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Wernher_von_Braun.jpg, im Mai 1964.]] Wernher Magnus Maximilian Freiherr von Braun (* 23. März 1912 in Wirsitz, Provinz Posen; † 16. Juni 1977 in Alexandria, Virginia (USA)), war ein deutsch-US-amerikanischer Raketentechniker, Pionier und Visionär der Raumfahrt.

Kindheit und Ausbildung


Wernher von Braun wurde in Wirsitz, Posen (heute: Wyrzysk, Polen) als zweiter von drei Söhnen des Magnus von Braun, geboren. Aufgrund guter Leistungen konnte er mit 17 Jahren um Ostern 1930 die Abiturprüfung vorzeitig an der Hermann-Lietz-Schule in Spiekeroog ablegen. Schon als Jugendlicher hatte er mit Raketen experimentiert und eine Abhandlung über Raumfahrt verfasst. Ab 1929 arbeitete er gemeinsam mit Hermann Oberth in Berlin-Reinickendorf, ab 1932, gefördert durch Walter Dornberger vom Heereswaffenamt, in Kummersdorf-Gut bei Berlin. Er wurde dabei durch das Buch Das Problem der Befahrung des Weltraums des slowenischen Astronomen und Astrophysikers Herman Potočnik und des Buches Die Rakete zu den Planetenräumen maßgeblich beeinflusst. Von Braun studierte ab 1930 Physik an der Technischen Universität Berlin und an der ETH Zürich. 1934 promovierte er in Physik in Berlin über „Konstruktive, theoretische und experimentelle Beiträge zu dem Problem der Flüssigkeitsrakete“.

Peenemünde


Von 1937 bis 1945 war Wernher von Braun der technische Direktor der Heeresversuchsanstalt Peenemünde auf der Insel Usedom. Hier leitete er unter anderem die Entwicklung des Aggregats 4, kurz A4 genannt, einer Großrakete mit Flüssigtreibstoff. Später wurde sie unter der Bezeichnung „Vergeltungswaffe 2“ oder V2 in Serie gebaut. Die technische Neuerung bestand darin, schubstarke Flüssigkeitstriebwerke mit einem Kreiselsystem zu koppeln. So gelang es erstmals, die Flugbahn zu stabilisieren und Abweichungen automatisch auszusteuern.

Nach Brennschluss erreichte die A4 dreifache Schallgeschwindigkeit. Im Jahr 1942 überschritt ein Prototyp erstmals eine Gipfelhöhe von mehr als 80 km, 1945 wurden mehr als 120 km erreicht. Für die ständig verbesserte Leistung der Triebwerke sorgte insbesondere die Entwicklung geeigneter Turbopumpen, die große Mengen Treibstoff schnell in die Brennkammer pressten.

Politik und Technik


1937 war von Braun Mitglied der NSDAP geworden und am 1. Mai 1940 Mitglied der SS, in der er bis zum Sturmbannführer aufstieg (entsprechend dem Wehrmachtsrang Major). Historisch belegt Phoenix/ZDF-Doku ist ein Gefängnisaufenthalt im März 1944, als von Braun auf Betreiben Himmlers von der Gestapo verhaftet wurde. Ihm wurde Verrat und "Wehrkraftzersetzung" sowie Vorbereitung zur Flucht nach England vorgeworfen, was mit der Todesstrafe geahndet werden konnte. Nur seine besondere Bedeutung im V2-Programm hat ihn nach Intervention von Speer und Dornberger bei Hitler wieder freikommen lassen.

Dass Wernher von Brauns persönliche Ziele auf die Raumfahrt gerichtet waren, geht u.a. aus Entwürfen der Aggregate 9 bis 12 mit ihren Astronauten-Kapseln hervor. Nach dem V2-Angriff auf London am 8. November 1944 soll er gesagt haben: "Das hätte nie geschehen sollen ... Wir haben diese Rakete gebaut, um das Tor zu anderen Welten zu öffnen – nicht um Verwüstungen auf dieser Erde anzurichten. Soll das die Frucht unserer Arbeit gewesen sein?"

Die Widersprüchlichkeit seiner Person wird gleichwohl deutlich, wenn man sich vor Augen hält, dass Wernher von Braun im militärischen Auftrag an einer Waffe arbeitete, die mit bisher unerreichter Reichweite und Geschwindigkeit eine Tonne Sprengstoff ins Ziel brachte und gegen die es keine Abwehr gab. Auch in seiner späteren Wirkungszeit in den USA stellte er sich in den Dienst der Rüstung und war wesentlich an der Entwicklung atomarer Mittelstreckenraketen wie der Redstone beteiligt.

Dora-Mittelbau


Die Serienherstellung der V2 war sehr arbeitsintensiv und es wurden Häftlinge des Konzentrationslagers Dora-Mittelbau eingesetzt. Daher wird dieser Lebensabschnitt von Brauns von vielen Historikern sehr kritisch bewertet, da er eine Verantwortlichkeit für diese Produktion schwerlich abweisen konnte. Andere werfen ihm zumindest Opportunismus vor.

So forderte er in einem Schreiben vom 12. November 1943 1.350 Arbeitskräfte an, was seinerzeit stets KZ-Häftlinge meinte. Einige Insassen des Konzentrationslagers bezeugten später zudem, ihn bei der Besichtigung der Arbeitsstätten gesehen zu haben. Braun selbst erklärte jedoch, dass er vom Elend der Zwangsarbeiter nichts wusste und für deren Einsatz nicht verantwortlich war.

Für die Anwesenheit Wernher von Brauns im Lager Dora-Mittelbau gibt es keine direkten Belege. Allerdings liegt sein Brief vom 15. August 1944 an Albin Sawatzki vor, der für die Planung und Steuerung der V2-Fabrikation Verantwortliche. Dieser belegt, dass von Braun im KZ Buchenwald selbst Häftlinge aussuchte. Auch berichtete er in einem Interview von 1969, dass die Zwangsarbeiter in einem "erbarmungswürdigen Zustand" waren, Eindrücke, die „schwer auf der Seele jedes anständigen Mannes lasten“ würden. Nach eigenen Angaben schämte er sich damals, dass solche Dinge in Deutschland möglich waren, selbst angesichts der Kriegssituation.

Im Zusammenhang mit dem Ausbau von Dora-Mittelbau und der anschließenden Fertigung der A4-Rakete nebst anderer Waffen kamen nach offizieller Zählung in den SS-Akten ca. 12.000 Zwangsarbeiter ums Leben. Der Einsatz der Waffe forderte insgesamt ca. 8.000 Opfer, hauptsächlich in der Zivilbevölkerung. Die V2 war somit die einzige Waffe, deren Produktion mehr Opfer forderte als ihr Einsatz.

V2-Einsatz und Kriegsende


Insgesamt kamen rund dreitausend V2-Raketen zum Einsatz, rund ein Drittel davon gegen London, ebenso viele gegen Antwerpen, als die Alliierten dort ihr Hauptquartier aufschlugen. Der Rest waren Fehlschüsse. Die Sprengkraft aller abgefeuerten V2-Raketen zusammen war kaum stärker als ein einziger mittlerer Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg. Die Wirkung war psychologischer Art, weil es gegen diese Waffe kein Gegenmittel gab; die militärische Bedeutung war gering.

Am 11. April 1945 besetzten US-Truppen die Produktionsstätten in Bleicherode, das Mittelwerk. Einhundert A4-Raketen wurden in die USA abtransportiert und bildeten dort die Grundlage des US-amerikanischen Raketenprogramms.

Wenige Tage vorher hatten sich die Raketenpioniere um Wernher von Braun und General Walter Dornberger nach Süden in Hotels und Kasernen in der Umgebung von Oberammergau abgesetzt, um den sowjetischen Besatzern zu entgehen. Nach der Besetzung Oberbayerns durch amerikanische Truppen kontaktierte der englischsprechende Bruder Magnus von Braun die Amerikaner, mit deren strategischem Interesse am deutschen Raketen-Know-how sie fest rechnen konnten.

Mehr als hundert Raketen-Entwickler wurden im Rahmen der „Operation Overcast“ noch 1945 in die USA verschifft. Auch Walter Dornberger vom Heereswaffenamt fand in den USA einen neuen Wirkungskreis. Von Braun leitete in Huntsville, Alabama ein Team von mehr als hundert Entwicklern für die US-Armee. Die Nazi-Vergangenheit der deutschen Techniker wurde großzügig übersehen.

Im Jahr 1947 reist Wernher von Braun nach Deutschland, um in Landshut seine Cousine Maria von Quistorp zu heiraten. Am 9. Dezember 1948 wird seine Tochter Iris Careen geboren. 1949 reist die Familie von Braun nun offiziell in die USA ein.

NASA


Dr. Wernher von Braun and Saturn IB.jpg

Von Braun wurde nun technischer Berater des US-amerikanischen Raketenprogramms. Ab 1950 arbeitete er in Huntsville (Alabama) als Leiter der Redstone-Entwicklung, einer atomaren Mittelstreckenrakete der US Army.

Seine Tochter Margrit Cecile wurde am 8. Mai 1952 geboren.
1955 wurde von Braun US-amerikanischer Staatsbürger.

Am 21. Oktober 1959 wurde er offiziell zur NASA überstellt. Kurz vorher war dort die Entscheidung zum Bau einer großen Trägerrakete, der späteren Saturn V, gefallen.

Am 2. Juni 1960 kam sein Sohn Peter Constantin zur Welt. Im selben Jahr wurde von Braun zum Direktor des Marshall Space Flight Center in Alabama ernannt, eine Position, die er bis 1970 inne hatte.

Dort war er maßgeblich an den erfolgreichen Mercury-, Gemini- und Apollo-Projekten beteiligt. Er leitete die Entwicklung der ersten Stufe der Saturn-V-Trägerrakete, die am 27. Oktober 1961 das erste Mal gezündet wurde. Sein größter Erfolg und Erfüllung langjähriger Träume aber war die bemannte Mondlandung im Jahre 1969. Sein russischer Kollege Sergei Koroljow, der Vater der sowjetischen Raumfahrt, konnte dieses Ereignis nicht mehr erleben - er war bereits 1966 gestorben.

Von 1970 bis 1972 war Wernher von Braun stellvertretender Direktor der NASA und setzte sich für eine Fortführung der Projekte ein, darunter auch für eine bemannte Mars-Mission. Enttäuscht von den starken Budgetkürzungen durch den US-Kongress verließ er 1972 die NASA und wurde Vizepräsident von Fairchild, einem Luft- und Raumfahrtkonzern.

Am 31. Dezember 1976 trat Wernher von Braun in den Ruhestand; am 16. Juni 1977 starb er an Nierenkrebs in Alexandria, Virginia.

Prof. Dr. Wernher von Braun war Dr. phil., Dr. h. c. folgender Hochschulen:

  • The University of Alabama,
  • The University of Tennesse at Chattanooga,
  • University of Pittsburgh,
  • Saint Louis University,
  • Technische Universität Berlin (1963),
  • Canisius College, Buffalo,
  • Clark Universität Worcester, Mass.,
  • Adelphi College, New York
  • Pennsylvania Military College, Philadelphia (heute: Widener University)

Die öffentliche Person


Dass Wernher von Braun in den USA rasch große Popularität erlangte, resultierte auch aus seinen Büchern und öffentlichen Auftritten. Bekannt machten ihn vor allem drei Fernseh-Produktionen Walt Disneys: Man in Space (1955), Man and the Moon (1955) und Mars and Beyond (1957). In diesen von Ward Kimball realisierten Kurzfilmen trat von Braun an der Seite Disneys auf und erläuterte seine Theorien.

Sein Buch Das Marsprojekt beeinflusste den von George Pal produzierten Science-Fiction-Film Die Eroberung des Weltalls (Conquest of Space, 1955). Und bereits 1960 wurde seine Lebensgeschichte unter dem Titel Wernher von Braun: Ich greife nach den Sternen als US-deutsche Co-Produktion mit Curd Jürgens in der Titelrolle verfilmt.

Als von Braun stetig zu einer Koryphäe der US-amerikanischen Raumfahrt aufstieg, wurde in der Öffentlichkeit und im Fernsehen gelegentlich nach seiner Vergangenheit im dritten Reich gefragt. Von Braun distanzierte sich dabei stets vom Nationalsozialismus, wies aber auch eine Mitschuld im Zweiten Weltkrieg von sich.

Der amerikanische Liedermacher Tom Lehrer widmete ihm einige scharfzüngige Verse, die den Opportunismus von Brauns aufs Korn nahmen in Eisfeld:

Once the rockets are up,
who cares where they come down,
''"That's not my department",
says Wernher von Braun.

Nach den erfolgreichen Apollo-Mondlandungen verfolgte Wernher von Braun weiter mit viel Elan weitreichende Pläne, bis zum bemannten Marsflug. Bei der NASA und auch in der amerikanischen Öffentlichkeit stieß er damit aber nicht nur auf Begeisterung. Ein Redakteur von „Reader´s Digest“ kommentierte: „Wernher von Braun möchte am liebsten weiter Geld ausgeben wie ein betrunkener Matrose“ in Eisfeld.

Schriften (Auswahl)


  • Konstruktive, theoretische und experimentelle Beiträge zu dem Problem der Flüssigkeitsrakete. Dissertation. Berlin, 1934
  • Das Marsprojekt. Studie einer interplanetarischen Expedition. Frankfurt am Main 1952
  • Across the Space Frontier (dt. Station im Weltraum, 1953; dann unter Die Eroberung des Weltraums, 1958)
  • zusammen mit Willy Ley, Fred L. Whipple: Conquest of the Moon (dt. Die Eroberung des Mondes, 1954)
  • zusammen mit Willy Ley: The Exploration of Mars (dt. Die Erforschung des Mars, 1957)
  • zusammen mit Willy Ley et al.: Start in den Weltraum. Ein Buch über Raketen, Satelliten u. Raumfahrzeuge, 1958
  • First Men to the Moon (dt. Erste Fahrt zum Mond, 1961)
  • Griff nach den Sternen. Sinn und Möglichkeiten der Weltraumfahrt. München 1962
  • Space Frontier (dt. Bemannte Raumfahrt, 1968)
  • zusammen mit Frederick I. Ordway: The Rockets' Red Glare (dt. Raketen. Vom Feuerpfeil zum Raumtransporter, 1979)

Zitate


  • Bei der Eroberung des Weltraums sind zwei Probleme zu lösen: die Schwerkraft und der Papierkrieg. Mit der Schwerkraft wären wir fertig geworden.“
  • Es ist mein Job, nie zufrieden zu sein.“
  • Fortschritt ist der Weg vom Primitiven über das Komplizierte zum Einfachen.“
  • Ich glaube, der Weltraum ist heute weniger gefährlich als die Straßen Berlins.“
  • Nichts sieht hinterher so einfach aus wie eine verwirklichte Utopie.“

Literatur


  • Johannes Weyer: Wernher von Braun. Rowohlts Monographien. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999, ISBN 3-499-50552-5
  • Rainer Eisfeld: Mondsüchtig. Wernher von Braun und die Geburt der Raumfahrt aus dem Geist der Barbarei Reinbek: Rowohlt, 1996; als TB: ebd., 2000 ISBN 3499609436
  • Ernst Stuhlinger und Frederick I. Ordway: Wernher von Braun - Aufbruch in den Weltraum. Die Biographie. Bechtle, Esslingen und München 1992, ISBN 3-7628-0515-6
  • Michael J. Neufeld : Die Rakete und das Reich. Wernher von Braun, Peenemünde und der Beginn des Raketenzeitalters (OT: The Rocket and the Reich). Henschel, Berlin 1999, ISBN 3-89487-325-6

Weblinks


Biografien

Peenemünder Zeit

White Sands Missile Range und NASA

  • * NASA Kurzbiografie, engl.
  • * NASA von Braun Story, engl.
  • Die Rakete in der Wüste. Ein Museumsbesuch an einem wirklich verlorenen Ort in der Weltgeschichte, dort, wo es begann: das nukleare Weltzeitalter Frankfurter Rundschau: 23.3.2006, Seite 23

Raketenpionier | Technikgeschichte | NSDAP-Mitglied | SS-Mitglied | Erfinder | Autor | Literatur (20. Jh.) | Literatur (Deutsch) | Literatur (Englisch) | Sachbuch (Physik)

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Geboren 1912 | Gestorben 1977

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