Gesandten wiederholt über die Provinzialität des Tagungsortes äußerten.
Am 24. Oktober 1648 wurde in Münster und Osnabrück der Westfälische Frieden geschlossen. Er beendete den Dreißigjährigen Krieg und begründete ein neues politisches System in Europa.
Sie umfasste im Wesentlichen die bereits vor 1800 zu Preußen gehörigen Gebietsteile Minden, die Grafschaften Mark und Ravensberg, Tecklenburg sowie die nach 1803 an Preußen gelangten Fürstbistümer Münster und Paderborn sowie einige kleinere Herrschaften, darunter die Grafschaften Nassau-Siegen und Limburg/Lenne. Im Jahr 1816 kam noch das Herzogtum Westfalen hinzu.
Die Provinz Westfalen bestand aus einem nahezu geschlossenen Gebiet und war verwaltungsmäßig in die Regierungsbezirke Arnsberg, Minden und Münster gegliedert. 1816 wurde der Landkreis Essen in die Rheinprovinz eingegliedert. 1851 und auch während der Weimarer Republik wurden die Grenzen der Provinz geringfügig verändert.
Die Errichtung der Provinz Westfalen stieß in den betroffenen Regionen auf unterschiedliche Reaktionen. In den bereits altpreußischen Gebieten wie Minden-Ravensberg oder der Grafschaft Mark gab es teilweise Freudenkundgebungen über die Rückkehr in den alten Staatsverband. Im Siegerland erleichterte die protestantische Konfession die Akzeptanz der preußischen Regierung. Besonders skeptisch stand man im katholischen Münsterland, im Paderborner Land und dem Herzogtum Westfalen den neuen Landesherren gegenüber. Gerade auch der katholische Adel, der in den alten geistlichen Staaten eine hervorragende Rolle gespielt hatte, blieb überwiegend skeptisch.
Auf längere Sicht hatte die Zusammenführung so unterschiedlicher Territorien in einer Provinz auch identitäts- und bewusstseinsbildende Folgen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts erinnerte man sich zwar immer noch an die Vergangenheit der alten Territorien, daneben entwickelte sich - von der preußischen Regierung bewusst gefördert - auch ein westfälischen Selbstverständnis. Sommerverfassung.jpg Insgesamt sorgte die preußische Verwaltung für eine Angleichung der politischen Institutionen und Verwaltungseinrichtungen. Eine gewisse Ausnahme war das Rechtswesen. In den meisten Teilen Westfalens wurde das Allgemeine Landrecht (ALR) die rechtliche Grundlage. Im Herzogtum Westfalen und beiden Wittgensteiner Grafschaften galten weitgehend die alten regionalen Rechtstraditionen weiter, ehe gegen Ende des 19.Jahrhunderts das „bürgerliche Gesetzbuch“ eingeführt wurde.
Die bildungsbürgerlichen Eliten sowohl auch aus dem katholischen Westfalen haben die preußische Regierung zunächst als Motor des Fortschritts begrüßt. Johann Friedrich Joseph Sommer aus dem Sauerland oder Franz Leo Benedikt Waldeck aus Münster setzten in den ersten Jahren noch auf eine Fortsetzung der Reformen und insbesondere auf den Erlass einer Verfassung. Dabei forderte der Adel meist eine Wiederherstellung der altständischen Zustände, während vom Bürgertum auch liberale Ideen vorgetragen wurden. In Zeitungen wie dem "Rheinisch-Westfälischen Anzeiger" oder "Hermann" wurde der Wunsch nach einer Verfassung anfänglich noch deutlich artikuliert. Verfassungsentwürfe kamen etwa von Johann Friedrich Joseph Sommer oder von Arnold Mallinckrodt aus Dortmund. Weiter Teilnehmer der Verfassungsdebatte waren Adam Philipp Storck und Freiherr Friedrich Alexander von Hövel. Die wohlwollende Haltung änderte sich mit dem Beginn der Reaktionszeit, dem Ausbleiben einer gesamtstaatlichen Verfassung und der Zensur der Presse deutlich. Daran änderte auch die Einrichtung von Provinziallandtagen im Jahr 1823 nur wenig, da ihnen zentrale parlamentarische Kompetenzen fehlten. Sie hatten etwa kein Steuerbewilligungsrecht, waren an der Gesetzgebung nicht beteiligt und hatten im Wesentlichen nur beratende Funktion. Der erste westfälische Provinziallandtag tagte 1826 im Ratshaus von Münster.
Zusätzlich zur Enttäuschung über die weitgehend ausbleibenden Reformen erregte im katholischen Westfalen die Verhaftung des Kölner Erzbischofs Clemens August Droste zu Vischering 1837 während des so genannten „Mischehenstreits“ zu einer gewissen Politisierung des regionalen Katholizismus. In den 1830/40er Jahren verdichten sich zudem die liberalen, demokratischen und teilweise sogar sozialistischen Diskussionskreise. (z.B. um die Zeitschrift „Weserdampfboot“, später „Westphälisches Dampboot“ seit 1844). Darüber hinaus führte die von vielen ländlichen Gruppen negativ beurteilten Agrarreformen zu wachsender Unzufriedenheit. Hinzu kamen in den 1840er Jahren mehrere schlechte Ernteausfälle, die vor allem in den Städten die Nahrungsmittelpreise erheblich ansteigen ließen.
Gegen Ende der 1840er Jahre gab es aus unterschiedlichen Gründen ein hohes Maß an Unzufriedenheit. Nach dem Bekannt werden der Märzrevolution in Paris und den deutschen Hauptstädten, kam es in Teilen Westfalens vor allem im Sauerland, dem Wittgensteiner und dem Paderborner Land zu Unruhen der Landbevölkerung, so wurde etwa das Renteigebäude des Schlosses Bruchhausen bei Olsberg verwüstet und die Akten unter Absingen von Freiheitsliedern verbrannt. Auch Schlösser in Dülmen und bei Düren wurden verwüstet. Dieser Aufstand der Landbevölkerung wurde vom Militär freilich rasch niedergeschlagen. In den frühindustrialisierten Gebieten Westfalens etwa der Grafschaft Mark kam es zu in einigen Orten zur Stürmung von Fabriken. In den Städten dagegen sah man sich nach der Ernennung von liberalen Märzministerien am Ziel der politischen Wünsche und feierte den Sieg der Revolution fast überall mit Umzügen und dem Hissen der schwarz-rot-goldenen Fahne. Daneben gab es vor allem in den altpreußischen Gebieten eine einflussreiche antirevolutionäre Richtung, in der Grafschaft Mark vor allem um den Unternehmer Friedrich Harkort, der mit seinen bekannten „Arbeiterbriefen“ für seine Ansichten warb. Iserlohn1849.jpg Bei den Wahlen zur Nationalversammlungen in Berlin und Frankfurt bestimmte kaum die politische Richtung der Kandidaten, sondern ihr Ansehen in der Bevölkerung eine Rolle. Im Sauerland etwa wurde so unterschiedliche Personen (die nicht zwingend aus den Wahlkreisen stammen mussten) wie der Konservative von Radowitz, der zwischen Liberalismus und ultramontaner Weltanschauung schwankende Johann Friedrich Sommer oder der Demokrat Carl Johann Ludwig Dham gewählt. Führende Westfalen in der Berliner Nationalversammlung waren unter anderem die Demokraten Benedikt Waldeck und Jodocus Temme. In Berlin spielte bei der Verfassungsdiskussion Waldeck („Charte Waldeck“) auf der Linken und Sommer auf der Rechten eine erhebliche Rolle.
In Frankfurt wurde Westfalen unter anderem von dem Liberalen Georg Freiherr von Vincke, Gustav Höfken oder den späteren Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler vertreten. In der Region selbst bildeten sich politische Clubs und Zeitungen jeglicher politischer Couleur. In Petitionen forderten Berufsgruppen und Gemeindevertretungen ihre Abgeordneten auf bestimmte Forderungen in den Nationalversammlungen zu vertreten. Waldeck im kerker.jpg In den folgenden Monaten nahm die politische Erregung erkennbar ab. Gerade in katholischen Gebieten wurde die Wahl von Erzherzog Johann zum Reichsverweser durch die Frankfurter Nationalversammlung auf große Zustimmung und wurde etwas in Winterberg durch ein patriotisches Fest gefeiert. Erst die beginnende Gegenrevolution verstärkte die politischen Erregung wieder deutlich. In vielen Gebieten Westfalens nahm die Bedeutung der demokratischen Bewegung an Bedeutung zu, während zögerliche Altliberale wie Johann Sommer den Unmut der Bevölkerung deutlich zu spüren bekamen. In Westfalen kam es angesichts der Bedrohung der revolutionären Errungenschaft zur Zusammenarbeit von Demokraten und konstitutionellen Liberalen, die im November 1848 im „Kongress für die Sache und Rechte der preußischen Nationalversammlung und des preußischen Volkes“ in Münster gipfelte. Nach der Auflösung der preußischen Nationalversammlung siegten in vielen Teilen Westfalens bei der Wahl zur zweiten preußischen Kammer denn auch demokratische Kandidaten wie etwa Gierse. Den Höhe- und Endpunkt der Revolution in Westfalen war die gewaltsame Niederschlagung des Iserlohner Aufstandes. Einige führende westfälische Revolutionäre wie Temme oder Waldeck wurden von den Behörden später politisch verfolgt.
Westfalen war bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine wirtschaftlich und sozial außerordentlich vielgestaltige Region. Vor allem im westfälischen Flachland mit seinen teils außerordentlich fruchbaren Böden etwa in weiten Teilen des Münsterlandes, am Hellweg oder dem Paderborner Land dominierte die Landwirtschaft. In den meisten dieser Gebiete (mit Ausnahme des Gebiets des heutigen Ruhrgebiets) blieb die Landwirtschaft bis weit ins 20. Jahrhundert hinein der dominierende Wirtschaftszweig. Iserlohn-Barendorf10-Bubo.JPG Diese reichte am Anfang des 19. Jahrhunderts aber häufig nicht aus um die seit dem 18.Jahrhundert wachsende Bevölkerung ausreichend zu ernähren. Die Zahl der Landarmen und Landlosen nahm zu. Viele suchten außerhalb ihrer Wohnorte nach Verdienstmöglichkeiten. Hausierer (wie der Symbol des Landes gewordene Kiepenkerl), die Sauerländer Wanderhändler oder die Hollandgänger.
Daneben gab es einige gewerbliche Schwerpunkte, deren Produkte auf den überlokalen Warenmarkt ausgerichtet waren. In Minden-Ravensberg spielte die vorindustrielle Leinenproduktion eine wichtige Rolle. Die Herstellung der Stoffe erfolgte dabei meist im Heimarbeit und wurde durch sogenannte Verleger aufgekauft und vertrieben ("Protoindustrie").
In Südwestfalen bestand unter Einschluss des Siegerlandes, Teilen des Herzogtums Westfalen und dem märkischen Sauerland eine arbeitsteilige Eisenproduzierende und -verarbeitende Region, die sich jenseits der Provinzgrenze im Bergischen Land fortsetze. Das vor allem im Siegerland und östlichen Sauerland geförderte Erz wurde verhüttet (z.b.Wendener Hütte) und im Westen der Region zu Fertigwaren weiterverarbeitet (z.B. Drahtzieherei in Altena und Lüdenscheid oder die Iserlohner Nähnadelproduktion). Im südlichen Teil des späteren Ruhrgebiets wurde bereits seit längerem für die benachbarten Gewerberegionen Steinkohle abgebaut.
Allerdings konnte die neue mechanisierte Industrie nicht das Arbeitskräftepotential beschäftigten wie die alte Heimindustrie. Gerade in den Leinengebieten Westfalens waren der Pauperismus und die Auswanderung der ländlichen Unterschichten nach Übersee im Vormärz eine weit verbreitete Erscheinung.
In den eisen- und metallverarbeitenden südwestfälischen Gebieten hatte die industrielle Konkurrenz aus dem Ausland zunächst nur begrenzte negative Auswirkungen. Vom Markt verschwand etwa die vorindustrielle Blechproduktion in und um Olpe.
Gefährlicher für die alten Hütten und Hammerwerke war das Entstehen einer mit damals modernen Mitteln arbeitenden Industrie in Westfalen selbst. Ihre Basis war die im späteren Ruhrgebiet gefundene Steinkohle. Entscheident für die Entwicklung des Bergbaus an der Ruhr war dabei die Entstehung der Tiefbauzechen, die den Abbau auch unterhalb der Mergelschicht erlaubte. Dies geschah erstmals 1837 bei Essen (im rheinischen Ruhrgebiet) in Westfalen war die Zeche "Präsident" bei Bochum 1841 der erste Betrieb dieser Art. Alfred Rethel 001.jpg | Friedrich Harkort gründete 1818 zusammen mit Heinrich Kamp in Wetter eine mechanische Werkstatt und 1826 am selben Ort das erste Puddelwerk Westfalens. Später wurde das Werk nach Dortmund verlegt und es entwickelten sich daraus das Hüttenwerk "Rothe Erde." Bald folgten vergleichbare Gründungen in Hüsten ("Hüstener Gewerkschaft"), Warstein, Lünen ("Westfalia Hütte"), Haspe ("Hasper Hütte"), Bochum ("Bochumer Verein") und anderen Orten. Diese neuen mit Steinkohle produzierenden Unternehmen waren deutlich produktiver als die auf die teure Holzkohle angewiesenen vorindustriellen Betriebe. In Teilen des Sauerlandes kam es zu einer regelrechten Deindustrialisierung. An ihre Stelle trat vielerorts die nunmehr nach rationellen Methoden betriebene Forstwirtschaft. Nur an wenigen Orten kam es etwa wie in Schmallenberg mit Konzentration auf die Strumpfindustrie zu neuen industriellen Entwicklung. Mit abnehmender Tendenz wurde auch weiter Bergbau betrieben. Malakowturm Prosper Haniel.JPG Im weiteren Verlauf des Jahrhunderts verlagerte sich die Montanindustrie immer stärker in die Nähe der Kohlegruben im Ruhrgebiet. Seit den 1850er Jahren entstand etwa die "Hermannshütte" bei Dortmund, die Aplerbecker Hütte, der Hörder Bergwerks- und Hütten-Verein oder die "Henrichshütte" bei Hattingen. Dadurch gerieten einige der frühindustrialisierten Gebiete in Südwestfalen ins Abseits und konnte sich vielfach nur durch die Konzentrierung auf besondere Produkte behaupten (z.B.Blechproduktion in Hüsten). Spätestens seit der Mitte des 19. Jahrhundert war der westfälische Teil des Ruhrgebiets mit seinen Kohlegruben und der Montanindustrie zum eindeutigen wirtschaftlichen Zentrum der gesamten Provinz geworden.
Vor allem im Ruhrgebiet aber abgeschwächt auch in den übrigen sich industrialisierenden Teilen Westfalens waren die sozialen Folgen der Industrialisierung beträchtlich. In diesen Gebieten wurde die Arbeitebevölkerung zu der mit Abstand größten sozialen Gruppe. Durch die Zuwanderung wuchs die Bevölkerung zeitweise sprunghaft an, es fehlte an günstigen Wohnraum und gerade im Ruhrgebiet waren Kost- und Schlafgänger eine weit verbreitete Erscheinung. Teilweise versuchten die Unternehmen diese Not durch Werkswohnungen oder Bergarbeiterkolonien abzustellen. Der Hintergedanke war freilich auch die Bildung einer firmentreuen Belegschaft, die so von der Arbeiterbewegung fern gehalten werden sollte.
Im Zuge des Bevölkerungswachstums entwickelten sich eine Reihe von Städten und Gemeinden zu Großstädten. Während Städte wie Dortmund oder Bochum dabei auf eine alte städtische Tradition mit einem traditionsreichen Stadtbürgertum zurückblicken konnten, wuchsen Orte wie Gelsenkirchen oder Recklinghausen innerhalb weniger Jahrzehnte von kleinstädtischen oder dörflichen Dimensionen zu einer Großstadt an. Ein Kennzeichen der rasch wachsenden Industriestädte war das weitgehende Fehlen eines Bürgertums und eines schwachen Mittelstandes. Die Städte konzentrierten sich zunächst auf die nötigsten Infrastrukturmaßnahmen wie Ver- und Entsorgungseinrichtungen, öffentlichen Nahverkehr, Schulen u.ä. erst im weiteren Verlauf kamen auch kulturelle Einrichtungen wie Mussen oder Theater in den neuen Revierstädten hinzu. Aber auch Witten, Hamm, Iserlohn, Lüdenscheid und vor allem Hagen nunmehr am Rand des Revier sowie Bielefeld entwickelten sich zu industriell geprägten Großstädten.
Innerhalb des politischen Katholizismus machten sich vor allem seit den 1890er Jahren die sozialen Unterschiede in einer regional differenzierten Ausrichtung der Partei bemerkbar. In überwiegend ländlichen Gebieten war das Zentrum nicht selten eher konservativ ausgerichtet. Es war kein Zufall, dass der spätere Reichskanzler Franz von Papen, der auf dem äußersten rechten Flügel des Zentrums stand, aus der eher agrarischen Hellwegstadt Werl kam und im Münsterland seine politische Basis hatte.
Dagegen war in industriell geprägten Teilen der Provinz der soziale Katholizismus besonders stark. Gerade im Ruhrgebiet und im Sauerland spielte diese Spielart eine wichtige Rolle. Die christlichen Gewerkschaften etwa waren dort meist stärker als die sozialdemokratische Konkurrenz und führende sozialpolitisch engagierte Katholiken wie August Pieper, Franz Hitze, die beiden führend im "Volksverein für das katholische Deutschland" tätig waren, kamen aus Westfalen.
Neben allgemeinen Säkularisierungstendenzen war gerade die soziale Ausrichtung des politischen Katholizismus einer der Gründe weshalb das Zentrum vor allem während der krisengeschüttelten Weimarer Republik unter mittelständischen Kreisen an Rückhalt verlor. Im Sauerland etwa büßte die Partei von 1919-1933 etwa 20% ihres ursprünglichen Stimmenanteils ein. Gleichwohl blieb sie in den katholischen Gebieten in der Regel die führende politische Kraft. Wilhelm Hasenclever.jpg
Das märkische Sauerland und die Gegend um Bielefeld waren früh Hochburgen der Sozialdemokratie. Gerade im märkischen Bereich war der ADAV von Ferdinand Lassalle und seinen Nachfolgern stark. Im Bielefeld bestimmten Persönlichkeiten wie Carl Severing vom Kaiserreich bis in die ersten Jahre der Bundesrepublik das politische Leben in hohen Maße mit.
Das westfälische Ruhrgebiet war keinesfalls vor 1933 eine "Herzkammer" der SPD. Zwar war der sozialdemokratische so genannte "Alte Verband" die erste Bergarbeitergewerkschaft, kaum schwächer war aber seit der Wende zum 20. Jahrhundert die christliche Konkurrenz, zu der später eine ebenfalls bedeutende polnische Organisation hinzukam. Nur in Überwiegend protestantischen Teilen des Reviers - wie in Dortmund - konnte die SPD vor dem ersten Weltkrieg eine bedeutende Stärke erreichen. Im Ruhrgebiet waren die Bergarbeiterführer Otto Hue und Fritz Husemann gleichzeitig auch zentrale Personen der Sozialdemokratie.
Noch direkter als die Zentrumspartei wurde die SPD gerade im Revier von den Krisen der Weimarer Republik getroffen. Die Enttäuschung über die Haltung der Partei etwa während des Ruhrkampfs (1920), die Not der Inflation und der Weltwirtschaftskrise trieb zahlreiche Arbeiter in die Reihen des extremen Linken zum Teil zunächst in ihrer syndikalistischen später in ihrer kommunistischen Form. Im Revier war die KPD bereits vor der Weltwirtschaftskrise eine Massenpartei, während die SPD vielfach ins Hintertreffen geriet.
| Vergleich des Wahlverhaltens in katholischen und protestantischen Teilgebieten bei der Reichstagswahl vom 5. März 1933 (in %) | ||||||||
| Gebiet | NSDAP | SPD | KPD | Zentrum | DNVP | DVP | DDP | Sonstige |
| Kreis Iserlohn | 40,35 | 16,36 | 16,01 | 16,58 | 6,39 | 0,68 | 0,46 | 3,18 |
| Stadt Lüdenscheid | 32,75 | 20,79 | 22,85 | 6,87 | 9,19 | 1,61 | 1,63 | 4,32 |
| Kreis Meschede | 23,14 | 3,06 | 6,49 | 60,99 | 5,68 | 0,25 | 0,13 | 0,28 |
| Kreis Olpe | 14,34 | 6,88 | 5,83 | 69,12 | 3,29 | 0,24 | 0,09 | 0,22 |
Unmittelbar nach der Machtergreifung wurden Politiker und Beamte die dem Zentrum oder der SPD nahe standen entlassen. Zu diesen gehörte etwa der Arnsberger Regierungspräsident Max König (SPD). Dasselbe passierte auch den Bürgermeistern und Landräten überall in der Provinz. Einige von diesen wie Dr. Karl Zuhorn in Münster, Curt Heinrich Träger in Herne, Dr. Cuno Raabe in Hagen und andere wurden nicht zuletzt deshalb aus dem Amt entfernt, weil sie sich geweigert hatten, auf den Rathausdächern die Hakenkreuzfahne zu hissen. Auch der Landeshauptmann Franz Dieckmann (Zentrum) wurde entlassen und durch den Nationalsozialisten Karl-Friedrich Kolbow ersetzt. Ebenso entlassen wurde der Oberpräsident Johannes Gronowski (Zentrum). Ersetzt wurde dieser durch Ferdinand Freiherr von Lüninck. Dessen Person ist ungewöhnlich, da es als Katholik Mitglied der DNVP war. Als Nichtnationalsozialist hat er dazu beigetragen, die Akzeptanz des Regimes in Westfalen zu erhöhen und hat die Maßnahmen der Regierung in den ersten Jahren umgesetzt.
Zahlreiche Anhänger und Funktionäre insbesondere der Arbeiterparteien wurden verhaftet und zumindest zeitweise in ein KZ eingeliefert. Am Boykott jüdischer Geschäfte am 1. April beteiligte sich auch in Westfalen die Bevölkerung in zahlreichen Gemeinden. Nach dem 1. Mai 1933 wurden auch in Westfalen die Gewerkschaftshäuser der freien Gewerkschaften besetzt. In Neheim hat sich der örtliche Gewerkschaftschef daraufhin umgebracht. Am 10. Mai 1933 wurden auch in Städten der Provinz wie in Münster Bücher verbrannt.
Die aktiv Widerstand Leistenden waren daher auch in Westfalen eine absolute Minderheit. Ein starkes Motiv für sie war die konfessionelle Bindung. Etwa tausend Priester der katholischen Kirche erfuhren zumindest vorübergehende Verhaftungen oder ähnliche Maßnahmen, einige wurde in KZ eingeliefert, wo mindestens 15 starben. Auch die Amtsniederlegung des Oberpräsidenten Lüninck im Jahr 1938 und dessen spätere Hinrichtung im Zusammenhang mit dem Attentat auf Hitler 20. Juli 1944 waren religiös motiviert. Reichsweit bekannt wurden die gegen die Euthanasie gerichteten Predigten des Münsteraner Bischofs Clemens August von Galen.
Aus ähnlichen Gründen wurden auch eine Reihe evangelischer Pfarrer verhaftet und teilweise in ein KZ eingeliefert. Rombergpark.jpg Deutlich politisch motiviert war der Widerstand der Angehörigen der sozialistischen und kommunistischen Arbeiterbewegung. Dortmund war Zentrum eines sich trotz Verhaftungen immer wieder neu formierenden kommunistischen Widerstandes. Selbst Anfang 1945 verhaftete die Gestapo noch 28 Mitglieder des kommunistischen Widerstandes, die zusammen mit 280 anderen Häftlingen und Kriegsgefangenen im März/April in der so genannten Bittermark hingerichtet wurden. Die Anhänger der SPD waren meist weniger offensiv, ihnen ging es vor allem darum die alten Kontakte aufrecht zu erhalten und Informationen auszutauschen. Durch ihre kaum vorhandene Organisation waren diese Gruppen etwa um Fritz Henßler von der Geheimpolizei auch kaum aufzuspüren. Erst nach und nach teilweise erst 1937 wurde sie auch zerschlagen.
In Dortmund und anderen größeren westfälischen Städten gab es daneben Gruppen der Edelweißpiraten, informelle Jugendbünde mit unangepassten und teils widerständigen Verhalten.
In der euphemistisch "Reichskristallnacht" genannten Pogromen am 9. November 1938 kam es auch in der Provinz zur Brandschatzung der Synagogen und teilweise wie in Lünen auch zur Ermordung jüdischer Bürger. Gut dokumentiert sind auch die Vorgänge in Medebach. Wie im ganzen Reich wurde die jüdische Gemeinschaft auch in Westfalen fast völlig vernichtet. In Dortmund gab es 1933 etwa 4000 Juden, von diesen fielen bis 1939 44 den verschiedenen Verfolgungsmaßnahmen des Regimes zum Opfer. Hinzu kamen natürliche Todesfälle. Über 1000 starben zwischen 1940 und 1945 in den Konzentrationslagern und immerhin noch 200 durch Entkräftung in den ersten Nachkriegsmonaten. Ein Teil gelang bis 1941 die Flucht ins Ausland. In ganz Westfalen sank die Zahl der jüdischen Bevölkerung zwischen 1933 von etwa 18.000 auf etwas mehr als 7000. Wie viele von diesen von den nachrückenden deutschen Truppen aufgegriffen wurden ist unbekannt. An der Vorbereitung der systematischen Vernichtung war an der berüchtigten Wannseekonferenz auch der Oberpräsident Dr. Alfred Meyer in seiner Eigenschaft als Staatssekretär im Ministerium für die besetzten Ostgebiete beteiligt. In Westfalen begannen die "Deportationen" am 10. Dezember 1941 mit Transporten aus dem Münsterland, einige Tage später folgten Bielefeld und der Regierungsbezirk Arnsberg. Bereits Ende März 1943 gab es in ganz Westfalen nur noch etwa 800 Juden. Nach dem Krieg kamen nur wenige von ihnen in die Region zurück. Zu ihnen gehörte der Schmallenbergers Hans Frankenthal, der später über seine Erlebnisse berichtete und die Familie des Zentralratsvorsitzenden Paul Spiegel aus Warendorf.
Kaum niedriger als die Zahl der jüdischen Opfer waren die Tötungen in den zahlreichen westfälischen Heil- und Pflegestätten im Rahmen des so genannten Euthanasieprogramms. Die meisten davon betroffenen erwachsenen Patienten wurden außerhalb der Provinz meist im Zuchthaus Brandenburg ermordet. Die Tötung geistig behinderter Kinder erfolgte aber auch in Niedermarsberg im Sauerland in der dortigen Provinzialanstalt. Etwa 3000 westfälische Patienten waren insgesamt betroffen, von denen etwa 1350 in Hadamar nachweislich getötet worden sind. Inklusive der späteren Opfer ist von einer Gesamtzahl von etwa 3000 getöteten Patienten auszugehen. Allerdings gelang es den Betheler Anstalten von wenigen Ausnahmen abgesehen, bis zum Kriegsende eine Tötung ihrer Patienten zu verhindern.
Hemer-StalagVIA1-Bubo.JPG Sieht man vom Übergang zur Kriegswirtschaft und der Einführung von Lebensmittelkarten ab, war der Einsatz von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern in der Landwirtschaft, in Fabriken und Bergwerken ein erstes Anzeichen dafür, dass der Krieg auch die Provinz erreicht hatte. Die größten Kriegsgefangenlager waren das Stalag 326-VI-K bei Stukenbrock (Senne) und das Stalag 326-VI-A in Hemer. Hinzu kamen weitere Lager in der gesamten Provinz. Allein in Stukenbrock starben über 65.000 meist sowjetische Soldaten. Ähnliche Schätzungen gibt es auch für Hemer (wenngleich die amtlich festgestellten Todeszahlen deutlich niedriger liegen).
Mit den alliierten Luftangriffen erreichte der Krieg die Zivilbevölkerung direkt. Einen ersten Luftangriff erlebte Münster bereits 1940 und die Stadt wurde noch vor dem Beginn flächendeckender Bombardements 1941 Ziel schwerer Nachtangriffe. Insgesamt starben durch Luftangriffe in der Stadt über tausend Personen. Ganz ähnlich war es in anderen Städten. Allein in Bochum zählte man über 4000 Tote und nur noch 35% des Baubestandes von 1939 war 1945 unbeschädigt. Im Mai 1943 zerstörten britische Flieger die Staumauer des Möhnestausees. In den Fluten von Möhne und Ruhr kamen tausende um. In Neheim waren davon vor allem Kriegsgefangene eines örtlichen Zwangsarbeiterlagers betroffen. Ruhrpocket.png Gegen Ende März 1945 erreichte dann auch der Bodenkrieg das Land zwischen Rhein und Weser. Im Kampf um den so genannten Ruhrkessel kam es noch einmal zu heftigen und verlustreichen Kämpfen zwischen deutschen und alliierten Truppen. Gerade im Waldgebiet um Winterberg, Medebach und Schmallenberg kam es zu Ostern 1945 zu verlustreichen Infanteriekämpfen. Der Widerstand war allerdings vergeblich und am 1. April erreichten amerikanische Truppen Paderborn und trafen dabei auf die von Norden vorgestoßen Einheiten. Erst am 18. April 1945 kapitulierten die letzten Einheiten der Wehrmacht in Westfalen und beendeten damit den Zweiten Weltkrieg in diesem Gebiet.
20.215 km²; 5.205.705 Einwohner (Mai 1939)
Mit Wirkung vom 1. Januar 1975 wurden bei der Kreisgebietsreform größere Kreise gebildet, u. a. die folgenden Kreise, die einen neuen Namen tragen:
Heute noch existierende Kreise / Stadtkreise sind fett dargestellt.
1973 wurden durch die Kommunalreform größere Landkreise gebildet:
Der Landkreis Detmold und der Landkreis Lemgo (beide 1932 gebildet, seit 1947 in Nordrhein-Westfalen, ab 1973 hauptsächlich zum Kreis Lippe zusammengeschlossen) gehören zum lippischen Teil des Regierungsbezirks Detmold.
Mit dem Beitritt des Landes Lippe 1947 nach NRW wurde der nur westfälische Terretorien umfassende Regierungsbezirk Minden mit dem Gebiet des ehem. Freistaates zum neuen Regierungsbezirk Minden-Lippe (später Regierungsbezirk Detmold) vereinigt. Sitz der Bezirksregierung ist seitdem das lippische Detmold.
Aktuell gliedert sich der Landesteil Westfalen in die Regierungsbezirke
Seit den 80er Jahren wird in Nordrhein-Westfalen diskutiert, die westfälischen Teile des Ruhrgebietes von den Regierungsbezirken Arnsberg und Münster zu lösen und gemeinsam mit dem rheinischen Teil der Städtelandschaft in einem eigenen Regierungsbezirk zu vereinen (siehe Regionalverband Ruhr); eine Idee die, bereits in den 20er Jahren erstmals angedacht wurde. Die verbleibenden Regierungsbezirke sollen nach den heutigen Vorstellungen dann zu zwei neuen Regierungsbezirken oder auch nur Regionalverbänden Westfalen und Rheinland zusammengelegt werden. Die Umsetzung dieser Ideen wird zur Zeit in eine konkrete Planung geführt. Die Parteien der aktuellen schwarz-gelben Landesregierung haben die Bildung dreier Regionalpräsidien anstelle der bisherigen Regierungsbezirke in NRW angekündigt.
Die Umsetzung dieser Idee stößt allerdings vor allem in Westfalen auf Kritik, da hier die Angst umgeht, dass das starke Rheinland und das gewichtige Ruhrgebiet westfälische Interessen in der Landespolitik verdrängen könnten. Es geht die Angst vor "RESTFALEN" um. Auch in Lippe regt sich Widerstand, da die Planungen auch staatsrechtliche Fragen berühren, da sowohl der betroffene Regierungsbezirk Detmold als auch der Landesverband Lippe im Rahmen des Beitrittes des ehemaligen Freistaates Lippe nach Nordrhein-Westfalen 1947 in den Lippischen Punktationen mit klaren Zusagen an Lippe geregelt wurden.
Gleichwohl wurde die Wirtschaftsstruktur insgesamt in den letzten Jahrzehnten von erheblichen Veränderungen geprägt. War das Ruhrgebiet noch in den 1950er und 1960er Jahren das industrielle Herz nicht nur Westfalens sondern der ganzen Bundesrepublik, verlor die Montanindustrie in den folgenden Jahrzehnten immer mehr an Bedeutung. Der Strukturwandel hat vor allem die Hellwegstädte stark verändert. Abgesehen von wenigen industriellen Neugründungen (wie Opel in Bochum) konzentrierte sich dieses Gebiet auf Dienstleistungen und im Zusammenhang mit den Universitätsgründungen auf High-Tech Produkte (etwa im Bereich Software). Im nördlichen Teil des Reviers begann dieser Prozess deutlich später und ist vielerorts noch nicht abgeschlossen. Entsprechend hoch sind dort die Arbeitslosenzahlen.
Außerhalb des Reviers erfuhr Westfalen in den letzten Jahrzehnten einen teilweise Aufschwung vor allem im gewerblichen Bereich. Die mittelständische eisen- und metallverarbeitende Industrie, der Maschinenbau, die Konsumgüterindustrie in Südwestfalen, in Ostwestfalen und anderen Teilen Westfalens konnte sich nicht nur am Markt behaupten, sondern ihre Weltmarktpositionen ausbauen. Wie erfolgreich die Aufholjagd ehemals überwiegend ländlicher Regionen war, zeigt die Tatsache, dass die wirtschaftlich Kraft pro Kopf im Bezirk der IHK Arnsberg noch 1955 um 150% schwächer war als im Bezirk Bochum. Zwanzig Jahre später war der Gleichstand erreicht. Heute liegt der Anteil des produzierenden Gewerbes in Südwestfalen deutlich über dem des Ruhrgebiets. In einer Art "nachgeholten Industrialisierung" glichen sich die Wirtschaftsverhältnisse der ländlichen Gebiete, denen der bisherigen Industriegebiete an. Dies gilt auch für das Münsterland (im Kreis Warendorf nahm das Bruttoinlandsprodukt allein zwischen 1957 und 1959 um 37% zu.)
Der Wandel zeigt sich auch im Bereich der Brauindustrie. Westfalen insgesamt ist die Region mit dem höchsten Bierausstoß in Deutschland. Unangefochten wichtigstes Zentrum des Brauwesens war bis in die 1980er Jahre Dortmund. Die dortigen Brauereien gehören inzwischen überwiegend zur Oetker-Gruppe mit Sitz in Bielefeld. Außerdem ist das Sauerland ein wichtiger Standort der Bierproduktion. Dort sind unter anderm die Marken Krombacher, Veltins und Warsteiner angesiedelt.
Benachteiligt Standorte an der Peripherie durch ihre Hochschulferne und der vergleichsweise langsamen Ansiedlung von wissenbasierten Dienstleistungs- und Produktionsbranchen.
Im Westfälischen Museum für Archäologie in Herne finden sich zahlreiche archäologische Funde aus verschiedenen Epochen, während das Westfälisches Römermuseum in Haltern sich mit der römischen