Eine Weltrevolution ist, nach marxistischer Auffassung, eine solche Revolution, die aus der nationalen Revolution erwachsen und auf der ganzen Welt zum Sozialismus führen soll.
Schon Karl Marx und Friedrich Engels waren der Meinung, dass der Sozialismus unter internationalen Gesichtspunkten verwirklicht werden muss: "Die Emanzipation der Arbeiterklasse (ist) weder eine lokale, noch eine nationale, sondern eine soziale Aufgabe" (Marx, Gründungserklärung der Internationalen Arbeiterassoziation).
Marx bekanntestes Werk, das "Kommunistische Manifest", endet mit den Zeilen: "Proletarier aller Länder vereinigt euch!". Unter Lenin wurde der Gedanke der Weltrevolution noch als Leitidee angesehen, und so wurde im März 1919 die Dritte, die Kommunistische Internationale (Komintern) gegründet. Die Aufgabe dieser Organisation war, die noch nicht vereinte und siegreiche, aber immerhin existierende Weltrevolution der Jahre 1917-1926 um jeden Preis zu unterstützen: "Aus den dargelegten Grundsätzen folgt, daß die gegenseitige Annäherung der Proletarier und werktätigen Massen aller Nationen und Länder zum gemeinsamen revolutionären Kampf für den Sturz der Gutsbesitzer und der Bourgeoisie zum Eckstein der gesamten Politik der Komintern in der nationalen und kolonialen Frage gemacht werden muß." (Lenin, Ursprünglicher Entwurf der Thesen zur nationalen und kolonialen Frage).
Stalin, der wie seine Nachfolger die Rolle des Oberhauptes einer totalitären Bürokratie spielte, verwarf zugunsten des status quo die Notwendigkeit der Weltrevolution, und ließ auch keine Gelegenheit aus, dies den verbündeten "Friedensfreunden" zu versichern, wie man einem Interview (Scripps-Howard Newspapers, Ausgabe des 1. März 1936) mit dem amerikanischen Journalisten Roy Howard entnehmen kann. Während dieser Unterhaltung spielte sich in etwa folgende Szene ab:
"Wie steht es mit den Plänen und Absichten in Bezug auf die Weltrevolution?", so die Frage Howards. Darauf behauptete Stalin: "Solche Pläne und Absichten hatten wir niemals". Auf die perplexe Stammelei "Ja, aber..." Howards antworte der Sowjetdiktator, alles sei "die Folge eines tragischen Missverständnisses", worauf Howard, der sich nun wieder einigermaßen gefangen hatte, "Eines tragischen Missverständnisses?" nachhakte. Nach einer nun folgenden, leicht spitzfindigen und hier irrelevanten Erörterung, die mit dem Ergebnis endete, dass das Vermuten von Plänen einer Weltrevolution bei der sowjetischen Führung ein tragikomisches Missverständnis sei, fuhr Stalin fort, zu dozieren: „Export der Revolution – das ist Unsinn. Jedes Land führt seine Revolution selbst durch, wenn es so will, wenn es aber nicht will, so wird es keine Revolution geben. Unser Land zum Beispiel wollte die Revolution durchführen und hat sie durchgeführt.“
Die Ähnlichkeit des Konzeptes der marxistischen "Weltrevolution" mit den Zielrichtungen etlicher Weltreligionen (des Christentums, des Islams), (prinzipiell) alle Menschen in einen für die gesamte Menschheit optimalen Zustand zu versetzen (sie zu "erlösen"), hat dem Konzept die Kritik eingetragen (z. B. von Eric Voegelin), eine verhohlen religiöse Botschaft und keine wissenschaftliche Voraussage oder Möglichkeit zu sein. (Vgl. auch Chiliasmus.) Direkte Kritiker der Weltrevolution warfen dem Postulat meist vor, dass es - wenn ernst genommen - den Weltfrieden gefährde, da die (scheinbaren) Wege dorthin immer gewaltsam abgekürzt worden seien, oder schärfer: nie anders als durch massenhafte Unterdrückung erreicht werden könnten.
Andererseits werden von trotzkistischer Seite die stalinistische Engstirnigkeit für den Nichteintritt der Weltrevolution verantwortlich gemacht, und andere Prozesse hin zur Weltrevolution für voraussagbar bzw. andere Wege für begehbar gehalten.
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