050628-elbtal-vom-luisenhof.jpg Das Dresdner Elbtal (auch in der Schreibweise Dresdener Elbtal) ist eine großstädtische Kulturlandschaft, die vom Menschen verschiedenartig genutzt und überformt wurde. Begrifflich grenzt sich dieser Teilabschnitt des Elbtals von der Dresdner Elbtalweitung bzw. der Stadt Dresden als ein vorrangig kulturgeographischer Begriff ab. Das Dresdner Elbtal entwickelte sich seit der Renaissance und erlangte besondere Bedeutung durch die Aufnahme in die Liste der Stätten des Weltkulturerbes der UNESCO im Juli 2004. Seit dem 11. Juli 2006 steht das Weltkulturerbe Dresdner Elbtal auf der Roten Liste der gefährdeten Welterbestätten.
Der Kulturraum liegt in einem enge Bereich des Elbtalkessels an der Elbe, der in Mäandern durchflossen wird. Im Norden wird die Elbe dabei teilweise vom bewaldeten Elbhang begrenzt. Da das Elbtal klimatisch begünstigt ist, wird am Elbhang an mehreren Stellen Wein angebaut. Bis in die Gegenwart durften auch auf Grund weiterer Aspekte wie dem Hochwasserschutz weite Teile der Kulturlandschaft nicht bebaut werden. Durch diese Stadtplanung konnten die weitläufigen Grünflächen des Dresdner Elbtals erhalten werden und wurden in die Struktur der näheren Stadtteile einbezogen.
Die Pufferzone beinhaltet sowohl die Innere Altstadt als auch die Innere Neustadt, also die historische Innenstadt Dresdens. Wenige Dorfkerne, die Bestandteile sind, liegen außerhalb der beiden Zonen, so zum Beispiel der Pieschens.
Die UNESCO sieht zur Bewertung von Kultur- oder Naturgüter verschiedene Kriterien vor. Von diesen erfüllt das Dresdner Elbtal die Kriterien ii, iii, iv und v. Die Erfüllung begründet die UNESCO wie folgt Erläuterungen der UNESCO (Aus dem Englischen übersetzt):
Aus der letzten Begründung ergibt sich die Interpretation der „sich entwickelnden Kulturlandschaft“ deren Entwicklungscharakter bis hin zur Gefährdung der gesamten Landschaft diskutiert wird.
Erwähnenswert bleibt, dass die aufgebaute Dresdner Innenstadt alleine nicht in die Liste aufgenommen werden könnte. Einzig die Flusslandschaft gilt als original erhalten und erfüllt damit das Hauptkriterium.
Das Dresdner Elbtal schließt verschiedene Stadtteile ein. Dazu zählen neben der Altstadt von Dresden gleichfalls zahlreiche alte Dorfkerne aus der Zeit der sorbischen Besiedlung auf beiden Seiten der Elbe. Die erwähnten Dorfkerne sind in Söbrigen, Oberpoyritz, Pillnitz, Hosterwitz, Niederpoyritz, Laubegast,Wachwitz, Loschwitz und Blasewitz oberhalb der Innenstadt sowie in Pieschen, Mickten und Übigau flussabwärts gelegen. Daneben gibt es noch weitere Dorfkerne in der Pufferzone, so Kleinzschachwitz oder Tolkewitz.
Einige Dorfkerne wie der von Blasewitz, Pieschen und Mickten sind während der Industrialisierung und vor allem während der Gründerzeit nach heutigem Ermessen suburban um- und überbaut wurden. Dennoch sind diese Kerne noch erhalten, wenn auch teilweise verkleinert. Eine Besonderheit ist der erhaltene Dorfkern in der Wilsdruffer Vorstadt, der im innerstädtischen Vorstadtgürtel liegt. In Blasewitz ist der Schillerplatz am Blauen Wunder ein Beispiel für die Entwicklung der Stadtteile in der Gründerzeit.
Striesen schließt die Lücke zwischen Blasewitz und Johannstadt. Weitere Teile des Vorstadtgürtels im Dresdner Elbtal sind die Pirnaische Vorstadt, die Radeberger Vorstadt, die Wilsdruffer Vorstadt und die Friedrichstadt.
Das Dresdner Elbtal ist mit den Elbwiesen Bestandteil der nach barocken stadtplanerischen Vorstellungen erbauten Inneren Neustadt. Diese wurde nach einem Stadtbrandt bis 1732 als „Neue Königliche Stadt“ angelegt und baut sich halbkreisförmig um den zentralen Albertplatz auf. Der Elbbogen vor der Dresdner Altstadt wurde dabei als Formgeber aufgenommen. Die Elbwiesen und das Königsufer sind für diesen sektorähnlichen Stadtteil die äußerste Begrenzung.
Pillnitz panorama.jpg Ebenfalls Bestandteile der Kulturlandschaft sind erhaltene Technische Denkmäler wie das Blaue Wunder, das Wasserwerk Saloppe oder der Erlweinspeicher sowie die Yenidze, die in die Fläche eingeschlossen sind. Die bekannten Bauwerke der Innenstadt wie der Zwinger, die Brühlschen Terrasse, die Semperoper, das Japanische Palais und die Frauenkirche sind in der Betrachtung des Weltkulturerbes eher zurückgestellt, da sie teilweise nicht im Original erhalten sind.
Durch die Charakterisierung als "sich entwickelnder Kulturraum" wurde der Stadt Spielraum zur weiteren - auch modernen - Bebauung der Gebiete gelassen. Schon jetzt befinden sich mit der Synagoge und dem Landtag zwei Gebäude in der Kernzone des Kulturerbes, die in modernen Bauweisen errichtet sind. Neben diesen „Leitbauten“ der Moderne in der Innenstadt entstehen auch in den umliegenden Stadtteilen vor allem in Blasewitz und Striesen moderne Villen und Zweckbauwerke, wie sie für die Gegenwart typisch sind.
Elbe kleinzschachwitz 20060623 1.jpg]]
Nicht zuletzt liegt die Kulturlandschaft in einem überregionalem Wirtschaftszentrum und wird dabei alltäglich von Pendlerströmen durchquert, wie sie für Metropolen wie Dresden typisch sind. Wichtige Verkehrswege wie die Ferneisenbahnstrecke nach Leipzig und die fünf Straßenbrücken verlaufen durch das Dresdner Elbtal. Der Konflikt zwischen Kulturlandschaft und Nutzung für den kreuzenden Verkehr entwickelte sich schon wenige Monate nach der Ernennung zur Gefährdung des UNESCO-Status.
Die Auswirkungen auf das Weltkulturerbe sind sehr unterschiedlich. Durch Tourismus belastet und genutzt sind vor allem die bekannten Anziehungspunkte in Pillnitz, die Bergbahnen und Blasewitz. Andere Teile wie die vielen Dorfkerne sind dagegen fast unberührt und werden touristisch nur beläufig wahrgenommen. Der Elberadweg auf südlicher Elbseite wird von Einheimischen und Touristen gleichermaßen zur Naherholung und als Verkehrsweg genutzt. Für Touristen ist er besonders reizvoll für Radtouren in die Sächsische Schweiz. Eine Überbauung der lockeren Struktur durch Hotelkomplexe blieb bisher aus und ist auch nicht geplant, so dass in den vielen Vororten kleine Gasthöfe, Pensionen und Gästezimmer die Gastronomie beherrschen.
An der breitesten Stelle der Elbwiesen soll die Elbe durch eine vierspurige Straßenbrücke, der Waldschlößchenbrücke, gequert werden. Zwar sei das Welterbe-Komitee über eine geplante Brücke informiert gewesen, zu Standort und Ausmaßen wurden jedoch offenbar falsche Angaben gemacht. Der Standort wurde im Gutachten, das die UNESCO unabhängig von der Stadt Dresden in Auftrag gab, falsch angegeben. Das Ausmaß der Brücke änderte sich nach dem Elbehochwasser 2002, nach dem die ursprüngliche flachere Lösung verworfen wurde. Das Welterbe-Komitee hat daher im November 2005 genauere Informationen über das geplante Bauwerk von der Stadt Dresden angefordert.
Anfang 2006 bezeichnete der Dresdner Oberbürgermeister Ingolf Roßberg die Bedenken der UNESCO lediglich als Kommunikationsproblem. Entgegen der Empfehlung der Welterbekommision bestand er auf einen Baubeginn im März 2006, noch bevor die UNESCO über dieses Thema beraten will. Daraufhin ließ der Direktor des Welterbezentrums Francesco Bandarin gegenüber der Lokalen Zeitung verlauten, dass die Brücke in dieser Form keinesfalls akzeptabel sei. Die Deutsche UNESCO-Kommission in Bonn wertete die Aussagen als „Affront“. Der stellvertretende Generalsekretär der Organisation, Dieter Offenhäußer sagte „Das wird Folgen für die Entscheidung der UNESCO haben und lässt Schlimmes ahnen.“ Nach deutschlandweiter Kritik und Besuch vom Auswärtigen Amt wurde der Baubeginn der Brücke ausgesetzt, um die Entscheidung der UNESCO bezüglich der Gefährdung abzuwarten. Seit dem Konflikt mit der UNESCO wird auch die Tunnelvariante an selber Stelle als Alternative (wieder) erörtert.
Im April 2006 wurde das von der UNESCO geforderte unabhängige Gutachten des Aachener Stadtplaners Kunibert Wachten veröffentlicht. Er bescheinigt der Brücke gravierende negative Auswirkungen auf das Elbtal, vor allem auf Sichtbeziehungen und den Gesamteindruck. „Die Waldschlößchenbrücke zerschneidet den zusammenhängenden Landschaftsraum des Elbbogens an der empfindlichsten Stelle und teilt ihn irreversibel in zwei Hälften. Die visuellen Auswirkungen der projektierten Waldschlößchenbrücke seien gravierend und bedeuteten eine irreversible Schädigung der besonderen Qualitäten des Elbtals“, so der Inhalt laut der Sächsischen Zeitung. Seit Jahrzehnten nimmt auch Tourismus und Hotelerie einen hohen Stellenwert als wirtschaftliche Nutzung der Kulturlandschaft ein. Einige Hotelanlagen liegen städtebaulich integriert oder sogar in denkmalgeschützten Anlagen in der Kernzone der Landschaft.
Am 11. Juli 2006 entschied das Welterbekomitee der UNESCO, das Dresdner Elbtal wegen der Brücke in die Rote Liste gefährdeter Stätten einzutragen. Deutschland und die Stadt Dresden wurden aufgefordert, den Brückenbau nicht durchzuführen sondern Alternativen zu suchen und vorzuschlagen. Wird die Brücke tatsächlich gebaut, droht die UNESCO mit der Aberkennung des Titels. Das Welterbekomitee sah die Gefährdung als sehr akut an, da Dresden bereits gemäß EG-Vergaberecht die Ausführung plante.
Für die Brücke entschied ein Bürgerentscheid im Februar 2005. Die Probleme mit der UNESCO waren damals noch unbekannt. Durch die Aufnahme in die rote Liste steht der Bürgerentscheid dem gleichwertigen Stadtratsbeschluss zum Eintrag des Elbtales in die Liste des Welterbes entgegen. Die Stadtverwaltung richtete sich bisher nach dem Bürgervotum und besteht auf dem Bau.
Auch in den Gebieten des Welterbes gibt es Probleme im Erhalt von Kulturdenkmälern. Die zahlreichen Dorfkerne und Villen wurden in den letzten 15 Jahren und auch schon vorher durch Investition der Besitzer und Bewohner sowie durch staatliche Förderung erneuert und erhalten. In einigen Stadtteilen wie Blasewitz, Loschwitz und am Weißen Hirsch begründet der kulturelle Wert der Denkmäler den herausragenden Wert der Wohnlagen. In diesen Teilen findet ein Erhalt von Denkmälern also schon aus rein wirtschaftlichen Gründen statt.
Einzelne Objekte wie das Schloss Wachwitz oder das Schloss Übigau verfallen dagegen in den letzten Jahren, da Besitzansprüche unklar waren und sich für die großen Anlagen kein Investor findet. Auch die Ernennung zum Weltkulturerbe und damit die erhoffte Wertsteigerung der Objekte konnte daran nichts ändern. Das Gefährdung dieser Objekte steht außerdem im Schatten der Diskussion um die Waldschlößchenbrücke.
Tal | Weltkulturerbe in Deutschland | Kultur (Dresden) | Natur, Landschaft und Gewässer (Dresden)
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Weltkulturerbe Dresdner Elbtal".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world