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Herkersdorf_Ottoturm_Westerwald.jpg bei Herkersdorf/Kirchen]]

Der Westerwald ist ein deutsches Mittelgebirge im Bundesland Rheinland-Pfalz mit kleineren Anteilen in Hessen bzw. Nordrhein-Westfalen.

Das geologisch alte Rumpfgebirge wird in seinem nördlichen Teil von einem vulkanischen Hochland aus tertiären Basaltdecken überlagert und erreicht dort bis 657 m Höhe. Es überdeckt ein Gebiet von etwa 50 x 70 km und hat im Bereich von Senkungsräumen in seinem flacheren Westteil ("Vorderer" oder "Unterer Westerwald") den Charakter eines Hügellandes. Typisch für die Wirtschaft des zu etwa 40% bewaldeten "Oberen Westerwaldes" ist der traditionelle Abbau von Schiefer, Ton und Basalt, die Töpferei und die Eisenindustrie.

Der Name "Westerwald" leitet sich von der aus dem Mittelalter stammenden Eingrenzung des Gebietes als Wald westlich von Herborn ab. Er ist aber erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts allgemein gebräuchlich.

Geografie


Morphologisch gehört der Westerwald zum Rheinischen Schiefergebirge und bildet den Großteil von dessen östlicher, rechtsrheinischer Hälfte. Er wird im Uhrzeigersinn durch die Tallandschaften folgender Flüsse bzw. Flussläufe begrenzt:

Geomorphologisch gehört allerdings auch das östlich der Dill gelegene Gladenbacher Bergland zum Westerwald, während die bis 680 m hohen Berge beim Haiger Sattel und östlich von Siegen schon zum Rothaargebirge gezählt werden.

Der Westerwald hat trotz seiner relativ geringen Höhe ein eher rauhes Klima. Flächenmäßig gehört er mit etwa 3000 km² zu den größeren Gebirgen Deutschlands und wirtschaftlich-kulturell auch zu den bekanntesten. Seine Bergwelt geht in Richtung Norden nahtlos in das Rothaargebirge und nach Nordosten in das Lahn-Dill-Bergland über.

Höhenmäßig gliedert er sich in drei Regionen:

  • Unterer Westerwald: der an die Tallandschaften von Rhein und Lahn grenzende West- und Südwestteil, zertaltes Rumpfgebirge in Höhenlagen von 200-400 m. Darin eingelagerte Senkungsräume (Dierdorfer Senke, Montabaurer Senke) sind für ihre Tonvorkommen bekannt (Kannenbäckerland). Im Südwesten Härtlingszug aus Quarzit, die bewaldete Montabaurer Höhe (545 m). Das nordwestlich anschließende Siebengebirge bei Bonn (bis 464 m) wird naturräumlich schon dem unteren Mittelrheingebiet zugerechnet.
  • Oberer Westerwald: teils bewaldetes vulkanisches Kuppenland mit größeren Basaltdecken v.a. im Bereich der Westerwälder Seenplatte; Höhenlage etwa 350 bis 500 m über dem Meer. Südlich schließt sich als Teil des Lahntals das Hügelland des Limburger Beckens an.
  • Hoher Westerwald: kahle, wellige Basaltfläche mit rauhem Klima, Hochfläche rund 450 bis 657 m.

Kreisstädte im Westerwald sind: Altenkirchen (AK), Montabaur (WW) und Neuwied (NR). Darüber hinaus haben der Lahn-Dill-Kreis (LDK), der Landkreis Mayen-Koblenz (MYK), der Rhein-Lahn-Kreis (EMS) und der Landkreis Limburg-Weilburg (LM) geringere Anteile am Westerwald. Nimmt man die Sieg als nördliche geografische Begrenzung des Westerwaldes an, so gehört ebenfalls der rechtsrheinische Rhein-Sieg-Kreis (SU, NRW) zu Teilen (z.B. das Siebengebirge) dazu.

Geologie


Geologisch ist der Westerwald Teil des Rheinischen Schiefergebirges und stellt wie dieses einen stark erodierten Rest des großen variszischen Gebirgssystems dar, welches in der Vorzeit große Teile Europas prägte.

Das devonische Grundgebirge wird von vulkanischen Massen aus dem Tertiär überlagert, insbesondere Basalten und Tuffen. Wirtschaftlich bedeutend war und ist neben der Gewinnung von Schiefer, Kalk und Ton auch das Eisen und seine verarbeitende Industrie zwischen Rheintal (Unkel, Linz) und Unterer Wied, der Bimskies im Neuwieder Becken, verschiedene Mineralquellen und früher der Abbau von Braunkohle.

Die höchste Erhebung des Westerwalds ist die östlich liegende Fuchskaute, die sich mit 657 m um etwa 400 m über das Dilltal erhebt. Mehrere Dutzend weitere Gipfel übersteigen die 600-Meter-Grenze. Das ganze Gebiet lag im Erdaltertum (vor 600 bis 270 Mill. Jahren) unter einem tropisch warmen Meeresarm. Dieses Meer lagerte viele Kilometer dicke Sedimente in die variszische Geosynklinale ab, die bei der folgenden Gebirgsbildung stark gefaltet wurden. Die am Nord- und Westrand des Westerwalds gelegenen Städte Siegen und Koblenz gaben auch zwei Schichten des Unter-Devon mit ihren bunten Schiefern ihre Namen. Den oberen Gebirgsstock bilden ausgedehnte vulkanische Decken aus Basalt mit eingelagerten Tuffen.

In einigen Gebieten baut man seit langem Schiefer und Ton ab, der im so genannten Kannenbäckerland, aber auch an einigen anderen Orten in Töpfereien weiterverarbeitet wird. Auch der Export, insbesondere nach Italien, ist bedeutend (über eine Million Tonnen pro Jahr). Im östlichsten Westerwald (hessischer Teil) finden sich interessante Kalksteinvorkommen aus unterschiedlichsten geologischen Zeiträumen. Der Erdbacher Kalk aus dem Unterkarbon gab einer kleinen Zeitstufe den Namen "Erdbachium".

Bei Breitscheid finden sich Reste eines Atolls aus dem subtropischen Devonmeer vor 380 Millionen Jahren. Teile dieser Kalkformation werden im Tagebau gewonnen; bei Enspel wurde ein Fossilien-Schutzgebiet eingerichtet, in dem Institute mehrerer Hochschulen Forschungen und Exkursionen betreiben. Einige Karsthöhlen sind Forschungsthemen der Speläologie und bewirken das zeitweilige Verschwinden und Wiederauftauchen des Erdbaches.

Berge


  • Fuchskaute (657 m; früher Aussichtsturm), Westerwaldkreis, Rheinland-Pfalz
  • Stegskopf (654 m; früher Aussichtsturm, Quelle der Daade), Landkreis Altenkirchen, Rheinland-Pfalz
  • Salzburger Kopf (653 m), Salzburg/Stein-Neukirch, Westerwaldkreis, Rheinland-Pfalz
  • Höllberg (643 m; Fernsehturm), Lahn-Dill-Kreis, Hessen
  • Auf der Baar (618 m), Lahn-Dill-Kreis, Hessen
  • Nenkersberg (610 m), Kreis Siegen-Wittgenstein, Nordrhein-Westfalen.
  • Knoten (605 m), Landkreis Limburg-Weilburg, Hessen
  • Montabaurer Höhe (545 m; Fernsehturm), Westerwaldkreis, Rheinland-Pfalz
  • Köppel (540 m; Aussichtsturm), Westerwaldkreis, Rheinland-Pfalz
  • Großer Weißenstein (516 m), Westerwaldkreis, Rheinland-Pfalz
  • Watzenhahn (475 m), Girkenroth/Weltersburg, Westerwaldkreis, Rheinland-Pfalz
  • Beulsstein (483 m), Oberahr, Westerwaldkreis, Rheinland-Pfalz
  • Malberg (Westerwaldkreis) (422 m), Moschheim/Leuterod/Ötzingen, Rheinland-Pfalz
  • Beulskopf (388 m; Aussichtsturm), Landkreis Altenkirchen, Rheinland-Pfalz

Flüsse und Bäche


Flüsse, deren Tallandschaften das Gebirge begrenzen (im Uhrzeigersinn):
  • Rhein - südwestliche Begrenzung des Westerwalds
  • Sieg - nördliche Begrenzung
  • Dill - östliche Begrenzung, Nebenfluss der Lahn
  • Lahn - südöstliche Begrenzung

Kleinere Flüsse im Innern des Gebirges:

  • Sayn - im südlichen ("Unteren") Westerwald, fließt nach Westen zum Rhein
  • Wied (zwischen Sieg und Sayn) - nach Westen zum Rhein
  • Nister (im Nordosten, Grenze zum Ober-Westerwald) - nach Nordwesten zur Sieg
  • Elbbach - nach Süden zur Lahn.
  • Heller - mündet bei Betzdorf in die Sieg.
Größere Bäche:

Persönlichkeiten


Westerwaldlied


International bekannt ist der Westerwald auch durch zahlreiche, vor allem volkstümliche Lieder, insbesondere das Westerwaldlied, auch Westerwald-Marsch, Westerwald, du bist so schön und das "neue Westerwaldlied" des Liedermachers Ulrik Remy, Ich bin aus 'm Westerwald.,

Text des Westerwaldliedes

Heute wollen wir marschier'n
Einen neuen Marsch probier'n
|:In den schönen Westerwald
Ja da pfeift der Wind so kalt:|

Refrain:
Oh, Du schöner Westerwald
Über Deinen Höhen pfeift der Wind so kalt
Jedoch der kleinste Sonnenschein
Dringt tief ins Herz hinein

Und die Gretel und der Hans
Gehen Sonntags gern zum Tanz
|:Weil das Tanzen Freude macht
Und das Herz im Leibe lacht:|

Refrain

Ist das Tanzen dann vorbei
Gibt es meistens Keilerei
|:Und den Bursch den das nicht freut
Ja, man sagt der hat kein Schneid:|

Refrain

Trivia


Die Westerwälder werden im Volksmund oft als "Basaltköpp" bezeichnet, da sie als dickköpfig gelten.

Literatur


Heiner Feldhoff: Westerwald. In: Literarischer Reiseführer Rheinland-Pfalz, hrsg. von Josef Zierden. Frankfurt 2001

Weblinks


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