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Als Weltstadt werden Städte von überragender globaler Bedeutung bezeichnet. Im Gegensatz zum teilweise synonym verwandten Begriff Metropole, der auch in Bezug auf eine bestimmte Region oder Funktion benutzt werden kann, ist hier das gesamte Städtesystem der Erde der Bezugs- und Vergleichsrahmen.
Faktoren
Eine Weltstadt besitzt oder besaß zentrale Bedeutung für große Teile der Welt, auf politischem, wirtschaftlichem oder kulturellem Gebiet:
- Weltstädte im politischen Sinne sind und waren die Machtzentren der großen Weltreiche, wie etwa Babylon, Rom, Konstantinopel, Bagdad, London, Moskau oder Washington (D.C.). Rom gilt als Prototyp einer Weltstadt, da während der Blütezeit des Römischen Reichs von dieser Stadt aus fast die gesamte bekannte Welt regiert wurde. New York als Sitz der wichtigsten internationalen Institution kann, mit Einschränkungen, auch als ein globales politisches Zentrum angesehen werden.
- Weltstädte im wirtschaftlichen Sinne sind vor allem die globalen Finanzzentren. Die drei relevanten Wirtschaftsregionen der Ersten Welt (Ostasien, Europa, Nordamerika) haben hier jeweils eine führende Metropole herausgebildet (Tokio, London und New York, siehe hierzu Saskia Sassens Global City-Theorie). Ergänzende Finanzzentren mit immer noch überragender internationaler Bedeutung sind Hongkong, Shanghai, Taipeh, Singapur und Sydney im pazifischen Raum; Frankfurt am Main, Paris, Mailand, Madrid und Zürich in Europa sowie Chicago und Toronto in Nordamerika. Auch in wirtschaftlichen Schwellenländern haben sich wichtige Finanzzentren entwickelt, deren Handelsvolumen aber noch nicht an die etablierten Metropolen herankommt, etwa Mumbai (Bombay), Moskau, Istanbul, Mexiko-Stadt oder São Paulo. Aufgrund der großen wechselseitigen Verflechtung der Weltwirtschaft sind die Finanzmetropolen meist auch bedeutende Verkehrsknotenpunkte, vor allem im Flugverkehr.
- Weltstädte im kulturellen Sinne sind wesentlich schwerer objektiv zu identifizieren, da es keine quantifizierbaren Indikatoren gibt (wie Regierungs- oder Konzernsitze, Fluggastzahlen oder das Handelsvolumen der Wertpapierbörse). Kulturmetropolen haben z.B. zentrale Funktionen für das Verbreitungsgebiet einer Weltsprache (London, New York und Los Angeles für große Teile der „Ersten Welt”, Mexiko-Stadt, Buenos Aires und Madrid für Lateinamerika, Paris für große Teile Afrikas, Kairo für die arabische Welt). Weltstädte mit kulturellem Schwerpunkt sind Anziehungspunkt für Künstler und Kulturschaffende, Standort wichtiger Institutionen (Museen, Theater u.a.) von überragender Bedeutung oder Wegbereiter kultureller Entwicklungen. Im europäischen Bereich sind dies Städte wie London, Paris, Moskau, St. Petersburg, Berlin, Wien oder Barcelona, außerhalb Europas z.B. San Francisco, Rio de Janeiro oder Sydney.
Erkennungskriterien
Ein einfaches Erkennungskriterium für eine Weltstadt ist, dass ihr Name überall auf der Welt ohne zusätzliche Nennung des Landes notwendig ist. So kann man Rom oder Paris im Gespräch erwähnen, ohne hinzufügen zu müssen, dass es sich um Städte in Italien oder Frankreich handelt.
Eine Studiengruppe der Loughborough Universität in Großbritannien hat versucht, statistisch erfassbare Kriterien für die Bedeutung einer Stadt zusammenzustellen und unter anderem auch mehrere Dutzend ähnlicher Studien ausgewertet. „world city” oder „global city” werden allerdings im Englischen weniger häufig gebraucht, um die Bedeutung einer Stadt hervorzuheben, als „Weltstadt” im Deutschen, und die englischen Begriffe beziehen sich außerdem mehr auf die Internationalität (viele Kulturen und Verbindungen mit anderen Ländern) einer Stadt als auf ihre internationale Bedeutung.
Die Studie der Globalization and World Cities Study Group & Network (GaWC) listet Weltstädte im wirtschaftlichen Sinne anhand ihrer Bedeutung für "advanced producer services" (Buchhaltung, Werbung, Bankwesen und Anwaltskanzleien) auf.
Alpha-Weltstädte
Beta-Weltstädte
Gamma-Weltstädte
- 4 Punkte: Atlanta, Barcelona, Berlin, Buenos Aires, Budapest, Kopenhagen, Hamburg, Istanbul, Kuala Lumpur, Manila, Miami, Minneapolis, München, Shanghai
Eine schematische Weltkarte der Städte gibt es auf der Homepage* zu sehen, wo klar zu erkennen ist, dass die große Mehrheit der Städte sich in der nördlichen Hemisphäre befinden. Die Rangordnung der Studie ist etwas subjektiv, die Top-4-Städte werden aber regelmäßig als wahre Weltstädte anerkannt. Auf der Karte werden Santiago und Caracas erwähnt, aber das bekanntere Rio de Janeiro fehlt.
Begriffsabgrenzung
Unterschied zur Millionenstadt
Alle genannten Kriterien werden durch eine hohe
Einwohnerzahl begünstigt, so dass viele Weltstädte gleichzeitig auch
Millionenstädte sind, aber nicht sein müssen. Weltstädte mit weniger als einer Million Einwohner sind beispielsweise Frankfurt, San Francisco, Jerusalem, Florenz oder Amsterdam. Auch
Venedig mit nur 150.000 Einwohnern würden sicher viele als Weltstadt zählen – sowie manche andere Stadt, die zum
Weltkulturerbe zählt.
Umgekehrt ist beileibe nicht jede Millionenstadt eine Weltstadt. Gerade in den Entwicklungsländern gibt es viele Metropolen, die einfach durch die Bevölkerungsexplosion zur Millionenstadt „aufgeblasen“ wurden, obwohl ihnen teilweise eine funktionierende Infrastruktur fehlt, beispielsweise Lagos in Nigeria mit über 10 Millionen Einwohnern. Auch nicht zu den Weltstädten zählen die Mega-Vororte von Weltstädten in Asien oder Amerika, die es als Schlafstadt zu über einer Million Einwohner gebracht haben, deren Bewohner sich aber vorwiegend an der zentralen Metropole orientieren. Beispiele dafür sind Yokohama (3,5 Mio. Ew., Vorort von Tokio), oder Netzahualcóyotl (2 Mio. Ew., Vorort Mexiko-Stadts).
Unterschied zur Global City
In der
Anthropogeographie wird häufig der Begriff der
Global City benutzt. Hier wird er eher als globales wirtschaftliches Zentrum verstanden. Die Weltstadt hingegen wird als ein traditionell politisch-kulturelles,
kosmopolitisches Zentrum von weltweiter Bedeutung gesehen. Beide Stadttypen schließen sich nicht gegenseitig aus, Städte sind oftmals beides. Die richtige Übersetzung des Begriffs Weltstadt im Englischen lautet daher
cosmopolitan city.
Unterschied zur Metropole
Im allgemeinen ist der Einflussbereich einer
Metropole eher regional zu verstehen. Vom
Begriff her bedeutet Metropole Mutterstadt und teilweise wird der Begriff immer noch dementsprechend verstanden. Frankfurt am Main wird häufig Finanz-Metropole genannt, obwohl damit eigentlich Finanz-Weltstadt gemeint ist. In der Regel wird durch ein Beiwort erklärt, auf welche Region sich der Metropolcharakter bezieht (zum Beispiel die
Ostsee-Metropole
Rostock).
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Weltstädte im deutschsprachigen Raum
Weltstädte in Deutschland
Allgemein bekannte Weltstädte in Deutschland sind Hamburg (gewachsen aus seiner Bekanntheit als wichtiger Seehafen), Berlin (als historisches Zentrum Deutschlands in der Neuzeit) und Frankfurt am Main (aufgrund seiner Bedeutung als Finanz- und Handelszentrum).
Die GaWC-Studie nennt folgende Weltstädte in Deutschland:
- Weltstadt
- „Europäische Weltstadt“ (Städte mit wenigen Teileigenschaften)
Weltstädte in Österreich
Weltstädte in der Schweiz
Siehe auch
Weblinks
Stadt
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