Werne an der Lippe ist eine
Stadt in
Nordrhein-Westfalen,
Deutschland und gehört zum
Kreis Unna. Als Teil des Kreises gehört die Stadt ebenfalls zum
Regionalverband Ruhr (RVR).
Geschichte
- 834: Werne wird erstmalig in einer Urkunde erwähnt.
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- 9. - 12. Jh.: Um die auf dem bischöflichen Haupthof gelegene Kirche siedeln sich Gewerbetreibende an. So entsteht im Laufe der Zeit innerhalb der Bauerschaft Werne das Weichbild Werne.
- 1362: Werne erhält durch seinen Landesherrn, Bischof Adolf von Münster, die Bestätigung, auf Simon-Juda einen freien Markt (Sim-Jü) abzuhalten.
- ab 1415 erhält Werne eine vollständige Befestigung mit Mauern, Toren und Türmen.
Werne_Kloster.jpg
- 1585 Der Verteidigungsgürtel von Werne wird durch eine Wallanlage verstärkt.
- 1586: Größte Feuerkatastrophe in Werne: 43 Häuser fallen den Flammen zum Opfer.
- 1629: Höhepunkt des Hexenwahns im Amt Werne. In diesem Jahr fordert die Hexenverfolgung ca. 30 Menschenleben, davon mindestens 25 in Davensberg und Umbebung sowie sechs in Capelle. In Werne selber wird Catharina Hilligenhovers als Hexe hingerichtet, ein weiterer Angeklagter stirbt im Gefängnis. Insgesamt sind ca. 60 Tote die Folge der Hexenverfolgung im Amt Werne.
- 1636/37 hält die Pest in Werne Einzug und fordert 313 Tote bei rund 1.000 Einwohnern.
- 1836: Werne bekommt eine Verwaltung nach der revidierten preußischen Städteordnung von 1831. Gleichzeitig wird aus den Gemeinden Werne-Land, Stockum, Capelle und Herbern das neue Amt Werne gebildet. Herbern wird jedoch 1846 ein selbständiges Amt.
- 1911 Eröffnung des neuen Krankenhausgebäudes an der Burgstraße.
- 1922: Auflösung des Amtes Werne. Die Landgemeinde Werne wird mit der Stadt Werne vereinigt. Stockum wird dem Amt Herbern, Capelle dem Amt Nordkirchen angegliedert.
- 1967: Beginn der umfassenden Stadtkernsanierung, die mit der offiziellen Eröffnung der Fußgängerzone im Juni 1982 größtenteils abgeschlossen ist.
- 1974 Bau des bis heute genutzten modernen Krankenhausgebäudes am Goetheweg.
- 1975: Schließung der Zeche Werne, die vor Beginn der Kohlekrise rund 4.000, zuletzt 2.000 Arbeitsplätze hatte.
- 1975: Kommunale Neugliederung mit Wirkung ab dem 1. Januar: Der Kreis Lüdinghausen wird aufgelöst. Werne wird dem Kreis Unna und dem Regierungsbezirk Arnsberg zugeordnet. Die bislang eigenständige Gemeinde Stockum wird nach Werne eingegliedert. Die Einwohnerzahl der Stadt erhöht sich durch die rund 4.000 Stockumer Neubürger auf 25.500.
- 1976: Die Stadt verliert am 19. März den Zusatz "a. d. Lippe" und heißt fortan nur noch Werne.
- 2006: Der im Jahr 1976 aufgegebene Zusatz "a. d. Lippe" wird auf Initiative der CDU erneut aufgegriffen. Für eine eventuelle Wiedereinführung des Namenszusatzes ist seitens der Stadtverwaltung ein spezielles Spendenkonto eingerichtet worden. Die eventuelle Umbenennung zu "Werne an der Lippe" soll nach positiven Signalen seitens der Stadtmarketing GmbH im Stadtrat erörtert werden.
Politik & Gesellschaft
Gemeinderat
Die Stadt Werne war auf kommunaler Ebene bis zu den Kommunalwahlen 1999 eine traditionell stark christdemokratisch geprägte Gemeinde. Aufgrund interner Streitigkeiten zwischen dem Bürgermeister Meinhard Wichmann (
CDU) und Teilen der CDU-Ratsfraktion, gefolgt von Querelen bei der Aufstellung eines neuen Bürgermeisterkandidaten, musste die CDU im Jahr 2004 deutliche Stimmenverluste hinnehmen. Hiervon konnte insbesondere die
FDP profitieren, die in Werne seit 1975 nie mehr als 3,7 % erzielte. Bei der
Bundestagswahl 2005 war die
SPD mit 41,2 % der Zweitstimmen um 3,6 Prozentpunkte stärker als die CDU.
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| Partei | Wahlergebnis 1999 (Wahlbeteiligung: 57,0 %) | Wahlergebnis 2004 (Wahlbeteiligung: 56,6 %)
| -
| Christlich Demokratische Union | 59,9 % | 39,0 %
| -
| Sozialdemokratische Partei Deutschlands | 25,8 % | 28,7 %
| -
| Freie Demokratische Partei | 1,1 % | 14,5 %
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| Unabhängige Wählergemeinschaft Werne (UWW) | 6,6 % | 8,9 %
| -
| Bündnis 90/Die Grünen | 6,5 % | 8,8 %
|
Bürgermeisterwahlen
Zu den Kommunalwahlen 2004 trat der 1999 mit 69,9 % gewählte Bürgermeister Meinhard Wichmann (CDU) nicht zur Wiederwahl an. Erstmals nach Kriegsende wurde daraufhin mit Rainer Tappe ein SPD-Politiker zum Bürgermeister der Stadt gewählt. Die Ergebnisse der Kommunalwahl 2004 fielen folgendermaßen aus:
{|
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| Bürgermeisterkandidat | 1. Wahlgang 2004 (Wahlbeteiligung: 56,6 %) | 2. Wahlgang 2004 (Wahlbeteiligung: 46,5 %)
| -
| Rainer Tappe, SPD | 31,7 % | 54,1 %
| -
| Franz Budnik, CDU | 42,7 % | 45,9 %
| -
| Christoph Dammermann, FDP | 16,4 % | --- %
| -
| Benedikt Striepens, Grüne | 9,1 % | --- %
|
Bevölkerungsentwicklung Werne.jpg der Stadt Werne von 1974 bis 2003]]
Bürgermeister seit 1945
- 2004 - heute: Rainer Tappe (SPD)
- 1997 - 2004: Meinhard Wichmann (CDU)
- 1984 - 1997: Wilhelm Lülf (CDU)
- 1958 - 1984: Franzjosef Grube (CDU)
- 1945 - 1958: Theodor Wenning (CDU)
- 1945 (1. - 16. April): Karl Brauckhoff (parteilos)
Altersstruktur_Werne.jpg der Werner Bevölkerung (Stand 31. Dezember 2003)]]
Bevölkerung
Die Einwohnerzahl der Stadt Werne (mit dem Ortsteil Stockum) stieg von 1974 bis 2003 um ca. 23 % an. Der Ausländeranteil betrug im Jahr 2003 ca. fünf Prozent. Im gleichen Jahr stellt der Ortsteil Stockum mit 4.760 Einwohnern 14,6 % der Werner Bevölkerung. Der Anteil der katholischen Bevölkerung belief sich auf 57,4 %, der Anteil der evangelischen Bevölkerung auf 25,0 %. 17,6 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensrichtung an.
Städtepartnerschaften
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr
Werne ist mit den beiden
Autobahnanschlüssen 80 (
Hamm-Bockum/Werne), in deren Nähe der
Autohof Werne liegt, und 81 (
Hamm/
Bergkamen in Hamm-Sandbochum) der
BAB 1 an das deutsche
Autobahnnetz angebunden. Neben der Nord-Süd-Verbindung über die BAB 1 ermöglicht die Nähe zum
Kamener Kreuz ebenfalls eine schnelle Ost-West-Verbindung über die
BAB 2.
Durch Werne führt weiterhin die B 54, die Gronau mit Wiesbaden verbindet. Die B 233 verläuft bis nach Iserlohn und endet an der B 54 in Werne.
Der im Jahr 2005 renovierte historische Bahnhof mit Anschluss an die Strecke Münster - Lünen - Dortmund sichert die Erreichbarkeit der Eisenbahnknotenpunkte Dortmund und Münster in jeweils ca. einer halben Stunde. Der Anschluss an den Eisenbahnknoten Hamm ist durch die Buslinien S 10 (Schnellbuslinie) und R 14 gesichert. Dadurch ist Werne ebenfalls gut an das deutsche Fernverkehrsnetz angebunden. Bis 1985 gab es noch den Haltepunkt Werne Ost der Werne-Bockum-Höveler-Eisenbahn. Er lag in der Nähe der Zeche Werne 1/2. Dort verkehrte ein Güterzug mit Personenbeförderung. Das bedeutet, dass an einen Güterzug ein kleiner Personenwagen angehängt wurde. Der Zug fuhr regelmäßig nach Bockum-Hövel mit dem einzigen Unterwegshalt in Stockum.
Die Anbindung an die umliegenden Städte und Gemeinden ist durch die verschiedenen Schnell- (S 10 nach Hamm und Lünen und S 80 über Bergkamen und Kamen nach Unna) und Regionalbuslinien gegeben. Das Herzstück der Busverbindungen ist der 2004 neu erbaute Busbahnhof. Dort treffen sich die meisten der Werne kreuzenden Linien.
Über den ca. 20 km entfernten Flughafen Dortmund bei Holzwickede sowie den ca. 60 km entfernten Flughafen Münster/Osnabrück bei Greven (Westfalen) können auch weiter entfernte Ziele zügig erreicht werden.
Bedeutende Unternehmen
- AB Elektronik GmbH
- ALF Fahrzeugbau GmbH & Co. KG
- Bast KG, Bettenzubehör
- Albert Böcker GmbH & Co. KG; Kran- und Aufzugstechnik
- E.ON Ruhrgas AG Verdichterstation Werne
- Hörmann KG; Türen, Tore, Zargen
- Icopal GmbH, Elastomerbitumen
- IKEA Lager und Service GmbH
- Klingele Papierwerke GmbH & Co. KG, Wellpappenwerk
- RCS Rohstoffverwertung und Container-Service GmbH
- RWE Power AG, Kraftwerk Gersteinwerk
- Strothmann, Logistik Zentrum Werne
- Tecklenborg GmbH & Co. KG/Dipl.-Ing. Tecklenborg GmbH; Baumaschinen, LKW-Aufbauten, Gabelstapler, Fördertechnik
- UNIFERM GmbH & Co. KG; Bäckerei-Rohstoffe (hervorgegangen aus der Brennerei/Brauerei Moormann von 1737)
Gesundheitseinrichtungen
Bildung und Kultur
Schulen und Bildungseinrichtungen
- Gymnasium St. Christophorus, von den Arnsteiner Patres gegründetes Privatgymnasium des Bistums Münster
- Anne-Frank-Gymnasium, städtisches Gymnasium
- Freiherr-vom-Stein Berufskolleg
- Konrad-Adenauer-Realschule
- Marienschule, städtische Hauptschule
- Fürstenhofschule, städtische Hauptschule
- Barbara-Schule, Schule für Lernbehinderte
- Kardinal-von-Galen-Schule, katholische Grundschule
- Uhlandschule, katholische Grundschule
- Weihbachschule, katholische Grundschule
- Wiehagenschule, katholische Grundschule
- Wienbredeschule, Gemeinschaftsgrundschule (auch offene Ganztagsschule)
- Familienbildungsstätte Werne
- Volkshochschule Werne
- Stadtbücherei Werne
Bühnen
Museen
- Karl-Pollender-Stadtmuseum
Stadtarchiv Werne
Vereine
Tourismus
Neben der
Altstadt von Werne mit ihrem
historischen Stadtkern, dem alten
Rathaus und den
mittelalterlichen Fachwerkhäusern ist besonders das überregional bekannte
Solebad sowie das benachbarte
Gradierwerk über das ganze Jahr Anziehungspunkt für auswärtige Besucher. Ebenfalls können das
Kapuziner-Kloster, die
Pfarrkirche St. Christophorus sowie das sogenannte Steinhaus zu den sehenswertesten Gebäuden der Stadt gezählt werden.
Das Volksfest
Sim-Jü lockt einmal im Jahr mehrere hunderttausend Menschen in die Stadt. Für die umliegenden Gemeinden ist ebenfalls der Werner
Karnevalsumzug am
Rosenmontag sowie der jeweils am zweiten Samstag im September stattfindende große
Flohmarkt alljährlich eine Attraktion.
Radtouristen erreichen Werne über die Römerroute, die von Xanten entlang der Lippe bis zum Hermannsdenkmal bei Detmold führt.
Das Karl-Pollender-Museum und die Freilichtbühne Werne runden das touristische Angebot Wernes ab
Persönlichkeiten
Ehrenbürger
- Hermann Westermann (* 1905 in Werne, Bischof der Diözese Rourkela, Indien)
- Antonie Jüngst, Schriftstellerin (* 1843 in Werne, † 1918)
Persönlichkeiten der Stadt
- Gabriele Behler, ehemalige Ministerin des Landes NRW (* 1951 in Werne)
- Gerd Böttcher, Schlagersänger (* 1936 in Berlin, † 1985 in Dortmund)
- Ludger Burmann, Schauspieler (* 1952 in Werne)
- Antonie Jüngst, Schriftstellerin (* 1843 in Werne, † 1918)
- Thomas Kausch, Journalist und Reporter, Leiter des Informationsbereichs von SAT.1 (* 1963 in Werne)
- Hans-Martin Linde, Musiker und Komponist (* 1930 in Werne)
- Franz Arnold Melchers, Weihbischof in Münster (* 1765 in Werne, † 1851 in Münster)
- Albert von Maybach, Minister für öffentliche Arbeiten unter Otto von Bismarck (* 1822 in Werne, † 1904 in Charlottenburg)
- Lars Müller, deutscher Fußballspieler (* 1976 in Werne)
- Ambrosius von Oelde, Kapuzinermönch und Architekt (* zwischen 1630 und 1640, † 1705 in Werne)
- Thomas Schürmann, TV-Moderator (* 1975 in Werne)
- Dietrich Schwanitz, deutscher Literaturprofessor und Autor ( * 1940 in Werne, † 2004 in Freiburg im Breisgau)
Literatur
Zeitgenössisch
- Karl Everz u. Heidelore Fertig-Möller: Damals in Werne an der Lippe, 2005, 83 Seiten, Ed. Werina Beckmann, ISBN 3-910143-96-2
- Rainer Schulz: 625 Jahre Simon-Juda-Markt Werne, 1987, 226 Seiten, Sim-Jü-Verl. Schulz, ISBN 3-9801437-0-8
- Peter Voß: Werner Lesebuch, gesammelte Geschichte(n) über die Stadt Werne und das südliche Münsterland, 1995, 95 Seiten, Regio-Verlag, Werne, ISBN 3-929158-04-3
Historisch
- Julius Schwieters: Die Bauernhöfe des östlichen Theiles des Kreises Lüdinghausen: in den Pfarren Werne, Hövel, Bockum, Walstedde, Drensteinfurt, Herbern, Ascheberg, Nordkirchen, Südkirchen / geschichtlich und topographisch behandelt von J. Schwieters, 1888, 436 Seiten, Aschendorff-Verlag, Münster (Nachdruck 1988, 4. Aufl., ISBN 3-402-05706-9)
- Brüggemann, Franz und Spithöver, Bernard: Die Stadt Werne oder Historische Nachrichten und Mittheilungen aus der Stadt-Chronik, 1880, 128 Seiten, Verlag Kroes (Bestand: Universitätsbibliothek Münster)
- Borggreve, F. A.: Die bei Werne in der Lippe gefundenen Alterthüwer, 1869, S. 310 - 334, Münster (Bestand: Stadtbibliothek Essen)
- Außführlicher und Warhaffter Bericht Der Stadt Werne: Was gestalt Die Herrn Graven von Trautmanstorff und Styrumb in Aprili/ 1674. Jahrs ... ohne Ordre/ und dazu gegebener Ursach/ gemelte Stadt Werne/ und andere des Stiffts unnd Fürstenthumbs Münster Kirspele/ und Wigbolden feindlich überfallen/ und darin Barbarischer weise gehauset/ geraubet und geplündert, 1674 (1, 2)
Weblinks
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