Die Welfen sind ein ursprünglich fränkisches Adelsgeschlecht mit europäischer Bedeutung, das seit dem 8. Jahrhundert bekannt ist und bis zur Novemberrevolution von 1918 monarchische Funktionen ausübte. Sie hatten ihren Machtzenit zum einen im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation im 12. Jahrhundert als Gegenpart zu den Staufern, zum anderen im 18. und 19. Jahrhundert als Könige von Großbritannien (Haus Hannover).
Am 6. Februar 1981 starb die damals 63 Jahre alte Königin Friederike von Griechenland, die vorerst letzte Welfin auf einem Thron. Ihr Neffe Ernst August von Hannover (* 1954), Ehemann von Prinzessin Caroline von Monaco, ist zur Zeit Oberhaupt der Welfen-Familie.
Welfen regierten:
| Die wichtigsten Mitglieder der Familie | ||
| in der Geschichte des Westfrankenreichs und des Königreichs Burgund | ||
| Name | Herrschaft | Bemerkungen |
|---|---|---|
| Hugo Abbas | († 866) Erzieher der Könige Odo und Robert I.) | |
| Rudolf I., König von Hochburgund | 888 – 912 | |
| Rudolf II., König von Hochburgund | 912 – 937 | König von Italien 922–926, von Niederburgund ab 930 |
| Konrad III. der Friedfertige, König von Burgund | 937/951 – 993 | |
| Rudolf III., König von Burgund | 993 – 1032 | |
| in der Geschichte des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation | ||
| Name | Herrschaft | Bemerkungen |
| Welf III., Herzog von Kärnten | 1047 – 1055 | |
| Welf IV., Herzog von Bayern | 1070 – 1077 und 1097 – 1101 | |
| Welf V., Herzog von Bayern | 1101 – 1120 | |
| Welf VI., Herzog von Spoleto | 1152 – 1191 | |
| Heinrich der Schwarze, Herzog von Bayern | 1120 – 1126 | |
| Heinrich der Stolze, Herzog von Bayern ________________ Herzog von Sachsen | 1126 – 1138 1137 – 1139 | |
| Heinrich der Löwe, Herzog von Sachsen _______________ Herzog von Bayern | 1142 – 1180 1156 – 1180 | |
| Otto IV., deutscher König, ab 1209 Kaiser | 1198 – 1218 | |
| in der Geschichte Großbritanniens | ||
| Name | Herrschaft | Bemerkungen |
| Georg I., König | 1714 – 1727 | |
| Georg II., König | 1727 – 1760 | |
| Georg III., König | 1760 – 1820 | |
| Georg IV., König | 1820 – 1830 | |
| Wilhelm IV., König | 1830 – 1837 | |
| Viktoria, Königin | 1837 – 1901 | |
| in der Geschichte Hannovers | ||
| Name | Herrschaft | Bemerkungen |
| Ernst August, Kurfürst | 1679 – 1698 | |
| Georg I. Ludwig, Kurfürst | 1698 – 1727 | |
| Georg II., Kurfürst | 1727 – 1760 | |
| Georg III., König | 1760 – 1820 | |
| Georg IV., König | 1820 – 1830 | |
| Wilhelm, König | 1830 – 1837 | |
| Ernst August, König | 1837 – 1851 | |
| Georg V., König | 1851 – 1866 | |
Bei den Welfen wird zwischen den älteren und den jüngeren Welfen unterschieden, bei den älteren zudem zwischen den burgundischen (auch Rudolfinger genannt) und schwäbischen Welfen, deren Stammburg bei Weingarten (Altdorf) im Schussental lag. Der verwandtschaftliche Zusammenhang zwischen diesen beiden Linien ist allerdings nur wahrscheinlich, aber nicht gesichert.
Nach der Familienlegende führen die Welfen ihren Stammbaum bis auf Edekon zurück, einen hunnischen oder skytischen Fürsten zur Zeit Attilas um 450 und Vater des Odoaker (siehe unten). Die gesicherte Stammreihe der Familie beginnt jedoch erst mit Graf Welf I. (819 bezeugt). Ihm gelang es, seine Machtposition durch die Verheiratung seiner beiden Töchter Judith († 843) und Hemma († 876) mit den Karolingern Ludwig dem Frommen († 840) bzw. Ludwig dem Deutschen († 876) auszubauen und zu festigen.
Welfs Sohn Konrad begründete die burgundische Linie der Welfen, die im Jahr 888 den Thron des Königreichs Burgund (Hochburgund) bestieg und 1032 mit Rudolf III. erlosch.
Welf II., wahrscheinlich ein weiterer Sohn Konrads, wurde Graf im Linzgau und Alpgau und ist der Stammvater der schwäbischen Welfen, wobei die familiären Zusammenhänge nicht nur zwischen ihm und Konrad, sondern auch zwischen ihm und seinen Nachkommen nicht gesichert sind. Erst mit Rudolf I., der 935 bezeugt ist, und seinem Bruder Konrad, der als Heiliger Konrad von Konstanz bekannt ist, und die beide Urenkel Welfs II. sein können, setzt gesicherte Information wieder ein.
Name und Besitz der Welfen ging auf den Sohn seiner Schwester Kunigunde oder Kunizza über, die etwa zwanzig Jahre zuvor den italienischen Markgrafen Alberto Azzo II. d'Este geheiratet hatte; er ist der Stammvater der jüngeren Welfen.
Welf IV., der Sohn Kunigundes und Alberto Azzos wurde im Jahr 1070 von König Heinrich IV. zum Herzog von Bayern ernannt. Mit ihm und seinen Söhnen Welf V. und Heinrich der Schwarze begann die Zeit, in der die Familie im Kaiserreich in der Opposition gegen die Staufer die zentrale Rolle spielte, insbesondere, nachdem Heinrich durch seine Ehe mit der Billungerin Wulfhild die Machtstellung der Welfen in Sachsen begründete, sowie beider Sohn Heinrich der Stolze durch seine Ehe mit Gertrud von Sachsen, der einzigen Tochter des Kaisers Lothar III., gegen Ende seines Lebens zusätzlich den Titel eines Herzogs von Sachsen erwarb.
Der sich aufgrund dieser Position andeutende Schritt zum Königtum gelang den Welfen jedoch nicht. Anstelle Heinrichs wurde 1138 der Staufer Konrad III. gewählt - Heinrichs Machtfülle und sein Temperament erschienen den anderen Fürsten zu bedrohlich. Als Konrad von Heinrich den Verzicht auf eines seiner beiden Herzogtümer verlangte, kam es zum Streit, der Verhängung der Reichsacht über Heinrich und dem Entzug beider Herzogtümer. Zwar konnte Heinrich Sachsen gegen alle Angriffe bewahren, er starb aber bereits ein Jahr später (1139), noch ehe er das 32. Lebensjahr vollendet hatte.
Nach dem Tod Heinrichs des Stolzen übernahm zunächst sein Bruder Welf VI. die Führung des Hauses und die Verwaltung der welfischen Stammgüter in Schwaben, da Heinrich der Löwe, der einzige Sohn Heinrichs des Stolzen, noch nicht volljährig war. 1142 gelang es ihm, von Konrad III. die Rückgabe des Herzogtums Sachsen an Heinrich den Löwen zu erreichen.
Schon um 1120 war Judith, die Schwester Heinrichs des Stolzen und Welfs VI., mit Friedrich von Staufen, Herzog von Schwaben, verheiratet worden, um einen Ausgleich zwischen Staufern und Welfen zu bewirken. Aus dieser Ehe ging der spätere Kaiser Friedrich Barbarossa hervor, der 1151 eine Versöhnung zwischen seinem Onkel Konrad III. und seinen welfischen Vettern bewirken konnte (Konrad war 1152 gestorben und Friedrich sein Nachfolger), durch die Heinrich der Löwe 1156 auch das Herzogtum Bayern zurückerhielt, Welf VI. wurde Herzog von Spoleto und damit der mächtigste Mann im italienischen Reichsteil, da er aufgrund seiner Verwandtschaft mit dem Hause Este auch über Sardinien und als Markgraf über Tuscien herrschte. In der Tübinger Fehde (1164–1166) zeigte sich die Abhängigkeit des Kaisers von den Großen des Reiches genauso, wie die Komplexität der Herrscher-Beziehungen, die nicht auf den staufisch-welfischen Gegensatz zu reduzieren ist. Als 1167 aber sein einziger Sohn Welf VII. an der Malaria starb, verlor er das Interesse an der Politik und vermachte Friedrich I. Barbarossa durch Erbvertrag die welfischen Hausgüter in Schwaben, namentlich Ravensburg und Altdorf.
In der Folge kam es zu neuerlichen Konflikten zwischen dem Kaiser und seinem Vetter Heinrich der Löwe, im Verlauf derer dieser nicht nur seine Herzogtümer Bayern und Sachsen verlor (1179 Reichsacht, 1180 Aberkennung der Reichslehen), sondern nach England zu seinen Verwandten aus dem Hause Plantagenet ins Exil gehen musste – seine Frau war die Schwester von Richard Löwenherz. Die Macht der Welfen in Deutschland war gebrochen, das Herzogtum Bayern fiel an die Wittelsbacher, die dort bis 1918 regierten.
Nach einer Versöhnung mit dem Kaiser 1194 erhielt er zwar einen Teil seiner Güter und Titel zurück, der Kampf zwischen Staufern (verbündet mit dem französischen Königshaus der Kapetinger und mit Aragon) und Welfen (verbündet mit dem Haus Anjou-Plantagenet) dauerte aber fort, spiegelt sich vor allem in den inneritalienischen Auseinandersetzungen der kaisertreuen und der papsttreuen Partei der Ghibellinen und Guelfen wider.
Ein letztes Aufflackern der welfischen Opposition war die Wahl Ottos IV., Sohn Heinrichs des Löwen, 1198 zum Gegenkönig zu Philipp von Schwaben. Nach dessen Ermordung 1208 wurde Otto 1209 durch Papst Innozenz III. zum ersten und einzigen welfischen Kaiser des Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gekrönt, schon kurz darauf aber wegen seines Versuchs, Sizilien ins Reich einzugliedern, unter Kirchenbann gestellt. 1214 unterlag Otto in der Schlacht bei Bouvines dem französischen König Philipp II. August und dem Staufer Friedrich II., der 1215 zum Gegenkönig gewählt wurde. Otto IV. starb 1218 auf der Harzburg, Friedrich II. wurde sein Nachfolger.
Ottos IV. Bruder Wilhelm war seit 1202 Herr und seit 1208 Herzog von Lüneburg. Am 21. August 1235 wurde auf dem Hoftag zu Mainz von Kaiser Friedrich II. eine Landfriedensordnung erlassen, die die jahrzehntelangen Kämpfen zwischen Welfen und Staufern beendete. Wilhelms Sohn Otto das Kind, erhielt den in den Kämpfen behaupteten Allodialbesitz der Familie im Raum zwischen Lüneburg und Braunschweig als eigenständiges Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, das in der Folge noch vielfach geteilt und wiedervereinigt wurde.