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Werkstattfertigung beschreibt im Rahmen der Fertigungssteuerung eine Fertigungsablaufart, bei der die einzelnen Bereiche nach dort durchgeführter Tätigkeit strukturiert sind, unabhängig davon, für welche Produkte oder an welcher Stelle im Produktentstehungsprozess die Tätigkeit benötigt wird. In einer Werkstattfertigung findet man daher typischerweise eine "Schweißerei", eine "Stanzerei", eine "Dreherei" etc. Der wichtigste Vorteil der Werkstattfertigung liegt in der hohen Flexibilität im Hinblick auf die Kundenwünsche. Nachteilig sind v.a. die hohen Durchlaufzeiten der Produkte, sowie die geringe Produktivität.

Beschreibung


Durch eine kundenindividuelle Fertigung wird die Möglichkeit geboten das Produkt nach den persönlichen Wünschen des Kunden zu spezifizieren. Somit stellt die kundenindividuelle Fertigung den Gegensatz zur standardisierten Fertigung dar, bei der die Produkte am Markt angeboten werden ohne vom Kunden vorher spezifiziert worden zu sein.

Die kundenindividuelle Fertigung erfolgt in der Regel

  • rein kundenauftragsbezogen (=Auftragsfertigung) und in
  • Form der Einzelfertigung oder Kleinserienfertigung.

Bei der Auftragsfertigung werden sämtliche mit der Produktion im Zusammenhang stehenden Tätigkeiten erst bei Vorliegen eines Kundenauftrags ausgelöst. Die genaue Spezifikation des Endprodukts ist erst mit Eingang des Kundenauftrags gegeben, eine Lagerfertigung daher meist unmöglich. Es liegen in der Regel nur Lösungskonzepte für die Produktgestaltung vor, d.h. also, dass nach Auftragserhalt noch weitere Konstruktionstätigkeiten wie Entwerfen oder Ausarbeiten notwendig sind. Dadurch kommt es bei der rein kundenauftragsbezogenen Fertigung zu langen Lieferzeiten.

Bei der Einzelfertigung wird jedes Produkt entsprechend den Kundenanforderungen einzeln gefertigt. Bei der Kleinserienfertigung wird ein Produkt in einer Serie mit bis zu 20 Stück gefertigt - die Produkte einer Serie sind demnach homogen. Charakteristisch für diese beiden Formen der Fertigung sind die

  • häufige Umrüstung der Maschinen
  • die hohe Teilevielfalt und
  • die vielen Arbeitsgänge.
Bei der kundenauftragsbezogenen Einzel- oder Kleinserienfertigung wird ein hohes Maß an Flexibilität gefordert, da die Fertigung ständig mit sich ändernden Produktionsprogrammen und neuen Produkten konfrontiert ist. Daher ist die grundsätzlich vorteilhafte Anordnung der Arbeitsplätze nach dem für die Fließfertigung typischen Objektprinzip, bei dem die erforderlichen Arbeitsplätze zur Fertigung eine Produkts räumlich entsprechend der Folge des Arbeitsablaufs angeordnet sind um einen durchgehenden Materialfluss zu sichern, kaum realisierbar. Bei der Werkstattfertigung erfolgt die Anordnung der Arbeitsplätze nach dem Verrichtungsprinzip, wobei gleiche oder zumindest ähnliche Verrichtungen (Bsp. Fräsarbeiten) räumlich zu einer Werkstätte (der Fräserei) zusammengefasst werden.

Bei der Fertigung muss das Produkt mehrere Werkstätten durchlaufen, wodurch ein komplexer Materialfluss entsteht. Die einzelnen Werkstätten können durch ein PPS-System koordiniert werden, mit dem dafür gesorgt wird, dass etwa die benötigten Teile termingerecht zur Verfügung stehen, die einzelnen Werkstätten und Arbeitsplätze kapazitätsmäßig aufeinander abgestimmt oder die Liefertermine eingehalten werden.

Vorteil Flexibilität


Flexibilität bringt die Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Situationen zum Ausdruck. Produktionsflexibilität ist ein Maß dafür, wie schnell und in welchem Ausmaß sich ein Betrieb im Bereich Produktion an geänderte Situationen, vor allem an geänderte Kundenwünsche, anpassen kann.

Die Mitarbeiter einer Werkstätte müssen ein breites Aufgabenspektrum bewältigen. Sie sind vielseitig ausgebildet und müssen, wie auch die Maschinen, vielseitg einsetzbar sein. Eventuelle Beschäftigungsschwankungen können durch Anpassungsmaßnahmen wie Überstunden, Zusatzschichten oder Inbetriebnahme von Reservemaschinen ausgeglichen werden. Krankenstände, Urlaub oder Maschinenausfälle lassen sich durch kurzfristige Umdispositionen auf Ausweicharbeitsplätze überbrücken. Die Produktion ist umso flexibler, je mehr Möglichkeiten und Wege einem zu produzierenden Teil beim Durchlaufen der Fertigung zur Verfügung stehen. Puffer in Form von Lagerbeständen zwischen den einzelnen Arbeitsplätzen dienen zum Ausgleich von unterschiedlichen Bearbeitungszeiten an zwei aufeinanderfolgenden Werkstätten und verhindern das Übergreifen von Störungen.

Nachteil geringe Produktivität


Der Materialfluss bei der Werkstattfertigung ist durch eine
  • hohe Anzahl an Transporten und
  • durch lange Wegstrecken gekennzeichnet,
  • wodurch lange Transportzeiten entstehen.

Aufgrund der Werkstattbestände kommt es zu langen Liegezeiten (oft 85% der Durchlaufzeit) der Teile. Da der Wiederholungsgrad identer bzw. ähnlicher Arbeitsvorgänge gering ist, dauern die Bearbeitungszeiten im Gegensatz zur Fließfertigung länger.

Weiters ist die Werkstattfertigung durch

  • hohe Umrüsthäufigkeit und
  • einer hohen Anzahl an Arbeitsplätzen, die durchlaufen werden müssen und wo jedes Mal wieder Transport-, Liege- und Rüstzeiten anfallen,

gekennzeichnet.

Daraus folgend ist die Werkstattfertigung aufgrund all der erwähnten Punkte durch lange Durchlaufzeiten und eine geringe Produktivität charakterisiert.

Literatur


  • Dorninger, Christian: Kundenindividuelle Fertigung: Moderne Techniken und Organisationsformen zur Produktionsplanung und -steuerung, Wien, 1991, ISBN 3851222997

Produktionswirtschaft | Produktionstechnik

 

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