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Die Wessex-Kultur war eine früh-bronzezeitliche Kultur im südlichen Großbritannien. Sie sollte nicht mit dem späteren angelsächsischen Königreich Wessex verwechselt werden.

Bestattungen


Die Kenntnisse der Wessex-Kultur der ersten Hälfte des zweiten vorchristlichen Jahrtausends basieren allein auf Grabfunden, da Siedlungen bisher nicht gefunden wurden. Die Bestattungen liegen unter Grabhügeln, anfangs als Erd-, später als Feuerbestattungen, und sind durch reiche Grabbeigaben charakterisiert, denen meist die Keramik fehlt. Exotische Gegenstände wie armorikanische Dolche, Bernstein und irisches Gold sind häufig, gerne wurden auch mehrere Materialien kombiniert, wie Gold und Bernstein, Silber und Bernstein oder Gold und Jet (Lignit). Gleichzeitig finden sich Bestattungen mit späten Glockenbechern und Foodvessels.

Ursprung


Stuart Piggott wollte die von ihm so benannte Wessexkultur auf eine Invasion aus der Bretagne zurückführen. Das gilt heute als überholt. Ob die Wessex-Bestattungen eine Elite-Form der späten Glockenbecherkultur darstellen, und ihr Verhältnis zu den Bestattungen mit Foodvessels, wird kontrovers diskutiert. Insgesamt fügen sich die Wessex-Bestattungen gut in den Kreis der reichen frühbronzezeitlichen (Reinecke A1) Bestattungen ein, wie sie auch aus der Bretagne (Dolchgräber der Serie I), Singen und dem Aunjetitzer Bereich (Leubingen, Helmsdorf) bekannt sind.

Handel


Die Träger der Wessex-Kultur scheinen einen weitläufigen Handel mit dem europäischen Festland getrieben zu haben, so wurde Bernstein aus dem Baltikum, Schmuck aus Deutschland, Dolche aus der Bretagne und Gold aus Irland gefunden. Fayenceperlen, die man früher für mykenische Importe hielt, sind einheimische Produkte. Sie finden sich auch in der Bretagne und in den Niederlanden (Exloërmond, Drenthe).

Kultbauten


Der durch den Handel gewonnene Wohlstand gestattete den Wessexleuten vermutlich den Ausbau der dritten Phase von Stonehenge.

Sozialstruktur


Auch eine entwickelte soziale Organisation kann angenommen werden, um solch weitreichenden Handel zu organisieren. Colin Renfrew postuliert, dem sozial-evolutionstischen Modell von Elman Fried folgend, frühe Häuptlingstümer (sogenannte Chiefdoms).

Chronologie


Die Einteilung in Wessex I und II lässt sich im Licht der 14C-Daten nicht mehr halten.

Literatur


  • H. Meller (Hrsg.), Der geschmiedete Himmel (Halle/S. 2003).
  • D. Clarke/T. G. Cowie/Andrew Foxon, Symbols of power at the time of Stonehenge (Edinburgh, National Museum of Antiquities of Scotland HMSO, 1985).
  • C. Renfrew, Wessex without Mycenae. Annual of the British School of Archaeology at Athens 63, 1968, 277-285.
  • C. Renfrew/R.G. Newton, British faience beads reconsidered. Antiquity 44, 1970, 199-206.
  • C. Renfrew, Monuments, mobilization and social organisation in neolithic Wessex. In C. Renfrew (Hrsg.), The Explanation of Culture Change: Models in Prehistory (London, Duckworth 1973), 539-558.
  • Coles, J. M. and J. J. Taylor 1971. The Wessex Culture: a minimal view. Antiquity 45, 6-14.

Weblinks


  • http://www.wiltshireheritage.org.uk/galleries mit virtueller Galerie wichtiger Funde

Archäologische Kultur | Bronzezeit | Altertum | Britische Geschichte

Wessex culture

 

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