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Als Wembley-Tor wird im Fußball ein Lattentreffer bezeichnet, bei dem der Ball von der Unterkante der Torlatte nach unten springt und dabei die Torlinie entweder nicht oder nur sehr knapp überschreitet und anschließend wieder ins Spielfeld springt. Nach derartigen Spielszenen ist es oft umstritten, ob der Ball im Tor war oder nicht.

Entstanden ist der Begriff durch den Treffer von Geoff Hurst zum 3:2 im WM-Endspiel von 1966 zwischen England und Deutschland im Londoner Wembley-Stadion am 30. Juli 1966, als Hurst den deutschen Torhüter Hans Tilkowski überwand und der Schweizer Schiedsrichter Gottfried Dienst nach Rücksprache mit dem sowjetischen Linienrichter Tofik Bachramow auf Tor entschied. Die Kommunikation erfolgte nur mittels Zeichensprache, da Bachramow nur Russisch und Azeri sprach, und die beiden Schiedsrichter so keine gemeinsame Sprache zur Verständigung hatten. Abgesehen davon war die Wahl gerade eines Sowjetbürgers für diese Aufgabe unglücklich, denn Deutschland hatte die UdSSR im Halbfinale geschlagen. Zudem war ein erneuter westdeutscher WM-Erfolg, fünf Jahre nach dem Mauerbau, im Ostblock sicherlich nicht besonders willkommen.

Es war lange noch unklar, ob der Ball hinter der Torlinie war oder nicht. Aufgrund von Fotos und Filmaufnahmen ist jedoch inzwischen bewiesen, dass der Ball auf der Torlinie aufsprang, da man hochgeschleuderten Kalk der Torlinie sehen kann. Eine Aufbereitung eines 35mm-Films, der während des Spiels 1966 aufgenommen wurde, beweist mittlerweile, dass der Ball weder während des Auftreffens an die Latte noch während seiner Flugphase mit vollem Umfang die Torlinie überschritten hat. Die Kameraposition, die diese Bilder aufgenommen hatte, befand sich fast auf Höhe der Torauslinie, so dass zu erkennen ist, dass der Ball den kürzesten Weg zwischen Torlatte und Linie genommen hatte und auf dieser aufsprang. Diese Erkenntnisse wurden im Mai 2006 veröffentlicht.

Die FIFA erklärte später, dass das Tor irregulär gewesen sei. Der Linienrichter räumte ein, gar nicht genau gesehen zu haben, ob der Ball im Tor war; er habe aber aus der Reaktion der Beteiligten (Jubel der Engländer, Zurückhaltung der Deutschen) den Schluss gezogen, dass ein Tor gefallen sein musste. Dies stimmt jedoch nicht mit seinen Memoiren überein: Dort schrieb er, er sei vollkommen überzeugt gewesen, dass der Ball hinter der Linie war, da er das Netz berührte. Das Auftreffen des Balles auf den Boden habe er nicht gesehen, da er sich auf die jubelnden Engländer konzentriert habe. Eine Netzberührung des Balles dürfte jedoch die Exklusivmeinung von Bachramov sein, selbst in England wurde diese Variante nie diskutiert. Auch die Fernsehaufnahmen zeigen deutlich das Gegenteil.

Direkt nach dem Auftreffen des Balles auf den Boden drehte der englische Stürmer Roger Hunt jubelnd ab; danach wurde der Ball von Wolfgang Weber über das Tor ins Aus geköpft. Hunt hätte jegliche Diskussionen vermeiden können, wenn er stehengeblieben wäre und den Ball ins Tor geköpft hätte. Er stand am günstigsten zum Ball, Torwart Tilkowski war geschlagen und hätte nicht eingreifen können.

Bundespräsident Heinrich Lübke handelte sich breite Kritik in der Öffentlichkeit ein, als er nach der WM 1966 sagte: „Der Ball war drin.“

In England wurde dieses Tor weit weniger als in Deutschland diskutiert, der Begriff Wembley-Tor beziehungsweise Wembley Goal wird dort im Sprachgebrauch nicht verwendet. Man spricht dort vom "dritten Tor".

Für das Ergebnis des Spiels ist das Tor insofern von Bedeutung, als Deutschland nach dem Tor seine Abwehr öffnete und dann noch in den Schlusssekunden ein weiteres irreguläres Tor (es befanden sich schon Zuschauer auf dem Spielfeld) einfing, so dass der Endstand letztendlich 2:4 lautete.

Vergleichbare Tore


Ein ähnliches Tor bei einer Weltmeisterschaft gab es 1986 im Vorrundenspiel zwischen Brasilien und Spanien. In der 60. Spielminute prallte beim Stand von 0:0 ein Schuß aus ca. 25 m Entfernung an die Unterkante der Latte des brasilianischen Tores, von dort knapp hinter die Torlinie und wieder in das Spielfeld zurück. Obwohl diesmal der Ball eindeutig vollumfänglich die Torlinie überschritten hatte, wurde dieses Tor nicht anerkannt. Anstelle 1:0 für Spanien hieß es weiterhin 0:0 - in der 70. Spielminute erzielte dann Brasilien das 1:0 und gewann das Spiel.

Das Elfmetertor von von Zinédine Zidane im Finale der WM 2006 erinnerte ebenfalls an das Wembley-Tor. Der für einen Elfmeter sehr mutig gelüpfte Ball prallte gegen die Latte und kam dann deutlich hinter der Torlinie auf, sprang dann aber wieder hinaus. Das Tor wurde gegeben.

Dagegen wurde im Achtelfinalspiel des DFB-Pokals 2006 zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und FSV Mainz 05 im Elfmeterschießen ein Tor nicht anerkannt obwohl der Ball hinter der Linie war, Kaiserslautern schied dadurch aus.

Weblinks


Besonderes Fußballspiel | 1966 | Fußball-Weltmeisterschaft 1966

1966 FIFA World Cup Final

 

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