Wernher_von_Braun.jpg, im Mai 1964.]] Wernher Magnus Maximilian Freiherr von Braun (* 23. März 1912 in Wirsitz, Provinz Posen; † 16. Juni 1977 in Alexandria, Virginia (USA)), war ein deutsch-US-amerikanischer Raketentechniker, Pionier und Visionär der Raumfahrt.
Nach Brennschluss erreichte die A4 dreifache Schallgeschwindigkeit. Im Jahr 1942 überschritt ein Prototyp erstmals eine Gipfelhöhe von mehr als 80 km, 1945 wurden mehr als 120 km erreicht. Für die ständig verbesserte Leistung der Triebwerke sorgte insbesondere die Entwicklung geeigneter Turbopumpen, die große Mengen Treibstoff schnell in die Brennkammer pressten.
Dass Wernher von Brauns persönliche Ziele auf die Raumfahrt gerichtet waren, geht u.a. aus Entwürfen der Aggregate 9 bis 12 mit ihren Astronauten-Kapseln hervor. Nach dem V2-Angriff auf London am 8. November 1944 soll er gesagt haben: "Das hätte nie geschehen sollen ... Wir haben diese Rakete gebaut, um das Tor zu anderen Welten zu öffnen – nicht um Verwüstungen auf dieser Erde anzurichten. Soll das die Frucht unserer Arbeit gewesen sein?"
Die Widersprüchlichkeit seiner Person wird gleichwohl deutlich, wenn man sich vor Augen hält, dass Wernher von Braun im militärischen Auftrag an einer Waffe arbeitete, die mit bisher unerreichter Reichweite und Geschwindigkeit eine Tonne Sprengstoff ins Ziel brachte und gegen die es keine Abwehr gab. Auch in seiner späteren Wirkungszeit in den USA stellte er sich in den Dienst der Rüstung und war wesentlich an der Entwicklung atomarer Mittelstreckenraketen wie der Redstone beteiligt.
So forderte er in einem Schreiben vom 12. November 1943 1.350 Arbeitskräfte an, was seinerzeit stets KZ-Häftlinge meinte. Einige Insassen des Konzentrationslagers bezeugten später zudem, ihn bei der Besichtigung der Arbeitsstätten gesehen zu haben. Braun selbst erklärte jedoch, dass er vom Elend der Zwangsarbeiter nichts wusste und für deren Einsatz nicht verantwortlich war.
Für die Anwesenheit Wernher von Brauns im Lager Dora-Mittelbau gibt es keine direkten Belege. Allerdings liegt sein Brief vom 15. August 1944 an Albin Sawatzki vor, der für die Planung und Steuerung der V2-Fabrikation Verantwortliche. Dieser belegt, dass von Braun im KZ Buchenwald selbst Häftlinge aussuchte. Auch berichtete er in einem Interview von 1969, dass die Zwangsarbeiter in einem "erbarmungswürdigen Zustand" waren, Eindrücke, die „schwer auf der Seele jedes anständigen Mannes lasten“ würden. Nach eigenen Angaben schämte er sich damals, dass solche Dinge in Deutschland möglich waren, selbst angesichts der Kriegssituation.
Im Zusammenhang mit dem Ausbau von Dora-Mittelbau und der anschließenden Fertigung der A4-Rakete nebst anderer Waffen kamen nach offizieller Zählung in den SS-Akten ca. 12.000 Zwangsarbeiter ums Leben. Der Einsatz der Waffe forderte insgesamt ca. 8.000 Opfer, hauptsächlich in der Zivilbevölkerung. Die V2 war somit die einzige Waffe, deren Produktion mehr Opfer forderte als ihr Einsatz.
Am 11. April 1945 besetzten US-Truppen die Produktionsstätten in Bleicherode, das Mittelwerk. Einhundert A4-Raketen wurden in die USA abtransportiert und bildeten dort die Grundlage des US-amerikanischen Raketenprogramms.
Wenige Tage vorher hatten sich die Raketenpioniere um Wernher von Braun und General Walter Dornberger nach Süden in Hotels und Kasernen in der Umgebung von Oberammergau abgesetzt, um den sowjetischen Besatzern zu entgehen. Nach der Besetzung Oberbayerns durch amerikanische Truppen kontaktierte der englischsprechende Bruder Magnus von Braun die Amerikaner, mit deren strategischem Interesse am deutschen Raketen-Know-how sie fest rechnen konnten.
Mehr als hundert Raketen-Entwickler wurden im Rahmen der „Operation Overcast“ noch 1945 in die USA verschifft. Auch Walter Dornberger vom Heereswaffenamt fand in den USA einen neuen Wirkungskreis. Von Braun leitete in Huntsville, Alabama ein Team von mehr als hundert Entwicklern für die US-Armee. Die Nazi-Vergangenheit der deutschen Techniker wurde großzügig übersehen.
Im Jahr 1947 reist Wernher von Braun nach Deutschland, um in Landshut seine Cousine Maria von Quistorp zu heiraten. Am 9. Dezember 1948 wird seine Tochter Iris Careen geboren. 1949 reist die Familie von Braun nun offiziell in die USA ein.
Von Braun wurde nun technischer Berater des US-amerikanischen Raketenprogramms. Ab 1950 arbeitete er in Huntsville (Alabama) als Leiter der Redstone-Entwicklung, einer atomaren Mittelstreckenrakete der US Army.
Seine Tochter Margrit Cecile wurde am 8. Mai 1952 geboren.
1955 wurde von Braun US-amerikanischer Staatsbürger.
Am 21. Oktober 1959 wurde er offiziell zur NASA überstellt. Kurz vorher war dort die Entscheidung zum Bau einer großen Trägerrakete, der späteren Saturn V, gefallen.
Am 2. Juni 1960 kam sein Sohn Peter Constantin zur Welt. Im selben Jahr wurde von Braun zum Direktor des Marshall Space Flight Center in Alabama ernannt, eine Position, die er bis 1970 inne hatte.
Dort war er maßgeblich an den erfolgreichen Mercury-, Gemini- und Apollo-Projekten beteiligt. Er leitete die Entwicklung der ersten Stufe der Saturn-V-Trägerrakete, die am 27. Oktober 1961 das erste Mal gezündet wurde. Sein größter Erfolg und Erfüllung langjähriger Träume aber war die bemannte Mondlandung im Jahre 1969. Sein russischer Kollege Sergei Koroljow, der Vater der sowjetischen Raumfahrt, konnte dieses Ereignis nicht mehr erleben - er war bereits 1966 gestorben.
Von 1970 bis 1972 war Wernher von Braun stellvertretender Direktor der NASA und setzte sich für eine Fortführung der Projekte ein, darunter auch für eine bemannte Mars-Mission. Enttäuscht von den starken Budgetkürzungen durch den US-Kongress verließ er 1972 die NASA und wurde Vizepräsident von Fairchild, einem Luft- und Raumfahrtkonzern.
Am 31. Dezember 1976 trat Wernher von Braun in den Ruhestand; am 16. Juni 1977 starb er an Nierenkrebs in Alexandria, Virginia.
Prof. Dr. Wernher von Braun war Dr. phil., Dr. h. c. folgender Hochschulen:
Sein Buch Das Marsprojekt beeinflusste den von George Pal produzierten Science-Fiction-Film Die Eroberung des Weltalls (Conquest of Space, 1955). Und bereits 1960 wurde seine Lebensgeschichte unter dem Titel Wernher von Braun: Ich greife nach den Sternen als US-deutsche Co-Produktion mit Curd Jürgens in der Titelrolle verfilmt.
Als von Braun stetig zu einer Koryphäe der US-amerikanischen Raumfahrt aufstieg, wurde in der Öffentlichkeit und im Fernsehen gelegentlich nach seiner Vergangenheit im dritten Reich gefragt. Von Braun distanzierte sich dabei stets vom Nationalsozialismus, wies aber auch eine Mitschuld im Zweiten Weltkrieg von sich.
Der amerikanische Liedermacher Tom Lehrer widmete ihm einige scharfzüngige Verse, die den Opportunismus von Brauns aufs Korn nahmen in Eisfeld:
Nach den erfolgreichen Apollo-Mondlandungen verfolgte Wernher von Braun weiter mit viel Elan weitreichende Pläne, bis zum bemannten Marsflug. Bei der NASA und auch in der amerikanischen Öffentlichkeit stieß er damit aber nicht nur auf Begeisterung. Ein Redakteur von „Reader´s Digest“ kommentierte: „Wernher von Braun möchte am liebsten weiter Geld ausgeben wie ein betrunkener Matrose“ in Eisfeld.
Raketenpionier | Technikgeschichte | NSDAP-Mitglied | SS-Mitglied | Erfinder | Autor | Literatur (20. Jh.) | Literatur (Deutsch) | Literatur (Englisch) | Sachbuch (Physik)
Mann | Deutscher | US-Amerikaner
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