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Definition

Ein Werturteil ist ein Satz, der eine ausdrückliche Wertung beinhaltet. (Beispiel: "Dies ist ein gutes Auto.") Wertungen werden sprachlich durch Wertbegriffe wie "gut", "schlecht", "gerecht" oder "ungerecht" ausgedrückt.

Werturteile werden unterschieden von faktischen oder empirischen Aussagen, die einen beschreibenden oder erklärenden Inhalt haben. (Beispiel: "Dies Auto ist mehr als zehn Jahre alt.")

Aussagen über das Vorhandensein bestimmter Werthaltungen sind keine Werturteile. Wenn Harald sagt: "Das ist ein guter Film", so handelt es sich um ein Werturteil. Wenn Thomas sagt: "Für Harald ist das ein guter Film", dann ist das eine beschreibende Aussage.

Wertende und wertgetönte Begriffe

Da die Umgangssprache nicht nur der Information über Tatsachen dient, sondern auch der Handlungsorientierung, sind beschreibende Begriffe oft auch wertgetönt, enthalten also eine implizite Wertung. So ist der Ausdruck "ist mindestens zehn Jahre alt" in Bezug auf ein Auto wohl abwertend, in Bezug auf einen Whiskey kann er dagegen eine aufwertende Bedeutung besitzen.

Diese wertende Tönung der Worte lässt sich nicht eliminieren. Man kann den Ausdruck "Lehrling" durch das neutraleren Ausdruck "Auszubildender" ersetzen, aber im Ausdruck "Azubi" kehrt die Geringschätzung wieder. Ähnlich ist es bei Worten wie "Zigeuner / Sinti und Roma" oder "Neger / Schwarzer".

Die Werttönung eines Wortes kann dabei je nach Bezugsgruppe auch unterschiedlich sein. So hat das Wort "bürgerlich" in manchen Kreisen einen guten Klang, in andern Kreisen wirkt es dagegen eher abwertend.

Wo es auf Wahrheit und politische Neutralität der Aussagen ankommt, wie z. B. in den Erfahrungswissenschaften oder in den Nachrichten der Medien, sind explizite Werturteile zu vermeiden. Dies schließt nicht aus, dass man die Informationsbeschaffung oder die Forschung von bestimmten Wertgesichtspunkten aus vornimmt.

Die implizite Werttönung einzelner Begriffe ist kaum zu vermeiden. Sie ist jedoch solange unproblematisch, wie diese Begriffe präzise empirisch definiert sind. Dann sind die damit gebildeten Sätze in ihrer Bedeutung klar und ihr Wahrheitsgehalt ist intersubjektiv überprüfbar.

In Wissenschaften mit normativen Fragestellungen wie Ethik, Rechtsphilosophie, Pädagogik oder Politikwissenschaft sind Werturteile unumgänglich, wobei die Möglichkeit allgemeingültiger Werturteile allerdings weithin bestritten wird.

Zur Frage allgemeingültiger Werturteile

Die Uppsala-Schule vertritt, ebenso wie der logische Positivismus, die Ansicht, dass Werturteile ein Ausdruck sind von Gefühlszuständen und damit weder als wahr, noch als falsch zu beurteilen sind. Diese Einstellung nennt sich Wertnihilismus.

Der Emotivismus wiederum sieht in Werturteilen weder Feststellungen noch Behauptungen, sondern lediglich den Ausdruck von Haltungen, Gefühlen usw. Damit sind Werturteile kein empirisch feststellbares Merkmal einer Sache. Sie dienen weder einer deskriptiven, noch einer kognitiven Betrachtung, weil sie lediglich emotive Bedeutung haben. Übereinstimmend mit dem Wertnihilismus kommt der Emotivismus zu dem Schluss, Werturteile könnten weder falsch noch wahr sein.

Demgegenüber vertreten Anhänger einer Konsenstheorie der Wahrheit die Auffassung, dass man auch in Bezug auf Werturteile rational argumentieren kann. So sind Werturteile z. B. logisch analysierbar etwa auf Widersprüche hin. Sie sind außerdem universalisierbar, d.h. dass ein Werturteil über ein bestimmtes Objekt x ebenso gelten muss für jedes andere Objekt y, das x empirisch völlig gleicht.

siehe auch:

Werturteilsfreiheit / Werturteilsstreit / Wert / Ethik / Konsenstheorie der Wahrheit

Sprachphilosophie | Ethik | Werte und Urteil

 

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