Als Welle bezeichnen wir eine sich ausbreitende Schwingung. Bekannt sind vor allem Schallwellen, Wasserwellen und elektromagnetische Wellen, in Form von Radiowellen und Licht. Wellen können als periodische Wellen (klingender Ton) oder als Stoßwellen (Knall) auftreten. Die wichtigsten Eigenschaften einer Welle sind ihre Amplitude (Lautstärke), ihre Phasengeschwindigkeit (Schallgeschwindigkeit) und Frequenz bzw. Wellenlänge (Tonhöhe bei Schall, Farbe bei Licht, usw.).
Pendelmodell
Ein Pendel führt, wenn man es anstößt, Schwingungen aus. Breiten sich die Schwingungen in einem Medium (z. B. Luft, Wasser) aus, so entsteht eine Welle. Diesen Vorgang kann man an folgendem Beispiel gut veranschaulichen:
Als Quelle dient ein schwingendes Pendel, an dessen unterem Ende ein Bleistift befestigt ist. Das Medium, in dem sich die Welle ausbreitet, ist ein Papierstreifen, der mit gleichmäßiger Geschwindigkeit unter dem Pendel durchgezogen wird. Der am Pendel befestigte Bleistift beschreibt nun auf dem Papierstreifen eine sinusförmige Welle. An diesem Beispiel ist die Wellenlänge (Lambda) abhängig von der Geschwindigkeit, mit der der Papierstreifen bewegt wird. Die Amplitude der Welle wird durch den maximalen Pendelausschlag bestimmt.
Verkoppelte Oszillatoren
Ein einzelnes
Pendel führt, wenn man es anstößt,
Schwingungen aus. Verbindet man nun mehrere nebeneinander befindliche Pendel durch Gummifäden und stößt ein Pendel an, so werden durch die Gummifäden auch die benachbarten Pendel in Schwingung versetzt, während das anfangs angestoßene Pendel dadurch wieder gebremst wird. So kommt das erste Pendel recht bald wieder zur Ruhe während sich nun weiter entfernte Pendel in Bewegung befinden.
In diesem Modell sind die Pendel das Medium, in dem sich die Welle ausbreitet. Ein einzelnes Pendel ist ein Teilchen dieses Modell-Mediums. Die Gummifäden stellen die Kopplung zwischen den Teilchen dar. Die Fortpflanzung oder Ausbreitung der Pendelbewegung ist die eigentliche Welle.
Der Informationstransport besteht hierbei in der Tatsache, dass ein Beobachter eines entfernten Pendels einen Ausschlag sieht, nachdem das erste Pendel angestoßen wurde (wenn auch mit einem messbaren Zeitversatz).
Der Energietransport ist zu verstehen, wenn man neben einem entfernten Pendel eine Kugel ablegt. Nun kann man durch Anstoßen des ersten Pendels die Kugel am entfernten Pendel (wiederum nach kurzer Zeit) in Bewegung versetzen.
Wellentypen
Wellen entspringen zumeist dem von
Lagrange untersuchten Wechselspiel zwischen potentieller und kinetischer
Energie. Zwei unterschiedliche Größen, meist
Energieformen, werden dabei ineinander umgewandelt, z. B.:
Druck und Bewegung (
Kinetische Energie) bei der Schallwelle,
Lageenergie und Bewegung bei der
Wasserwelle,
Magnetfeld und
elektrisches Feld bei der
Radiowelle. Sie können nach folgenden Kriterien klassifiziert werden.
Wellen.png
Mathematische Beschreibung
Wellenfunktion
Von Wellen spricht man bei Phänomenen, die der
Wellengleichung (oder einer ihrer
Derivate wie der
Schrödingergleichung) genügen. Deren Lösungen sind Funktionen von der Gestalt
-
Dabei gibt
die Auslenkung am Ort
zur Zeit
an. Funktionen dieses Typs entsprechen der Vorstellung, dass Wellen räumlich ausgedehnte Schwingungen sind.
Eine allgemeine Funktion für jede Art von Welle anzugeben ist dabei nicht ohne weiteres möglich. Häufig werden daher sehr einfache Lösungen der Wellengleichung herangezogen und die reale Welle als eine
Überlagerung von vielen dieser Lösungen angesehen. Die gebräuchlichsten Elementarlösungen sind die
Ebene Welle und die
Kugelwelle.
- Ebene Welle
- Diese zeichnen sich durch ihre ebenen Wellenfronten aus. Beispielsweise erzeugt ein Wellenbad Wasserwellen mit ebener Front. Die mathematische Formulierung für eine sinusförmige Welle im dreidimensionalen Raum schaut in komplexer Schreibweise so aus:
-
- Eine Erläuterung der verwendeten Größen folgt weiter unten. Anschaulicher wird diese Formel für den Fall einer sich in -Richtung ausbreitenden Welle:
-
- Kugelwelle
- Wellen dieser Art haben kugelförmige Wellenfronten. Ein Stein, der ins Wasser fällt, erzeugt solche Wellen. Die mathematische Formel für Kugelwellen lautet:
- ,
- mit
Physikalische Interpretation
| Bezeichnung
| Symbol
| Beziehungen
|
| Amplitude
|
|
| {|
|
| Transversalwelle
|-
|
| Longitudinalwelle
|}
| Wellenvektor
|
| Ausbreitungsrichtung
|
| Wellenzahl
|
| k= >\mathbf k |
| Wellenlänge
|
|
|
| (Kreis-)frequenz
|
| Dispersionsrelation
|
| Frequenz
|
|
|
| Phasengeschwindigkeit
|
|
|
| Gruppengeschwindigkeit
|
|
|
| Phase
|
|
|
Generell setzt sich eine Welle aus zwei Bestandteilen zusammen: Der Amplitude und der Phase.
Amplitude
Die Amplitude ist die maximale mögliche Auslenkung der Welle. Sie ist bei Wellen – im Gegensatz zu Schwingungen – eine
vektorielle Größe, da neben der Stärke der Auslenkung auch deren Richtung entscheidend ist. Ist die Ausbreitungsrichtung parallel zur Amplitude, so spricht man von einer Longitudinalwelle, ist sie senkrecht, von einer Transversalwelle. In beiden Fällen ist die Intensität der Welle proportional zum Amplitudenquadrat.
Phase
Die Phase einer Welle gibt an, in welchem Abschnitt innerhalb einer Periode sich die Welle zu einem Referenzzeitpunkt und -ort befindet. Sie legt also fest, wie groß die Auslenkung ist. Im Beispiel einer ebenen Welle ist
-
die Phase zum Zeitpunkt
am Ort
. Wie sich hieran erkennen lässt, hängt die Phase von zwei Parametern ab – dem
Wellenvektor und der
Kreisfrequenz (
omega).
- (Kreis-)Frequenz
- Die Frequenz ist ein Maß für Anzahl der Schwingungen pro Zeiteinheit. Hat die Welle eine Periodendauer , so lautet die Frequenz :
-
- Häufig wird jedoch auch die Kreisfrequenz kurz als Frequenz bezeichnet.
- Wellenvektor
- Im Wellenvektor stecken zweierlei Informationen. Die Richtung des Vektors gibt die Ausbreitungsrichtung der Welle an (z. B. radiale Richtung bei Kugelwellen). Den Betrag des Vektors nennt man auch Wellenzahl, diese hat einen einfachen Zusammenhang mit der Wellenlänge (lambda):
-
- Die Wellenlänge ist die räumliche Distanz zwischen zwei Punkten, bei denen sich die Welle wiederholt. Die Wellenzahl kann man folglich als eine Art „räumliche Frequenz“ ansehen.
Frequenz und Wellenvektor einer Welle sind abhängig voneinander. Den Zusammenhang
-
bezeichnet man als
Dispersionsrelation. Diese hängt von der Wellenart wie auch dem Medium, in dem sich die Welle ausbreitet, ab. Aus der Dispersionsrelation leitet sich die
Ausbreitungsgeschwindigkeit der Welle ab. Man unterscheidet hierbei zwischen
Phasen- und
Gruppengeschwindigkeit.
Überlagerung von Wellen
Wave mono.png |
ANI Stehende Welle.gif |
Beating Frequency.svg |
Wave gauss.png
In der Natur vorkommende Wellen sind in den seltensten Fällen reine
monochromatische Wellen, sondern eine Überlagerung aus vielen Wellen unterschiedlicher Wellenlängen. Die Anteile der Wellenlängen werden als
Spektrum bezeichnet. Beispiele:
- Sonnenlicht ist eine Überlagerung aus elektromagnetischen Wellen. Das Spektrum umfasst einen Wellenlängenbereich von Infrarot über sichtbares Licht bis Ultraviolett. Derartige Spektren bezeichnet man auch als kontinuierlich.
- Ein Musikton eines Instrumentes setzt sich zusammen aus einem Grundton und mehreren Oberschwingungen. Die unterschiedlichen Anteile an Oberschwingungen sind der Grund warum eine Posaune anders klingt als eine Flöte. Ein solches Spektrum heißt diskret, da es sich nur aus einzelnen Wellenlängen zusammensetzt.
Mathematisch gesehen ist die Wellenfunktion einer Überlagerung zweier Wellen lediglich die
Addition von deren Wellenfunktionen. Man bezeichnet dies als
Superpositionsprinzip. Dabei kann es zu folgenden Effekten kommen:
- Interferenz
- Überlagert man Wellen, so kann es zu einer konstruktiven Verstärkung, aber auch zu einer teilweisen oder gar totalen Auslöschung der Welle (wenn beide Wellenlängen und Frequenzen gleich sind und die Wellen genau gegenläufig schwingen) kommen. Dieses Phänomen spielt im Alltag beim Radio eine Rolle – benachbarte Funkzellen strahlen einen Sender auf verschiedenen Frequenzen aus, um Interferenzen im Überlappungsbereich zu vermeiden.
- Stehende Welle
- Bei Überlagerung zweier sich gegenläufig ausbreitender Wellen derselben Frequenz und Amplitude kommt zur Ausbildung von stehenden Wellen. Diese breiten sich nicht aus, sondern bilden räumlich konstante Schwingungsmuster: An den sogenannten Bewegungsbäuchen schwingen sie mit der verdoppelten Amplitude und der ursprünglichen Frequenz, an den dazwischenliegenden Bewegungsknoten ist die Amplitude zu allen Zeiten Null. Diese Erscheinung ist ein Sonderfall der Interferenz. Sie tritt insbesondere vor einer reflektierenden Wand auf oder auch zwischen zwei passend abgestimmten Wänden, die gemeinsam einen Resonator bilden.
- Schwebung
- Eine Überlagerung zweier Wellen von benachbarter Frequenz führt zu einer Schwebung. Die Amplitude einer solchen Welle nimmt periodisch zu und ab – je näher die Frequenzen beieinander liegen, desto (zeitlich) langsamer geschieht dieser Vorgang. Dieser Effekt wird beispielsweise beim Stimmen von Musikinstrumenten ausgenutzt. Man findet Schwebungen auch bei älteren Telefonaparaten, die einen Wecker mit 2 Glockenschalen haben. Diese Schwebung empfindet der Mensch als angenehm.
- Wellenpaket
- Die Überlagerung von Wellen mit allen Frequenzen aus einem Intervall erzeugt ein Wellenpaket. Hierbei zeigt die Einhüllende der Welle nur einen einzelnen Berg, vor und hinter diesem ist die Amplitude Null. Da die Ausbreitungsgeschwindigkeit einer Welle – insbesondere in Medien – häufig frequenzabhängig ist, laufen solche Wellenpakete mit fortschreitender Zeit auseinander. Bei der Nachrichtenübermittlung mit Lichtpulsen über Glasfaserkabel muss dieses berücksichtigt werden.
Beispiele
Seegang:
Energieformen: Lageenergie des Wassers und Bewegungsenergie des Wassers.
Sonderfall: Bei Überlagerung zweier Wellenzüge ähnlicher
Amplitude (das heißt hier: Wellenhöhe) aus unterschiedlicher Richtung spricht man von
Kreuzsee, wobei sich zeitweise auch
stehende Wellen (siehe oben) ausbilden können.
Schallwellen:
Energieformen: Druck und Schnelle der Luft.
Elektromagnetische Wellen (z. B. Licht):
Energieformen: elektrische und magnetische Feldenergie. Eine vollständige Beschreibung elektromagnetischer Wellen ist nur anhand von Wellen- und Teilcheneigenschften im Rahmen des Welle-Teilchen-Dualismus auch Teilchencharakter möglich.
Autowellen
Energieformen: Ionenströme an biologischen Membranen und Redoxreaktionen in chemischen Diffusions-Reaktions-Gemischen
Medien
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