Als Weltsprachen werden Sprachen bezeichnet, die weltweit von vielen Menschen verstanden werden. Seit dem Zweiten Weltkrieg ist die englische Sprache die bedeutendste Weltsprache. Da die Übergänge von Weltsprachen zu Verkehrssprachen fließend sind, werden weiter verbreitete Verkehrssprachen oft auch als Weltsprachen bezeichnet.
Die Grafiken zeigen die Verbreitung der einzelnen Weltsprachen.
Eine Weltsprache zeichnet sich vor allem durch folgende Merkmale aus:
Nicht relevant dagegen ist, in wie vielen Staaten eine Weltsprache Amtssprache ist. Französisch war die wichtigste Weltsprache bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein, aber Amtssprache nur in fünf Ländern (Frankreich, Schweiz, Belgien, Luxemburg, Kanada).
Eine lingua franca muss im Gegensatz zur Weltsprache nur regionale Bedeutung über Sprachgrenzen hinweg haben; daher ist jede Weltsprache auch eine (weltweite) lingua franca, aber nicht jede lingua franca eine Weltsprache.
Nach den Regeln des Kommunikativen Netzwerkes moderner Sprachen zeichnen sich Weltsprachen dadurch aus, dass
Als Weltsprachen werden demnach heute gemeinhin angesehen (in Klammern die Summe der Primär- und Zweitsprachler, Stand 1997):
Die Sprecherzahl der Muttersprachler allein garantiert nicht den Status als Weltsprache. Chinesisch hat mehr Muttersprachler als Englisch Mutter- und Fremdsprachler zusammengenommen, aber hat kaum Zweitsprachler und ist somit keine Weltsprache. Auch Hindi hat mehr Muttersprachler als Englisch, aber ist nur regionale lingua franca in Südasien.
Arabisch und Portugiesisch wiederum sind Sprachen mit großer Sprecherzahl, die aber jeweils auf einen bestimmten Kulturkreis beschränkt sind und außerdem außerhalb der Kulturkreise wenig in internationalen Situationen als Verkehrssprache dienen.
Weltsprachen entstanden bisher nicht durch friedlichen Beschluss der Völker. Alle Weltsprachen der modernen Zeit sind ehemalige Kolonialsprachen, die ihre Verbreitung auf anderen Kontinenten vor allem oft brutaler Kolonisation verdanken. Im Grunde hat der Besitz eines großen Kolonialreichs allen Kolonialmächten des 19. und 20. Jahrhunderts fast schon automatisch den Aufstieg ihrer Nationalsprache zur Weltsprache garantiert. Die einzige moderne Ausnahme ist die niederländische Sprache, da die Niederlande in ihrer riesigen Kolonie Indonesien als große Ausnahme eine auf den lokalen Dialekten aufbauende Kunstsprache, Bahasa Indonesia einführten.
In einer umgekehrten Entwicklung verlor Deutsch, das seit etwa 1860 fast neunzig Jahre lang die dominierende Weltsprache in Wissenschaft und Kunst war, diesen Status nicht durch die abnehmende Bedeutung der deutschen Wissenschaftler, sondern durch die Niederlage in den zwei Weltkriegen. Allerdings ist Deutsch weiter auf dem Weg nach Oben. Unter anderem verdrängte es Französisch auf den dritten Platz und ist somit in Europa auf dem zweiten Platz nach Englisch. Auch nach der Lage der Weltwirtschaft gewinnt Deutsch als Zweitsprache immer mehr an Bedeutung.
So schwingt in dem Begriff Weltsprache ein gewisser imperialer Anspruch mit, der von Sprechern kleinerer Sprachen als negativ empfunden werden kann. Selbst bei Griechisch, der Weltsprache der klassischen Antike, ist dies der Fall, deren Ausbreitung sich vor allem durch den Feldzug Alexanders des Großen begründete.
In der Antike erhoben vor allem das Griechische, das Lateinische und davor noch das Reichs-Aramäische den Anspruch, Weltsprachen zu sein.
Die Möglichkeit, Plansprachen wie beispielsweise Esperanto als Weltsprachen oder bedeutende Verkehrssprachen zu etablieren, wurde bisher von der Politik nicht ernsthaft geprüft.
Es gibt einige Sprachen mit vergleichsweise wenigen Sprechern und einer geringen geografischen Verbreitung, die aber als traditionsreiche Standard- und Ausbausprachen den so genannten Weltsprachen keineswegs unterlegen sind, zum Beispiel:
Vergleiche dazu auch: Sprachen der Vereinten Nationen
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