Der Werturteilsstreit hat in der Soziologie zwei Mal eine bedeutende Rolle gespielt und steht in einem Zusammenhang mit dem Positivismusstreit und dem Methodenstreit in der Soziologie. Es ging dabei um die Werturteilsfreiheit dieser Wissenschaft: Soll sie sich oder kann sie sich überhaupt solcher Urteile enthalten?
Die Frage, ob eine "Wissenschaft" nur konstatieren dürfe, was ist - also nur deskriptive Aussagen machen dürfe -, oder auch aussagen, was sein solle - normative, wertende Aussagen einschließen dürfe -, spielt in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften eine große Rolle. Im deutschen Hochschulsystem wird eine Deontologie im strengen Sinne nur der Theologie und der Ethik eingeräumt, wobei erstere auch den methodischen Zugang durch Offenbarung zulässt. Die entscheidende Frage dabei ist aber, ob sich nicht wertende von wertenden Aussagen überhaupt objektiv (nicht wertend!) trennen lassen.
Im Zuge der Studentenbewegung seit 1967 flammte der Werturteilsstreit in der Bundesrepublik Deutschland erneut heftig auf. Die Kampflinie lag hier zwischen orthodoxen und innovativen Marxisten und Vertretern der "Kritischen Theorie" der Frankfurter Schule einerseits und traditionalen wie modernen Erkenntnistheoretikern (z.B. Hans Albert; oft in der Nachfolge von Karl Popper) andererseits.
In geringerem Ausmaß hat dieser Streit viele soziologische Auseinandersetzungen begleitet, gewöhnlich dann auffällig, wenn sich eine neue soziale Frage erhob, wie z. B. der 'Neokolonialismus', die 'neue Frauenfrage' , die Globalisierung u.a.
Hier wie häufig ergab sich (mit Kurt Tucholsky): Die großen Menschheitsprobleme werden nicht gelöst, sondern einfach liegen gelassen.
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"Werturteilsstreit".
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